Paradigmenwechsel: Wann wächst eine Gemeinde WIRKLICH?

Die Zunahme an Mitgliedern ist nicht mit geistlichem Wachstum gleichzusetzen. Friedhöfe wachsen auch zahlenmäßig. Wenn wir 100 Leute ohne Liebe haben und dann auf 200 ohne Liebe anwachsen, dann haben wir uns lediglich vermehrt. (Juan Carlos Ortiz)

Und wenn ein Prediger/Pastor/Prophet noch so toll und faszinierend ist, wenn eine Gemeinde zahlenmäßig wächst noch und nöcher – hat sie die Liebe und die Wahrheit (denn beide gehören zusammen) nicht, dann ist das nichts. Zahlen und Mengenwachstum ist – und das ist meine Kritik an zu flachen Wachstumsparadigmen – eben nicht immer natürlich und naturgegeben sinnvoll. Auch Krebs wächst natürlich. Und zerstört doch umso mehr. Immer wieder werden Gemeinden oder Modelle gehyped und Menschen pilgern aus dem deutschen Durchschnittsdüsterland dorthin, um etwas zu empfangen. Ja, was? Meist kehren sie mit verklärten Gesichtern zurück und sind in letzter Konsequenz eher angenervt von der eigenen gemeindlichen Realität. Wo ist denn dann die Liebe gewachsen, wenn plötzlich Fragen im Mittelpunkt stehen wie: was haben die, was wir nicht haben? Was machen die richtiger als wir? Wenn nach Kongressen oder Gastbesuchen in Gemeinden oder bei „gesalbten“ Propheten die Unzufriedenheit größer geworden ist? Wo doch Christus im Mittelpunkt steht und keine Kirche, keine Gemeinde, erst recht kein Prophet, kein Pastor, (aber auch keine graue Eminenz…).

Falscher Ansatz eben: Nichts gegen Inspiration, nichts gegen geistliche Sehnsucht, die haben wir viel zu wenig! – deswegen ist es schön und gut, sich blühende Gemeindearbeiten anzuschauen. Aber bitte nicht mit dem Hintergedanken: wenn wir es auch so machten, dann klappt das endlich!! So arbeitet Gott nicht. Zumal Gemeinden fast nicht zu vergleichen sind. Die eine ist 10 Jahre alt, die andere 100. Die eine ist homogen, die andere heterogen. Die eine hat ein katholisches Umfeld im dörflichen Bereich, die andere ein pietistisches im städtischen Bereich. Trotzdem: man kann und soll voneinander lernen. Und wenn man fröhlich und zuversichtlich positiv von solchen Kongressen oder Gastbesuchen wiederkehrt – dann ist es fruchtbar und nicht furchtbar.

Aber bitte eben nicht nach dem modernen Paradigma: aus a folgt b. Wenn wir wie die a machen, dann folgt auch für uns b. Es ist eine Geschenk der Postmoderne, dieses lineare System aufgebrochen zu haben. Auch wenn es noch in den Köpfen feststeckt. Biblisch war das eh nur bedingt. Denn Gott ist größer und stellt gerne die Dinge auf den Kopf. Er segnet seltsame Typen, beruft Loser und Außenseiter und begabt Unbegabte. Und die, die weise sein sollen, die beschämt er. Der König dient den Dienern. Und er baut sein Reich durch fehlbare Menschen hindurch.

Was ist also das Ziel?

Intimität mit und Abhängigkeit von Christus, überströmende Liebe und kraftvolle Wahrheit zu den Menschen! Und ich bin sicher: in einer solchen Umgebung mit solchen Wachstumsbedingungen schenkt Gott Wachstum als Frucht. Gesundes Wachstum. Was können wir überhaupt noch MACHEN ? Blockaden aus dem Wege räumen, die den Geist hemmen. Christus in den Mittelpunkt stellen. Menschen nach ihren Gaben einsetzen. Beziehungen über Strukturen und Satzungen stellen (so notwendig diese sind). Und über allem:

ETWAS ERWARTEN!

Wir empfangen nichts, weil wir nicht bitten und wir bitten nicht, weil wir nichts erwarten. Ich habe eine tiefe geistliche Sehnsucht. Du auch? Aber nur wenn diese auf Christus zielt, hat sie ein gutes Ziel! Wie wäre es, wenn wir alle in unsere ganz normale Kirche/Gemeinde gingen und einfach mal etwas von Gott erwarteten? Damit rechnen: ER will heute zu uns (nicht nur zu mir!) sprechen und wirken! Durch diesen seltsamen, fehlbaren Prediger da vorne. Durch die Musik (die auch schiefe Töne hat), die Leitung (die sich mal verhaspelt), ein Bild, was auch immer. Nur mal so als Idee… Ich denke:

GOTT FREUT SICH ÜBER SOLCHE ERWARTUNGEN UND ERFÜLLT SIE GERNE!

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7 Antworten zu “Paradigmenwechsel: Wann wächst eine Gemeinde WIRKLICH?

  1. Ein sehr guter Gedankenanstoß, danke! Irgendwie ist in der deutschen Gemeindelandschaft so ein Wettbewerb so gut wie unausrottbar: Wer hat die höchsten Besucherzahlen? Der ist »geistlicher« König.
    Inwieweit die Besucher jedoch in der Nachfolge vorankommen, ansteckend sind, Jesus in ihrem Leben erfahren, wird anhand von Besucherzahlen nicht festzustellen sein.

  2. Ja der Post hat mir auch sehr gut gefallen. Wenn ich in die Gemeinde gehe, erwarte ich immer, daß Gott durch meine Mitchristen dort reden kann. Und wenn Er mal mir nichts zu sagen hat, dann redet ER eben mit meinen geistlichen Geschwistern dort. Das menschliche Miteinander kann man dort allemal trainieren. Habe aber auch sehr liebe Geschwister, die zu sehen, ich mich dann auch freue. Ich glaube zutiefst, daß Gott überall und immer gegenwärtig ist. Aber IHN nicht zu spüren und sein Schweigen muß ich auch aushalten können.

  3. Vielen Dank für deine treffende Analyse unseres frommen Gemeindemanagements. Hat mich wieder an das Buch von Magnus Malm „Gott braucht keine Helden“ erinnert. Sehr schnell holt uns das Effizienzdenken ein. Der „Umzuismus“ – Ich pflege meine Spiritualität, damit meine (!!) Gemeinde stärker wächst und Gott mehr segnet. Auch wenn es ein Traum ist, an dieser Stelle zweckfrei zu leben ist zumindest eine sensible Selbstwahrnehmung angesagt! Dazu tragen deine Ausführungen definitiv bei!

  4. Das Buch, das Gott mit den Völkern des Alten resp. Neuen Bundes schrieb, bezeugt Seine Selbstzusage an alle Menschen (s. Tit 2, 11). Doch Suchende und (An-)Fragende erfaßt nicht selten der Ekel angesichts des Stimmengewirrs, des Gezänks, der ebenso arroganten wie unerträglichen Selbstgefälligkeit unserer Heiligungsfreaks insonderheit, des gegenseitigen, zumeist latenten Argwohns gegenüber den Glaubensgeschwistern hinsichtlich des Vorhandenseins oder der Authentizität ihres Glaubens, ein Ekel, der in der Frage zum Ausdruck kommt, wie es sich denn mit der Klarheit und Stringenz eines Buches verhält, wenn die Christenheit noch nicht einmal in grundsätzlichen Glaubensfragen Einigung erzielt, oberflächliche und geistig träge Entscheidungsträger Schlüsselpositionen besetzen, um schlußendlich die Gemeinden leer- und u. U. schier Verzweifelnde wegzupredigen. Ich sehne mich nach dem Gericht, das im Hause Gottes anfängt und Sein Wort in dessen Klarheit und Stringenz wieder ins Recht setzt.

    Herr! Gib uns blöde Augen für Dinge, die nichts taugen – und Augen voller Klarheit in alle deine Wahrheit.

    Sören Kierkegaard

  5. Ich will euch mal einen Artikel von Tozer posten.
    Wer mir kennt weiß, daß ich manche Dinge nicht so streng sehe, aber ich liebe seine prägnante und deutliche Art-
    Er ist so eine Art Geistliches Fisherman`s

    Das Problem mit den großen Zahlen
    Die Frage der Anzahl und ihrer Beziehung zu Erfolg und Misserfolg im Werk des Herrn ist etwas, was vielen Christen Schwierigkeiten bereitet.
    Mit dieser Frage beschäftigen sich zwei entgegengesetzte Denkschulen.
    Es gibt zum Beispiel Christen, die sich gar nicht damit befassen, weil sie diese für unter ihrer Würde halten. Sie entsprechen den Liebhabern intellektueller Musik, die sich entschieden weigern anzuerkennen, dass irgendetwas von Wert sein könnte, was nicht von Bach, Beethoven oder Brahms komponiert wurde.
    Sie wissen sich in der Minderheit und rühmen sich dessen; denn ihrer Meinung nach ist es eine sehr, sehr überlegene Minderheit, und so blicken sie verächtlich auf alles herab, was an etwas Freude hat, das nicht so kompliziert wie eine Symphonie ist.
    Natürlich ist das kultureller Snobismus und verrät uns mehr über solche Personen, als ihnen lieb ist. Sie erinnern uns an die elitären Leute, von denen Colton schrieb:
    So abgrundtief verachten sie das Volk, dass wenn die großen Haufen per Zufall richtig geh´n, sie darum in die falsche Richtung laufen.
    Nun habe ich auch unter Christen einige getroffen, die sich einer Art geistlichen Snobismus schuldig machen, was ihnen selbst sicher gänzlich unbewusst ist. Sie fühlen sich so heftig von dem gewöhnlichen Allerwelts-Christentum abgestoßen, dass sie mit dem großen Haufen nichts mehr zu tun haben wollen. Sie ziehen es vor, im kleinen, erlesenen Kreis am Tisch des Herrn zu sitzen, die tiefen Dinge des Herrn zu bewundern und – wie ich fürchte – ein ganz klein wenig auch sich selbst. Das ist eine Art protestantischen Mönchstums ohne Kutte und Rosenkranz; denn man versucht den christlichen Glauben vor Verunreinigungen zu bewahren, indem man sich von den vulgären Massen absondert.
    Die Motive mögen anerkennenswert sein; aber die Methoden sind ganz und gar unbiblisch, und sie handeln aus einem völlig anderen Geist als unser Herr.
    Die andere, entgegengesetzte Schule ist die weitaus vernehmbarere und hat bei weitem die meisten Anhänger in evangelikalen Zirkeln unserer Tage. Ihre Philosophie, wenn man sie so nennen darf, ist diese: Wir müssen die Massen erreichen, einerlei wie. Die Anhänger dieser Lehre scheinen sich mehr mit der Quantität als mit der Qualität zu befassen. Sie scheinen von dem Eifer verzehrt zu werden, »die Leute hereinzubringen«, auch wenn sie ihnen wenig zu bieten haben, wenn sie drin sind. Sie nehmen sich sowohl in der Lehre als auch in den Methoden unentschuldbare Freiheiten heraus. Die Bibel wird eher als Steinbruch benutzt als dass sie ausgelegt wird, und das Herrsein Christi wird fast völlig ignoriert. Dann wird Druck ausgeübt, um die Leute (die, nebenbei gesagt, mit ganz anderen Dingen im Kopf in die Versammlungen kamen) zu überreden, Christus anzunehmen, indem man ihnen versichert, sie würden dann Frieden im Herzen und Erfolg in geldlichen Dingen haben, gar nicht zu reden von guten Schulabschlüssen und wenigen Schlägen auf dem Golfplatz.
    Die Manie, um jeden Preis die Massen anzuziehen, hat die amerikanische Christenheit fest im Griff und steht als Motiv hinter einem erschreckend hohen Prozentsatz aller christlichen Initiativen. Männer und Gemeinden wetteifern um die Aufmerksamkeit zahlungskräftiger Massen, die mit Hilfe aller möglichen, in der Welt heute beliebter Kinkerlitzchen und Kunststücke angelockt werden, nach außen hin, um deren Seelen zu retten, in Wirklichkeit aber vor allem aus gar nicht so lobenswerten Motiven heraus.
    Nun, der ernste Christ möchte beiden Extremen entrinnen, doch bedrückt ihn die Frage, wie es mit den großen Zahlen zu halten ist, und er bemüht sich, den Willen Gottes für sein Leben und seinen Dienst zu erkennen. Soll er sich um größere Mengen bemühen oder um kleinere? Was ist der Wille Gottes für ihn? Hängt der Erfolg im Werk des Herrn von den Zahlen ab? Kann man mit Quantität ersetzen, was an Qualität fehlt und auf diese Weise zum gleichen Ergebnis kommen?
    Vielleicht helfen uns ein oder zwei Bilder. Wenn unser Land durch eine Hungersnot heimgesucht würde und du müsstest in deinem Stadtteil die Hungernden ernähren, zählte dann die Anzahl? Ganz sicher! Wäre es nicht besser, fünf hungrige Kinder zu speisen als zwei? Fühltest du dich nicht verpflichtet, lieber Hunderte als zehn, Tausende als hundert zu ernähren? Gewiss doch! Oder wenn ein Schiff sinkt und deine Gemeinde über ein Rettungsboot verfügt, bedeuten dann Zahlen etwas? Wieder lautet die Antwort: Ja. Denn es wäre doch besser zehn als zwei, hundert als fünfzig zu retten.
    So ist es mit dem Werk des Herrn. Es ist besser, viele zu erretten als wenige. Jeder Verlorene, der nach Hause gebracht wird, erhöht die Freude der Engel und verstärkt den Chor, der das Lob des Lammes singen wird. Ganz offensichtlich ging es dem Herrn, als Er hier auf der Erde war, um die Massen. Und so sollte es auch Seinen Nachfolgern gehen. Eine Gemeinde, die kein Interesse an Evangelisation und Mission hat, ist in jeder Beziehung unter dem normalen Standard und hat eine Erweckung bitter nötig.
    Unser ständiges Bemühen sollte sein, so viele Menschen wie möglich mit der christlichen Botschaft zu erreichen, und aus diesem Grunde sind Zahlen von entscheidender Bedeutung. Aber unsere oberste Verpflichtung besteht nicht darin, Bekehrte zu machen, sondern die Ehre Gottes in einer Welt aufrecht zu erhalten, die nur auf die Herrlichkeit des gefallenen Menschen bedacht ist. Einerlei, wie viele Personen wir mit dem Evangelium erreicht haben, wir haben versagt, wenn wir zusammen mit der Botschaft der Einladung nicht mutig die abgrundtiefe Sündigkeit des Menschen und die transzendente Heiligkeit des allerhöchsten Gottes verkünden. Wer die Wahrheit zugunsten großer Massen abschwächt oder komprimitiert, verunehrt Gott und fügt den Seelen der Menschen schweren Schaden zu.
    Die Versuchung, die Lehre Christi in der Hoffnung abzuändern, dadurch würden Ihn große Scharen »akzeptieren«, ist sehr groß in unseren Tagen der Hochgeschwindigkeit, der lauten Töne und der Massen. Aber wenn wir wissen, was gut für uns ist, werden wir uns dem mit allem, was uns zur Verfügung steht, widersetzen.
    Nachgiebigkeit kann nur zu einer schwächlichen und unbrauchbaren Christenheit in dieser Generation und zu Tod und Untergang in der nächsten führen.

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