Sammlung: Götzen der Gegenwart

426560131_779f997f1b_mGestern Abend im Hauskreis über die Götzen der Gegenwart diskutiert, die ja in Industrienationen nicht mehr als simple animistische Statuen weithin sichtbar sind, sondern subtiler auftreten. Mich erinnerte das an Thomas Merton (übrigens eine faszinierende Lebensgeschichte). Ein Journalist fragte einmal Thomas Merton, was die größte geistliche Krankheit unserer Zeit sei. Der Mönch antwortete:

„Der Götze der Effizienz. Vom Kloster bis zum Pentagon muss alles ständig funktionieren, dass die Menschen schier keine Zeit oder Kraft mehr für andere Dinge haben.“

Amen. Auf der Theologischen Woche viel mit Kollegen diskutiert und viele waren sich einig. Auch der freikirchliche Pastor verkommt zu einer Art Fussballtrainer, der es zu bringen hat. Und wenn nicht, dann halt weg damit. Fehler machen dürfen? Schwierig. Aber so läuft es halt in der Gesellschaft. Funktioniere! Wenn nicht, dann weg! Sozialdarwinismus. Nur die Besten und Fittesten werden das überstehen.

Nun gut, das System wankt und taumelt kräftig (streng subjektiv gesprochen: trotzdem erfreut sich ausgerechnet die FDP größter Beliebtheit, die wie sonst keine Partei Neoliberalismus in Reinform vertritt, also die Ursache der Probleme – hat man uns Deutschen eigentlich ins Gehirn gesch….?). Aber haben wir als Christen den Mumm, uns gegen diesen Götzen laut zu erheben und wider das Effizienzdenken zu stimmen? Wollen wir Christen uns eigentlich gegen irgendwas laut erheben? Oder doch die Stillen im Lande… wie sehr sehne ich mich nach David, der in seinen Gebeten manchmal nicht anders kann, als seinen Hass auf die Götzendiener aus seinem Herzen heraus zu beten… warum Hass? Weil Götzen unter Vorspiegelung guter Motive Menschen zerstören. Gott aber liebt das Leben und den shalom.

Was sind noch andere Götzen der Gegenwart deiner Meinung nach?

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17 Antworten zu “Sammlung: Götzen der Gegenwart

  1. Andere Götzen der Gegenwart? Gemeindewachstum (zahlenmäßiges). Ist ja eigentlich eine gute Sache, aber artet schnell in Leistungsdruck aus – den uns Gott so gar nicht macht. Und dann wird der Pastor zum Fußballtrainer…

    Und das eigene Ego fällt mir ein: Alles muss meiner eigenen Vorstellung vom Leben dienen… Geradezu eine Seuche in den Gemeinden unserer Tage.

  2. Für mich ganz klar die Zeit.
    Wenn ich bedenke, was wir „der Zeit“ hinterherrennen, wie wir den Regeln der Uhr folgen …
    Mittags halb eins legt die Pause fest, dass ich Hunger habe…
    Ich kann mich mit Dir nicht mehr unterhalten, ich habe einen Termin bei Herrn xxx …
    Tut mir leid ich habe keine Zeit mehr…
    Und um Zeit für stille Zeit zu finden, muss ich noch früher aufstehen !!!

  3. Das göttliche wort ist seit Jesus „Du“.
    Der heutige Götze der mir am meisten zu schaffen macht, heisst „Ich“.
    Luther hat es ganz treffend gesagt: „Den alten Menschen ersäufen“.
    Er kann aber leider schwimmen….

    Jesus euch allen

    Pierre.

  4. Ich denke fast alles kann zum Götzen werden.
    Sachen die an sich gut sind, werden zu Götzen wenn der Mittelpunkt verschoben wird.
    Beten, Bibellesen, Ehepartner, Eltern, Kinder, Sogar meine Heiligung,Bibel treue(Manchmal werden Geschwister auf dem Scheiterhaufen der Rechtgläubigkeit geopfert, weil sie nicht Bibel treu sind*g*) usw.
    Man könnte die Liste ewig fortführen.
    Ich denke im neuen Bund sollten wir nicht die Götzen beseitigen, sondern glauben, das Gott den Götzendiener beseitigt hat:-)
    [Röm 6,6] da wir dies erkennen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen.
    Pierre, so sehr ich Luther schätze, glaube ich daß er hier unrecht hat.
    Wir ersäufen den alten Menschen nicht.
    In der Taufe wird er beerdigt. Getötet wurde er am Kreuz mit Jesus zusammen.
    [Röm 6,6] da wir dies erkennen, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde abgetan sei, daß wir der Sünde nicht mehr dienen.
    [Gal 2,19] Denn ich bin durchs Gesetz Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe; ich bin mit Christus gekreuzigt, [Gal 2,20] und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben, an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.
    http://helmutprivat.blogspot.com/2009/03/nicht-ich-sondern-jesus.html
    Luther tat einen großen Schritt aus der Finsternis heraus in das Licht.
    Aber Gott hat auch nach Luther noch neues Licht gegeben.

  5. Apassionatische Bedenken!!! Wäre schön, wenn mein alter Adam beerdigt wäre, dann bräüchte ich mir Betreffs Bergpredigt ja keine Gedanken mehr zu machen. Beim Lesen der Bergpredigt wird mir doch gerade ein Spiegel vorgehalten, weswegen Jesus für mich gekreuzigt wurde und weswegen ich auf die vergebende Gnade angewiesen bin. Der Schlangenkopf ist zwar zertreten, aber der Schwanz wackelt noch gewaltig. Es ist ganz gut, wenn wir unsere geistlichen Grenzen, unsere Angewiesenheit auf Jesus sehen. Das macht uns vielleicht menschlicher und barmherziger. Perfektionismus und Überheblichkeit ist kein angenehmer Götze.

  6. Achtung!!!!!!!!!!
    Hier sind zwei Denkansätze, die nicht miteinander kompatiebel sind.
    Wenn die Diskusion trotzdem fortgeführt wird kann es zu einem Systemschaden führen. 🙂
    Liebe Apassionata, wir reden von zwei verschiedenen Dingen.
    Du redest von unserem praktischen Wandel,
    Ich rede von meiner neuen Natur,die nicht sündigen kann weil sie aus Gott geboren ist.
    [1Jo 3,9] Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn sein Same bleibt in ihm; und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist.

    Das Büchlein von Haso auf meinem Blog kann helfen einiges zu verstehen.

    http://helmutprivat.blogspot.com/2008/11/leicht-gehssige-frageg.html

  7. @apassionata: jo, ich wäre auch auf den Römerbrief gegangen. Denn da wird dieselbe Frage gestellt: können wir nun fröhlich sündigen, weil wir die Gnade haben? Nö. Tut aber auch keiner, der wirklich von Liebe erfüllt ist. Wenn ein Mann am Traualtar sagt: na, prima, dann kann ich ja jetzt fremdgehen, würden wir das auch seltsam finden. Wer seinen Partner liebt und glücklich und zufrieden ist, geht nicht fremd… Für mich ist und bleibt das Gesetz und damit meine ich auch die Gesetzanteile des NT wie die Forderungen Jesu eine gute Lebensordnung Gottes. Aber das Gesetz ist kein Heilsweg und Gott kein Zuchtmeister mehr (für einen Christen!), sprich: ich handle automatisch(er) nach dem Gesetz (weil es mir zudem ins Herz geschrieben ist), wenn ich Gott liebe und mit seiner Liebe tief bewusst bin. Luther hat das mit dem simul iustus klar gemacht: wir sind Geheiligte, erleben uns aber noch als Sünder. Klar. Für Gott sind es trotzdem nicht mehr, wir sind rein! Aber wir brauchen die Bitte um Vergebung, um die Leitung zu Gott von uns aus frei zu halten.

  8. @wegbegeleiter: „Du sollst nicht begehren. Ein Götze. Fasten hilft!“ hast du geschrieben. Der Satz hat mich neugierig gemacht. Wie hilft fasten denn um nicht zu begehren? Ich habe noch nie gefastet, aber ich könnte mir gut vorstellen, dass ich dann den ganzen Tag nur an Essen denken würde. Vielleicht könntest du mal einen Blog darüber schreiben.

  9. Hi meriam: du hast recht, es klingt erst mal paradox. Aber beim Fasten spürt man deutlich die vorhandenen Abhängigkeiten. Kann man eine Woche auf Fernsehen oder Internet oder Handy verzichten? Wenn nein, dann gibt es ungesunde Abhängigkeiten…;-)

    Fasten (egal ob von Essen oder von anderen Dingen) bricht diese Abhängigkeiten und signalisiert dem eigenen inneren Schweinehund (mal alltäglich gesprochen, sonst würde ich biblisch von „der alten Natur ohne Christus“ reden), wo der Hammer hängt und dass es auch ohne geht. Einfach ist das dennoch nicht. Ich kann dir aber Mut machen. Das Hungergefühl kommt aus Rezeptoren im Darm und da beim Fasten auch eine Darmentleerung stattfindet, ist der organische Hunger nach circa einem Tag wech. Die Gier aber bleibt und die ist der eigentliche Kampf. Man muss also nicht dringend an Bäckereien vorbei gehen. Hält man aber durch, gewinnt man eine neue Wertschätzung für das Essen, aber hat ein Stück weit auch Abhängigkeit gebrochen und innere Freiheit gewonnen. Segen dir!

  10. @ Helmut:
    Ich rede von meiner neuen Natur, die nicht sündigen kann weil sie aus Gott geboren ist.

    DAS… halte ich für ein Gerücht !!!!
    Und ob der wiedergeborene Mensch sündigen kann… bedürfte es sonst der schier unzähligen Verweise und Ermahnungen in den Briefen des Paulus und Co.???

  11. @Det: ich glaube, das ist bei dir was theologisch durcheinander geraten. Der Römerbrief hilft weiter. Die neue Natur ist Geist und KANN gar nicht sündigen, denn im Geist ist nichts Dunkles (was haben Licht und Finsternis miteinander zu tun? Nichts!). Aber in uns kämpft die alte Natur weiter ums Überleben – und produziert weiterhin bis zum Lebensende auch die Sünde in uns. Deswegen werden wir im Erleben immer gleichzeitig heilig und sündig bleiben, in Gottes Augen sind wir aber nur heilig und in Christus rein. Deswegen kann ein Paulus sagen: wenn ich sündige, sündige ich eigentlich nicht, sondern die alte Natur, die Sünde in mir. Deswegen sollen wir uns der Sünde für gestorben halten (weil das die neue Natur ist, die überleben wird, die alte Natur ist eigentlich bereits mit Christus abgetötet und zuckt nur noch… – leider allerdings manchmal recht kräftig, seufz…). Segen!

  12. Hallo,

    ach, ich find die FDP ganz in Ordnung – zumindest steht sie offiziell für Eigeninitiative und eigenverantwortliche Bildung als Gegensatz zu Passivität ein. Und Effektivität ist an sich nicht schlimm und auch nicht mit Geiz gleich zu setzen. Denn ich merke, dass eher der großzügige Umgang mit dem, was ich an Zeit und Geld besitze und umfassende Planung sehr effektiv ist. Effektiver als alle Angstprognosen, die mich vielleicht davon abhalten, mich ganz einer Sache zu widmen, etwas zu wagen; effektiver auch als kritikloses Gewähren–lassen von Dingen, die mich stören.

    Ein ganz großer Götze dieser Tage vom gewöhnlichen Menschen bis in die oberste Chefetage: Werbung in eigener Sache – es würde reichen ein Angebot zu machen von dem, was man bietet. Ob man selbst oder die Sache wirklich so gut ist, muss der Angesprochene schon selbst herausfinden…

  13. @Bengele: Zustimmung – auch wenn eher *offtopic*

    Was den Aufruf zur Eigenverantwortlickeit angeht – denn da sind mir bestimmte andere Parteien (meist rötliche Farben) viel gefährlicher, da sie die Eigenverantwortung immer globaler an den Staat abtreten

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