Die Chance: das Ende der Gesellschaft

Heute ein großartiges Interview in der FAZ mit Meinhard Miegel, Direktor des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn. Er spricht endlich deutlich aus, was sich bereits andeutet: das Ende des Wachstumsparadigmas. Höher, schneller, mehr Kohle und mehr, mehr, mehr….von allem; selbst die C-Parteien haben das lange vertreten und nun laufen wir saftig vor die Wand, nachdem die letzten 10 Jahre eh nur noch eine große Luftblase produziert wurde.

Was für eine Chance! Schon vor Jahrzehnten hatte der Club of Rome vor diesem Denken gewarnt, denn es läuft logischerweise in eine Sackgasse – nichts wächst endlos, auch in der Natur nicht! Zudem gibt es eine Konstante (die ich mal so definiere…;-): Äußeres Wachstum plus inneres Wachstum sind konstant. Je mehr wir äußere Wachstumswerte betonen, desto mehr wird das Innere vernachlässigt…. lesen wir mal rein ins Interview:

Die ganze Gesellschaft ist gedopt. Sie hat längst ihr inneres Gleichgewicht verloren, die Balance zwischen innerem und äußerem Reichtum. Viele vermögen mit „innerem Reichtum“ gar nichts mehr anzufangen. Dabei macht er den Menschen erst zum Menschen. Kaninchen und Kühe haben ihn nicht.
Das wissen wir nicht genau.
Gut, jedenfalls halte ich es für unwahrscheinlich. Ganz sicher haben sie keine Religionen, deren Bestreben es ja ist, die Balance von innerem und äußerem Reichtum aufrechtzuerhalten.
Die ganze Gesellschaft ist gedopt. Sie hat längst ihr inneres Gleichgewicht verloren, die Balance zwischen innerem und äußerem Reichtum. Viele vermögen mit „innerem Reichtum“ gar nichts mehr anzufangen. Dabei macht er den Menschen erst zum Menschen. Kaninchen und Kühe haben ihn nicht.
Das wissen wir nicht genau.
Gut, jedenfalls halte ich es für unwahrscheinlich. Ganz sicher haben sie keine Religionen, deren Bestreben es ja ist, die Balance von innerem und äußerem Reichtum aufrechtzuerhalten.
Schaffen Christen es, diese Lücke, diese Sehnsucht zu füllen? Oder sind wir längst selbst im Wachstumsparadigma gefangen? In unseren Gemeinden, in unserem Gottesbild… es bleibt spannend: denn die sorglose Wachstumsgesellschaft ist längst zusammengebrochen, die Politik hält einen komatösen Patienten mit viel Geld am Leben, mehr ist es aber nicht. Wann wagen wir es endlich, kreativ Alternativen zu denken? Können wir Christen dieser Gesellschaft in dieser schweren Zeit dienen? Und bitte nicht durch Rückzug in die fromme Nische, bitte nicht wieder: die Stillen im Lande…

Advertisements

10 Antworten zu “Die Chance: das Ende der Gesellschaft

  1. Dann lasst uns mal unsere GemeindeWACHSTUMSstrategien auf den Müllberg der Geschichte werfen und Gott wieder in unsrem Inneren wirken lassen.
    Neue Prioritäten könnten sein: Beziehungen statt Programme, Qualität statt Quantität, Gottes Wille statt Zeitgeist, Gnade statt Gesetzlichkeit…

    Ein neuer Aufbruch zu echtem authentischen Leben, das wäre eine super Konsequenz aus der derzeitigen Krise. Doch kriegen wir die Kurve?…

  2. Interessant ist, dass Peter Wenz einen ähnlichen Artikel in der Zeitschrift „Race“ (hab ich zufällig mal bekommen) geschrieben hat, in dem er einen etwas anderen Ansatz verfolgt (was die Stillen im Lande betrifft). Leider kann man ihn im Web nicht lesen. Wenn Du interesse hast, dann scanne ich den Artikel gern für dich ein.

    Ob wir Christen diese Lücken füllen können? Ich bezweifle es, dazu bedarf es mehr als jetzt von uns kommt (ich nehme mich nicht aus, ich saß gestern in einer Arztpraxis im Wartezimmer und es drängte mich von Jesus zu erzählen. Doch ich hatte keinen Mut und hab es nicht getan). Ich bete das es anders kommt und der Heilige Geist dieses Land durchweht, uns Kraft und Mut gibt den Menschen vom Erlöser zu erzählen. Damit sie eine Hoffung kennenlernen, die nie vergeht.

  3. @Dirk: ich finde da sowieso den Ansatz von CA Schwarz (NGE) am besten: an der Qualität arbeiten – Gott schenkt Wachstum, wenn wir den Boden qualitativ verbessern, auflockern, düngen… alle reinen Zahlenansätze haben was zutiefst unbiblisches! Gott wird in lineare Gleichungen gedrängt. Und echtes Wachstum ist nicht machbar. So schwer uns der Gedanke fällt…

    @Qunicy: her mit dem Aufsatz!!!.;-D

  4. In der Tat, ein bemerkenswertes Gespräch. In diesem Zusammenhang kann ich dem von mir verehrten Altbundeskanzler Helmut Schmidt nur beipflichten: „Zwar kann der Politiker im Augenblick seines Handelns oder wenn er sein Handeln erklären und begründen muß, nicht gleichzeitig auch große Philosophie liefern. Aber sofern er ohne philosophisch-ethische Grundlage handelt, ist er in Gefahr, Fehler zu begehen. Er ist in Gefahr, in Opportunismus abzusinken. Er ist sogar in Gefahr, ein Scharlatan zu werden (in: Weggefährten – Erinnerungen und Reflexionen, Berlin 1996). Kurzum, Abkehr vom Wachstumsparadigma beginnt – im Kopf. Erneut stoßen wir an dieser Stelle auf die zentrale Frage des Menschen nach sich selbst, die das Gottlosenterrorregime des zunehmend nekrophil anmutenden Wertschöpfungsprozesses, Ökonomie genannt, längst mit dem Bild des „flexiblen Menschen“ beantwortet hat. Daran wird alles und jeder ausgerichtet, bewußtlos gemacht: Ehe, Familie, Erziehung, Bildung, Weiterbildung. Der Beitrag der Kirche ist mithin primär geistiger Natur. Frömmelndes wie oberflächliches und geistig träges Geschwätz ist daher unverzüglich einzustellen – in Gemeinden, auf Kirchentagen, auf Hochschulen, im Rat der EKD. Wie? Durch Umkehr und Rückkehr zu den Selbstzusagen Gottes in der Heiligen Schrift – denn in i h n en besteht deren Autorität. Dies wiederum setzt die Totalabsage an die historisch-kritische Methode der Bibelauslegung voraus, die auf ihre Weise lediglich eine – wenn auch unter anderem Vorzeichen bestehende – Variante buchstäblich-buchstabierender Schriftexegese darstellt. Ergo: Will die Kirche wirklich gesellschaftlich Relevantes beitragen – dann muß s i e zuallerst umdenken. Ende der Durchsage.

  5. @Eule: wie immer ein Lesegenuss (mit dir würde ich gerne mal ein Gläschen Wein schlürfen, wo wohnst du eigentlich?). Ich würde weiter gehen – die Frage der Schriftauslegung ist ja nicht so die Riesenfrage in den Freikirchen, bei uns zumindest nicht… radikal Gottes Wort ernst nehmen, auch in seiner globalen Dimension. Reich Gottes denken und das endet nicht an der Kirchentür, sondern beginnt manchmal gerade erst dort…;-). Kirche (oder auf FK bezogen: Gemeinde) nicht von Programmen her denken, sondern von Menschen her, die verändert wie ein Sauerteig die Welt durchwirken und wohltuend und befreiend wirken. Auf Qualität säen und Qualität und letztlich wahrscheinlich sogar Quantität ernten. Ganzheitlich denken und glauben lernen. Abkehr von modernen Paradigmen, die unser Glaubensverständnis durchwirkt haben und gar nicht zur guten alten Zeit gehören… uswusf…. mann, spannend!

  6. Hallo Christof – Sei stolz auf den Verbund, dem Du und Deine Gemeinde angehörst ;-). Ich bin – zumindest derzeit – unfähig, dergleichen für meine Kirche (eben die EKD) zu empfinden. Ich hatte in meiner letzten E-Mail an Dich (im Zusammenhang mit dem Eckstein-Vortrag) bereits meine Heimat benannt. Möglicherweise hat diese Dich nicht erreicht – gesandt von mir, der noch nicht auf den Seehund gekommenen, kurzum aus dem hohen Norden stammenden Eule :-). Danke für Deine liebe Reaktion, Christof. Ich muß los.

  7. @Eule: ja, mann klar, Itzehoe. Schussel ich. Bin übrigens im Urlaub demnächst gar nicht so weit entfernt: Cuxhaven. Werd da auch predigen in der FeG…;-) aber: Back to the topic…;-)

  8. Auch der Gegentrend zu angeblich unaufhörlichem Wachstum ist sichtbar, wenn auch nur im Kleinen. Einfacher leben, Verzicht, Entschleunigung sind aktuelle Themen: Fasten (7 Wochen ohne; Fastenseminare), Pilgern, Einkehrzeiten im Kloster etc. erfreuen sich immer größerer Belibetheit, nicht nur bei „Christens“. Die Sehnsucht nach etwas, das – wie z.B. Konsum – nicht nur meinen Körper befriedigt, sondern meine Seele berührt, ist doch ungebrochen. Da könnten wir ansetzen, bei uns selbst und indem wir Plattformen anbieten, die auch andere anlocken und eine Einladung sind, sich mit Glauben auseinander zu setzen. Überlassen wir das doch nicht irgendwelchen hohlen Esoseminaren! Das „Jahr der Stille“ 2010 ist eine gute Gelegenheit. Da denke ich grad drauf rum …
    Freue mich schon auf deinen Besuch in Cux-FeG!

  9. Gute Anwendung aufs Thema Gemeindewachstum. Da haben wir in den letzten Jahren auch weiß Gott genug gehört vom „höher-schneller-weiter“ – oder soundsoviel Gemeinden in soundsoviel Jahren *hüstel*. Auch wenn ich mir ebenfalls wünsche, dass meine Gemeinde wächst, und es auch noch viele weitere Gemeinden in Deutschland geben dürfte, habe ich oft den Eindruck, dass von menschlicher Seite Druck aufgebaut wird, und an diesem Druck scheitern viele, die mit viel Motivation auf den Weg gestartet sind.

    „Beziehungen“ ist ein gutes Stichwort, ebenso wie: Zeit. Stille. Blick für den Nächsten und gelassenes Vertrauen auf Gott. Könnte sein, dass wir, wenn wir das hinbekommen, von ganz alleine „Wachstum“ erleben – inneres und in Folge äußeres. Das hat schon Rick Warren bemerkt und schreibt seinen Lesern von „Kirche mit Vision“ (naja, auch ein „Gemeindewachstums-Buch“ ins Stammbuch, dass eine geistlich gesunde Gemeinde von alleine wächst.

  10. @ curioustraveller

    Genau, der Baum wächst ja auch von allein. Er müht sich nicht ab, um Früchte rauszupressen oder schneller zu wachsen. Die Bäume in meinem Garten sind entspannter als die meisten Christen 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s