Schwierige Frage: Christ sein oder Dackel kaufen?

„Im Blick auf das, was landläufig unter Christsein verstanden wird, habe ich den Eindruck, dass es ein Leben mehr verändert, einen Dackel zu kaufen, als Christ zu werden“ (Holger Bungenberg, Theologe – gefunden auf der Rückseite der aktuellen AUFATMEN)

Bild 1Liegt’s am Dackel? Nö. Es ist schon zu beobachten, dieses vermaledeite: „Glaube ist Privatsache“ – nun denn, dann fällt er eben auch nicht mehr auf als die Farbe des bevorzugten Klopapiers im heimischen Örtchen. Glaube ist Privatsache  – das ist ein Widerspruch in sich und negiert die Relevanz des Glaubens für das Leben. Glauben als Privatsache ist überhaupt kein Glauben – zumindest nicht, wenn wir die Bibel ernst nehmen. Glaube sollte nicht parteipolitisch vereinnahmt werden (weswegen ich C’s in Parteinahmen verdächtig und unangenehm finde), aber er ist: politisch. Provokativ. Alternativ. Salz in der Wunde. Brennend, aber auch reinigend. Im eigenen Leben, in der Familie, im Ortsteil, im Land und auch global.

Woran hakt es? Ich weiss es ehrlich gesagt nicht. Mangelnder Mut? Zu wenig in die Praxis führende Verkündigung? Was denkst du? Ich weiss, eine Weltfrage… aber…

„Mut ist Angst, die gebetet hat“ (Corrie ten Boom)

Advertisements

20 Antworten zu “Schwierige Frage: Christ sein oder Dackel kaufen?

  1. Ist ja ein Witz 😉 Genau darüber habe ich heute bei meinem „Hallo-Wach-Kaffee“ auch nach gedacht, weil die Rückseite der Aufatmen für leichte Kost auf dem Wohnzimmertisch sorgte. Über eine Antwort muss ich noch NACH „Hallo-Wach“ nachdenken. Spontaner Gedanke: weil wir uns verkrampfen, wo es eigentlich nichts zu verkrampfen gibt.

  2. Das mit dem Dackel ist sicher eine Frage der Perspektive! Ein Hundebesitzer oder -liebhaber würde hier wahrscheinlich anders reagieren, als unsereins.
    Worans liegt, dass so ein Hund das Leben stärker verändern kann als Christsein? Ein Dackel bellt lauter, wirbt greller um Aufmerksamkeit und will gefüttert werden.
    In der aktuellen Predigtreihe zu den 7 Todsünden geht es am kommenden Sonntag in unserer Gemeinde um die Trägheit. Ich glaube, dass es neben so vielem daran auch liegt: träge Herzen, frustrierte Erfahrungen, schmerzhafte Ernüchterung. Ähnlich wie bei der Politikverdrossenheit gibt es auch diese Glaubensverdrossenheit – „was solls!“

  3. Der Dackel drängt sich auf. Er bellt, wenn er hungrig ist; er jault an der Tür, wenn er mal muss; er springt an einem hoch, wenn er gestreichelt werden will. Der Hund ist egoistisch und sucht seinen Vorteil.

    Der Heilige Geist ist ein Gentleman (zumindest meistens…). Er drängt sich nicht auf und will gesucht und begehrt werden. Er will, dass wir uns Mühe machen, um eine lebendige Beziehung zu ihm zu bauen. Er versteckt sich gelegentlich und wir müssen ihn suchen. Er ist eben kein Dackel.

    In unserer Fastfood-Gesellschaft, in der uns alles immer sofort zur Verfügung steht, sind wir nicht mehr gewohnt, Mühe aufzuwenden, um eine lebendige Beziehung zu bauen und am Leben zu halten. Veränderung geschieht aber nur durch die lebendige Beziehung zu Christus, aus seiner Gnade und Barmherzigkeit.

    Wir müssen uns also für das Dackel-Prinzip oder das Christus-Prinzip entscheiden.

  4. Das sicher nicht – ich kenne sehr nette Dackel. Bin aber auch mal als Jogger von einem angefallen worden. Gab dann Dackelfußball und hey, die fliegen gar nicht schlecht…;-). Der Vergleich mit dem aufdrängen und nicht aufdrängen ist sehr fein…

  5. Manchmal wünschte ich mir schon, dass Gott sich mehr aufdrängen würde. Ich fände es auch einfacher, wenn er jederzeit sichtbar und fühlbar wäre. Aber er möchte wohl, dass wir zu mündigen und aktiven Christen werden, die im Glauben und nicht im Schauen leben. Weiß nicht, ob ich das gut finde, aber wir können es ja eh nicht ändern…

    Ich hoffe, der Dackel hat sich beim Fliegen nicht verletzt; zum Fliegen sind die ja eigentlich nicht gemacht. Wieso konstruiert der Herr eigentlich einen so unförmigen Hund?

  6. Glaube als Privatsache ist nach meiner Auffassung nur eine weitere Variante religiösen Schwärmertums, spiritueller Materialismus – spukhaft anmutende Erlebnisse der Psyche treten an die Stelle wirklicher, konkret vermittelter Gotteserfahrungen: Und schon meint man gar, das Erbe Taulers oder Angelus Selesius´ angetreten zu haben. Da spiele ich lieber Dackelfu…äh…“Ich sehe `was, was Du nicht siehst“.

  7. Es ist immer wieder spannend was du so weiter gibst. Mich interessiert das Thema Glauben = Privatsache von einer anderen Perspektive.
    Gerade zum Beispiel Mobbing.:
    Ich habe es schon erlebt das weil man Christ ist einem die Grundrechte so insgeheim entzogen werden. Auch das recht auf Selbstverteidigung. Und genau an diesem Punkt argumentiere ich so. Ich bin deutscher Staatsbürger und für mich gelten die gleichen Gesetze wie für alle, und mein Glaube ist in diesem Zusammenhang wirklich Privatsache. Es gibt Mitmenschen die mutig(frech) werden weil du eben Christ bist.

  8. Vielleicht schrauben „wir“ den Anspruch der Nachfolge herunter?
    Vielleicht haben wir einfach Angst konsequent zu leben?
    Vielleicht haben wir uns einfach nur daran gewöhnt so zu leben, wie wir leben und etwas neues kommt uns gar nicht in den Sinn…

    Das sind meine Vermutungen…

    Ich ärger mich grad selber: Obwohl ich weiß, dass es so aufregend und genial ist sein Christsein konsequent zu leben, tue ich es so häufig nicht…

  9. Leider hast Du mit Deinem Artikel recht lieber Wegbegleiter!!! Der Hund ist ein Jocker Gottes, wir lieben ihn sehr und sollten ihn nicht so brauchen. Und Du spielst mit einem Geschenk Gottes Fußball, mußte aber doch sehr lachen. Nur warum sind vierbeinige Geschenke nicht besser unter Kontrolle und beißen einfach, einfach peinlich für Hundebesitzer.

  10. Vielleicht liegt es einfach an der Tatsache das wir Christen uns als Minderheit fühlen! Oder interpretieren wir „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst“ einfach mit dem Wunsch unauffällig zu bleiben!
    Damit würde Bernhards Theorie stimmen und wir lassen uns mobben und bleiben anonym und erkennen uns nicht einmal mehr gegenseitig. Abgesehen davon zeigen wir nach aussen als Christen alles andere als Geschlossen- bzw. Entschlossenheit. Was sicher auch darin begründet liegt das wir Gottes Wort und seine Vorstellungen “ Salz sein“ nicht mit Mut leben sondern mit unmut bemängeln.

  11. Vielleicht auch, weil einen Dackel zu haben in unsere Gesellschaft als normal akzeptiert wird und der Glaube vielleicht nicht mehr ganz so. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es mir einige Jahre etwas peinlich war, zuzugeben dass ich Christ bin – schon irgendwie traurig, weil es ja das beste war und ist, was mir in meinem Leben passiert ist, die Entscheidung für Jesus.
    Mittlerweile hat es sich gebessert und ich kann mutig rede und antwort stehen und Gott schenkt mir immer wieder Momente, in denen ich erwähnen kann, dass ich an Jesus Christus glaube. Und ich merke, je mehr intensive Erfahrungen ich mit Gott mache, desto mehr kommt das Bedürfniss auf, zu seinem Glauben zu stehen und davon zu erzählen. Auch wenn das von davon zu erzählen bei mir noch ausgebaut werden muss.

    Eine Frage die mich immer wieder bewegt ist, was ist eigentlich mit unserem Land passiert? Warum wird einem das Gefühl vermittelt, dass es peinlich ist, an Jesus zu Glauben? Und warum sind nur noch so wenige Menschen bei uns gläubige Christen?

    Mir kommt es auch manchmal so vor, dass Leute aus anderen Religionen kaum Problem verspüren zu ihrem Glauben zu stehen und ihn auch öffentlicher zu leben…

  12. Danke an alle! Gute Gedanken…..
    Mir fällt spontan ein „Perlen und Säue“, kann aber auch gut als Ausrede verwendet werden…. Mut zur „Frechheit“? Vielleicht auch eine Charakterfrage.
    Je älter ich werde um so „mutiger“ werde ich, meine Glauben „Gassi zu führen“ (fand ich super, die Formulierung!)
    Ich glaub iicht, dass es eine Land- oder Zeitfrage ist. Es war schon immer so, warum hätte Paulus sonst so explizit geschrieben „Ich schäme mich des Evangelíums nicht!“ ?
    Fröhlihce Pfingsten!

  13. Eine Frage, die mich auch oft beschäftigt. Hanspeter Schmutz vertrat im christlichen Magazin „Bausteine“, Ausgabe 3/2004, folgende provokative Ansicht:

    „Der Glaube kommt aus der Predigt. Das heisst aber: Was nicht gepredigt wird, wird auch nicht geglaubt, denn es hat nichts zu tun mit dem Glauben. (…) Hinter dem Mangel an lebenswichtigen Predigten steht oft eine eingeschränkte Theologie, die sich darin gefällt, theologische Probleme auszubreiten oder sich darauf beschränkt, die immer gleichen Grundwahrheiten zum Thema zu machen. Dies führt zu einem künstlichen, von der Realität abgehobenen Christsein und in der Folge zu einem „praktischen Atheismus“: alles Wichtige in unserm Leben tun wir ohne Gott.“ (S.8)

    Ziemlich direkt und schmerzhaft, und ja, es ist eine offene Kritik an Pastoren und Gemeindeleitern, was weithin nicht goutiert wird. Aber vielleicht müssen wir beginnen, einander manchmal wehzutun, wenn wir vorankommen wollen. Jedenfalls muss ich, je mehr Sonntagspredigten ich höre, diese Einschätzung desto länger teilen.

  14. Danke elgreco (Grieche?) und Gruß in die Schweiz, ich wollte schon sagen: komm doch mal in unsere Gemeinde, ist aber ein bisschen weit…;-). Der Vers ist allerdings falsch zitiert, da steht ja wörtlich nur: aus dem Gehörten. Damit ist sicherlich Predigt gemeint, aber auch jede andere Verkündigung oder Weitererzählung… Hauskreise… aber sicherlich: zu wenig Predigt führt in den Alltag hinein!

  15. @elgreco33 @wegbegleiter

    In unserer multimedialen postmodernen Zeit kann man sich doch Predigten zu jedem Thema und von tausenden von Predigern aus dem Internet ziehen. Nicht das Angebot an Predigten hat abgenommen, sondern die Bereitschaft, das Gehörte im alltäglichen Leben umzusetzen. Der Individualismus produziert immer mehr Egoismus (siehe Wirtschaftskrise), die Gesetzlosigkeit nimmt zu und die Liebe erkaltet. Das Problem ist nicht ein Predigt-Mangel, sondern ein Liebes-Mangel. Hier müssen wir gegensteuern und unsere Liebestanks bei Gott auftanken. Wenn wir von ihm Gnade erhalten haben, dürfen wir sie im alltäglichen Leben umsetzen und die gehörten Predigten damit praktizieren. Ich wünsche uns mehr Liebe…

    p.s. Interesant, wieviel Liebe manchmal den Dackeln gegeben wird 😉

  16. Und auch durch die Dackelliebe kann Gott uns eine Predigt halten und zu uns sprechen.(Die Treue der Hunde erinnert uns an Gottes vollkommene Treue zu uns Menschenkindern) Danke Dirk!

  17. Tja, lieber Dirk, der Dackel will nur was zu Fressen, Streicheleinheiten und Gassi gehen, widerspricht nicht und schaut dich immer treuherzig an…..so ein widerborstiger Mensch ist da schon ein anderes Kaliber, besonders wenn er sich erdreistet eine eigene Meinung zu haben, die nicht meiner entspricht.
    Im Ernst: Du hast Recht , Liebenlernen ist das Entscheidende und Ungezwungenheit im Reden über unseren Glauben, wenn die Sprache darauf kommt.

  18. Oh Anette, du kennst unseren Hund nicht… Er (sie) widerspricht ständig und liebt ihre Freiheit, ist manchmal ganz schön widerborstig…

    Aber echte Liebe liebt ja gerade ohne etwas zu erwarten, liebt ja gerade auch die Feinde…

    Ohne Gottes Geist sind wir dazu wohl nicht fähig, ich jedenfalls nicht…

    p.s. Interessant, wieviel Kommentare so ein Dackel bewirken kann…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s