Hölle die zweite: was sie mit unserem Gottesbild zu tun hat!

Nach dem vorigen Post über die aggressiven Höllenprediger (ich habe dabei nichts gegen ein vernünftiges und evangeliumsgemäßes Vorkommen der Hölle in der Verkündigung gesagt!), noch ein Gedanke…:

Wie stellen wir uns eigentlich Gott im Gericht vor? Ich male zwei Extreme und je nachdem, zu welchem Bild wir eher neigen, werden wir auch glauben und Glauben weiter geben

  1. Gott ist ein zorniger, fäuste- und waffenschwingender Despot, der im Gericht es endlich all den gottlosen Menschen zeigen kann. Er fällt knallhart und mit steinerner Miene sein Urteil und mit einem Wisch schickt er die Menschen in die ewige Verdammnis, worauf er zufrieden und in seinem Zorn gesättigt den Heiden zuschaut, wie sie in den Flammen schmoren und um Gnade winseln. Mit einem unwilligen, herablassenden Grunzen dreht sich Gott zur Seite und widmet sich seinen Kindern. Sollen doch die Massen schmoren – sie haben es verdient und sein Durst nach Gerechtigkeit ist endgültig gestillt.
  2. Gott ist der liebende Vater, der sogar seinen Sohn für die Menschen gegeben hat, die er so sehr liebt. Seine Geschöpfe sind sie – seine Kinder noch nicht und er wollte so gerne, dass sie es wären! Das ist sein erklärtes Ziel und so geht er durch den Geist den Menschen bis zum Tod nach und muss trotzdem bei allzu vielen, ja bei der Mehrheit erkennen, sie wollen ihn nicht. Diese Erkenntnis schmerzt ihn zu Tränen, denn er sieht, wie die Menschen ohne ihn falsch und ohne echte Hoffnung leben. Das schmerzt sein Vaterherz, denn er liebt diese Welt, die er so wunderschön geschaffen hat. Im Gericht begegnet er all diesen Menschen und in einem Akt des Schmerzes und der Gerechtigkeit kommt er nicht umhin, zusammen mit den Heiligen, das Urteil zu sprechen und den freien Willen der Menschen somit ernst zu nehmen. Bedrückende Stille herrscht beim Gericht. Der Vater weint um seine verlorenen Geschöpft, die er so sehr liebt. Er hat sie mit seiner Liebe ziehen wollen – aber sie haben nicht gehört. Nun werden sie umsonst rufen müssen. Das Vaterherz schreit auf vor Schmerz – ganz so, wie es geschrien hat beim Tod seines Sohnes am Kreuz.

Anti-Christ ist übrigens vom Griechischen her nicht Gegen-Christus, sondern Anstatt-Christus. Höllenprediger voller Aggression meinen, an der Stelle eines zornigen Gottes den Menschen die Hölle um die Ohren hauen zu müssen. Sie meinen es gut. Aber überlassen wir doch dem Herrn das Gericht. Der Riss wird dabei mitten durch die Gemeinde gehen, denn längst nicht alle, die Zeichen und Wunder und große Worte vollbracht haben, werden die Ewigkeit sehen – obwohl sie Jesus als Herrn anerkannt haben. Das sollte vorsichtig machen. Wir sollten uns nie (!) an die Stelle von Christus oder Gott setzen wollen – das bedient nur die Gegenseite!

Welchen Gott siehst du? Ich sehe den zweiten. Aber ich kann die verstehen, die meinen, den ersten zu sehen. Sie sind Verführte und ich kann das aus meiner Biographie her nachvollziehen. Verführt von den eigenen Projektionen, Prägungen und verkrümmten Gottesbildern. Jesus hat längst allen Zorn Gottes auf sich genommen. Gott hat die Welt(!) mit sich versöhnt. Er begegnet den Menschen als ein Geliebter, als Bräutigam, der sie alle hinein lieben möchte in sein Reich. Leider werden viele nicht folgen. Gott wird sie ernst nehmen müssen. Voller Schmerz. Wir aber sollten auf gute Weise Evangelium reden und leben. Das ist unser Job. Salz und Licht. Nicht Flamme und Schwert.

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12 Antworten zu “Hölle die zweite: was sie mit unserem Gottesbild zu tun hat!

  1. Ich finde das ein sehr schwieriges Thema. Die Bibel spricht von Gottes Zorn und Grimm,ja, von der Kelter des Grimmes Gottes, aus der das Blut hervorläuft (Offenbarung)im zukünftigen Gericht über unbußfertige Menschen.
    Auf der anderen Seite liebt er die Menschen so sehr, dass er in seinem Grimm über die Sünde seinen eigenen Sohn in dieser Kelter sozusagen zermalmt hat. Und das eine ist ohne das andere kaum verständlich. Der moderne Mensch hört bei dem Wort Vergebung auch etwas anderes ohne diesen Hintergrund. Wir vergeben heute, weil wir verstehen: schlimme Kindheit, harte Bedingungen, Verletzungen lassen uns Dinge entschuldigen.
    Auch für uns als Christen ist dieses humanistische Denken in unserem Teil der Welt unterbewusst immer gegenwärtig, wir haben es alle mit der Muttermilch eingesogen.
    Evangelium ist Verkündigung der Vergebung, nicht der Hölle. Aber verstehen wir, was es bedeutet, wenn wir die Hölle nicht verstehen?

  2. Wegi, Du schreibst mir aus der Seele!
    Ich sehe hier wieder das Problem zwischen Inhalt und Form. Der Inhalt ist – und Du hast es in beiden Beiträgen sehr deutlich gesagt – Himmel und Hölle, das ganze Evangelium. Bleibt die Frage, in was für eine Form wir diesen Inhalt packen, um ihn rüberzubringen. Und ich finde, Du hast recht: Wenn wir mit wutverzerrtem Gesicht und zornsprühenden Worten versuchen, Leute mit dem Evangelium zu erreichen, dann haben wir für das größte, wertvollste Geschenk der Welt die falsche Verpackung gewählt, dann reißen wir, bildlich gesehen, Gräben auf zwischen Gott und Menschen, anstatt Brücken zu bauen.

  3. Worin würdest du ein „vernünftiges und evangeliumsgemäßes Vorkommen der Hölle in der Verkündigung“ sehen? Welches Ziel könnte dabei im Blick sein?
    Ich frage, weil – mir fällt da momentan, äh, keins ein…

  4. @Silke: nö….;-)
    @Alex: tja, nicht einfach. Ich denke, wenn es um die Gerechtigkeit Gottes geht, gehört die Hölle als letzte Konsequenz auch thematisch dazu. Nicht zentral, aber doch. Die Rache ist mein, spricht der Herr – die Gerechtigkeit Gottes, die die Ungerechtigkeit der Menschen konsequent behandelt, weil letztlich keine Saat ohne Ernte bleiben darf, wenn nicht das Kreuz heilsam dazwischen kommt, die ist gerade für Menschen die Krieg, Missbrauch etc. erlebt haben, eine wichtige Komponente im Gottesverständnis. Eben kein Schwamm drüber, sondern: entweder echte Umkehr zu Christus, oder gerechte Behandlung der Untaten – sprich: Urteil. Wenn auch nicht nach menschlicher „Gerechtigkeit“.
    Ich habe auch schon über die Hölle gepredigt, wenn es um die Kontinuität von Leben und Zeit nach dem Tod geht. Hölle beginnt schon hier, Ewigkeit und Reich Gottes beginnen schon hier… und gehen dort in neuer Qualität weiter…
    Und, ja, ich habe die Hölle erwähnt gegenüber gesättigten Christen, die meinten, sie könnten das Evangelium als Kuschelbotschaft für egoistische Zwecke einspannen… die Hölle macht die Ernsthaftigkeit deutlich…. wo die Liebe manchmal nicht mehr durchdringt…. weil alles so satt ist… vielleicht fällt dir noch mehr ein?

  5. Vielleicht ist das Problem, dass wir die Hölle als einen Ort/Zustand sehen, der existiert weil Gott es will und nicht als Ort/Zustand der existiert, weil Menschen ohne Gott sein wollen. Wenn wir die Hölle Gott in die Schuhe schieben, dann muss sich das doch negativ auf unser Gottesbild auswirken oder einem negativem Gottesbild entsprungen sein (Kreislauf?).
    Ich denken, erst das Gottesbild in Ordnung bringen, dann hat der Begriff Hölle auch nicht mehr Drohpotential als Sünde, Gericht oder ähnliche Begriffe.

    Vielleicht denkt jetzt jemand, ohne das „Motivationspotenzial“ solcher Wörter verkommt das Evangelium zu einer Wohlfühl- und Kuschelbotschaft. Der sollte bedenken: Die Gerechtigkeit Gottes bleibt, die Hölle ist kein angenehmer Ort und wer meint, durch die Gnade gabs einfach so, der hat Jesus Opfer nicht verstanden.
    Ich empfinde beides wie Schläge in Jesus Gesicht: Die Gnade ablehnen oder die Gnade annehmen, aber nicht wertschätzen.

  6. @toex: Mensch, wo holst du die guten Gedanken her…;-) – ja, das hat schon der gute CSLewis gesagt, dass die Hölle einfach die logische Konsequenz ist für einen Menschen ohne Gott – Gott hat sie sich nicht „einfallen“ lassen. Wichtige Unterscheidung.

  7. Hmm… als ich vor nem dutzend Jahren von Jesus gehoert habe, da war die Angst davor, die Zukunft nicht im Himmel zu verbringen, schon da. Ein starker Faktor fuer mich das Ganze nicht hinauszuschieben – und gleich jemanden zu fragen, wie ich denn Teil von Jesus Koenigreich werden kann. Danach war es eine ziemlich spannende Reise…

    Ich kann mich nicht erinnern, dass der Redner irgendetwas Angstmachendes gesagt haette! Die obige Konsequenz schien mir einfach „klar“, und hat mir interessanterweise geholfen, das Notwendige nicht aufzuschieben.

    Seit einigen Jahren sagt Gott aber immer wieder das andere: „Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.“

  8. Was genau meinst Du damit,dass nicht alle die Ewigkeit sehen werden,auch wenn sie Jesus als Herrn anerkennen? Ich dachte Gottes Gnade ist für alle da,die an Jesus glauben.
    Ein etwas verwirrter Tintenklecks

  9. Hei tintenklecks: ich zitiere mal Jesus aus Matthäus 7:
    21 »Nicht jeder, der zu mir sagt: ›Herr, Herr!‹, wird ins Himmelreich kommen, sondern nur der, der den Willen meines Vaters im Himmel tut. 22 Viele werden an jenem Tag zu mir sagen: ›Herr, Herr! Haben wir nicht in deinem Namen prophetisch geredet, in deinem Namen Dämonen ausgetrieben und in deinem Namen viele Wunder getan?‹ 23 Dann werde ich zu ihnen sagen: ›Ich habe euch nie gekannt. Geht weg von mir, ihr mit eurem gesetzlosen Treiben!‹«

    Eine deutliche Warnung vor einem reinen Bekenntnis, und sei es unterfüttert mit tollen Taten – solange wir nicht nach dem Glauben handeln… die Zielgruppe ist hier allerdings nicht der verzagte Christ, der sich an Christus klammert, sondern der fromme Großkotz, der glaubt, den Glauben in der Tasche zu haben…. Segen dir!

  10. Uff,danke Christof. Also fast so ein wenig,wie der Zöllner,die arme Socke und der reiche Pharisäer,oder? Wobei ich mich in der Rolle des sündigen Zöllners eher erkenne.
    Shalom Dir und Deiner Familie

  11. Amen wegbegleiter!
    Es ging mir vor kurzem noch so, wie Du es in dem ersten Abschnitt beschreibst, wo ich auch dachte, Feuer und Schwert über alle Heiden. Bin aber sehr hart, in diesem Feuer und Schwert zur Umkehr, zur Buße gezwungen worden, und mußte sehr acht haben, auf meine Füße tritt.
    Inzwischen habe ich gutes Tun, zu üben gewagt, echt gutes Tun, habe Kontakte zu Elenden meiner Vergangenheit aufgenommen. Und das hat mir viel Heil am gestrigen Tag gegeben. Es war ein umwerfendes Erlebnis von Heilerfahrung. Zu Elenden Kontakt,um auch meinem eigenen Elend in meiner Kindheit wieder begegnen zu können.

    Lieben Gruß,

    Rainer

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