WillowCreek-Kongress 2010 (1): Leere und Zerbrochenheit

Das war er also, der WillowCreek Kongress 2010. Über 8000 Menschen aller Denominationen. Ich möchte in den nächsten Einträgen ein paar Dinge, die mich beschäftigen beschreiben. Eine Melange aus Gedanken von Referenten, gemischt mit meinen Gedanken dazu.

Da war Larry Crabb, christlicher Psychologe und ein alter Begleiter meines Glaubens. Ich habe seine Bücher schon früh gelesen und fand seine Ausgewogenheit in Theologie und Psychologie unter klarer Abgrenzung zu manchen zeitgeistlichen Spielereien immer sehr tief gehend und tief gründig. Er ist mittlerweile ein alter und weiser Mann und sein Vortrag und auch das Tagesseminar waren voller wertvoller Gedanken am Ende eines Lebens. Und voller Kraft – denn die hat er immer noch.

Was ist das wichtigste im reifen Glauben? Larry Crabb sagt – und mit ihm viele geistlichen Lehrer der letzten 2000 Jahre: Leere und Zerbrochenheit. Was versuchen wir nicht alles, sie zu füllen und begehen damit, ob wir Christen sind oder nicht: Götzendienst – denn nur Gott kann sie mit seiner Liebe füllen.

Kierkegaard hat die Melancholie und die Schwermut als sehr ehrliche Wahrnehmung der Trennung zwischen Mensch und Gott beschrieben und diese wird auch zu Lebzeiten nicht mehr komplett aufgehoben (sonst wären wir bereits in der Ewigkeit und diese wäre keine qualitativer Schritt). Der Mensch ist einsam, verletzt und letztlich – manchmal mitten im Leben und Getümmel – schrecklich einsam. Das ist schlicht die existentielle Wahrheit und vieles an inneren Mauern und Verhaltensweisen hängt damit zusammen, dass wir versuchen, Leere und Zerbrochenheit falsch zu füllen. Durch Menschen, Beruf, Aufgaben, Familie, Süchte, destruktive Verhaltensweisen… Oder ganz fromm durch eine Triumphtheologie, durch eine Fixierung auf intensive Gefühle, intellektuelle Highlights u.v.m.

Gott will aber gesucht werden um jeden Preis – und nicht weil er den Sieg schenkt, nicht weil er warme Gefühle gibt und vor allem nicht: damit wir das Leben besser im Griff haben! Das wäre die geistliche Abkürzung, die Gott missbraucht. Dann, wenn wir aufgeben, wenn wir die tiefe Zerbrochenheit und Einsamkeit weder fromm noch irgendwie anders übertünchen – dann, so sagt Crabb – begegnet uns Gott und zeigt uns seine ganze Liebe, denn erst dann haben wir sie nötig. Dann wird die Leere in Durst nach Gott verwandelt, und die Zerbrochenheit in ein sich völliges Verlassen auf Christus. Der Weg? Loslassen. Sich falschen Füllungen der Leere widersetzen. Die Zerbrochenheit annehmen und umarmen und Gott hinhalten. Denn erst wenn wir nicht nur leer sind, sondern auch leere Hände und Herzen Gott hinhalten, haben wir überhaupt den Raum, gefüllt zu werden.

Das kann man nicht machen. Man kann aber den Mut haben, sich seiner Zerbrochenheit und Leere zu stellen und sich Gott hinzuhalten. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass selbst manche Christen davor Angst haben – zurecht, denn es ist nicht schön, aber der Herr liebt zerbrochene Herzen (Psalm 34,19) und füllt sie. Auch ich übertünche und fülle hier und da noch falsch – ich weiß aber mehr denn je: der Weg führt durch die Tiefe hin zur Fülle. Und nicht an der Tiefe vorbei.

Wer sein Leben verliert um Jesu willen – der wird es gewinnen (Mt 10,39).

Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt… und mir nachfolgt… (Markus 8,34ff)

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19 Antworten zu “WillowCreek-Kongress 2010 (1): Leere und Zerbrochenheit

  1. Hallo Wegbegleiter,

    danke für deine Einblicke von Willowcreek. Mir fällt zu deinen Sätzen Melancholie und Schwermut etwas vom Wochenende ein.
    Ich durfte einen Rücken (*g*) Massage-Weihnachts-Gutschein von meiner lieben Frau einlösen. Fremdländische Atmosphäre herrschte dort. Und während mir dann die Füße, die Beine und der Rücken massiert wurde, merkte ich daß Gott echt keine Grenzen kennt. Selbst in solch fremdländischer Atmosphäre kann er wirken (=> à la why should the devil have all the good music). Mit meinem inneren Ohr hörte ich dann sinngemäß – passend zur Jahreslosung – ich versorge dich mit Standfestigkeit, mit Händen die geben und empfangen können, meine Last ist leicht – lerne von mir. Laß dir keine anderen Lasten aufladen – lade sie bei mir ab.

    Das alles hat mich tief bewegt, denn im Beruf gibt es gerade viele Lasten. Dann aber auch hier von dir der Zuspruch: auch wenn wir versagen, können wir immer noch vorankommen. Denn manches Mal müssen wir erst versagen, um seine Hilfe zu sehen bzw. um zu erkennen, daß wir uns helfen lassen müssen.

    Danke

  2. Hi Wegi,
    nehme nur ich das jetzt so wahr, oder ist das ein deutlicher Schnitt zu deinem vorangegangenen Post?

    Irgendwie komme ich mit dieser „Zerbrochenheitstheologie“ – um das mal in einen Kontrast zur „Triumphtheologie“ zu setzten 😉 – nie so richtig klar, obwohl ich es schon oft gehört habe. Was muss denn noch zerbrechen? Das, was mit Christus bereits gekreuzigt und gestorben ist? (Die beiden am Schluß genannten Schriftstellen legen diesen Schluß ja nahe). Also mein Ego? Ja ok, das ist Sache und dauert auch prozesshaft an, bzw. muss immer wachsam darauf geachtet werden, dass der „alte Mensch“ nicht heimlich wieder aufersteht… das Herz des „neuen Menschen“ ist aber ein GEHEILTES UND ERFÜLLTES und wiederhergestelltes und erneuertes und lebt ganz aus dem Triumph Christi.

    Etwas Anderes ist es, sich nicht der Welt gleichzustellen und nicht an den Werken der Finsternis Anteil zu haben, wie du sie im Txt auch als unzulässiges und schädliches „Füllmittel“ erwähnst, sondern wirklich im Geist zu leben und sich von IHM und der ewigen Freude erfüllen zu lassen, denn NUR DANN werden wir die unfruchtbaren Gegenden meiden, ja verabscheuen!

    Also was genau muß bei einem Christen noch zerbrechen?

    Kann es sein, dass das Problem u.a. am heute meist üblichen „sanften Einstieg“ in das Christenleben liegt, wo die Kosten nicht vorher klar offen gelegt wurden und die Entscheidung für die Nachfolge entweder gar nicht getroffen wurde oder wie ein kostenloser „Bonus“ rüberkommt, anstatt dass es klar das ENDE des (alten) Lebens bedeutet? Wurde nicht die Pforte derart verbreitert, dass Viele mit ihrem ganzen Gepäck hereinspaziert sind und nun nachträglich an dieser Last zerbrechen (müssen) und sich ohne hochzeitliches Gewand irgendwie nicht so recht zuhause angekommen fühlen?

    Bei mir wirft das wirklich viele Fragen auf wie man sieht… 😉

    LG + Segen

  3. @shasta: 😉 – danke für deine Ergänzung.
    @bento: warum kann man dieses Spannungsfeld nicht halten? Gibt es denn einen Christen, der einen 100% Einstieg hatte? Würden wir das überhaupt aushalten? Entdecken wir nicht durch die Sanftheit Jesu, mit der er uns erobert nicht mit jedem Wachstumsschritt im Glauben auch ein Stück mehr unserer Untiefen? Unserer Dunkelheit? Es gibt den Geist, es gib den Bereich der Seele, aber – und das ist meines Erachtens der große Irrtum dieser Theologie – diese Seele ist ja von Gott gewollt und war ja nur im alten Menschen „Fleisch“ – übrig bleibt eine verletzte Seele, die nun, und das nennt man wohl Heiligung, Stück für Stück vom Geist durchdrungen werden soll und Heilung erfahren soll. Dabei wehrt sie sich, dabei wehre ich mich aus alten Verhaltensmustern heraus. Diese Muster sind da, oder leide ich an Wahrnehmungsstörungen? So wie ich das verstanden habe, kann und muss der Geist nicht mehr verbessert werden, das Objekt der Heiligung zu Lebzeiten ist die Seele und das der Ewigkeit dann der Körper. Bleibt die Frage: wie gehe ich mit meinen Gefühlen, Verstand etc um? Betrachte ich Verletzungen als Fleisch? Nö. Ich habe aus diesen Verletzungen heraus sündig gehandelt – das ist Fleisch. Deswegen muss ich nicht die Verletzungen der Vergangenheit verleugnen, sondern wahrnehmen und die sündigen Folgen bewusst bei Jesus abgeben (wichtig: nicht als Akt der Rechtfertigung – da ist der Tat alles am Kreuz geschehen, aber eben als Akt der Heiligung!! Gott hat diesen Prozess nicht nötig – ich habe ihn nötig). Die Vertreter dieser Theologie leugnen dies ja vehement, aber sorry, da kommen wir wohl nicht zusammen. Ich möchte die Spannung nicht aufheben: ich kann sehr wohl meine neue Existenz betonen und aus Verheißungen heraus leben – dann aber auch wieder erkennen, dass in mir Dinge sind, die noch der Berührung Jesu benötigen, um geheilt zu werden.

    Ganz ehrlich Bento: wer schafft denn den 100% Einstieg? Das klingt arg nach Leistung und nicht nach Gnade an einem unvollkommenen Menschen, der doch gar nicht ein Leben als Christ absehen und übersehen kann. Schau dir einen Petrus an, was in dem immer wieder an neuen Schichten sichtbar wird und ans Kreuz muss. Wenn ich einen Luschi-einstieg hatte…, kann ich mich nicht so daran erinnern. Hat Jesus die Frau am Jakobsbrunnen erst über alle Kosten der Nachfolge aufgeklärt? Nein, er hat ihr Herz berührt, ihre Verletzungen angesprochen und dann auch die daraus folgende Sünde liebevoll angesprochen.
    Ganz ehrlich: ich habe schon so viele „siegreiche“ Christen erlebt, die dann eines Tages müde und ausgebrannt da saßen, weil sie schlicht ihre alltägliche Realität geleugnet hatten und mit Proklamationen und geistlichen Höhenflügen übertüncht hatten. Dieses: du musst deine neue Identität jeden Tag neu proklamieren und wenn Verletzungen hoch kommen, dann verleugne sie und betrachte sie als gegessen… das ist schlicht nicht meine Erfahrung und ist – bei allem wahren Kern, den dieser Ansatz auch besitzt und den ich im neuen Buch auch beschreiben werde – ohne den Gegenpol schief und krumm. Das ist mein Stand. Ich stelle in mir eben nicht nur Geheiltes fest – sondern auch Verletzungen, die mir das Leben gerissen hat. Die sollen und dürfen heilen in den Gegenwart Christi.

    So habe ich in 2009 tiefe Freude darüber erfahren, dass Jesus mir eine alte Last von den Schultern genommen und ein Stück wunde Seele sanft aufgedeckt und geheilt hat – vorher war ich noch nicht bereit dafür. Ich konnte jubeln und lobpreisen – Team.F. sei noch mal dank dafür. In diesem Spannungsfeld erlebe ich den Glauben und genieße ihn auch! Und manchmal hilft es auch, echte Freude zu fragen, was an Verletzungen noch spürbar alles bei einem durchscheint… denn die sind da… und da kann man noch so oft proklamieren. Wie gesagt: mein Stand.

  4. ja ok – dein Stand!

    ich lese in deiner Antwort viele negativ anmutende Vokabeln, die ich weder benutzt noch im Sinn habe – wie z.B. „proklamieren“, „übertünchen“ „leugnen“ usw. – (wobei verleugnen tatsächlich ein bibl. Begriff für viele Angelegenheiten zu sein scheint)… und du kennst jemanden, der ausgebrannt ist – jo, ich auch… wenn die ganzen Müden und Ausgebrannten dann eines Tages im Sieg leben, dann bin ich ja auch still 😉 … habe ich etwa nicht vom prozesshaftem geschrieben?

    naja, es war ja nur mal ein Versuch nach langer Pause, aber du hälst da wirklich ein „Spannungsfeld“ aufrecht, das ich so nicht sehe und in dem ich auch nicht lebe oder „hineininterpretiert“ werden möchte.

    Ein kleiner Hinweis noch: Die Seele kann nicht „vergeistigt“ werden! Sie kann aber genauso jubeln und erstarken wie das Fleisch und mit Freude dem Geist folgen!

    ok – ich verzieh mich dann mal wieder – das war so nicht mein Anliegen hier ein „Schattenboxen“ zu veranstalten, ich wollte wirklich wissen, was da aus dieser Sicht zerbrechen und leer werden muss!

    Segen

  5. Interessante Auseinandersetzung.
    Was muss zerbrechen? Mir fällt da als erstes Stolz ein ..und eine einseitige Sichtweise von Stolz. Meistens wird Stolz als Überheblichkeit, Arroganz in der Predigt definiert. Das ist nur die eine Seite auf der man vom Pferd fallen kann. Auf der anderen Seite steht der Stolz der Minderwertigkeit, sich kleiner sehen, als Gott einen gemeint hat.

    Mich sehen, wie Gott mich sieht, da sind die alten Verhaltens- und Denkmusterschalen zerbrochen.

    Dann brauche ich keine Versteckspiele vor Gott und mir selber mehr, um mein angeknackstes Selbstbild zu bemänteln und die Verletzungssplitter unter einer Selbstschutzrüstung vor schmerzender Berührung zu schützen.

    Dann kann ich in ein Gleichgewicht kommen anstelle in Überflieger- oder Armer-Wurm-Christ abzudriften und kann dann das erleben, was Gottes Geist als Frucht im Leben aus Gottes Liebe sehen möchte: Freude!!!

    Dann kann ich jeden Tag meine neue Identität proklamieren und geniessen und gleichzeitig an den Verletzungen arbeiten. Mein Geist braucht die Proklamation der Erlösung zur Stärkung der Freude und die Blaupause, an der sich meine Seele abgleichen lassen muss, wo sie noch weitere Umgestaltung und Heilung braucht.

    Vergebung wird immer wieder verlangt, aber wie wenige Predigten gibt es darüber, wie man vergibt. Es gibt meines Wissens keine Predigt über den Wert und Vorgang der inneren Heilung durch Vergebung bevor man ins Klärungs- und Versöhnungsgespräch mit der zweiten Ebene der Vergebung geht.

    Hier herrscht eklatanter Mangel und dann muss man sich nicht über die Kompensationsmechanismen wundern, die von einem Extrem in ein anderes springen, denn das Gegenteil von den Bedarf an innerer Heilung anzuerkennen ist das endlose Kreisen um die Aufarbeitung der Verletzungen.

    Psalm 103
    Lobe den HERRN, meine Seele,
    und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
    2 Lobe den HERRN, meine Seele,
    und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
    3 der dir alle deine Sünde vergibt
    und heilet alle deine Gebrechen,
    4 der dein Leben vom Verderben erlöst,
    der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
    5 der deinen Mund fröhlich macht
    und du wieder jung wirst wie ein Adler.

    Segen
    Deborah

  6. @Deborah: hey, du hast es perfekt beschrieben, wie ich es meine – danke! Ich habe zum Thema Vergebung aus und zusprechen eine Predigt geschrieben und in meinem neuen Buch ist ein ganzes Kapitel darüber…

    @bento: mmhm, ich habe meine ich darauf geantwortet, aber das ist nun mal auch was Persönliches. Wenn du sagst, dass Leute, die es nötig haben, immer noch Gepäck loszuwerden, es am Anfang nicht kapiert haben und ich an meinem Gepäck arbeite – dann darf man daraus schließen, dass ich einen laschen Einstieg hatte? Hatte ich nicht, ich habe echte Umkehr erlebt. Kann ich das dann nur neutral lesen?

    Um es nochmal auf den Punkt zu bringen und ich habe darauf auch schon finde ich ernsthaft geantwortet. Ich lebe nicht zu 100% aus dem Geist – sonst wäre ich in der Ewigkeit, Verletzungen sind für mich nicht die Ebene des Fleisches, ich muss einer Frau, die Missbrauch erlebt hat, nicht sagen, dass das alles bereits vorbei ist und diese Verletzungen alte Natur sind – vor Gott sind sie geheilt, aber in der Realität werden sie noch lange schmerzen und auch falsche Reaktionen hervorrufen aus Schutz und Stolz, die ans Kreuz müssen. Auch sündigen Reaktionen auf Verletzungen müssen immer wieder ans Kreuz. Praktisch: wenn ich zu meinem Sohnemann etwas Unschönes sage, weil er sich gerade daneben benommen hat, dann hilft es mir nicht, wenn ich meine Identität proklamiere – dann bitte ich ihn um Verzeihung und gehe auf die Knie vor Gott. Und wenn ich klug bin, versuche ich hinter meine Kulissen zu schauen, was dahinter steckt und sehe die Prägungen und eventuell auch die Verletzungen. Diese kann ich dann verstehen, darf aber nicht als Opfer stehen bleiben und sie als Entschuldigung sehen, sondern gehe mit diesen Einsichten genauso zu Jesus und erwarte von ihm und nur von ihm, dass er meine Sehnsucht füllt. Das ist ein lebenslanger Prozess der Heiligung – aus dem sind wir nicht herausgenommen in einer gefallenen Welt. Gebrochen werden muss Stolz, der immer wieder das Regiment übernimmt, leer ist alles, was ich nicht von Jesus erwarte und das geschieht mir zumindest oft genug. Diese existenzielle Leere wahrzunehmen und nicht sofort zu füllen – darin begegnen wir Jesus am tiefsten. Segen!

  7. Moin Wegi,

    ja, der STOLZ muss in jeder Form brechen – da geh ich 100% mit!!!
    (das ist mir näml. auch als einziges „Brechmittel“ noch übrig geblieben, als ich weiter drüber nachgedacht habe 😉 .. ) –
    Deborah hat das sehr schön ausgeführt.

    Ansonsten bleibt für mich wichtig, „das geknickte Rohr wird Er nicht brechen“, sondern aufrichten!

    Du scheinst da wirkl. etwas sehr persönlich zu nehmen…
    mit dem „Gepäck“ meinte ich weniger Verletzungen, sondern die Vorstellung, ein „eigenes Leben + Jesus“ leben zu können – das sollte man m.E. gleich an der Pforte abgeben und mit der verbreiterten Pforte meinte ich so seltsame Praktiken, wo angebl. gleich alle im Reich Gottes drin sind, wovon du dich ja auch längst distanziert hast.

    Deine Ausführungen, dass wir nicht aus der Welt herausgenommen sind und auch immer wieder der Kurskorrektur bedürfen, sind nat. völlig richtig – davon muß selbst Bento nicht mehr groß überzeugt werden 😉 – doch es ist soooo wichtig, das Gleichgewicht zu halten und auf dem „nur Jesus kann es“-Pferd zu bleiben, um wirklich voranzukommen. Ignorieren von eeigenen schwachstellen ist genauso ungesund, wie ständiges darum Kreisen – mich hat es deshalb etwas betrübt, dass du meine Aussagen da gleich aus der „Ignoranten-Überflieger-Ecke“ kommen gesehen hast und mich über die Schwachpunkte einer Theologie aufklärst, die ich nicht vertrete..

    Mir ist aufgefallen, dass Jesus eigentlich nie nach den Ursachen für unsere verschiedenen Leiden und Krankheiten forscht, denn Er kennt sie und befreit uns davon, indem er sie zerstört – DAS ist die Kraft der Gnade und die sollten wir wirklich zulassen.

    Segen

  8. Hi Bento – da sind wir nah beieinander und trotzdem: eigenes Leben plus Jesus – das wird immer zu einem Teil so sein, wir erreichen keine 100%. Und das ist auch nicht wichtig.

    Das Zitat vom geknickten Rohr ist schön, denn es macht sehr deutlich, worum es mir geht: man muss erst mal kapieren, dass man geknickt ist, sprich: Zerbrochen. Das versteht aber auch zu Beginn des Glaubens niemand in Gänze, weil wir unser Herz gar nicht kennen und kennen können. Insofern werden im Laufe des Lebens immer wieder neue Bereiche zum Vorschein kommen, die ich als zerbrochen anerkenne und dann erlebe, wie ER mich liebevoll aufrichtet. Alle Bilder für das Reich Gottes sind ja letztlich Wachstumsbilder – warum sollte es bei uns anders sein?
    Ich kann mich eben des Eindrucks nicht erwehren, dass manche (nicht du!) in diesem Bereich eine spirituelle Abkürzung gehen und ratzfatz sagen: achja, ist ja alles neu, ich brauche mich selbst nicht mehr wahrzunehmen! Aber wir werden hinein verwandelt (!) in das Bild Christi – wir sind es noch nicht. Und dabei ist es doch logisch, dass neue Zerbrochenheit sichtbar wird, oder? Und geheilt werden kann durch Christus. Heiligung heisst doch letztlich: die Wahrheit Gottes begegnet meiner Wahrheit. Ich bin unfair, gereizt, nervös, launisch, sorgenhaft etc… DAS ist doch Realität. Meiner Meinung nach hilft es nicht bei dieser Realität an den Gehorsam zu appellieren und den Menschen zu sagen: denke einfach nicht dran! Sie gehören ans Kreuz, die Gnade Gottes darf erneut wirken und es hilft, zu begreifen, warum ich was gemacht habe und dann gehört auch das in einem Prozess unter die Gnade Gottes. Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht, die eigentlich von Gott gefüllt werden sollte. Es ist wichtig, diese Sehnsucht wahrzunehmen und richtig zu füllen, anstatt sie nur zu leugnen oder von ihr wegzuschauen – aber so hast du es ja auch in deinem letzten Kommentar gesagt, dass das wichtig ist.

    Jesus forscht nicht nach den Ursachen für Krankheiten, aber sehr wohl für Sünde und destruktives Verhalten – er deckt der Frau am Jakobsbrunnen liebevoll ihre Motive auf, dem reichen Jüngling genauso und auch Petrus muss seiner Dunkelheit brutal in die Augen sehen, weil Jesus ihn genau da hin führt. So ließe sich die Liste verlängern.

  9. Hallo,

    meiner Meinung nach kann ein Stachel ziemlich gut brechen. Ausserdem fällt mir die geniale Liedzeile ein:
    „Break my heart for what breaks Yours“
    Hab das gerade gegoogelt und dabei herausgefunden, dass die Zeile, die ich bisher immer verstand:
    „Break my heart from what breaks Yours“ genauso interessant ist.

    Viele Grüße
    Marco

  10. Da ich heute auf meinem eigenen Blog im Kommentarfeld den guten Rembrandt brachte, fande ich zusätzlich von Köder das bekannte Bild hier:

    frau

    Ich finde nachfolgender Text untermauert sehr gut, was ich aus dem oben genannten Post heraushöre: klick mich.

    … ich bin schon der Meinung, dass Jesus nach den Ursachen von verschiedenen Leiden und Krankheiten forscht, um sie an das Tageslicht zu bringen. Die individuelle und persönliche Ursache ist sicherlich nicht theologisch belegt. Muss sie auch nicht, die Frau am Jakobsbrunnen und Jesus … die haben sich auch ohne Worte tief in der Seele verstanden, tiefer als uns bekannt.
    Mein persönliches Erleben mit irgendwelchen Gleichnissen in der Bibel, bleibt ja auch Zwiesprache zwischen mir und Gott.

    Ist das „Ding“ aber konkret benannt, DANN habe ich die echt Chance dies an das Kreuz zu bringen und die Autorität der Vergebung, Versöhnung und Auferstehung in Anspruch zu nehmen und die Bindungen sind gelöst und Jesus wieder ein Stück mehr auf dem Thron meines Lebens. So meine Erfahrung …

  11. Hallo Wegbegleiter,

    ich habe Deinen Post gelesen, die anschließende Diskussion verfolgt und dabei überlegt, warum das Stichwort „Zebrochenheit“ so einen Widerstand auslöst. Vielleicht, weil die Assoziationen sehr schnell bei der schwarzen Pädagogik landen: da ist jemand anders aktiv und zerbricht uns, unseren Willen, brutal und rücksichtslos. Dann aber heißt es in der Predigt, dass Gott Liebe ist, ergo ist diese Brutalität sein Liebesbeweis. Diesen Widerstreit hält kein Mensch lange aus. Es ist mir klar, dass Du diese Richtung gar nicht einschlagen wolltest.
    Eine andere Assoziationskette, ich vermute auch keine von Dir gewollte, geht in Richtung einer „Vorzeige-Demut“: Sack und Asche und das ewige Mantra von „ich kann nichts, ich bin nichts und nur dem Herrn gebührt die Ehre“. Auch das ist weder gesund noch dogmatisch richtig.
    Was stattdessen? Ich tendiere in Richtung Würde – von Geschöpfen, die von Gott begabt und beauftragt sind. Würde ist für mich eine Haltung, die gelernt hat Erfolge zu feiern und das Scheitern zu akzeptieren, einfach weil die Niederlagen zu unserem Leben in dieser Welt dazugehören. Sie kann die Balance halten und beides vertrauensvoll in Gottes Hände legen.
    Noch ein Bild: wenn man auf einen Gipfel steht, muss man durch das Tal gehen, um auf einen neuen Gipfel zu steigen. Oder fliegen lernen 🙂 Doch bis dahin, also bis uns Flügel wachsen, wünsche ich uns den Mut, die Spannung auszuhalten, die entsteht, wenn wir auf Gottes eingreifen warten. Und ich wünsche uns Menschen, die für uns Glauben, wenn von unseren eigenen Glauben nur noch ein verblichene Schatten übrig geblieben ist.

  12. Hi gwenhwyr: Würde und Verderbtheit (schönes altes Wort) sind beide gleichermaßen richtig und zu sehen. Gottesebenbildlichkeit auf der einen und der stete Hang, das Leben ohne Gott in den Griff bekommen zu wollen bzw. der Zweifel, dass Gott wirklich gut ist auf der anderen Seite. Zebrochenheit ist für mich nichts, was Gott tun muss – ich muss es erkennen, denn es ist die Wahrheit. Ich finde auch heute noch Schichten in mir, die es ohne Gott packen wollen und die Kontrolle haben wollen. Dies zu erkennen, es schmerzhaft zu empfinden, in Gottes gute und gnädige Arme zu fallen und die Kontrolle immer wieder abzugeben, das ist wohl der Weg in die Freiheit. Dass wir dazu überhaupt erst fähig werden – das ist das Geschenk der Gnade Gottes in Jesus Christus…

  13. Hi Wegbegleiter, ich vermute, wir denken mal wieder ähnlich. Ich versuche meine Sicht in Worte zu fassen, um diese Vermutung zu prüfen.
    Es gibt sie, die dunklen Seiten unsere Seele: Neid, Zorn, Trägheit,etc. So lange alles gut läuft, treten sie nicht zu Tage. Sie tauchen auf, wenn etwas schief geht, entweder, weil uns etwas Misslungen ist, oder weil von außen etwas auf uns zustürzte, womit wir nicht fertig geworden sind. Diese dunklen Seiten scheinen in dem Moment eine Art Schutzfunktion auszuüben, sie lenken die Aufmerksamkeit von unseren eigenen Unzulänglichkeiten ab, bauen um uns herum eine Mauer. Die Herausforderung besteht daran, diesen vermeintlichen Schutz abzulehnen und der Schwierigen Situation mit offenen Visier zu begegnen. Es ist gefährlich, man macht sich verletzlich. Und es geht nur in der Gewissheit, dass Gott uns hält, egal was passiert. So wie Du schreibst, es ist der Weg in die Freiheit. Wahrscheinlich brauchen wir uns nicht wundern, dass sogar nach einer langen Zeit mit Gott noch solche Sichten bzw.Reaktionsmuster in uns entdecken. Ganz einfach: hinter den Mauern unsere eigenen Burg ist es gemütlich, auf dem offenen Feld, in der Freiheit eben, stoßen wir öfter an unsere Grenzen.

  14. Als bisher „stille Leserin“ möchte ich mich an dieser Stelle einfach mal für deinen Blog bedanken. Ich freue mich jedesmal, wenn ich einen neuen Eintrag entdecke und es tut mir einfach gut, deine Beiträge zu lesen. Heilung, Bodenständigkeit , Anregung, Herausforderung und Freude sind Schlagwörter, die ich für mich mit deinem Blog in Verbindung bringe.
    Also: DANKE!
    Gottes Segen dir!

    ps. Leider hat Bodenständigkeit so einen altbackenen, etwas schlichten Touch, so wie Hausmannskost. Mit Bodenständigkeit mein ich vor allem: in Jesus geerdet und begründet, im Hier und Jetzt und nicht weltfremd. Kann es leider nicht besser ausdrücken.

  15. Hi Katja, danke für die ermutigenden und lieben Worte! Bodenständigkeit ist klasse – mit den Füßen auf dem Boden und mit dem Kopf über den Wolken…;-) – ich mache dir Mut, mit zu reden und nicht weiter zu schweigen…;-)

  16. Hallo Wegbegleiter,

    ich lese dein Blog schon einige Wochen nun, und ich finde es meistens gut.

    Aber mit diesem Beitrag über Zerbrochenheit bin ich nicht so ganz einverstanden. Ich meine er ist nicht ganz biblisch. Ich bin zwar kein richtiger Bibelkenner aber ich meine daß in den Episteln nie so geredet wird. Ich habe dieses Problem mit dem Zerbrochenheitsfokus seitdem ich eine Broschüre las in der empfohlen wurde Gott um Zerbrochenheit zu bitten. Irgendwie erscheint mir das masochistisch. Es scheint darum zu gehen sich für Gott annehmbar zu machen indem man sich ins Leid stürzt. Wenn ich persönlich leide scheint es mir manchmal einfacher zu sein mich Gott anzuvertrauen. Wenn ich nicht leide bin ich manchmal sehr eigensinnig und folge gern meinem eigenen Weg. Aber muß ich mich denn nun wirklich in Zerbrochenheit stürzen um besser glauben zu können? Gibt es nicht auch einen Weg zu Gott über das Glück? Irgendwie sehe ich in diesem Zerbrochenheitsfokus ein tiefes Elend, etwas zutiefst trauriges. Warum können wir nicht einfach Gott vertrauen? Warum wollen wir Gott erzwingen durch solche Sachen? In der Bibel finde ich nie daß man sich selbst zu einem Leidenden machen muß um Gott zu gefallen. Es scheint eher darum zu gehen dem Leid nicht zu entfliehen im sozialen Leben, für andere Menschen da zu sein und nicht immer nur die Zerstreuung zu suchen. Der gute alte Hinweis auf barmherziges Verhalten, auf das ethisch Gute. Anderen Menschen Gutes zu tun bessert das Herz, nicht das Hineinstürzen in die Zerbrochenheit.

    Darüber hinaus ist die Rhetorik schlichtweg unstimmig. Zerbrochenheit kann man nicht füllen … Leere ja, aber nicht Zerbrochenheit. Was du über die Leere schreibst macht Sinn, es scheint um so etwas wie ein geistliches Fasten vom weltlichen zu gehen, und das ist gut. Aber dieses Streben nach Zerbrochenheit finde ich falsch. Das kommt schon von alleine, das Leben ist schon hart genug wie es ist.

  17. Hi unscharfer Daniel…;-) – danke für die Rückmeldung. Ich muss nicht um Zerbrochenheit bitten, sie ist Teil meiner Seele. Beispiel: ich laufe als Christ durch das Leben und stelle fest, dass ich in einem Teil meines Lebens meine Sehnsucht auf falsche Weise (nicht bei Gott) gefüllt habe. Eine dunkle Seite wird sichtbar und kann angerührt werden. Ich muss nicht um Zerbrochenheit bitten, aber ich kann darum bitten, dass Gott sie aufdeckt (dort wo ich mich immer noch aus falschen Quellen bediene) und die dahinter liegenden Dinge mit seiner Gnade heilt.
    Gott liebt ein zerbrochenes Herz – das sagt die Schrift nun mal – warum? Weil wir im Moment der Erkenntnis alles eigene Bemühen loslassen können und uns ganz auf ihn werfen und dann umwerfende Gnade und Liebe finden. Ich finde das großartig! Der Weg zum Glück kann ja realistisch nicht an der Realität vorbei gehen, oder?
    Zerbrochenheit kann man nicht füllen – jaja, da habe ich in der Rhetorik eine Unstimmigkeit, schlimmschlimm… also manchmal… ich glaube es ist deutlich, was gemeint ist, gelle? Gott verwandelt Leere in Durst nach Gott und Zerbrochenheit in Dankbarkeit für die große und Liebe und Gnade – so besser?

  18. Lieber Wegbegleiter, ich habe heute noch einmal lange über deinen Eintrag und deinen Kommentar nachgedacht. Er ist wirklich sehr tiefgründig.

    So wie du den letzten Abschnitt geschrieben hast kann ich dich verstehen und das auch unterschreiben. Ich bin einfach der Meinung daß unser Leiden authentisch sein muß wenn wir damit vor Gott gehen wollen. Sonst sind wir nicht anders wie jene Mönche aus dem Mittelalter die sich selbst kasteien, sonst ist es wie bei dem Selbstverletzungssyndrom, und das ist nicht gut meiner Ansicht nach.

  19. @Daniel: neee, Selbstkasteiung ist Blödsinn – es geht nur um eine Wahrnehmung der Realität und da leben auch Christen eben durchaus auch mal aus den falschen Quellen – wir sind d’accord!

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