Wenn Übersetzungen schlampen oder: die Hoffnung für Alle minimiert die Gnade

Montag war wieder so ein Tag. Ich lese die Tageslosung (für Leser aus dem nicht-evangelischen Sprachraum: Losungen haben nichts mit dem Kot von Tieren zu tun, sondern sind Bibelverse, die seit fast ewigen Zeiten von der Herrnhuter Brüdergemeine für jeden Tag ausgelost werden) und werde gepackt von der großartigen Kraft des Wortes Gottes. 2. Thessalonicher 1,11:

Deshalb beten wir auch allezeit für euch, dass unser Gott euch würdig mache der Berufung und vollende alles Wohlgefallen am Guten und das Werk des Glaubens in Kraft

Luther übersetzt so. Nicht ganz einfach zu verstehen. Ein Blick ins Griechische verrät: das ist ein Vers über die große Gnade Gottes, der eben nicht nur in der Rettung wirkt, sondern auch in der Heiligung. Ein Satz, der die notwendige Hingabe des Christen an Gott deutlich macht und ebenso deutlich macht: der Mensch ist es nicht, der vollendet und Frucht hervor bringt, sondern Gott selbst. Halleluja! Das tut einem Perfektionisten wie mir wirklich gut an einem solchen Morgen! Wie übersetzt es die Gute Nachricht? Sehr schön! Wie so oft (bei der neuen Guten Nachricht)

Im Blick darauf beten wir auch immer für euch. Wir bitten unseren Gott, euch würdig zu machen für das ewige Leben, zu dem er euch berufen hat. Durch seine Macht führe er alle eure guten Vorsätze und euer Wirken aus dem Glauben heraus zur Vollendung.

Gott macht würdig, er führt unser Wollen und Wirken in die Vollendung. Wie entlastend. Einem solchen Gott kann man sich nur bedingungslos anvertrauen. Das ist Gnade. Doch dann fällt mein Blick in die HfA, Hoffnung für Alle und für mich unverständlich wählt sie eine nicht sonderlich gut bezeugte Lesart aus dem kritischen Apparat bei Nestlé-Aland:

Deshalb beten wir immer wieder für euch, dass ihr so lebt, wie man es von Menschen erwarten kann, die von Gott auserwählt sind. Wir bitten Gott, dass es nicht bei eurem guten Willen bleibt, sondern dass ihr auch Taten folgen lasst. Alles, was ihr im Glauben begonnen habt, sollt ihr durch Gottes Kraft auch vollenden.

Und weg ist die Gnade. Der Mensch ist im Mittelpunkt, dieser Vers lässt mich nicht aufatmen, sondern macht mich klein. Wäre nicht das Anhängsel am Ende: durch Gottes Kraft – man könnte verzweifeln… – und sich im Jakobusbrief wähnen. Nun ist da nichts gegen zu sagen: ein Tritt in den Hintern hat noch keinem geschadet. Und Christen sollten denselben auch hochkriegen und den Glauben LEBEN! Fürwahr. Aber das auch nur, weil sie vorher Gnade und Liebe empfangen haben. Sonst wird die Sache hohl. Sonst verkümmert die frohe Botschaft. Hoffnung für Alle? An dieser Stelle lieber nicht. (leider finde ich auch die Volxbibel an dieser Stelle recht schwach, aber die hat ja auch nicht den Anspruch, Übersetzung zu sein…)

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17 Antworten zu “Wenn Übersetzungen schlampen oder: die Hoffnung für Alle minimiert die Gnade

  1. Dass in der HfA und manchmal auch in der GN die Gnade zu kurz kommt, wurde ja schon zu Beginn des Jahrzehnts kritisiert, guckstu z.B. hier:
    http://www.bible-only.org/german/bibeluebersetzungen.html

    Entlarvend war damals die Reaktion der Verlage. Die Bibelgesellschaft meinte, „die“ richtige Übersetzung gebe es sowieso nicht. Die HfA-Leute meinten, sie hätten alles richtig gemacht.

    Aber für den einzelnen Bibelleser, der sich jeden Tag neu nach Gottes Gnade sehnt, tut es natürlich jeden Tag neu wieder weh.

  2. Hi Andreas! Na, da stimme ich mal der Bibelgesellschaft zu – DIE Übersetzung gibt es schon deswegen nicht (genauso wie des DEN Urtext nicht gibt), weil wir eine fremde Sprache mit viel mehr Zwischentönen wie z.B. das Hebräische nur schwer ins Deutsche bringen können. Aber wir sind ja nicht biblizistisch und pochen auf den einzelnen Buchstaben, sondern auf die Kraft, die Gott durch sein Wort bei uns hat. Das entbindet natürlich nicht von sorgfältiger theologischer Arbeit. Und da ist die HfA mir einfach manchmal zu weit weg vom Textsinn. Trotzdem: das hier sollte kein pauschales HfA-bashing sein, ich kenne durchaus Einige, die großen Segen durch diese Übersetzung empfangen haben. Aber an dieser Stelle hat es mich schon massiv gestört…

  3. Einen noch etwas anderen Akzent setzt die „Neues Leben Bibel“:

    Wir hören nicht auf, für euch zu beten, dass unser Gott euch für das Leben bereit macht, zu dem er euch berufen hat. Und wir beten, dass Gott eure guten Absichten und das, was ihr aus dem Glauben heraus tut, mit seiner Kraft erfüllt.

    Gefällt mir auch.

  4. Hallo Andreas.
    ich freue mich über Deine Kritik. Selbst wenn wie Wegbegleiter behauptet, die HfA Menschen zum Segen wurde, ist es kein Grund, diese Übersetzung zu empfehlen oder sie gar gut zu heißen ( Hat #hier# ja „Gott sei Dank“ niemand getan!“) Es ist eh Gottes Gnade, wenn sich ein Mensch bekehrt.
    Diese Übersetzung ist nicht zu Ehren Gottes und ein tiefer Einschnitt in Sein Wort.
    Man lese in Offenbarung 22,7 ……..Glückselig, der da bewahrt die Worte der Weissagung dieses Buches! und 18Ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen hinzufügen, die in diesem Buche geschrieben sind; 19und wenn jemand von den Worten des Buches dieser Weissagung wegnimmt, so wird Gott sein Teil wegnehmen von dem Baume des Lebens und aus der heiligen Stadt, wovon in diesem Buche geschrieben ist.
    Ich denke schon, dass man diese Bibelstellen hier anwenden darf. Gilt für alle Übersetzungen der Heiligen Schrift, die willentlich verändert wurden…weil es ja auch noch meist einen völlig anderen Sinn ergibt als das „Original“ Muß man sich dann nicht wundern, wenn es so viele unterschiedliche Auslegungen gibt.
    Da mag ich wohl biblizischtisch sein – Bin ich dann gerne…
    Als ich anfing die Heilige Schrift zu lesen, habe ich die unrev. Elberfelder geschenkt bekommen…Es war sicher nicht immer einfach, lange Zeit – aber der Heilige Geist, der in jedem Gläubigen wohnt, gibt sich viel Mühe mit uns…denn ER schließt uns das Wort auf..wenn wir Ihn darum bitten und im Gehorsam und in der Nachfolge Christi leben…
    Psalm 119, 105Dein Wort ist Leuchte meinem Fuße und Licht für meinen Pfad
    Psalm 119, 162Ich freue mich über dein Wort wie einer, der große Beute findet.
    Wir halten mit der Heiligen Schrift, einen kostbaren Schatz in der Hand – ob wir uns das in unserem Land immer so bewußt sind, mag ich bezweifelen…aber Christen, die von sich behaupten, sollten sich auch ganz nah am Wort halten und sich nicht mit „Hilfsbibeln“ zufrieden geben. Es ist keine Hilfe, wenn man Gottes Wort verdreht – ausser für den Teufel…Der doch alles dran setzt, dass Gottes Wort verdreht wird.
    Sicher nicht zu unserem Vorteil.
    Meine Meinung dazu: „Ab in die Tonne!“

    LG

  5. @Karin: ich respektiere deine Meinung, aber bitte noch einmal Fakten wahrnehmen:

    es gibt nicht einmal DEN hebräischen und griechischen Grundtext, sondern „nur“ eine sehr gute Annäherung an die ursprüngliche Form. Schon von daher kann es keine perfekte Übersetzung geben.

    Dazu noch die Sprachbarriere – jede Übersetzung beinhaltet Veränderung und da es in der Bibel um den Sinn mehr geht als um den Buchstaben (Gott sei Dank!), ist eben eine möglichst wörtliche Übersetzung gar nicht immer die Beste. Natürlich kann ich wörtlich z.B. „die Gerechtigkeit Gottes“ übersetzen – aber was bedeutet das? Im Deutschen wird das von 90% der Menschen erst einmal vollkommen und krass falsch (nämlich juristisch bezogen auf einen gerechten Gott) verstanden.

    Eine wirklich gute Übersetzung hat diesen Transfer zu leisten. Und auch bitte: selbst die Elberfelder basiert auf Menschen und auf einer bestimmten Theologie. Also: es gibt nicht DEN Grundtext und nicht DIE Übersetzung.

    Trotzdem muss man sich Mühe geben, um dem Wort gerecht zu werden, sauber arbeiten und den Sinn nicht entstellen. Ich mahne nur zur Demut – wir haben Gott sei Dank kein muslimisches Schriftverständnis. Der Buchstabe tötet – der Geist macht lebendig.

  6. Hi Christof,
    ..und wiedermal ne Parallelerfahrung:
    (manchmal könnte man denken wir sprechen uns ab) 😉
    Beim Alphakurs am Mo. wurden -wie immer- die relevanten Bibelstellen von den Teilnehmern in verschiedenen Versionen vorgelesen und ich war da z.T. wirkl. entsetzt, was HfA sich so „rausnimmt“…

    naja, als alter Volxbibler sollte ich villt. nicht allzu entsetzt sein, aber wie du schon sagst, ist der Anspruch dort ein anderer…
    (Im Privatgebrauch bin ich nun vollends auf Elberfeld als No.1 umgestiegen und das nicht nur, weil ich meine Lutherbibel langsam in Fetzen gelesen habe…)

    Allerdings können wir auch einigermaßen entspannt mit solchen uns immer wieder vor die Linse laufenden Schwachstellen umgehen, denn es ist ja wohl eher ein „Privileg“ der Schriftgeleh… ääh -kundigen, bei sowas Bauchweh oder schlaflose Nächte zu erleben – daß jmd. deswegen vom Glauben abfällt oder gar nicht zu ihm durchdringt, ist wohl eher selten…

    andererseits steht ja eigentl. auch immer die ganze Theologie auf dem Prüfstand mit ihren heißdiskutierten „Kernfragen“, wie froh die Frohe Botschaft denn nun eigentl. ist…

    Naja – es sollen laut Heb.5,12ff die Fundamente nicht jedesmal neu gelegt werden, damit es auch mal weitergeht an der Nachfolge-Baustelle 🙂

    Segen

  7. Hallo Wegbegleiter,

    „Der Buchstabe (Gesetz) tötet“ bedeutet das Gesetz; und ich sehe nicht, wo ich gesetzlich geworden bin. Wenn du meinst, dass die unrev. bzw. die überarbeitet Elberfelder auf eine bestimmte Theologie basiert, dann darfst du keiner Übersetzung mehr trauen.
    Wenn eine Übersetzung das Wort Gottes verdreht, dann kann man sie nicht mehr als Heilige Schrift anerkennen.

    2Pt 1,19-21: „Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet.“
    2Tim 3,16 „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“
    Wie verstehst du diese Bibelstellen? Ich nehme sie wörtlich! Denn kein Mensch, hat das Recht, Sein Wort so zu übesetzen wie es im gefällt.

    Paulus schrieb an die Thessalonicher: 1. Th. 2,13
    „daß ihr, als ihr das von uns verkündigte Wort Gottes empfangen habt, es nicht als Menschenwort aufgenommen habt, sondern als das, was es in Wahrheit ist, als Gottes Wort, das auch wirkt in euch, die ihr gläubig seid“

    Diese Wort aus der Heiligen Schrift haben schon ihren Sinn – und haben sicher nichts mit „Buchstaben (dem Gesetz) zu tun…
    Eine zuverlässige Übersetzung muß die von Gott inspirierten Grundtextworte getreu wiedergeben – und dazu zähle ich nun mal die unrev. bzw. überarbeitete Elberfelder…aber auch die Schlachter 2000

    Folgendes hat ein Bruder (Ebertshäuser) geschrieben:

    „Ein Bibelstudium zu dem Begriff „Wort / Worte“ zeigt, daß es Gott in der Schrift auf den genauen Wortlaut Seiner Botschaft ankam, den die Propheten exakt weitergeben sollten und von denen sie weder etwas wegtun durften, noch etwas hinzufügen (vgl. u.a. 2Mo 34,27; 5Mo 4,2; Jos 8,35; Ps 12,7-8; Jer 26,2; Jer 36,1-19; Mt 4,4). Diese Grundhaltung der Ehrfurcht vor dem gegebenen Wort des lebendigen Gottes muß auch alles geistlich verantwortliche Bibelübersetzen bestimmen
    Die geistliche Forderung an eine gute Übersetzung muß also sein, daß die Worte des Originals so genau und getreu wie möglich wiedergegeben werden, daß jedes inspirierte Grundtextwort angemessen wiedergegeben wird, ohne Sinnverfälschung und eigenmächtige Hinzufügungen oder Weglassungen. Ein sinngemäßes Übersetzen darf nur dort gewählt werden, wo die wörtliche Übersetzung das Verständnis wirklich stark erschweren oder unmöglich machen würde, und auch das sinngemäße Übersetzen muß so nahe wie möglich am Urtext und den vorgegebenen Worten bleiben. Nötigenfalls sollten zusätzliche Informationen über den Originaltext in Anmerkungen bereitgestellt werden. Nur so kann eine Bibelübersetzung wirklich zur Belehrung, Erbauung und Anleitung der Gläubigen dienen. Nur so kann sich die göttliche Kraft und der Segen des inspirierten Wortes der Heiligen Schrift wirklich entfalten. Ohne Wortgebundenheit und Worttreue bringt uns eine Bibelübersetzung keinen geistlichen Nutzen und richtet im Gegenteil Schaden an.“

    Was ich nur unterstreichen kann!
    Alle anderen Übersetzungen sind mir vorsicht zu geniessen. So meine Ansicht – wenn das, was in Seinem Wort steht, stimmt und ich bin überzeugt, dass es dem so ist.

    Hier ein Beispiel:

    2. Mose 3,14

    Schlachter 2000:
    14 Gott sprach zu Mose: „Ich bin, der ich bin!“ Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: „Ich bin“, der hat mich zu euch gesandt

    Hoffnung für alle:
    14 Gott antwortete: „Ich bin euer Gott, der für euch da ist. Darum sag den Israeliten: ‚Ich bin für euch da’ hat mich zu euch gesandt.

    Gute Nachricht:

    14 Gott antwortete: „Ich bin da“, und er fügte hinzu: „Sag zum Volk Israel: ‚Der Ich-bin-da hat mich zu euch geschickt:

    Kommentiert von Ebertshäuser:

    Hier gibt uns die Schrift eine erhabene Selbstoffenbarung Gottes, der Mose auf die Frage nach Seinem Namen den bedeutungsvollen Namen mitteilt: „Ich bin, der ich bin“. Hiermit offenbart sich Gott als der ewig Seiende, als der Gott, der schon immer war, der aus sich selbst existiert und niemanden nötig hat. Diese göttliche Selbstoffenbarung wird von den selbsternannten „Verständlichmachern“ bei HFA in einer erschreckenden Weise verfälscht und auf die moderne menschenzentrierte Verständnisebene heruntergezogen: „Gott ist für mich da“. Das hat mit „Übersetzen“ nichts zu tun, denn Gott hätte das, was HFA schreibt, auf Hebräisch durchaus ausdrücken können – wenn Er das gemeint hätte. Die Aussage des inspirierten Urtextes ist genau das Gegenteil von dem, was HFA hineindeutet! Hier haben wir eine moderntheologisch gefärbte Verdrehung der Worte des lebendigen Gottes (vgl. Jer 23,36). Diese Verkehrung zeigt den weltlichen Geist des Humanismus in den modernen Übertragungen. Gott wird an den Menschen angepaßt. Die Formulierung der GN grenzt in ihrer Flapsigkeit und fehlenden Ehrfurcht an Gotteslästerung.

    So gibts noch viele Beispiele. Ich denke, wenn man wirklich worttreu sein möchte, kommt man nicht umhin, hier ganz besonders kritisch zu sein…
    Gott und Sein Wort sind heilig..Wir Menschen dürfen uns daher nicht anmaßen, hier, zu welchem Zweck auch immer, den Stift anzusetzen…
    Die Gottlosigkeit die unser Land auszeichnet, hat schon tiefe Gräben hinterlassen. Gräben die Einheit spalten…
    Ich halte es wie…
    „2. Tim.
    13 Halte fest das Bild gesunder Worte, die du von mir gehört hast, in Glauben und Liebe, die in Christo Jesu sind.“

    Mfg K.

  8. Hallo!
    … und „Danke“ an Wegbegleiter für deine Antwort auf Karin54. Ich möchte gerne noch einmal auf die letzten Worte von Karin54 eingehen, da ich extrem viele Fragen dazu habe:

    „…aber Christen, die von sich behaupten, sollten sich auch ganz nah am Wort halten und sich nicht mit “Hilfsbibeln” zufrieden geben.“

    1. Was bitte ist deiner Meinung nach das „Wort Gottes“? Du schreibst von der unrev. Elberfelder und hälst sie hoch – ist diese d.M. nach das „Wort Gottes“? Was ist mit den anderen deutschen Übersetzungen bzw. mit den Urschriftlichen Texten im Griechischen und Hebräischen? (siehe Frage/Antwort von Wegbegleiter)

    2. Bitte definiere „Hilfsbibel“… ist Luther eine oder NL oder…?!? Wo ist eine Abgrenzung zu „Bibel“?

    „Es ist keine Hilfe, wenn man Gottes Wort verdreht – ausser für den Teufel…Der doch alles dran setzt, dass Gottes Wort verdreht wird.“

    > Wer verdreht das (welches?) Wort Gottes? Und: Wodurch wird es verdreht?
    Ich hoffe, du erkennst, dass ein korinthenkackendes Rumgeeier auf Buchstaben zu nichts führt und mehr Verwirrung stiftet als die klare und befreiende Botschaft Gottes, der uns zur Umkehr und Nachfolge Jesu‘ Christi ruft! Und diese kommt auch durch die HfA und NL (und sogar durch die Volxbibel) klar zum Ausdruck.

    Jesus hat niemals die neuen Jünger dazu aufgerufen, Bibeltexte aus dem AT auswendig zu lernen oder 592 Gebote zu befolgen. Er sagte: „was da sonst an Geboten ist, das wird in diesem Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

    Und richtig wütend wurde er nur auf diejenigen Menschen, die auf dem Buchstaben (des AT) herumgepocht haben. Wenn nun neutestamentliche Pharisäer auftauchen und den Buchstaben des NT meinen befolgen zu müssen, würde er sicher genauso antworten wie zu seiner Zeit.

    Ich wünsche mir auch, immer mehr Gottes Tiefe zu erfahren, aber die ist nicht im Buchstaben begraben, sondern entfaltet sich in der Kraft des Geistes Gottes.

    Gott segne dich!

  9. Danke Schubi. @Karin: ich finde es immer verdächtig, wenn jemand dermaßen mit Text um sich schmeisst und andere beginnt, hart abzuurteilen. Ebertshäuser ist für mich keine Kapazität, sondern in seinen harschen und brutalen Verurteilungen von allem, was ihm nicht passt, für mich inakzeptabel. Aber das sollten wir hier nicht diskutieren, Ebertshäuser hat schon genug Menschen verletzt und auf den textus receptus als einzig wahren Grundtext zu pochen, wie es in der unrevidierten Elberfelder und in Schlachter2000 geschieht ist schlicht hirnrissig. Sorry. Aber wie gesagt: ich wollte diese Diskussion hier nicht anreißen.

    NUR NOCH MAL SOVIEL, DAMIT ES ENDLICH WAHRGENOMMEN WIRD: WÖRTLICHE ÜBERSETZUNG IST NICHT DIE BESTE ÜBERSETZUNG, WENN SIE DEN SINN ENTSTELLT!!! Insofern ist eine Transferleistung zu bringen und das tun wörtliche Übersetzungen unzureichend und verdecken so manchmal den Sinn unnötig.

  10. Hallo Karin,

    nur mal als Hinweis, weil dieser Vers sehr gerne in dieser Art missbraucht wird:

    Da die Bibel eine Sammlung von Büchern ist und zum Zeitpunkt des Verfassens niemand die Bibel als Zusammenstellung kannte, wie wir das heute tun, bezieht sich die Aussage in Offenbarung 22,7 konsequenterweise auch nur auf das Buch, in dem diese Aussage es steht. Also die Offenbarung des Johannes.

    Natürlich ist das kein Freibrief für Verfälschung biblischer Aussagen. Aber ich finde es irgendwie unredlich, diese Stelle generell auf Bibelübersetzung anzuwenden.

    Den Ausführungen von Christof kann ich sonst nichts mehr hinzufügen.

    Beste Grüße,
    Rolf

  11. @karin54 und Wegbegleiter:
    Ich habe die HfA nicht kritisiert, sondern darauf hingewiesen, dass es schon länger Kritik an ihr gibt.
    Ich glaube gern, dass sie Menschen zum Segen wurde. Es wird in ihr deutlich genug, dass Christus für uns starb und wir nur dadurch gerettet werden. Hier leuchtet auch in ihr die Gnade hell. Dadurch wurde sie Vielen zum Segen.

    Wenn sie dann an manchen Stellen die Möglichkeiten, die der Mensch hat, überschätzt, ist das ein Punkt für berechtigte Einzelkritik, aber soll von meiner Seite aus keine pauschale Verurteilung sein.

    Ich finde es daher schade, dass mein bibliographischer Hinweis hier für eine grundsätzliche Ablehung vereinnahmt wurde – und infolgedessen so ein Streit entstand.

    Rolf, die Neues-Leben-Version finde ich an dieser Stelle auch recht gelungen.

    Friede Euch allen!

    Andreas

  12. Danke Andreas, so hatte ich dich auch verstanden – man spürt recht schnell, wer differenziert kritisiert und nur pauschal und schwarz-weiß um sich schießt und seinen „Gegner“ in „die Tonne“ kloppt. Der Heilsweg wird in der HfA genauso deutlich wie in der Volxbibel beschrieben und deswegen steht dem nichts im Weg, solche Übersetzungen bzw. Übertragungen mit Gewinn zu benutzen. Am besten natürlich parallel mit einer wörtlicheren Übersetzung.

  13. Na, war ja klar, daß das hier ein Schlachtfest wird.

    @ Karin: JEDE Übersetzung ist gleichzeitig eine Interpretation. Anders gesagt: die Auslegung beginnt mit der Übersetzung.

    Nehmen wir das von Dir zitierte Beispiel aus Ex. 3,14. Da steht im Hebräischen mitnichten ‚Ich bin, der ich bin‘, sondern wörtlich ‚Ich werde sein, der ich sein werde‘ (ehjeh ascher ehjeh). Muß man deshalb alle Bibeln wegwerfen, die das nicht so haben?

    Hebräisch, Aramäisch und Griechisch sind Sprachen, die nicht in unserem indogermanischen oder romanischen Sprachkontext stehen. Deshalb kann eine Übersetzung immer nur eine Krücke sein. Und Christof hat Recht: je wörtlicher eine Übersetzung ist, desto irreführender KANN sie sein.

    Das fängt ja schon bei der längst nicht so komplexen Weltsprache Englisch an. Wie übersetzt Du denn ‚a japanese prisoner of war camp‘? Ist das ein Gefängnis für japanische Soldaten, die Kriegsgefangene sind oder ist das ein japanisches Gefängnis für die Kriegsgefangenen der Japaner? Siehste.

    Mir wird immer dann übel, wenn bestimmte Bibelübersetzungen in den Rang von ‚Gottes Wort‘ gesetzt werden, und alle anderen durchfallen.

  14. @Hans: danke für die gewohnt pointierte Stellungnahme. Ich wollte mich irgendwie an der Gnade freuen in 2.Thess 1,11 und war erstaunt über die Fehlübersetzung der HfA – aber natürlich habe ich hier wieder ein Minenfeld betreten…;-) – was ja auf einer Metaebene auch etwas aussagt. Denn so wird die Diskussion ein schönes und getreues Abbild über eine Christenheit, die sich solche Diskussionen von bestimmten Nischen aufdrängen lässt (Biblizisten, Emanzen etc), damit sich der Teufel ins Fäustchen lacht. Denn dann sind wir prächtig miteinander beschäftigt und kümmern uns nicht um all die Menschen, die ohne Jesus verloren gehen. Wann kapieren wir das endlich, dass hinter so was ein geistlicher Kampf steht…

  15. Hab mir das jetzt mal durchgelesen …

    Als HfA neu herauskam, hab ich die mir etwas genauer angeschaut und kam zum Schluss, dass sie nur eine Übertragung ist und keine Übersetzung wie die GN. Also ab und zu bzw. im Durchschnitt weniger genau als GN. Damit will ich nicht bestreiten, dass auch die HfA Leuten zum Segen werden kann, und dass es Verse gibt, die mir in HfA besser gefallen als in der GN. Nur die GN übersetzt nicht wörtlich, um genau zu sein (was meiner Meinung nach nicht immer gelingt, aber doch in den allermeisten Fällen), die HfA nimmt es nicht immer so genau.

    Wörtlich ist nicht immer genau, wer stets wörtlich übersetzt, der übersetzt zuweilen falsch, weil wörtlich. Gut zu erkennen bei der unrevidierten Elberfelder Übersetzung (uElb).

    Ich erklärs mal am Beispiel des Genitivs. Der Genitiv hat im Altgriechischen eine etwas andere Bedeutung als im Deutschen, und wer einen griechischen Genitiv immer mit einem deutschen Genitiv übersetzt, der übersetzt manchmal falsch.

    Einh Beispiel dafür ist in Rö 3,26, wo erklärt wird, was „Gottes Gerechtigkeit“ (so wörtlich) bedeutet, nämlich
    a) Gott ist gerecht
    und b) Gott macht gerecht.
    Im Deutschen ist nur (a) auch Bedeutung von „Gottes Gerechtigkeit“, (b) wirkt irgendwie künstlich. Tatsache ist aber, dass ein Übersetzer, der genau übersetzen will, immer überlegen muss, ob der Ausdruck „Gottes Gerechtigkeit“ im Griechischen die Bedeutung (a) hat, wo er wörtlich übersetzt werden kann, oder die Bedeutung (b), wo er so übersetzt werden muss, dass auch der deutsche Leser merkt, dass es darum geht, dass Gott (uns) gerecht spricht. Die uElb macht das nicht und übersetzt also ungenau, weil wörtlich.

    Entsprechendes gilt natürlich für jedern Genitiv. Die uElb übersetzt z.B. regelmäßig wörtlich „Glaube Jesu“, obwohl der Ausdruck an den meisten Stellen eindeutig sich nicht darauf bezieht, was Jesus glaubt(e), sondern auf den Glauben an Jesus. Das ist einer der eklatantesten Übersetzungsfehler in der uElb, der übrigens in der revidierten Version an fast allen Stellen berichtigt worden ist. Leute, die uElb als die beste Übersetzung anpreisen, verstehen in der Regel kein Griechisch oder Hebräisch und glauben unkritisch die Behauptung, dass eine wörtliche Übersetzung automatisch genau ist.

    Von Hebräisch versteh ich deutlich weniger, aber ich sag noch was zu 2.Ms 3,14. Das „ich werde sein, der ich sein werde“ bedeutet nach meiner Erkenntnis, dass Gott so sein wird, wie er es verheißen hat, sagt also etwas über die Treue Gottes.

    Die Deutung der Bezeichnung als „der ewig Seiende“ kann sich zwar darauf berufen, dass schon die Übersetzung „der Seiende“ in der altgriechischen Übersetzung des ATs in diese Richtung weist, sie hat aber das NT gegen sich: in Of 1,4 (und einigen anderen Stellen) wird diese Bezeichnung aufgenommen, aber korrigierend ergänzt: „der Seiende, der Gewesene und der Kommende“, was so wörtlich übersetzt natürlich nicht ganz korrekt ist, Luther übersetzt „der das ist, der da war, und der da kommt“. Der „ewig Seiende“ wäre aber „der da ist, der da war, und der da sein wird“. Womit klar ist, dass es nicht um den „ewig Seienden“ geht, der ist der „Gott der Philosophen“ und nicht der lebendige Gott. Wobei ich allerdings hoffe, dass diejenigen, die diese falsche Übersetzung von Ebertshäuser übernommen haben, von anderen Bibelstellen (und dem Geist Gottes) so weit korrigiert werden, dass sie nicht beim Gott der Philosophen landen.

    Rö 3,26 und Of 1,4 zeigen also, wo in uElb bzw. den Ausführungen Ebertshäusers Fehler drin stecken.

    Und da die beste Übersetzung nicht wörtlich sein kann, ist nicht leicht zu erkennen, wie sie aussehen sollte. Außerdem ist sie für verschiedene Bevölkerungsschichten, die unterschiedliche „Soziolekte“ sprechen, auch unterschiedlich ist. Deshalb gibt es nicht „die“ beste Bibelübersetzung. Wenn ich eine Übersetzung haben will, mit der ich in jedem Vers zufrieden bin, müsste ich das NT schon selber übersetzen. Aber ich weiß, dass ich weniger gut übersetzen kann als z.B. das Team der GN, also werde ich das bleiben lassen und weiter die GN lesen, mit Blicken ins Altgriechische und die revidierte Elberfelder…

    Und wenn meine jetzige GN zu sehr zerlesen ist, werde ich vielleicht mal Neues Leben nehmen, die scheint auch ziemlich gut zu sein.

    Helmut

    (ui ist das lang geworden :-)) ).

  16. Danke, Wegbegleitet und Hans, ihr habt es beide sehr gut auf den Punkt gebracht! Bei manchem der anderen Kommentare gewinnt man den Eindruck, der Schreiber habe wohl noch nie wirklich etwas übersetzen müssen. Wenn ich schon „wortgetreu“ höre, sträuben sich mir die Nackenhaare, denn das impliziert ja, dass einem Wort in Sprache A genau ein Wort in Sprache B entspräche – hach, was wäre das schön und einfach!

    Ich übersetze zwar nicht die Bibel, wohl aber das eine oder andere christliche Textlein, dabei habe ich den riesigen Vorteil, in beiden Sprachen zu leben. Und muss doch immer wieder feststellen, wie schwierig es ist, Sinn in eine andere Sprache zu transportieren.

    Es ist gut, auf Schwachstellen einer Übersetzung hinzuweisen (und solche hat jede Übersetzung!), aber das Verurteilen einzelner Bibelübersetzungen vom „hohen Ross“ herab finde ich gänzlich unangebracht. Recht am Platze ist vielmehr eine dankbare Demut und aufrichtiges Bitten darum, dass der Heilige Geist mir persönlich die Schrift erkläre, und das kann ER aus jeder Übersetzung heraus!

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