Erstaunlich: Ist Weinen ein Tabu?

Widmen wir uns einem erstaunlichen Tabuthema.

Wenn man mal in die Hitliste der Artikel schaut, die auf diesem Blog veröffentlicht werden, dann ist erstaunlich, dass manche Artikel auch nach längerer Zeit immer noch täglich entdeckt und angesteuert werden. Am erstaunlichsten bei diesem Artikel über das Weinen… – der übrigens auch in ganz NRW nach seiner Ausstrahlung die meisten Rückmeldungen in meine Richtung ergeben hat…. mails, Briefe… – warum ist dieses Thema so brennend?

Warum? Weil viel versteckt geweint wird. Weil Weinen unterdrückt wird. Weil Tränen nach innen gehen. Ich weiss nicht, wie oft ich schon in der Gemeinde hinter vorgehaltener Hand von Männlein wie Weiblein den Satz gehört habe: „In dem Gottesdienst hätte ich weinen können, so sehr hat mich das berührt!“hätte können – habe aber nicht! Wenn ich dann nachfrage: warum hast du es nicht getan? Kommt die Antwort: Tja...

Woran liegt es? An Christen, die einem verkaufen wollen, dass alles immer erfolgreich und happy-clappy ist im Leben mit Gott und damit einer Menschen quälenden Irrlehre aufsitzen? Dass man sich schon nicht mehr traut, zu weinen und sich am Glauben oder am Leben oder an Gott schmerzhaft zu reiben? An alten seltsamen Prägungen, die einem Scham vermitteln, Scham gegenüber dem Nächsten? Am „alles im Griff haben müssen und sich nicht trauen, Schmerz zu zeigen, wenn nicht?“ – gegenüber den Glaubenshelden in der eigenen Gemeinde?

Ich weiß es nicht, ich weine viel und so ist es halt, ich finde Tränen zumeist ehrlich und schön. Nicht alle können damit umgehen, lustigerweise gerade Frauen manchmal nicht… Aber es ist ein Phänomen, die versteckten Tränen… was denkst du?

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47 Antworten zu “Erstaunlich: Ist Weinen ein Tabu?

  1. Was denkt der andere? Wird er mich belächeln oder gar ablehnen? Kann ich ihm vertrauen?

    Weinen kann man nur in der Einsamkeit und Verborgenheit oder in einem geschützten Raum, in dem man den anderen Anwesenden vertrauen kann. Sind unsere Gemeinden diese geschützten Räume? Sind unsere Beziehungen vertrauenswürdig? Können wir ehrlich sein oder müssen wir heucheln?

    Mir geht grad einiges durch den Kopf, ich glaube deine Fragestellung berührt eine tiefe Dimension unseres gemeindlichen Seins…

  2. Ein Tabu ist es natürlich nur für Männer, Frauen dürfen natürlich ihren Tränen freien Lauf lassen…

    Aha, doch nicht nur die Gemeinde, auch die Kultur…

  3. Natürlich ist Weinen ein Tabu. Ich musste mir das als Kind krampfhaft aberziehen.

    Ich weiß noch, dass mich ein Lehrer mal für etwas bestraft hat, das ich nicht getan habe. Wegen dieser Ungerechtigkeit habe ich dann geweint.
    Von meinen Mitschülern bin ich lange Zeit damit aufgezogen worden, was für mich damals furchtbar war. Das wundert mich heute auch, dass mich das so mitgenommen hat, aber damals war es für mich als Kind sehr schlimm, bis hin zu Selbstmordgedanken.
    Also habe ich gelernt, dass man Tränen um jeden Preis unterdrücken muss. Und inzwischen bin ich ziemlich gut darin und kann auch gar nicht mehr anders. Das Verhaltensmuster ist jetzt so drin und ist ein Teil von mir geworden.

    Und selbst wer so etwas nicht erlebt hat, gewöhnt sich in der Pubertät das Weinen ab, um erwachsener zu wirken. Weinen gilt einfach als kindisch.

  4. @Dirk: ach, den Spruch höre ich mittlerweile auch von Frauen – die müssen ja jetzt auch hart sein… typischer Fall von misslungener Emanzipation…

    @Eule: hey, gerne, aber du dann auch. Aber du bist einfach zu weit weg…;-)

    @Philip: traurig, nicht? Und was machst du jetzt damit? Hast du deine Schutzräume, in denen du wieder weinen kannst und darfst? Das wäre so wichtig…

  5. @Philip: traurig, nicht? Und was machst du jetzt damit? Hast du deine Schutzräume, in denen du wieder weinen kannst und darfst? Das wäre so wichtig…

    Wieso ist das wichtig?
    Ich habe gelernt, nicht zu weinen. Ich bin auch irgendwie stolz darauf, denn das war nicht einfach. Und hätte ich das nicht geschafft, hätte mich das wohl kaputt gemacht. Also bin ich ganz glücklich darüber, wie es jetzt ist. Ich vermisse nichts.

  6. Jesus weint, Kinder weinen – ungeweinte Tränen bleiben irgendwo und bedrücken, ziehen herunter… lieber schön im Kopf bleiben… schade. Hast du Familie? Du weinst mit deinen Kindern, wenn sie verletzt werden. Verlierst du Menschen? Trauerst du über die Verlorenheit von Freunden? Tränen sind immer wieder der angemessene Ausdruck!! Jesus zeigt uns durch sich den weinenden Gott – wir sind seine Ebenbilder. Ich trauere über deinen Stolz nicht weinen zu können. Das mag dich gerettet haben – aber irgendwann müssen Mauern auch zerbrechen und Persönlichkeit heilen dürfen. Ich will dir durch diese Worte nicht nahe treten… ich sehe und spüre nur so viele Warnlampen in meinem Geist, wenn ich deine Worte lese. Aber es ist dein Weg. Ich wünsche dir Weichheit, nicht Härte.

  7. Stimme Dirk total zu…
    Gemeinden sind nicht wirklich der geschützte Rahmen, in dem man Mensch sein darf.

    Aber auch als Frau… selbst wenn da mehr Raum da ist, um als Frau Tränen laufen zu lassen – es wird ja doch unterschwellig eher als – naja, das schwache Geschlecht – gesehen. Wirkliche Freiheit hat man da in der Regel nicht.

    Allerdings ist das generell ein Ding unserer westlichen Gesellschaft geworden,
    egal ob weinen, oder andere Gefühle.
    UU. wird man ja schon schief angesehen, wenn man nur einfach herzlich laut lacht…
    Gefühle haben keinen Raum mehr in unserer „zivilierten“ Welt.
    Alles ist rational und möglichst die Fassade wahren (Wir wollen ja niemandem ein Anstoß sein). Hauptsache du funktionierst gut und machst mit, fügst dich ein..
    Schade, schade. schade schade…
    Und traurig, traurig, traurig..

    Hier geht es im Prinzip um falsche Scham.
    Gesunde Scham hilft uns, uns sozial einzufügen, was ja auch notwendig und gut ist.
    Aber die falsche Scham überzieht alles und geht über die Grenzen hinaus – sie fordert eine absolute Gleichheit und Angepasstheit und nötigt uns dazu.
    Eine Seite der Menschenfurcht, wie ich finde.
    Da sollte jeder einzelne für sich, Schritt für Schritt raus finden und in die Freiheit rein finden, sich nicht zu schämen für das was man und der andere ist.

    LG
    Stella

  8. @Stella: Hallo erstmal, schön von dir zu hören! Dirk hat die Frage nach der Gemeinde gestellt und dieses nicht pauschal verneint. Ich habe auf der Kanzel geweint und bei uns im Hauskreis wird durchaus kräftig geweint und sich in den Arm genommen. Ich glaube, viele Gemeinden sind weit besser als ihr Ruf. Zumindest die, die ich kenne. Aber ansonsten hast du absolut recht und ich denke auch, Scham und Menschenfurcht sind die Hauptprobleme – dann sollten aber gerade die, die den Mut zum Gefühl haben nach vorne preschen. Nur so kann Gemeinde, kann unser Umfeld verändert werden. Wenn wir ohne Furcht leben… also los – was kümmert es uns, was andere über echte Gefühle denken? Da bin ich auch gerne schwach – kratzt mich nicht, war Paulus auch…;-D – Segen!

  9. @Christof
    Du, aber es ist in den seltensten Fällen so.
    Wenn es noch Hauskreise gibt, wo dieser Rahmen da ist,
    dann ist das schon viel.
    Dass Du von der Kanzel geweint hast, ist, ohne Sche… echt toll und vorbildlich.
    Ich glaube, dass Jesus das so will und sich vorstellt für Seine Gemeinde.

    Ich spreche ja auch nicht ausschließlich von Gemeinde,
    sondern von unserer Gesellschaft, wo das einfach normal geworden ist, wenig emotional zu sein. Dafür sind dann die Psychiater etc. zuständig..
    Die sollen die Emotionen auffangen und möglichst alles reparieren, dann muss sich der Rest nicht mit der Problematik auseinander setzen.

    >>was kümmert es uns, was andere über echte Gefühle denken?

    Yo.. da soll’s hingehen…
    Echt schön, dass Du da offenbar schon mehr Freiheit hast.
    Ich „schäme“ mich immer noch oft.. für normale Dinge wie weinen und schwach sein..
    Kannst ja mal für mich beten… 🙂

  10. @Stella: mache ich. Dafür habe ich andere Bereiche, in denen ich Schisshase bin. Ich sehne mich immer noch zu sehr nach Anerkennung von Menschen zum Beispiel. Aber was Gefühle angeht -die gehören halt zu mir…;-) – das Witzige ist, das die frohe Botschaft umso tiefer dringen kann, desto ganzheitlicher (jaja, furchtbares Wort) wir angesprochen werden… das sollte zu denken geben.

  11. >>mache ich.

    Danke…..

    >>Ich sehne mich immer noch zu sehr nach Anerkennung von Menschen zum Beispiel.

    Aber die hast Du doch schon längst… (?!)

    >>das Witzige ist, das die frohe Botschaft umso tiefer dringen kann, desto ganzheitlicher (jaja, furchtbares Wort) wir angesprochen werden… das sollte zu denken geben.

    ………… ja………

  12. Die Sehnsucht nach menschlicher Anerkennung ist letztlich eine Sucht. Sie kann nie gestillt werden – nur durch die Anerkennung Gottes durch Jesus Christus. Das zu begreifen und mit jeder Zelle des Ichs zu wissen – das ist der Schlüssel zur Heilung so mancher Wunde…

  13. Ja, das ist so..
    Wollte damit ausdrücken, dass Du Anerkennung hast
    und Jesus selbst sie Dir vielleicht sogar täglich durch Menschen zeigt.

    Manchmal sind wir zu kompliziert für das was der Herr offensichtlich tut und zeigt.
    Dann heißt es „Klappe halten“, ins Herz rein lassen und genießen.. 🙂

    Also meine Anerkennung hast Du jedenfalls (und darüber hinaus)… für so einiges was ich so mitbekomme…

  14. @ Stella
    Hi Stella, du hast den Nagel auf den Kopf getroffen, in unserer Gesellschaft ist es cool cool zu sein und wenig Gefühle zu zeigen. Weinen und Lachen lassen wir ja im begrenzten Rahmen zu, aber was ist z.B. mit Enttäuschung und Wut? Ich glaube, wir würden uns viele psychosomatische Krankheiten ersparen, wenn es in unseren Gemeinden dafür mehr Raum gäbe…

    @ Wegbegleiter
    Du bist da echt ein Vorbild, ihr seid echt zu beneiden, wenn in eurer Gemeinde Raum (ich meine wirklichen Freiraum) für Gefühle ist…

    @ Philip

    Ich kann dich gut verstehen, auch ich habe diese Schutzmechanismen eingebaut, habe aber festgestellt, dass das Langfristig auch zu Verhärtung führen kann und mehr schadet als nutzt. Natürlich können wir nicht vor jedem Gefühle zeigen, aber wir sollten schon Freunde haben, wo das möglich ist…

  15. @Dirk: wird ein bisschen offtopic, aber was solls. Gemeinde sollte auch Freunde enthalten, wenn nicht, schade! Aber mehr auch nicht. Gemeinde ist auch Reibungsfeld und bietet reichlich Leute, mit denen ich nicht freiwillig zusammen wäre. Macht Ja Paulus schon in 1.Korinther klar… gut so! Ich bin nicht der Maßstab und der Mittelpunkt der Welt.
    Aber Leute, die nur noch in Gemeindekreisen oder generell frommen Kreisen unterwegs sind, grenzen sich zu sehr ein. Freundschaften bitte auch außerhalb des eigenen Glaubenszirkels!!

  16. Stimmt, iss offtopic, aber weinen kann ich nur unter Freunden. Wenn meine Kritiker zugegen sind, wird es schwierig.

    Je größer die Gemeinde, desto unpersönlicher, desto weniger Freiraum zum Weinen…

    Wir brauchen kleine Gemeinschaften von Freunden zum weinen…!?

  17. Ach, ich denke, die Größe der Gemeinde ist gar nicht so wichtig, echte Freunde hat man immer nur einige wenige. Deswegen werden die kleinen Untergruppen in einer Gemeinde wichtiger sein. Im besten Fall eine Zweierschaft und ein Hauskreis – aber ehrlich gesagt: ich kann nicht nur vor Freunden weinen. Ich muss nur wissen, dass die Mehrzahl der anwesenden Menschen das akzeptieren kann und mich schätzt wie ich bin. Das reicht. Weiß nicht ob sich Jesus bei seinem Weinen über Lazarus Gedanken darüber gemacht hat wie wir jetzt hier. Weiß nicht, ob sich überhaupt jemand Gedanken darüber macht im Orient. Wir sollten einfach radikaler sein… damit andere Menschen befreit werden.

  18. @Wegbegleiter

    Ich sehe das Thema eben immer noch mit den Augen eines zwölfjährigen Jungens:
    Die Elterngeneration debattiert darüber, dass darin nichts schlechtes oder unmännliches dabei ist und wie wohltuend es ist, wenn man weint. Und selbst wird man von seinen Mitschülern deswegen gemobbt. Wie zynisch muss diese Debatte auf so einen Jungen wirken? Wie soll er denen noch sein Problem anvertrauen? Der muss doch denken, dass seine Eltern sowieso nicht checken, was abgeht.

    Es gibt eben leider eine Welt, die auf deine Empfindungen und Gefühle keine Rücksicht nimmt und Menschen, die von Grund auf gehässig sind und einem absichtlich schaden wollen. Wenn man seine Kinder nicht darauf vorbereitet, dann ist das fast schon fahrlässig. Ein Junge darf nicht weinen, sonst wird er fertig gemacht. So ist leider die Realität.

  19. @Dirk

    Ich habe auch etwas übertrieben. Als mein Großvater gestorben ist, da habe ich auch geweint. Die gesamte Familie hat sich versammelt, nur einer hat gefehlt und ich wusste, dass er nicht wieder kommt. Da habe ich dann aber auch den Raum verlassen und alleine geweint. Aber bei der Beerdigung kam nix, nicht einmal feuchte Augen.

    Ansonsten klingt das hier ein bisschen so, als gäbe es alltäglich Situationen, in denen Tränen fließen. Also bei mir ist es zumindest nicht so, vielleicht bin ich aber auch nur außergewöhnlich gesegnet.
    Höchstens Abendmahl „feiern“ … das finde ich auch jedes Mal furchtbar traurig und wahnsinnig beschämend. Aber weinen könnte ich da wahrscheinlich nicht.

  20. Ich muss sagen, ich mag weinen sehr. Besonders im Gottesdienst, speziell im Lobpreis. Das sind oft Momente, in denen mir Gottes Liebe wieder neu bewusst wird. Im ersten Moment, stimmt, denk ich noch, „Was werden die Andern von mir denken?“ Aber dann folgt schon ein, „Sch*** drauf, das ist jetzt die Zeit, die du alleine mit Gott verbringst. Was die Anderen machen, ist jetzt egal.“ Und bisher immer wenn ich einfach angefangen hab, die Tränen laufen zu lassen – mal kommt das mehr, mal weniger -, hat sich im Anschluss eine Freiheit in mir breit gemacht, die vorher nicht da war. Ich find’s auch interessant, dass diejenigen, für die ich in letzter Zeit in für sie entscheidenden Momenten gebetet hab, sie angefangen haben zu weinen und es ihnen danach deutlich besser ging. Ich glaube, wenn ein Mensch in solchen Momenten weint, kann das durchaus ein äußeres Zeichen dafür sein, dass der Heilige Geist drinnen grade arbeitet.
    Worüber ich aber in letzter Zeit oft weinen muss, ist wenn ich daran denke, dass Menschen in meiner Umgebung, oder wenn ich auch nur von ihnen höre oder lese, wenn ich sehe, dass sie auf gradem Weg in die Verdammnis laufen, sei es in Einstellungssünde oder sie noch auf dem Weg in die Hölle sind, das jagt mir immer wieder Tränen in die Augen und ich wünschte mir, sie würden so schnell es geht umdrehen und in Gottes Arme laufen…

  21. @jovan: danke für deine ehrlichen und bereichernden Worte.

    @Philip: wenn du aus der Perspektive eines 12jährigen schreibst, ist es vielleicht an der Zeit, die Perspektive eines Erwachsenen einzunehmen. Wenn du schreibst: „Wenn man seine Kinder nicht darauf vorbereitet, dann ist das fast schon fahrlässig. Ein Junge darf nicht weinen, sonst wird er fertig gemacht. So ist leider die Realität.“ – dann ist das nur eins: bullshit! Tut mir leid, dass ich das so deutlich sagen muss, aber ich habe einen Jungen und der darf weinen und das tut er auch. Extrapoliere nicht deine negativen Erfahrungen auf die Welt, wie sie immer sein soll und wenn sie so ist, dann beginn, sie zu verändern.

    In diesem Sinne bin ich gerne fahrlässig (was du ja indirekt implizierst) gegenüber meinem Sohn Ole und werde mich weiter freuen, wenn er weinend in meinen Armen liegt. Wenn du deinen Sohn – falls du je einen haben wirst – dann wegstößt und ihm sagst, er soll mit dem Scheiss aufhören, bitte. Dann begehst du knapp gesagt seelische Vergewaltigung und handelst genauso verletzend und keinen Deut reifer als die, die dich verletzt haben. Wenn das die Quintessenz deiner Erkenntnis und deines Glaubens ist – dann Mahlzeit.

    Leider gehst du reflexhaft auf meine Argumente nicht ein – wir sind als Gottesebenbilder auch zum Weinen geschaffen. Sollten wir nicht Gott mehr gehorchen als der beschissenen Gesellschaft mit ihren Zwängen? Sorry, aber dein letzter Kommentar macht mich ziemlich wütend und hey: dazu stehe ich!

    Und denken wir doch mal den Kram zu Ende: sollen wir dann unsere Töchter sexistisch und diskriminierend behandeln, weil: dann bereiten wir sie schön auf die Gesellschaft vor? Sollen wir, wenn der Sohnemann von der Mauer in die Arme springt, zur Seite gehen und ihn fallen lassen, weil hey, die Gesellschaft ist halt so? Ist das deine Konsequenz? Als ich einmal – ja, das gab es vor langer Zeit – Liebeskummer hatte und mich ungerecht behandelt fühlte, da habe ich im Kreis meiner Freunde und Mitbewohner tierisch geflennt und es war ok, und sie haben mich in den Arm genommen. Sagen wir es mit Peter Fox: diese Stadt ist eben doch nicht so hart wie du denkst. Und wenn sie es wäre – dann sollten Christen damit anfangen, anders zu sein.

  22. Zum Eingangstext und zur Frage ‚Ist Weinen ein Tabu?‘

    Wer weint, zeigt sich schwach, verletzt und verletzlich. Es wird Menschen geben, die helfen wollen, es wird aber auch Menschen geben, die maßregeln wollen. Es werden wunde Punkte gesucht, ge- oder gar verurteilt und vermutlich ein verzerrtes, falsches Bild gezeichnet, dessen, was so sehr verletzt hat. Wen geht es auch was an? Wenn Wunden immer wieder aufgerissen werden, zerreißen sie irgendwann das Herz. Es ist, als ob ein Dolch hineingestoßen wird der alles noch schlimmer macht.
    Es besteht auch die Gefahr, dass ein persönliches Unglück mißbräuchlich ausgeschlachtet wird.

  23. @maria: ich glaube, wir alle spüren an diesen Kommentaren, dass das Weinen bewegt. Nur um das deutlich zu machen – man muss sich nicht jedem Menschen im Weinen öffnen. Aber unter Christen sollte es möglich sein – weil Verletzlichkeit eine Gabe und Voraussetzung dafür ist, dass Gott an einem arbeiten kann! Wir können die Beziehungsebenen nicht voneinander trennen – wir sehen Gott nicht anders als unsere Geschwister. Wir können nicht unsere Geschwister hassen und Gott lieben – so sagt es Johannes. Insofern muss man sagen: eine Gemeinde, in der nicht geweint werden darf, ohne dass das schief geht, hat ein Problem. Dirk hat das ganz oben schon richtig gesagt: das Weinen berührt eine grundlegende Frage der christlichen Gemeinde…

    Kurz: niemand muss überall weinen – aber es sollte Menschen geben, wo das möglich ist, die meine Offenheit nicht missbrauchen. Nicht weinen zu können, ist kein Zeichen seelischer Gesundheit oder man zeige mir den Therapeuten, der das behauptet!

    Segen dir und einen Ort, wo deine Tränen sein dürfen und getrocknet werden… damit du heiler werden kannst und die Wunden zum Frieden kommen!

  24. Hallo Wegbegleiter,
    danke, ja, Du hast Recht, normalerweise bewegt das Weinen und die meisten Menschen haben den Impuls helfen zu wollen. Das gilt auch für Nichtchristen meine ich. Aber es geschieht leider, dass Menschen über die Grenzen ihrer Belastbarkeit hinausgehen müssen und mit ihren Kräften am Ende sind. Wer so am Ende ist, kann nicht helfen wenn ein anderer weint. Er möchte das Weinen stoppen, fühlt sich überfordert, in die Ecke getrieben. Dann folgen Reaktionen wie „Die heult doch nur aus Selbstmitleid, sie möchte im Mittelpunkt stehen, uns die Schau stehlen, sie hat womöglich ein ads oder borderline… etc.“ Das kann gehörig schief gehen.
    Ich denke, in christlichen Gemeinden wird eine solche Entwicklung rechtzeitig gestoppt und man findet wieder zueinander. Oder man läßt sich in Frieden ziehen.

    Dir, lieber Wegbegleiter, ebenfalls Gottes Segen.
    Wegbegleitung ist eine schöne Form ‚Hüter eines Bruders/einer Schwester‘ zu sein. Oftmals denke ich an diese Bibelstelle als Kain fragt ‚Soll ich denn meines Bruders Hüter sein?‘
    Ich würde antworten: Ja, sein Behüter, Beschützer, Zuhörer, Weghörer, Helfer – am besten Wegbegleiter 🙂
    Nein, nicht sein Henker oder Richter sein.

    Herzlich, maria

  25. Hey Christof,

    deine Wut halte ich für völlig unangebracht. Ich denke, mehr Gelassenheit und Geduld (DAS ist wirklich eine wichtige Tugend nach dem Ebenbild Gottes) würden dir gut zu Gesicht stehen.

    Es ist schade, was du mir da in den Mund legst und wie du meine Meinung durch Polemik als unvertretbar hinstellen willst.

    Ich habe nicht gesagt, dass man seine Kinder auch scheisse behandeln soll, aber man muss sie darauf vorbereiten, dass ihnen das passieren wird. Wenn das die Eltern nicht behutsam tun, dann muss das Kind diese Lektionen völlig unvorbereitet lernen. Und dann kann es traumatisch werden. Ich halte es für ein großes Problem, wenn Kinder „überbehütet“ werden. Christen neigen leider sehr häufig dazu.

    Ich würde versuchen, meinem Sohn beizubringen, dass er in der Öffentlichkeit nicht weinen soll, weil es seinem eigenen Schutz dient. Und natürlich geht das ohne „seelische Vergewaltigung“. Wie kommst du auf die Idee, ich würde einem Kind so etwas antun wollen? Ich will es doch davor schützen.
    Natürlich würde ich ihn in den Arm nehmen, wenn er weinend zu mir kommt. Natürlich würde ich ihn trösten. Aber ich kann ihm gleichzeitig auch sagen, dass er nicht weinen soll, ohne ihm einen Vorwurf daraus zu machen. Ich würde ihn jedenfalls nicht noch dazu animieren, dass er weiter weinen soll. Und schon gar nicht würde ich es als tugendhaftes Verhalten hinstellen, in der Öffentlichkeit zu weinen.
    Wobei das natürlich nur ein Beispiel ist und von der konkreten Situation abhängig ist.

  26. @Philip: schade, dass du auf biblische Argumente nicht eingehst. Jesus weinte auch in der Öffentlichkeit. Daraus mache ich kein Dogma, aber ich denke man sollte das Gegenteil auch nicht tun. Was aus deinen bisherigen Kommentaren rüberkommt ist: ich habe weinen aus bitterer Erfahrung verlernt und das ist klasse so! Damit gibst du deinen Peinigern im Nachhinein recht. Punkt. Wenn du damit leben kannst, prima, es ist deine Verantwortung, aber ich finde es verantwortungslos, meinem Sohn weinen in irgendeiner Weise zu verbieten.

    Ich neige wahrlich nicht zur Überbehütung und Ole ist ein wahrer Racker. Aber zu starken Gefühlen (und hey ja, Wut ist absolut ok und biblisch, schau mal auf Jesus, auf Paulus (2.Korinther, Tränenbrief)! Wir haben viel zu wenig Wut im Bauch und viel zu viel Coolness! Die Frage ist nur – was machen wir aus der Wut, verletzen wir damit Menschen und das ist nicht ok!) möchte ich ihn ermutigen, wenn es seinem Naturell entspricht. Aber ich werde nicht neben ihm stehen und rufen: mehr weinen, mehr weinen – wer zeichnet hier Zerrbilder?

    Andere Erlebniswelten, wie ich sie z.B. von meinen Freunden und aus meiner Gemeinde beschrieben habe, scheinst du zu überlesen – „die Welt“ ist nicht pauschal gegen Tränen, nur weil du das so erlebt hast, also extrapoliere bitte nicht deine Erfahrung – wie ich auch schon sagte!

    Nur so am Rande – ich habe deinen vorletzten Kommentar auch meiner Frau gezeigt und sie schüttelte nur den Kopf in Unverständnis. Muss dich alles nicht kratzen, bleib ruhig bei deiner Meinung! Ich merke nur in der Seelsorge, wie viele Menschen sich nach Tränen sehnen und nach einem Schutzraum dafür. Das sollte man ihnen bieten. Und wie ich oben zu Maria schon geschrieben habe (wer lesen kann ist klar im Vorteil), ich zitiere: „Kurz: niemand muss überall weinen – aber es sollte Menschen geben, wo das möglich ist, die meine Offenheit nicht missbrauchen.“ Zitat Ende. Sollte reichen.

    Und ganz ehrlich: das Leben ist gefährlich, es endet tödlich und es geht nicht ohne Verletzungen ab. Was verletzt mehr? Nicht weinen zu können, weil man es ausgetrieben bekommen hat oder eventuell von ein paar Idioten verlacht zu werden wegen seiner Tränen. Da sage ich doch fröhlich: letzteres! Wer meine Tränen missbraucht, dessen Gesellschaft benötige ich auch nicht. Punkt.

  27. @Philip: Ergänzung – ich habe schon viele Leute in der Seelsorge begleitet – du auch? Wenn ich dann deine Worte höre und deren Realität wahrnehme, dann macht mich das wütend, weil es so verletzend ist, was du schreibst. Du schlägst damit traurigen Menschen ins Gesicht. Das ist es, was mich in die Polemik flüchten lässt. Das tut mir leid, aber das geht gerade in mir vor. Ich habe jahrelang nicht weinen können, weil ich hart geworden war – nun kann ich es wieder, Halleluja! Und plötzlich kann Gott wieder viel besser an mir arbeiten… Das wünsche ich dir auch!

  28. Christof,
    bitte, ich will mich nicht einmischen, wie du deine Kinder erziehst. Wieso beziehst du alles, was ich schreibe, gleich auf deine persönliche Situation? Ich habe nur meine eigene Meinung zum Thema Erziehung.

    Was ich zum Ausgangsthema sagen wollte:
    1. Es wundert mich nicht, dass Weinen ein Tabu ist.
    2. Die Fähigkeit, Tränen unterdrücken zu können, halte ich für einen wichtigen Schutzreflex.

    Aber ich werde nicht neben ihm stehen und rufen: mehr weinen, mehr weinen – wer zeichnet hier Zerrbilder?

    Naja, du würdest vielleicht sagen: „Wein‘ dich aus, lass‘ alles raus“ usw. Das würde ich eben nicht sagen.

    Was verletzt mehr? Nicht weinen zu können, weil man es ausgetrieben bekommen hat oder eventuell von ein paar Idioten verlacht zu werden wegen seiner Tränen. Da sage ich doch fröhlich: letzteres! Wer meine Tränen missbraucht, dessen Gesellschaft benötige ich auch nicht. Punkt.

    Ersteres. Damals zumindest. Mit der Gelassenheit eines Erwachsenen kann man natürlich einfacher sagen: so eine Gesellschaft brauche ich nicht! Jugendliche bringen das nicht so leicht fertig, weil sie in diesem Alter einfach von allen Seiten Wertschätzung suchen, vor allem auch von Gleichaltrigen.

    Ergänzung – ich habe schon viele Leute in der Seelsorge begleitet – du auch? Wenn ich dann deine Worte höre und deren Realität wahrnehme, dann macht mich das wütend, weil es so verletzend ist, was du schreibst. Du schlägst damit traurigen Menschen ins Gesicht.

    Schade, dass du dir den Kompetenzhammer nicht verkneifen konntest.
    Natürlich begleite ich Menschen in der Seelsorge, nämlich meine Freunde. Da muss man nicht das Label „Seelsorge“ drauf kleben, damit es das ist. Wenn mich nachts ein Freund anruft, weil es ihm dreckig geht und ich dann zu ihm hinfahre, dann ist das zwar kein „officially announced Seelsorge-Einsatz“, aber praktisch gesehen kann man das wohl schon als Seelsorge bezeichnen.

    Wenn es Menschen gibt, denen es gut tut, wenn sie weinen, dann sollen sie doch weinen. Du argumentierst da schon wieder gegen einen Strohmann. Wieso schlage ich traurigen Menschen ins Gesicht? Völlig absurd.

    Extrapoliere nicht deine negativen Erfahrungen auf die Welt, wie sie immer sein soll und wenn sie so ist, dann beginn, sie zu verändern.

    Okay, du hast also ein Problem entdeckt: Der Philip extrapoliert seine negativen Erfahrungen auf die Welt. Und was machst du nun als erfahrener Seelsorger als erstes? Du strickst ihm einen Vorwurf daraus. Super, da brauche ich keine Seelsorgeausbildung, um zu wissen, dass das nicht die Methode der Wahl ist.

    So, kommen wir zur Bibel. Natürlich ist Wut auch biblisch. Aber um wieviel mehr ist Gnade, Barmherzigkeit und Geduld biblisch!

    Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
    Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.
    Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
    Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.
    (Psalm 103,8-11)

    Jesus weinte. Und? Er war eben ganzer Mensch. Wie wir auch. Ich habe doch nichts dagegen, wenn jemand weint. Das wäre das Allerletzte, dass ich jemandem einen Vorwurf daraus mache! Es ist Teil unserer Menschlichkeit.

    Nur ist es eben so, dass Jesus uns wie Schafe unter die Wölfe schickt (Mt 10,16). Und wir müssen uns vor Menschen hüten, die uns schaden wollen (Mt 10,17). Und da hat es mir geholfen, Tränen unterdrücken zu können. That’s all.

  29. @Philp: lassen wir es, ok? Denn du arbeitest auch mit ziemlichen Unterstellungen.

    Der Kompetenzhammer ist nicht vorhanden – ich kenne dich überhaupt nicht, du kannst auch Pastor sein oder Seelsorger und ich habe zurück gefragt: du auch? Mehr nicht, alles andere ist Unterstellung. Und selbst wenn: hey, wäre ja auch echt übel, mal was von jemanden anzunehmen, der ein bisschen mehr Praxis hat? Ich jedenfalls profitiere sehr von den Berichten erfahrener Kollegen. Aber wie gesagt – war nicht meine Intention.

    Wenn ich deine Extrapolation direkt anspreche, dann mache ich das nicht, um dich fertig zu machen, ich habe in meiner allerersten Antwort auf dich von meiner Trauer gesprochen, deine Einstellung macht mich traurig. Zudem: ich wusste nicht, dass das hier ein Seelsorgegespräch sein soll? Das hättest du sagen sollen. Nur: wenn du Breitseiten gegen ein so wichtiges Thema auffährst, die sich gewaschen haben, dann kontere ich auch direkt.

    Und ja: wenn bei mir eine Frau sitzt, die Mißbrauch erlebt hat und langsam wieder Zugang zu ihrer Wut und ihrer Trauer bekommt, dann ermutige ich sie zum Weinen und zum Zorn. Nur so als Beispiel. Denn Heilung geschieht immer durch das Zentrum hindurch und nicht an den aufgebauten Mauern vorbei. Wenn mein Sohn ungerecht behandelt worden ist und eine Mischung aus Wut und Tränen produziert, dann versuche ich ihm Raum zu geben und ihn zu ermutigen, seine Gefühle zu zeigen. Und das ist gut so. Das wird dir jeder Therapeut, jeder Fachmann sagen. Aber du kannst das natürlich anders handhaben.

    Zuletzt: warum soll ich deine Aussagen nicht auf mich beziehen? Tust du doch auch! Wir Diskutieren doch aus unserer Erlebniswelt heraus, hoffentlich persönlich. Theologisch abstrakte Diskussionen ohne Bezug zu meiner Wirklichkeit interessieren mich (meist) nicht. Wenn das logos zum rhema werden will, dann muss es mich existenziell treffen als ganzen Menschen im alltäglichen Leben und nicht nur meinen Verstand am Schreibtisch – ist so meine Position dazu und deswegen schreibe ich dieses Blog.

    Aber bitte: beenden wir das, ok? Ich wünsche dir von Herzen Segen!

  30. Wau – heisse Diskussion – aber echt gut !
    Ich kann Philip`s Haltung:

    Nur ist es eben so, dass Jesus uns wie Schafe unter die Wölfe schickt (Mt 10,16). Und wir müssen uns vor Menschen hüten, die uns schaden wollen (Mt 10,17). Und da hat es mir geholfen, Tränen unterdrücken zu können. That’s all.

    teils verstehen, aber ehrlich, es klingt auch für mich total ungelöst und hart und somit als misbrauch der Bibelworte, denn Jesus holt die Menschen dort ab wo sie stehen und wenn ein Mensch von Geburt an innerhalb der Familie misbraucht wurde und co-abhängig gemacht wurde und unter Umständen noch Gewalt erlebte und sich strickmusterlogischerweise ständig misbrauchende Menschen anzieht und die Furche tiefer wird und die Wunde eitriger und das Herz voll im A….ist, zerbrochen/wund/eitrig/voll mit Müll der Welt und Satan Diener ist….da braucht es massive Zeit der Seelsorge / Therapie und es wäre wieder Selbst-Vergewaltigung, wenn ich mir selber mehr abverlange als es Jesus tun würde, und hart das Wort lebe ohne mit dem Herzen/Geist/Seele/Körper hinterherzukommen. Ich behandle mich dann genauso hart und scheinheilig und bullshitmäßig wie die Familie und Weltler es gerne tun. Der Teufelkreis wird aufrechterhalten und du lebst gebunden und meinst frei zu sein oder anders/besser als deine Familie – das ist eine solche gottverdammte Überheblichkeit die mich zutiefst ankotzt bei anderen und zum Glück zunehmend mehr erschreckt was mich selbst angeht und ich sehe es als Geschenk, so vor JEsus hinstehen zu dürfen wie ich drauf bin, kapitulieren zu dürfen und meine idiotische Haltung bekennen zu dürfen – und ich sag noch was – es ist ein total heftiger, total schmerzhafter – total bersch….Kampf, bei dem dir Familie/Welt und Satan das Leben zur Hölle machen, wenn sie merken, du willst aus dem Teufelskreis raus und dich von Gott durch den Feuerofen ziehen lassen, all deine Scheiße ankucken zu müssen, damit sie dir BEWUSST wird, denn nur so kansste ehrlich in Erkenntnis und Ehrlichkeit in Demut gehen und Umkehren und vorallem !!! Nur so kannste Jesus ein 100prozentiges und echtes JA geben, aus freiem Willen, dass JEsus Herr werden darf in dir und in deinem GANZEN Leben, nicht nur partiell. Jesus achtet bis auf`s Kleinste deinen gottgegebenen freien Willen, und das in Reinstformat – und nur wenn du das durchlitten hast und auf den totalen Nullpunkt angekommen bist, innerlich (und unter Umständen auch äusserlich ziemlich runtergewirtschaftet falls es sein muss) handelt Jesus total und nur so, eine ich, kannste auch ein sauberes Glaubensleben aufbauen und mühevolle SChritte in Seelsorge erarbeiten, wie du für dich der Welt begegnen willst und kannst und da nimmt mich Jesus wie ich bin (Thema Einheit) = Selbstannahme und Selbstliebe. Jesus will Ganzheit und Einheit in mir erschaffen und nen guten Umgang damit, auch mal Leid aushalten und Glaubenskämpfe durchstehen, das zieht hin zu Gott im besten Falle und in echte Demut und DANKBARKEIT ggb. Gott und zunehmendesm echtes Vertrauen, auch wenn ich nimmer mehr checke, was Gott gerad macht und wohin es gehen soll. Feuerofen ist brutal schmerzhaft, aber ich erkenne zumehmendst, wenn Gott mir nicht meine Mauer wegnehemen darf (=meine Angriffsfläche für die Welt) und Seele heil und neu ordnen darf (zurücksetzen in Ursprung) und mein Geist nicht verändert werden darf durch viel Bibellesen und KAUEN in Stille und auch die Klappe halten dabei, raus aus dem Hirn !!! Sacken lassen ! Das läuft von selber, wenn man mal die Finger von läß. – dann bau ich nie wirklich von innen heraus Gottesbeziehung – die alte Wurzel darf Jesus niemals wirklich ganz ziehen. Das ist eine total schmerzhafte Wurzelbehandlung – aber ich kämpfe mich durch alles durch – und wenn ich mal nimmer kann und Selbstmordattacken kommen und die kommen oft, je mehr du es checkst und aus dem System rauswillst, unter Umständen, so kann ich nur passiv werden, und um Hilfe schreien und abwarten was Jesus in mir macht, damit die Gedanken wieder die Fluppe machen. Es gäb noch viel mehr zu erzählen, was du auf so einem Weg erleben kannst, teils bestialisch erschreckend, was da so in einem aufkommt, doch es bestätigt nur die Bibel und es drängt mich hoffentlich immer, zu Jesus und Gott Vater hin. Ohnmacht durchleben und sich fallen lassen in solchen Phasen ist brutal, aber da muss man durch, wenn das Alte endlich entmachtet werden soll und du das Kreuz annehmen lernst, kapierst erstmal. Und übrigens, ich hab grad so Ebbe in meinem Leben in allem, und ich merke, ich kann mit dem allem fast total allein dastehen und in Einsamkeit versinken, Gott hält und zieht mich so weiter wie ich mitkann. Ohne Gott wär ich schon längst nimma am schreiben wie jetzt. Ich kann es zunehmend mehr aussprechen:
    ich hab es nicht
    Ich kann es nicht
    Ich weiss es nicht
    was ich für dieses Leben brauche
    wenn ich es nicht von Gott bekäme –
    und welch Anmaßung – da noch von einem Ich sprechen zu wollen….Witz pur….
    und grottenschlecht noch dazu. Aus dem egozentrischen Ich kann niemals bedingungslose Liebe und Tat fließen, des ist immer berechnend.

  31. @Steffi: danke danke – wie immer sehr erfrischend und tief gehend. Und: du bist nicht allein!!! Wir sind die Weggemeinschaft der Leidenden und der Triumphierenden (beides!) – denn Jesus hat gelitten und triumphiert und wir stehen nicht über dem Herrn, sondern leben genau in diesem Spannungsfeld. Man kann den Triumph nicht haben wollen, ohne auch durch die Tiefe gegangen zu sein, komischerweise haben da gerade Männer oft ne Scheissangst vor. Spruch von einem Mann: ich nehme erst Seelsorge, kurz bevor ich mich aufknüpfe. Schade… dabei verlangt der Weg durch die Tiefe den meisten Mut… aber ganz unten, seltsam nicht, begegne ich immer wieder auf atemberaubende Weise Jesus. Er ist zerbrochen worden um unseretwillen und wir müssen auch durch manchen Zerbruch unserer Mauern… Segen!

  32. „Auf der Kanzel weinen!“Das habe ich noch nie erlebt bei einem Pastor. Mir würden bei so etwas der Gedanke kommen:“Der Arme, der braucht mal ne Auszeit, jemanden, der ihm das Frühstück ans Bett bringt, ihm zuhört und ansonsten nichts abfordert.“ Ich selber bin in einem Beruf, wo ich früher gelernt habe, daß man sich und alles im Griff haben muß. Aber heute denkt man da schon etwas barmherziger. Das ist auch gut so!!! Selber muß ich das noch lernen, mich nicht meiner Tränen zu schämen, wenn die dann doch mal fließen. Das braucht schon geschützte Räüme, die man unter Christen finden sollte; aber in der Welt ist das mitnichten so.

  33. @apassionata: ochnee, ich war gar nicht der Arme, war ja nicht wegen Erschöpfung, sondern weil mich ein Thema so sehr berührt hat und da darf auch mal Gefühl gezeigt werden….;-)

  34. Also, ich bin jetzt nicht so ne klassische Heulsuse, obwohl … wenn ich hinter der Kanzel stehe, dann packt es mich schon immer wieder einmal. Dann übermannt mich das ‚Wort vom Kreuz‘ oder der Gedanke, daß Jesus nie den Tempel von innen sehen durfte, weil er als einfacher jüdischer Mann dafür nicht heilig genug war. Das sind so Momente, wo ich einfach losheulen möchte. Und wenn ich dann noch in die gelangweilten Gesichter mancher Zuhörer schaue, tja, das macht es auch nicht besser.

    Übrigens: das neue Design finde ich sehr schön und praktisch!

  35. @Hans: willkommen zurück – ich laufe auch nicht unbedingt in einem See aus Tränen…;-) – aber es geht mir wie dir. Manchmal packt einen der Geist und macht einem tief drinnen deutlich, was Gott alles für einen getan hat. Großartig und intensiv das. Da kann ich mich nicht halten und ich denke das ist auch gut so. Ich hatte auch mal eine Phase, da bat ich Gott darum, mir einen Blick auf die Menschen aus seinem Herzen heraus zu geben. Und da ging ich ganz normal durch Aachen und sah die Menschen und musste plötzlich weinen. Ich glaube, Gott weint um die vielen verlorenen Schafe…. schön, dich wieder hier zu lesen.

  36. Gelangweilte Gesichter? Wenn schon Gottesdienst, dann auch zuhören! Allerdings bin ich durch meine Krankenhausdienste kein regelmäßiger Kirchgänger und habe immer besonderen Bedarf innerlich was mitzunehmen in meinen Alltag. Jedenfalls würde mich ein weinender Prediger sehr nachdenklich stimmen. Unter der Kanzel sitzend kenne ich ja nicht die tränenauslösenden Ursachen.(habe mal einen Pfarrer erlebt, der sich vor lauter in sich hineinfressenden Kummer das Leben nahm, deswegen vielleicht mein Alarmohr und Alarmauge).

  37. wenn mir zum heulen ist dann fliessen meine Tränen
    Kann nicht lügen ,egal was meine mit menschen darüber sagen!
    mein Herz schlägt mit Jesus,so lerne ich täglich was dazu

  38. Hm, ich weine, wenn mir danach zumute ist, und ich fühle mich danach besser. Ich weine auch, wenn ich mich freue. Es ist schade, dass so viele das Weinen nicht mehr zulassen. Ich habe insgesamt 6 Kinder großgezogen, darunter 5 Mädchen. Wir haben uns früher öfters zusammen vor den Fernseher gesetzt und zusammen eine Liebesschnulze geguckt, mit einer Kleenex-box vor der Nase. Der eine weinte schneller, der andere nicht. Meinen Mann habe ich das erstemal weinen gesehen, als unser 4tes Kind geboren wurde, „sein“ Sohn, dann einige Jahre später, als eins unserer Töchter vom Auto überfahren wurde. Er gehört zu der Sorte Mann: Indianer weinen nicht. Ich bin heute noch überzeugt, er hätte sich seine psychische Erkrankung ersparen können, wenn er seine Gefühle rausgelassen hätte, irgendwann fing er an, daran zu ersticken und reagierte mit Herzinfarkten, die keine waren.
    Meine Kinder sind heute von 16 bis 30, und ich seh sie mehrmals die Woche, sie kommen mit ihren Kindern. Wir lachen viel, wir sind auch zusammen wütend, und wir weinen auch, wenn es einen Grund gibt. Niemand kann in den anderen hineinsehen, wenn er ihn nicht reinsehen lässt.
    Als ich 40 wurde, habe ich mein Leben ein wenig sortiert, was Freunde und Bekannte betrifft und gnadenlos aussortiert. Die, die ich behalten habe, sind alles Leute, bei denen ich auch weinen kann wenn mir danach ist, ohne mich zu schämen. Nächstes Jahr werde ich 50, und ich habe letzte Woche noch ein bisschen geweint, als mein uralter Polo auf die Hebebühne einer Autowerkstatt gehoben wurde, ein sehr netter älterer Herr, der Vater einer meiner Freundinnen, mit einer Lampe darunter stand und sagte: Mädel, den mach ich dir wieder fit, sieh zu, dass du bald noch mal nach Göttingen kommst, stell mir den Wagen für 2 Tage in die Halle, bring mir 300 Euro für Material mit und der kommt im Februar noch mal durch den Tüv. Ich musste einfach weinen, weil für mich klar war, dass der Wagen hinüber ist, rein wirtschaftlich, Kupplung hin, Bremsklötze hin, Handbremse gerissen, verbeult, der Wagen ist von 91 und so ein Auto muss einfach hinüber sein. Ich hätte mir jetzt kein anderes Auto zulegen können, finanziell gesehen. Ich stand unter meinem Auto und hab geweint, weil ich mich so gefreut habe. Warum sollte man das nicht dürfen? Weinen nimmt einfach den inneren Druck, man ist deshalb doch kein Weichei oder was auch immer. Eins hat mich das Leben mit einem „Indianer“ gelehrt; niemals mehr lasse ich mich auf einen Mann ein, der nicht wenigstens mal heimlich die Nase hochzieht, wenn er mit mir Armageddon oder Love Story guckt.

  39. @steffi
    Du scheinst den Eingang gefunden zu haben,den ich noch immer suche.
    Falls jemand einen Tipp hat,wäre ich dankbar.

  40. Hallo,
    bin gerade auf dieser Seite gelandet, da ich wissen wollte, ob noch mehr Menschen so leicht weinen müssen wie ich. Bin ein totaler Gefühlsmensch. Teile gerne Leid und Freud mit anderen. Ansich bin ich kein Kirchgänger. Morgen jedoch hat meine Tochter die Bibelübergabe in der Kirche. Sie wird nächstes Jahr Konfirmiert. Nun hab ich jetzt schon wieder fast Angst dass mir die Tränen kommen. Mich nervt das total, dass ich so leicht anfange zu weinen. Habe nun mit ner Mutter deren Tochter auch Konfirmiert wird geredet und stellte mit Erstaunen fest, dass diese Mutter genau so ist wie ich. Auch sie muss fast weinen wenn sie nur Kirchneglocken hört.Bin nun schon mal froh, dass ich nicht alleine bin morgen mit meinen Gefühlen. Wobei ich garnicht sagen kann warum das so bei mir ist. Das würde mich sehr interessieren woran das liegt.
    Ich habe sehr viel durchgemacht in meinem Leben und bin dennoch meist positiv eingestellt.Wundert mich auch ab und zu. Als ich heitatete weinte ich von der Kirchtüre bis die Trauung zu Ende war. Heute bin ich geschieden und erziehe meine beiden Kinder alleine. Meine Eltern waren beide Alkoholabhängig. Auch da habe ich viel mitgemacht. Vielleicht liegt es ja daran, dass ich mich immer wieder aufraffen musste bzw. durfte. Hoffe nun, dass ich den Tag morgen in der Kirche einigermassen ohne Tränen rum bekomme.
    Bin schon froh trotzdem dass ich meine Gefühle habe und möchte sie auch nicht hergeben. Also was soll es, dann weine ich halt ein wenig.
    Liebe Grüße Elke

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