Zwischenruf: warum ich das Christsein liebe!

Bin etwas erschöpft vom post vorher, aber an solchen Nahtstellen der Gesellschaft und des Lebens kommt eben viel hoch… und gehört offen diskutiert. Deswegen mal ein Zwischenruf. Aus der relativen Erschöpfung heraus, die nicht nur damit zu tun hat, sondern mit Gott, der momentan viel durcheinander wirbelt, voran treibt (auch in unserer Gemeinde), beschenkt und überrascht. Dazu natürlich das übliche Familienchaos, wenig Schlaf, Kinder, die aus Hochstühlen fallen etc… also: ich liebe das Christsein:

  • weil es mich in eine Gemeinschaft stellt, die füreinander sorgt. Plötzlich hatte ich von einem lieben Mitblogger und Freund nach dem Überfall auf mich auf Malle eine mail (Wortspielalarm!) im virtuellen Postkasten, in der es einfach hieß: gib deine Kontodaten rüber. Und mein Verlust wurde liebevoll ausgeglichen. 300 Euro. Boah. Bin sprachlos und freue mich tief drinnen! Und dann schaut auch noch Bento vorbei und wir erleben einen intensiven Austausch und eine bewegende Zeit des Gebets zusammen – schön!
  • weil ich – je mehr ich mich auf Jesus verlasse – erlebe, wie sein Reich gebaut wird. Da wird in ein Mann vom Krebs geheilt, für den einige in der Gemeinde intensiv gebetet hatten. Vorher 8 Zentimeter Tumor in der Speiseröhre, dann Bestrahlung mit geringsten Erfolgsaussichten, nun: nichts mehr, nicht mal mehr eine Vernarbung, alles weg. Sein Reich wird aber auch in mir gebaut. Plötzlich bewegt mich der Vater in meinem Herzen und ich könnte nur noch weinen. Und tu es dann auch. Alte Verkrustungen und Verletzungen brechen auf und schwimmen davon. Lange hat es bis hierhin gedauert, aber das kann ich mittlerweile besser und geduldiger ertragen.
  • weil es eine Stabilität jenseits aller schwankenden Zeitströmungen gibt, die eben nicht auf Dogmen, sondern auf einer erfahrbaren Beziehung aufbaut: durch Jesus hindurch zum Vater. Und da das Ich am DU zum Ich wird (Buber), tut das gut in einer sich verlierenden Welt.
  • weil der Gedanke der Versöhnung und Heiligung durch Tod und Auferstehung dermaßen abgedreht ist, dass er nur einem kreativen Gott einfallen kann. Ich liebe Gott für diese Wildheit und Unberechenbarkeit, mit der er auch immer wieder neu in mein Leben wirkt.
  • weil Christsein nicht Religion ist, sondern das Ende der Religion, nämlich Freiheit. Weil nicht der Mensch auf Gott zugegangen ist, sondern Gott auf den Menschen. Das begeistert und verblüfft mich immer wieder. Er setzt die Füße auf weiten Raum und nicht auf engen – wie die angeblich freiheitsliebenden Agnostiker und Atheisten immer gerne behaupten.

Nur so als Zwischenruf. Wahrscheinlich werde ich auch mal einen post schreiben mit dem Thema: warum ich gerade nicht gerne Christ bin… aber im Augenblick kann ich nur sagen: es ist anstrengend, viel anstrengender und leidenschaftlicher und wilder als ohne Gott. Aber es ist GUT! Es reicht bis in die Ewigkeit.

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15 Antworten zu “Zwischenruf: warum ich das Christsein liebe!

  1. Mir, der an der eigenen Gemeinde zur Zeit leidet, tun Deine Worte gut und sie helfen mir, meinen Blick über den Tellerrand zu heben. Gott ist immer größer als das, was wir uns unter ihm vorstellen. Ich denke oft an Dein Lutherzitat, bei Deinem Vortrag in München: ‚Ist es deine Gemeinde oder meine …‘.

  2. Klar – Christsein ist Kampf.
    Aber DIESE Vorteile überwiegen!

    Viel Segen für Dich!
    Dirk.

  3. Und wenn es Dir einmal so richtig beschissen geht, Du Dir Deinen eigenen Glauben nicht mehr glaubst, lieber Christof, dann vergegenwärtige Dir dies:

    „Darum, mein lieber Bruder, lerne Christum, und zwar den Gekreuzigten. Ihm lerne lobsingen und an dir selbst verzweifelnd zu ihm sagen: Du, Herr Jesu, bist meine Gerechtigkeit, ich aber bin deine Sünde. Du hast angenommen, was mein ist, und mir gegeben, was dein ist, du nimmst an, was du nicht warst, und gibst mir, was ich nicht war. Hüte dich darum, je solche Reinheit anzustreben, daß du vor dir nicht mehr als Sünder erscheinen willst, ja keiner mehr sein willst. Christus nämlich wohnt nur unter Sündern. Dazu kam er ja vom Himmel, wo er unter Gerechten wohnte, damit er auch unter Sündern Wohnung nähme. Solcher seiner Liebe sinne immer wieder nach, und du wirst seinen allersüßesten Trost schauen. Wenn wir nämlich aus eigenen Mühen und Qualen zur Ruhe des Gewissens eingehen wollen, wozu wäre er dann gestorben? Nein, nur in ihm, durch getroste Verzweiflung an dir und deinen Werken wirst du Frieden finden.“

    Martin Luther an einen bekümmerten Freund

    Dein Zwischenruf ist wunderbar. Und auch ich bin erschöpft. Wunderbar erschöpft…

  4. Pingback: Warum ich das Christsein liebe.. « dikosss·

  5. @ Eule, ich hab auch noch ein nettes Lutherzitat:

    „In solch einem Krieg ist es christlich und ein Werk der Liebe, die Feinde getrost zu würgen, zu rauben, zu brennen und alles zu tun, was schädlich ist, bis man sie überwinde. Ob es wohl nicht so scheint, daß Würgen und Rauben ein Werk der Liebe ist, weshalb ein Einfältiger denkt, es sei kein christliches Werk und zieme nicht einem Christen zu tun: so ist es doch in Wahrheit auch ein Werk der Liebe.“
    (Martin Luther über ‚Heilige Kriege‘)

  6. @olyly: verwendest du noch Messer, obwohl man damit jemanden umbringen kann? Ich kann es nicht mehr hören. Wie zynisch und verbohrt bist du eigentlich, dass du einen Mitblogger, der mir etwas Ermutigendes schreiben will, mit so was konterst? Soll ich jetzt mit den blutigen Anfängen der Aufklärung kommen? Wollen wir deswegen auf ihre positiven Seiten verzichten? Wollen wir wegen Baader-Meinhof und diversen anderen Auswüchsen auf die positiven Seiten der 68er Zeit verzichten? Solche Bemerkungen wie die von dir sind knapp gesagt dumm, ignorant, haben ein verdrehtes Geschichtsbild und gehören in Zukunft nicht mehr in mein Blog. Du kannst gerne konstruktiv mit diskutieren – so nicht. Das verletzt meine Intelligenz zu sehr. Auf BILD-Zeitungsniveau müssen wir hier nicht diskutieren.

  7. Heilige Kriege??? Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen usw.. Ich kann da Luther überhaupt nicht verstehen, wenn der so etwas gesagt hat, was Olyly von ihm zutiert hat. Wie kann man denn so denken und noch so fröhlich dabei bleiben. Leider habe ich auch oft fiese Gedanken über die Menschen, die ich nicht leiden kann. Aber man sollte wenigstens ein schlechtes Gewissen dabei haben als Christ.

  8. Ich bin gerne Christ, weil ich dann weiß, daß Gott mein Leben in der Hand hat. Auch wenns mies läüft, muß alles an Gott vorbei. Dann weiß man wenigstens, wenn ich nichts verstehe, ER behält den Überblick und irgendwie führt ER uns durch. Durch sein Kreuz und seine Vergebung kann man auch immer wieder neu anfangen. Doof ist das schlechte Gewissen oft und man muß immer seine Feinde lieben, auch wenn man mal so gerne richtig auf den Putz hauen würde. Und genau das ist immer verboten.“Ach lassen wir für heute die Rache, verschieben wir es doch auf morgen.“ Diesen Satz muß man dann immer sagen.

  9. das was du über deinen Mitblogger schreibst, freut mich sehr
    auch ich habe gerade letzte Woche dieses Auf und Ab, dieses Hoch und Tief wie du auf malle erelbt – da war mir dein Post sehr tröstlihc bzw. erinnerte mich an das Gute was ich gerade erlebt habe – wo Gott ganz direkt in mein Leben hinein sprach (und seitdem haben sich auch effektiv Dinge verändert). Danke und Segen dir.

  10. Fast alles hat zwei Seiten. Luther, und andere auch auch. Ich auch (das ärgert mich aber oft). Diesbezüglich fällt mir ein Satz von Paulus ein: Betrachte alles, halte aber nur das Gute zurück! Und Jesus auch: Liebet eure Feinde. Aber um das fertig zu bringen brauchen wir mehr als nur guten Willen.
    Fragt mal die Amish. Die können gut davon reden, eben weil sie wirklich danach leben!
    Ich bin kein Amish. Aber an der Tatsache dass ich heute ein begeisterter Christ bin, schulde ich denen besonders viel. Wirklich, Christ sein ist möglich. Danke euch allen für die (vielleicht unbewussten) Ermutigungen.
    Dir auch, Bruder!

    Pierre.

  11. Hans (09:54:29) :

    Mir, der an der eigenen Gemeinde zur Zeit leidet, tun Deine Worte gut und sie helfen mir, meinen Blick über den Tellerrand zu heben. Gott ist immer größer als das, was wir uns unter ihm vorstellen.

    dem schliesse ich mich an, danke und amen

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