Mmhm: Liebe ist… ja, was?

Liebe ist ein seltsames Ding. Sie ist rational nicht zu fixieren und basiert überwiegend auf Glaubens-Entscheidungen und Glaubens-Annahmen (was muss DAS ein Dorn im Auge von Atheisten und Rationalisten sein! Ist es aber nicht, weil diese in praxi selten über ihre Axiome nachzudenken scheinen, die in 100% der Fälle genauso Glaubensentscheidungen darstellen wie bei den naiven Christen).

Liebe ist dynamisch, man kann sie sicher indirekt fördern, wie man einen Acker bereitet und pflegt – aber machen kann man sie nicht. Im Gegenteil – je mehr man an den frischen Halmen der Liebe ziehen will, um sie zum Wachstum zu bewegen, desto leichter wird man sie ausrupfen und zerstören.  Man erkennt die Liebe häufig an der Früchten und nicht an irgendwelchen überschwänglichen Gefühlsäußerungen. Bei meiner Frau und mir lautet eine nette „mathematische Gleichung“: „Je aufwendiger die Hochzeit, desto kürzer die Ehe!“

Bei Jesus-Punk (deren Geschichte mich berührt), habe ich einen schönen Satz gefunden:

Liebe ist, wenn Treue Spaß macht.

So einfach, so wahr. Klar ist natürlich: Liebe ist auch, treu zu bleiben, wenn es gerade mal keinen Spaß macht. Aber für den Gesundheitszustand der Liebe gibt es wohl keinen besseren Gradmesser als die Treue. Und damit wieder eine indirekte Äußerung der Liebe. Auch im Glauben.

In meiner Beziehung zu Gott stimmt es dann, wenn ich fast selbstvergessen durch den Alltag navigiere und nicht auf Anerkennung, Erfolg, Geld, Schönheit, Heilung oder fromme Taten schiele. Denn so schön diese sind – wenn sie sich in den Mittelpunkt rücken, werden sie selbst zum Gott und ich gehe fremd. So kann die fromme Tat sehr fleischlich sein, weil sie wichtiger geworden ist, als Gott selbst. So kann der Wunsch nach Heilung, Wundern, Wirksamkeit, Gemeindewachstum, heiler Gemeinde, einer bestimmten Theologie – was auch immer – wichtiger sein, als Gott selbst. Und damit Untreue und Götzendienst. So fromm – und doch so vorbei.

Liebe heisst: dem Anderen dienen und sehen und nichts von ihm zu erwarten als ihn selbst um jeden Preis. Das gilt für Gott – und für den Partner. Gott liebt dich so. Er will dich – und nicht deine Taten. Wenn du das verstehst, werden deine daraus folgenden Taten Taten nach seinem Willen sein.

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18 Antworten zu “Mmhm: Liebe ist… ja, was?

  1. Stimmt alles! Und das Beste ist: Ich kann sie (die Liebe) nicht selber produzieren, sondern sie mir nur von Gott schenken lassen. Demut ist, sich mit Liebe beschenken zu lassen, Barmherzigkeit ist, sie dan wieder herzugeben…

  2. …ich hatte schon ´ne aufwendige Hochzeit und bin jetzt mittlerweile seit 20 Jahren verheiratet… 🙂

  3. Ja, in der Familie, Freundeskreis, Gemeinde ist der liebevolle Weg der Agape ein guter Weg. Es ist unmöglich freundlich zu sein, ohne dass es nicht zurückkommt.
    Im Beruf geht’s doch eher sachlich zu – und ich meine es ist auch in Ordnung. Die meisten von uns werden für ihre Tätigkeit bezahlt und im alltäglichen Miteinander ist ein höflicher, freundlicher Umgang schon viel wert.
    Vielleicht ist es in sozialen oder medizinischen Berufen nochmal anders zu sehen, dort kommt es wohl noch mehr auf Hinwendung zum Menschen an.

  4. @mar: ja, du hast recht ein höflicher Umgang ist schon viel wert. Freundliche Kollegen sind dagegen ein echter Schatz. Und: was, wenn es jemanden gibt, der unfreundlich bis unverschämt in seinem Verhalten ist? Dann *dennoch* lieben!?

    Tja, bei deiner Mathematik bin ich ja sehr froh, daß wir auch eine wenig aufwendige Hochzeit hatten 😀
    Das mit den Früchten gibt mir zu denken. Ich merke, daß du (bis zu einem bestimmten Punkt) recht hast. Mir fällt dazu aber ein anderes Bild ein: wenn man Liebe nicht an den überschwänglichen Gefühlsäußerungen, sondern an den Früchten erkennt: was ist dann, wenn Otto-Normal Christ unemotional Früchte zeigt und alle seine Emotionen nur im Fußballstadion zeigt? Ist das gesund? (Bitte jetzt nicht an diesem konkreten Beispiel aufhängen – ich meine es eher prinzipiell.

  5. @shasta: Klar gehören Gefühle dazu, aber Gefühle taugen halt nicht als Maßstab und Zentrum, sondern dienen – wie übrigens auch der Verstand – dem Geist. Echte agape-Liebe nach 1.Kor 13 kann man eh nur zeigen, wenn man vorher Gottes Liebe empfangen hat, ansonsten ist die agape eine unglaubliche Überforderung – so aber: Geschenk. Aber klaro: Gefühle sind großartig und ein echtes Geschenk. Ohne Gefühle keinen Zugang zur Seele, viel zu vielen Menschen fehlt der Zugang zu den Gefühlen geschweige denn ein Vokabular.

  6. ich find es einfach nur heftig schwierig mit Agapeliebe – da stehen die unter Umständen soviel alte Sachen im Weg und selbst wenn du für eine Situation/Moment Gottes Gnade annehmen wolltest und konntest und tolles erlebst dabei – eine ganz neue Welt entdeckst – hab ich danach wieder das Gefühl von Nichts mehr da.Die Erinnerung ist da und die spornt mich an danach zu streben. Das bedarf anscheinend irre viel Zeit und Wegstrecke und Erfahrung mit Gott, bis ich mich mehr hingeben kann und beschenken lasse – so ganz checken tu ich da mit der Beschreibung der Liebe nicht, vorallem wenn da steht – Liebe vertraut – ehm…auf mein Gegenüber, wenn der Unfug treibt (sprich Misbrauch) und sich nichts sagen lassen will…?
    Ich brauch da wohl noch viel Offenbarung – zum Glück merke ich, steh ich nicht alleine da mit der großen Frage und vorallem mit der Umsetzung.

  7. @Steffi: da hast du recht – es ist schwer und ich bin weit davon entfernt, es „im Griff zu haben“ – denn genau das wäre auch falsch, wenn es ein Geschenk ist. Wir sind Gemeinschaftswesen und die agape-Liebe ist nicht umsonst eine Frucht des Geistes und muss in der Gemeinschaft verankert sein. Einseitige agape-Liebe, die vom anderen mit Füßen getreten wird… das ist hart! Das geht nur mit viel Vergebung. Aber eben auch Trennung. Auch das kann dran sein. Die Agape-Liebe gibt mir auch Freiheit und Würde und macht mich nicht zum Fußabtreter. Die Agape-Liebe verlangt nicht von einer Frau, die zum Beispiel missbraucht wird von ihrem Mann, das alles schön zu ertragen. Hier still zu bleiben und den Mund nicht aufzumachen, wäre seinerseits wieder Sünde!! Liebe und Wahrheit müssen IMMER zusammen kommen. Den Missbrauch zu dulden oder nach außen zu leugnen – das entspricht nicht der Wahrheit über das Leben. Die agape-Liebe wird, nach einem langen seelsorgerischen Prozess, ermöglichen, dass man auch diesem Partner (wahrscheinlich aus der Distanz) vergeben kann und damit Frieden finden kann… Segen dir!

  8. ich habe meine Liebe auch gefunden und bin glücklich verheiratet. Ich glaube dass die Liebe in Gott ist und so die Liebe an uns weitergegeben wird von Gott und ich bin so glücklich, dass ich ja sagen kann zu unseren Vater im Himmel und danke dass er seinen eigenen Sohn Jesus auf die Erde geschickt hat um uns zu zeigen, wie sehr er uns liebt.

  9. @shasta-cor: Dennoch lieben? Ich würde versuchen Missverständnisse anzusprechen. Wenn es keine Verständigungsebene gibt – oder sie blockiert ist, ist es möglicherweise besser auf Distanz zu gehen.

  10. @Mar,

    danke für deinen Input – dummerweise gibt es noch (!) keine ausreichende Verständigungsebene, um solche Dinge anzusprechen oder aber leider Indizien, daß es ohne Wunder nie passieren wird…

    Deshalb ist es besser auf höflicher Distanz zu bleiben und *dennoch* sich Liebe von Daddy schenken zu lassen

    @Wegbegleiter
    ja, deine Inputs sind richtig – aber sie treffen nicht ganz meinen zugegebener weise doppeldeutigen Post.

  11. @shasta-cor. Danke 🙂 So manches Missverständnis wird durch Daddys Input geklärt. Man läßt sich an seiner Gnade genügen, selig die Frieden stiften.
    Sei gesegnet.

  12. @Wegbegleiter
    Okay, dann mal nicht doppeldeutig. 😉

    Du schreibst

    Liebe ist, wenn Treue Spaß macht.

    So einfach, so wahr. Klar ist natürlich: Liebe ist auch, treu zu bleiben, wenn es gerade mal keinen Spaß macht. Aber für den Gesundheitszustand der Liebe gibt es wohl keinen besseren Gradmesser als die Treue. Und damit wieder eine indirekte Äußerung der Liebe.

    Ich komme gerade aus einer Zeit, wo teilweise die Treue keinen Spaß gemacht hat. Ja, die Rückschlüsse waren übereilt und vom heutigen Standpunkt auch verfehlt aber auf der einen Seite gab es „nur“ den Gradmesser der Treue – auf der anderen eine nie in Beziehung erlebte Begeisterung mit einem mir gegenüber immer arroganter werdenden Geschäftspartner.
    Wir waren / sind uns treu. Nur haben wir auch gemerkt, daß wir so unterschiedlich geprägt sind (interkulturell, Rolle der Frau / des Mannes, Persönlichkeit, politische Großwetterlage westlich und östlich des eisernen Vorhangs). In den letzten Monaten habe ich erlebt, wie schwer es fällt (und Paradox an wie beruhigend es ist zu erfahren:), wenn jemand es nie lernen durfte Wünsche zu äußern, Begeisterung in Beziehung zu zeigen oder auch nur Gefühle zu zeigen (ganz gleich ob Gefühle der Zustimmung oder der Ablehnung) – außer im Studium (dort aber dann in allen möglichen Bereichen und da es nicht in erster Linie um Beziehungen ging, sondern um die Sache auch egal ob im Umgang mit dem gleichen oder dem anderen Geschlecht). Das hat unsere Ehe unter eine *sehr* große Zerreißprobe gestellt. Sie hat gehalten, dank des dritten Seiles (eine dreifache Schnur zerreißt nicht – Prediger / Sprüche) – aber jahrzehntelange Prägungen schüttelt niemand einfach so ab. Der gegenseitige Umdenkprozess hat gerade erst begonnen.

    DAS meinte ich mit Früchte der Treue und gezeigte Emotionen auf dem Fußballplatz.

  13. @shasta: ok, verstanden. Werde hier nun keinen Senf absondern, das wäre deiner Situation nicht angemessen, aber ich sage ein paar eigene Gedanken dazu, vielleicht passen sie auch zu dir. Ich kenne dieses Missverhältnis auch! Und der emotionalere Mensch leidet immer mehr darunter, dass der Andere rationaler an die Sache rangeht und Gefühle auf intellektueller Ebene in Form von Begeisterung zeigen kann, aber weniger in zwischenmenschlicher. Was tun mit dieser Diskrepanz. Akzeptieren? Ja, denn es hilft nichts, sich an der Wahrheit wund zu reiben. Aber auch im Gespräch sein, denn Gefühle nicht äußern zu können kann ein Teil der Persönlichkeit sein, aber auch ein Teil von Verletzungen. Hier ist man aber auf die Hinterfragbarkeit des Partners angewiesen, man kann ja keinen zwingen, sich sich selber zu stellen. Dazu kommt noch eine andere Prägung, was die Zeichen der Liebe angeht (Stichwort: 5 Sprachen der Liebe, abgedroschen, aber nichtsdestotrotz ein wahres Buch). Der eine benötigt Zuneigung und Zärtlichkeit, der andere Hilfe und Zeit. Tja. Ziemlich unterschiedlich. Letztlich merke ich bei mir: ich reibe mich immer wieder wund an diesen Unterschieden und möchte lernen, die Andersartigkeit (die mich zwangsläufig, wenn auch ohne Absicht des Partners verletzt) zu vergeben und anzunehmen. So wie Jesus uns annimmt und damit erst Veränderung ermöglicht… trotzdem: im Gespräch miteinander haben wir auch die Verpflichtung, dass wir ein Stück weit auf die Bedürfnisse des Anderen eingehen und uns aufeinander zubewegen… tja, mal ein paar Gedanken vom Ehemann wegbegleiter…;-)

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