Maria Laach: toll! – und eine ebenso tolle Mönch-Geschichte

Maria Laach also. 3.5 Tage in einem Benediktiner-Kloster. Zimmer im erfrischenden Stil der 70er, Essen mit den Mönchen im Refektorium (Speisesaal) unter Vorlesen von Bibelversen und Biographien interessanter christlicher Persönlichkeiten (Frauen aßen parallel im Speisesaal und durften reden – sage ich jetzt nix zu). Die Männer: Schweigend. Der Abt klopft seine Befehle. Alle dienen einander. Schön. Aber zu wenig zum Essen. Für mich. Eine Menge gelaufen. Leider massiv den Fuß umgeknickt. Wie durch ein Wunder einen Tag später zwar geschwollen wie blöd und schön bunt, aber wieder belastbar. Halbwegs. Der Pillen-Pater war verblüfft. Gott nicht.

Ansonsten: eine sehr intensive Atmosphäre der Verlangsamung, große Offenheit für Gottes Reden (1.Johannesbrief ist dran!), 30 Seiten am neuen Buch geschrieben und außerdem gute, wirklich gute und emotional bewegende Gespräche mit anderen Gästen gehabt – wie schön, wenn man selbst im Kloster noch einen freak (besser: eine freakin?) aus der Gemeinde von storch trifft, hihi… Lieber Gruß an die Wupper!

Gelesen: „Das Ruhegebet“ nach Johannes Cassian (4. Jahrhundert n. Chr.). Vorläufer des Herzensgebets, aber weit zugänglicher und weniger auf die östliche Spiritualität zugeschnitten. Spannend. Lebensnah und humorvoll. Wie großartig manche alte Mönchsgeschichten komplexe theologische und psychologische Zusammenhänge ganz einfach auf den Punkt bringen, das zeigt diese Geschichte.

Zwei Mönche wurden von ihrem Abt in ein benachbartes Kloster geschickt, um eine Nachricht zu überbringen. Schweigend und betend verbrachten sie viele Stunden ihres Weges. Plötzlich hörten sie – ihr Weg führte an einem Fluss entlang – eine Frauenstimme vom anderen Ufer. „Bitte helft mir, über den Fluss zu kommen. Ich möchte meine Mutter noch einmal sehen, die im Sterben liegt!“ Während der eine Mönch schweigend weiterging, entledigte sich der andere seines Gewandes, schwamm durch den Fluss und holte die Frau an das diesseitige Ufer. Diese bedankte sich herzlich und eilte ihrer Wege. Nachdem der Mönch sein Habit wieder angelegt hatte, ging er seinem Mitbruder nach, der ihm ein gehöriges Stück Weges voraus war. As er ihn eingeholt hatte, gingen sie beide in gewohnter Weise schweigend weiter. Nach einiger Zeit begann jedoch der Mönch, der unbekümmert seinen Weg fortgesetzt hatte, seinem Mitbruder heftige Vorwürfe zu machen: „Die Sünde, die du begangen hast, ist abgrundtief. Dabei kennst du unsere Regel, dass wir nicht einmal eine Frau länger anschauen dürfen. Und was hast du noch zusätzlich getan? Du hast dich entkleidet, sie berührt…!“ Ununterbrochen setzte er seine Anschuldigungen mit anschaulichen Bildern fort. Und selbst, als er zu reden aufgehört hatte, schien es, als ob er weiter redete. Nach einer längeren Pause sagte schließlich der Mönch, der die Frau ans andere Ufer gebracht hatte, ruhig und gelassen zum Mitbruder: „Trägst du sie immer noch?“ (aus: „Das Ruhegebet“ von Peter Dyckhoff)

Genial! Oder? Was denkst du bei dieser Geschichte? Wo ist sie für uns relevant?

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7 Antworten zu “Maria Laach: toll! – und eine ebenso tolle Mönch-Geschichte

  1. Klarer Fall von Projektion, sagt die Psychologin in mir.

    Wo ist sie für mich relevant… Hm, da muss ich mehr drüber nachdenken, aber so ein paar Dinge rühren sich schon im Hinterkopf.

    Grüßle, Tineli

  2. Eine unsrer Lieblingssünden: Das Gesetz rigoros auslegen. Ich frage mich, ob die zweite Sünde nicht sogar größer ist (wenn Jesus aufrechnen würde): Mich an den Sünden der anderen in der Phantasie zu delektieren. Manchmal spielt auch der Neid dabei eine Rolle.

  3. Sie ist genial!! „Wo ist sie für uns relevant?“ behalte ich für mich und nehme die Geschichte einfach nur für mich mit 😉

    Fein. Danke.

  4. Mir hat die Geschichte auch sehr gut gefallen, erinnert mich an meine mitunter mangelnde Vergebungsbereitschaft und an mein Elefantengehirn.

  5. Mich erinnert die Geschichte daran, nicht Gott zu dienen, sondern lernen mir von ihm dienen zu lassen. Nicht gehorsam zu sein, sondern dem Gehorsam( Jesus) zu glauben und dadurch in mir leben zu lassen. In seiner Gnade und Liebe zu ruhen, mich an ihm zu freuen , auf ihn zu hoffen und leiten zu lassen, um zu SEINER Zeit den Menschen seine Liebe offenbaren zu können durch Wort und Tat, damit sie den Vater im Himmel auch erkennen und wir uns alle zusammen an Gott freuen und ihn loben und preisen.
    Daran muss ich mich selber immer wieder, jeden Tag , ja oft mehrmals am Tag erinnern , damit nicht der Königsweg , sondern der König mein ein und alles wird.

  6. Regeln sind für die Menschen da, nicht die Menschen für die Regeln.
    Fällt mir zu dem Thema spontan ein.

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