Was Gott bei uns sehen will!

Philip Yancey erzählt, dass der Komponist Igor Strawinsky einmal ein neues Musikstück mit einer schwierigen Geigenpassage komponierte. Nach mehreren Wochen Probe kam der Sologeiger zu Strawinsky und sagte, er könne das nicht spielen. Er habe sein Bestes gegeben, aber er fände die Stelle zu schwer, quasi unspielbar. Strawinsky antwortete: „Das verstehe ich. Ich suche auch nur nach dem Klang, der entsteht, wenn jemand versucht, sie zu spielen!“

Ich denke zunehmend in Spannungsfeldern und Prozessen und nicht in Schwarz/weiß-Entscheidungen und festzementierten Standpunkten. Das ist – so meine ich – dem biblischen Denken näher, dass ja auch nicht von einer Übernahme einer Dogmatik, sondern von der Nachfolge Christi redet! (Prozesshaft)

Ich bin der Überzeugung, dass wir Verheißungen ernst nehmen sollen – wir sollten aber auch die Unverfügbarkeit Gottes ernst nehmen, da, schon wieder ein Spannungsfeld. Ein Beispiel: Manche sagen, Glaube sei entscheidend bei der Heilung. Ja, Jesus sagt es an manchen Stellen: dein Glaube hat dich geheilt (Glaube woran?). An anderen Stellen fragt er überhaupt nicht nach dem Glauben, sondern Heilung wird geschenkt – unabhängig vom Glauben. Weil Heilung ein Hinweis auf das Reich Gottes ist und nicht das Zentrum selbst. Ein Akt der Gnade und die benötigt eben keine Vorbedingung – sonst dürften wir nicht für Nichtchristen beten oder müssten wieder mit den unseligen Fragen beginnen, wenn Heilung ausbleibt: wer hat nun zu wenig Glauben gehabt… wenn wir daran nicht irre werden wollen, müssen wir anders denken lernen, eine Ebene höher, eine Ebene, die früher viel selbstverständlicher war…

…denn ich denke auch schon wieder zu systematisch!!! Hier ist der Knackpunkt. Es geht gar nicht so sehr um ein: aus a folgt b in der christlichen Nachfolge. Es geht um ein Unterwegs-Sein mit Jesus. Er fragt gar nicht so sehr danach, ob alles klappt – letztlich ist es auch egal (denn er lässt alles zum Guten dienen), er fragt nach echter Hingabe und Leidenschaft. Und er wird unsere Versuche, zu beten, zu heilen, zu hoffen, zu wachsen, lieb haben und beobachten und sich daran freuen, dass wir unterwegs sind. Enttäuscht werden kann Gott nicht!!! Sonst wäre er nicht Gott. Er versorgt uns mit allem, was wir brauchen: Glaube, Kraft… einfach alles. Wir gehen damit mehr oder weniger stümperhaft um. Hoffentlich auf Dauer weniger stümperhaft. Aber ist ein Vater zornig, wenn der Sohnemann (oder die – äh – Tochterfrau?) es ernsthaft versucht und dabei auf die Nase fällt? Gott auch nicht.

Wir sind unterwegs. Jens Stangenberg hat es Tanz auf den Fontänen genannt. Lösen wir uns vom unseligen, zweidimensionalen linearen Denken: aus a folgt b – und fangen an zu tanzen. Wir werden siegen und auch daneben hauen und hey: es ist zumindest für Gott kein Problem! Die Gnade ist immer größer. (für all die, die jetzt kommen und sagen: da kann man ja machen, was man will, empfehle ich (1) die Lektüre des Römerbriefes und (2) ist das auch schon wieder linear gedacht – wenn ich Freiheit aus Gnade habe, mache ich automatisch, was ich will…). So können wir vielleicht aus der Beziehung zu Jesus heraus auch z.B. um Heilung beten und es wird geschehen – ohne aus Heilung ein System machen zu müssen. Und wenn es nicht geschieht, können trotzdem beide Seiten unbelastet ihres Weges gehen. Weil die Beziehung zählt, der Weg – und nicht die simple lineare Dogmatik!

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11 Antworten zu “Was Gott bei uns sehen will!

  1. Wie sehr Du mir mal wieder mehr aus der Seele sprichst,einfach genial.
    Liebe Grüße und sei reich gesegnet
    Alfruna

  2. @alfruna: danke!
    @membersound: herzlich willkommen auf meinem Blog und danke fürs Abonnieren – und ruhig fleissig mit diskutieren!
    Segen euch beiden!

  3. Danke für den Hinweis auf das Loslassen des linearen Denkens. Trifft gerade genau in meine Situation. Und ich frage mich: ist es nicht eigenartig, wie leicht wir immer wieder die Freiheit des Evangeliums vergessen?
    Schön, daß Du wieder blogst!
    Andreas

  4. Lies mal dazu den neuen Brief von Reinhard Bonnke. Gott sprengt alle unsere Vorstellungen . ER sagt ja auch: Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken—und trotzdem ist ER der logos. Aber auch das ist mehr mehr ,als wir uns vorstellen können. Es mit WORT zu übersetzen bringt auch nicht die richtige Dimension, denn „Wort“ ist SChöpfungskraft und der“ Materie-macher“ Alles entsteht aus dem Wort Gottes.Mir gefällt es, über Gottes Größe nachzusinnen. Könnte ich IHN verstehen ,wäre ER nicht GOTT. Ein video, das SEINE Größe beschreibt, findest du hier:http://www.vimeo.com/1371841 That is my king!!

  5. Trostvolle Gedanken. Auch wenn Gott nicht heilt, bin ich auf dem Weg und muß mir nicht ständig den geistlichen Puls zählen wegen Glaube oder Frömmigkeit usw..

  6. Lieber Christof – Viele Grüße aus dem Norden, aus dem Du unlängst – hoffentlich – erholt zurückgekehrt bist, mit wunderbaren und (ich pflichte Apassionata bei) trostvollen Gedanken! Ja, wir sind unterwegs (1 Kor 4, 16) – auf einem Weg, der so unlinear zu sehen und zu denken ist wie die Unterseite eines komplex gewebten Teppichs…

  7. Was ich mehr und mehr begreife ist, dass es Gott darauf ankommt, dass ich in seinen Worten und Werken seine Liebe zu mir erkenne und mich ihm auf Grund dessen anvertraue und in Beziehung zu ihm und meinen Mitmenschen lebe.
    Ich kann seine Worte nur mit dem Herzen wirklich richtig vertsehen.

    An manchen Stellen ist ein Schwarz-Weiss-Denken für mich wichtig,
    z.B.: Er ist nur Lich t- ich bin nur Finsternis; er ist die Sonne- ich bin der Mond

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