Pornographie: Oder warum Rosamunde Pilcher auch pornographisch sein kann

Abgesehen davon, dass auch immer mehr Frauen harte Pornographie konsumieren und davon abhängig werden – der Sexualwissenschaftler Bartholomäus beschreibt ein interessantes Phänomen:

„Die Groschen- und Kitschromane bieten statt einer Pornographie der Genitalien eine Pornographie der Sentimentalität. Die Produkte dieser Pornographie werden nicht als obszön anerkannt. Sie erscheinen deswegen ungehindert und können öffentlich, ohne Peinlichkeitsgefühle konsumiert werden. In der männlichen Pornographie überlagert die Obszönität den Kitsch, in der weiblichen der Kitsch die Obszönität.“

Gefunden unter der Überschrift: Frauen flüchten anders – in dem neuen und meines Erachtens besten deutschen Einsteigerbuch in die Problematik der Pornographie: „Voll Porno“ von Christoph Pahl.

Das Problem ist: beide Abhängigkeiten zerstören Partnerschaften, weil sie das Menschenbild des jeweilig gegengeschlechtlichen Partners zerstören. Die Würde des Gegenübers wird degradiert. Und vieles mehr. Das sollte Männer und Frauen enger zusammen rücken lassen, denn beide kämpfen an der gleichen Front, nur mit anderen Waffen.

Und noch ein lustiges ernstes Zitat aus dem besagten Buch (das auch für Frauen super ist):

„Spätestens wenn du dich fragst, warum alle Frauen, die du kennst, den Nachnamen jpg tragen, solltest du über dein Frauenbild nachdenken.“

Pornographie killt Partnerschaften und raubt unendlich viel Energie. Es ist Zeit, den Kampf dagegen zu beginnen – besser: dagegen und vor allem FÜR ein anderes Bild von Sexualität. Einen kreativer Einstieg bietet die christliche Initiative xxxchurch und einen exzellenten Webfilter gegen (nicht nur) Pornographie gibt es neuerdings kostenlos (!) von K9 – hier! Er hat mittlerweile bei mir safeeyes ersetzt und ich bin äußerst zufrieden! Filtern ist nicht alles – aber es ist ein Anfang!

Und dann: beginne den Kampf, werde öffentlich, suche Kontakt, lass dir helfen, bringe deine Abhängigkeit ans Licht der Gnade Gottes, suche dir einen accountability Partner (wie übersetzt man das denn treffend…?), der nachfragen darf. Es lohnt sich! Man kann von Rosamunde Pilcher frei werden – vor allem von dem, was dahinter steht. Und auch von nackten Frauen.

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26 Antworten zu “Pornographie: Oder warum Rosamunde Pilcher auch pornographisch sein kann

  1. Ein Bekannter sagte einmal „Liebesfilme sind die Pornos der Frauen“. Das trifft deinen Beitrag hier eigentlich ganz gut. 😉

    Kann dem nur zustimmen – was Hollywood bei den Leuten schon alles angestellt hat… Doch selbst wenn man das erkannt hat, man kann sich dem einfach nicht entziehen. Oder man wird nicht als Frau angesehn. 😦

    ja, so Probleme gibts…

  2. „Accountability Partner“ Ich würde sagen, ein Partner, dem man Rechenschaft ablegt.
    Gute Idee, gerade bei dem Thema!

  3. curioustraveller :
    “Accountability Partner” Ich würde sagen, ein Partner, dem man Rechenschaft ablegt.
    Gute Idee, gerade bei dem Thema!

    Genau nach diesem Prinzip versuche ich auch mein Problem in den Griff zu kriegen… Deshalb habe ich diesen Blog eröffnet. Alle die mitmachen wollen und gegenseitig Rechenschaft ablegen wollen, können sich melden.

    Von den anderen zwei Links kenne ich den ersten, allerdings nur von aussen. Mit meinem Blog will ich meinen Kampf gegen die Sucht öffentlicht machen, damit meine engeren Kollegen mich auch unterstützen können. Leider sind wie bis jetzt nur zu Zweit – aber hoffentlich werden wir mal mehr 😉

  4. Kitsch ist eine peinliche Sache aber nicht jede Gefühlsäußerung ist kitschig, da würde ich gern ein wenig Nachsicht üben. Über Rosamunde Pilcher-Lektüre kann ich nichts sagen, da ich nichts gelesen oder gesehen habe.

    Problematisch finde ich die Verknüpfung von Sexualität und Gewalt, da sollte keiner Verherrlichung oder Verharmlosung Vorschub geleistet werden. Weder in Literatur noch Film.

    Für pädophil veranlagte Männer gibt es in Berlin – soweit ich weiß – eine Klinik, die therapeutisch helfen kann und mittlerweile wenden sich wohl auch einige Betroffene dorthin. Bleibt zu hoffen, dass eine solche Anlaufstelle erhalten bleibt und vielleicht auch weitere entstehen.
    Bei allem Verständnis werden wir uns aber damit abfinden müssen, dass es gewalttätige, völlig empathielose Menschen gibt, die übergriffig werden – wie am Beispiel Dutroux zu sehen war.
    Diese Menschen können nur noch in staatliche Gewalt gebracht werden.

    Schön, dass hier jetzt Anlaufstellen genannt werden für süchtige Porno-Konsumenten – auch die soll es geben.

  5. Hi mar. Ich finde es immer kritisch, bei diesem Thema direkt mit Pädophilie und Gewaltexzessen zu kommen, denn die Masse der Konsumenten leidet unter dem Konsum. Will raus. Spürt, dass da etwas nicht stimmt. Dieser Wahnsinn der Normalität ist wichtig und genauso wichtig ist es, den Normalkonsumenten zu helfen und sie nicht direkt zu Perversen zu stempeln. Sicher, bei Kitschromanen gibt es keine körperliche Gewalt – mit echten Gefühlen haben diese aber nichts zu tun, sondern vermitteln eine Scheinwelt von Partnerschaft, die genauso kaputt machen kann wie Pornographie. Unter diesem Aspekt kann man die beiden vergleichen.

  6. @Hermes: eine gute Aktion, Respekt! Ich wünsche dir viele Teilnehmer – habe aber einen persönlichen Rechenschafts-Partner und möchte nicht auf zu vielen Hochzeiten tanzen. Segen dir!

  7. Hi Wegbegleiter, ja es sollte niemand abgestempelt werden, es ist immer besser zu helfen, wo Hilfe möglich ist.

  8. @wegbegleiter: Ich habe es nicht auf dich abgeshen 😉 Wollte einfach mal zeigen dass ich das mache und andere mitmachen können – wenn sie wollen 😉

  9. Hallo Wegbegleiter
    Ich bin der Autor des Buches „Voll Porno“ und wollte dir nur kurz für deine lobenden Worte und guten Gedanken danken.
    Besonders interessant finde ich den Link zur kostenfreien K9 Filtersoftware. Das werde ich gleich mal checken und vielleicht in die 2.Auflage einbinden.
    Alles Gute
    Christoph

  10. Hi Christoph – danke und: ich hätte dich auch noch angemailt wegen K9 – echt prima finde ich! Und sogar plattformunabhängig auf Mac laufend…;-). Segen!

  11. Hallo Wegbegleiter,
    eigentlich könnte ich uneingeschränkt „ja“ sagen zu Deinen Beitrag, ja bei entsprechender Dosis und Häufigkeit der Einnahme kann Rosamunde P. & Co die Partnerschaft killen. Dann musste man nur ein geeignetes Trainingspaket das die Widerstandskräfte stärkt entwicken, einüben, fertig.
    Wahrscheinlich bin ich ein wenig von der Phänomenologie verdorben, weil ich schon fast reflexartig frage: was steckt dahinter? Warum werden wir an der Stelle anfällig? Oder anders: was war früher, die Henne oder das Ei?
    Rosamunde P. scheint eine Sehnsucht zu stillen, Sehnsucht, die bereits da ist. Wenn wir beginnen gegen Rosamunde anzukämpfen, stehen wir in der Gefahr, auch gegen die eigene Sehnsucht anzukämpfen. Das würde sich auf Dauer rächen. Das soll jetzt kein Plädoyer für ein Freibrief für Rosamunde sein. Ich möchte Fragen, wo ist der Raum, in dem unsere Sehnsucht sein darf, Platz nehmen, sich ausbreiten, ohne dass man ermahnt wird, doch bitte sich auf Gott zu verlassen, Geduld zu haben, zu beachten dass…
    Wir haben vor kurzem in einer Gruppe ganz bewußt unsere Sehnsucht in den Mittelpunkt gestellt, nach Namen für sie gesucht, nach Bildern und nach Musik, die sie zum Ausdruck bringen. Es befreit und bringt Rosamunde P. sehr zuverlässig zum schweigen. Mit der erlebten Freundschaft kann sie nicht mithalten.

  12. @gwenhwyr: volle Zustimmung. Hinter allen Süchten steht eine Sehnsucht, die aus einem unerfüllten Herzen kommt. Wie diese gefüllt wird – das kann ganz verschieden aussehen und ist immer auch seelsorgerischer Prozess der Heilung.

  13. Hmmm, ich muss mal Nachfragen: wie meinst Du das?

    wegbegleiter :
    Hinter allen Süchten steht eine Sehnsucht, die aus einem unerfüllten Herzen kommt. Wie diese gefüllt wird – das kann ganz verschieden aussehen und ist immer auch seelsorgerischer Prozess der Heilung.

    Der Hintergrund ist folgender: der Satz „hinter allen Süchten steht eine Sehnsucht“ hat m.E. inzwischen leicht inflationäre Züge. Das ist aber noch nicht schlimm. Schlimm ist – wie gesagt, mein sehr subjektiver Eindruck – dass er als einer Art Killerargument dient, wenn man keine Lust hat, sich mit den Nöten einer Person wirklich zu beschäftigen.
    Mein zweites Fragezeichen gilt der Gleichung Sehnsucht füllen = seelsorgerischer Prozess der Heilung. Demnach wäre Sehnsucht so etwas wie eine Krankheit. Wenn der seelsorgerischer Prozess erfolgreich abgelaufen ist, verspührt der Beseelsorgte keine Sehnsucht mehr. Mir wird ganz mulmig bei dem Gedanken. Wahlweise könnte ich da sehr agressiv werden, denn ohne Sehnsucht stelle ich mir den Menschen ziemlich Tod vor oder zumindest als eine empfindungslose Marionette.
    Soll heißen, ich bin der Meinung, dass nicht die Sehnsucht geheilt werden soll, sondern dass der Mensch lernen muss, mir ihr umzugehen, ein Gespür dafür zu entwickeln, wann sie zugelassen werden darf und dadurch unseres Handeln in eine bestimmte Richtung lenken und wann es nötig ist die Sehnsucht zu beherrschen. Beides muss seine Zeit und seinen Raum haben.

  14. Auch mmmhm, da wolltest du mich aber falsch verstehen, hm…;-)? Natürlich ist Sehnsucht was wunderbares und vollkommen Normales, aber sie wird eben oft falsch gefüllt. Und diese ungefüllten und falsch gefüllten Sehnsüchte benötigen ernsthafte Beschäftigung und Heilung. Ich weiß zum Beispiel, dass der Liebestank meines Herzens von zuhause aus zu wenig gefüllt war und ist bzw. an Leistung geknüpft war. Also füllte ich ihn oft selbst und tue es manchmal immer noch. So entstehen Abhängigkeiten bei ganz vielen Menschen. Das zu verlernen und zu lernen, den Liebestank bei Gott füllen zu lassen – das ist ein Prozess der Erkenntnis, des Einübens, der seelsorgerischen Hilfe, des was auch immer hilft, frei zu werden für die Wellen der Liebe Gottes, die in unser Herz fließen wollen und auch fließen.
    Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht – gut, das ist für manche Klischee – aber es hilft immer noch und lenkt den Blick weg von der bösen Pornographie und der Verurteilung dessen, der sie konsumiert und lenkt den Blick auf den Kern, die Wurzeln, die Ursache und macht so barmherzig…

  15. wegbegleiter :
    Auch mmmhm, da wolltest du mich aber falsch verstehen, hm…;-)?

    ;-)) Das kann so wirken, wenn zwei Welten sich begegnen. In der Einen wird die Temperatur mit Celsius gemessen, in der anderen mit Farrenheit. Da dauert es eine Weile, bis man sich einig ist.

    wegbegleiter :
    Natürlich ist Sehnsucht was wunderbares und vollkommen Normales, aber sie wird eben oft falsch gefüllt.

    Ich überlege gerade, ob es sein könnte, dass wir die Sehnsucht in unterschiedlichen Zusammenhängen betrachten. Soll heißen, Du schaust auf Sehnsucht nach dem, was (noch) nicht ist. Die Sehnsucht wäre so gesehen eine Art Nebel, dem man versucht eine Gestallt zu geben um sie zu fassen, zu erfüllen. Um diese Gestallt zu entdecken wird Rosamunde P. oder Pornografie geschaut. Oder noch was anderes, egal. In so einem Fall wäre – aus meine Sicht – die Aufgabe des Seelsorges mit dem Betroffenen gemeinsam zu warten, bis der Nebel seine eigene Gestallt annimmt. D.H. bis die eigene Sehnsucht wirklich beim Namen genannt werden kann. Bis man der Versuchung widerstehen kann, „nachhelfen“ zu wollen, mit Drogen aller Art.
    Mein Blick war rückwärts gewandt. Die Sehnsucht nach dem, was man verlassen musste: hozun, dor, saudade, morrina… Ihre Dynamik ist eine andere. Dinge, die wirklich waren, verändern sich im Laufe der Zeit in einen Nebel. Manchmal hat man den Eindruck, vor diesem Nebel nicht fliehen zu können, er umhüllt einen und lähmt. Manchmal hilft ein sehr bewußte Abschied von diesen Dingen. Es ist sehr schmerzhaft und muss mit vielen Tränen beweint werden. Manchmal scheint es so, als ob der Abschiedsprozess kein Ende nehmen wollte.

    wegbegleiter :
    Ich weiß zum Beispiel, dass der Liebestank meines Herzens von zuhause aus zu wenig gefüllt war und ist bzw. an Leistung geknüpft war. Also füllte ich ihn oft selbst und tue es manchmal immer noch.

    Diese Gleichung: Leistung gegen Liebe kenne ich. Doch nur in dem Sinne, dass es mir oft erzählt wurde. Und das manche Seelsorge versucht haben mich davon zu heilen. Das blöde ist, das meine Gleichung eine andere ist: Zuwendung gegen Unterwerfung. Da mir allerdings dies lange unbekannt war und die Seelsorge andere Wege eingeschlagen hat, entwickelte das Ganze im Laufe der Zeit eine sehr unheilvolle Dynamik. Ich hoffe, Du verstehst, dass ich – trotz Nick – auf öffentlichen Markplatz keine Einzelheiten darüber berichten möchte.

    wegbegleiter :
    Hinter jeder Sucht steckt eine Sehnsucht – gut, das ist für manche Klischee – aber es hilft immer noch und lenkt den Blick weg von der bösen Pornographie und der Verurteilung dessen, der sie konsumiert und lenkt den Blick auf den Kern, die Wurzeln, die Ursache und macht so barmherzig…

    Einverstanden 😉

  16. Hi gwenhwyr, bzw. Fahrenheit…;-). Das mit dem Nebel ist ein interessantes Bild. Du benutzt es den Zeitstrahl entlang – die Dinge hinter mir, die ich ungelöst oder schmerzhaft verlassen musste, verwandeln sich in Nebel, die Dinge vor mir sind Nebel und sollen sich lichten. Weil ich nicht weiß, wie sich Nebel lichten kann, versuche ich es auf allerlei Wegen – auch falschen Wegen. Als Seelsorger würde ich nun sagen: es geht darum, den Nebel zu betrachten und einen anderen Blick – also Zugang zu ihm zu finden. Denn irgendwo ist der Ursprung des Nebels. In Gottes Gegenwart ist Klarheit und Farbigkeit. Nebel ist diffus und vernebelt meinen Blick, trübt mein Sehen und raubt mir die Vielfalt der Farben. Mmmhm, sehr poetisch dieses Bild. Schön.

    Leistung gegen Liebe ist ja auch nur eine Gleichung und ein guter Seelsorger sollte sowieso keine Gleichungen diktieren, sondern zuhören…;-). Wenn du gehorchst, hab ich dich lieb – letztlich ist das eine sehr unheilvolle Variation des Themas Leistung (gehorchen) gegen Liebe (Zuneigung). Hinter sooo vielem steckt letztlich die „Liebe, wenn“ – Schiene. Nichts ist umsonst und einfach so – alles hat Kleingedrucktes. Mir ist in den letzten Tagen in der Einkehr aufgefallen, wie sehr ich auch in der Beziehung zu Gott in dieser Schiene denke und bete…

  17. wegbegleiter :
    Wenn du gehorchst, hab ich dich lieb – letztlich ist das eine sehr unheilvolle Variation des Themas Leistung (gehorchen) gegen Liebe (Zuneigung).

    Sehr unheilvoll.., weil es auf lange Sicht zu der Wahl führt: Liebe oder Freiheit. Und ich bin ein sehr freiheitsliebende Geist. Somit konnte ich Predigten über Gottes Liebe irgendwann nicht mehr hören. Aber das ist eine andere Geschichte;-)

  18. Hallo Wegbegleiter,

    ich bin noch ein wenig den Gedanken „Liebe, wenn…“ nachgegangen. Es kommt tatsächlich vor, öfter als uns lieb ist, dass diese Botschaft von Menschen gesendet wird. Da besteht ein kausale Zusammenhang zwischen einem bestimmten Verhalten (brav, leistunsstark, fröhlich, was auch immer) und der Zuwendung. Aber ich denke, dass es auch einen gewöhnlichen zeitlichen Zusammenhang zwischen Zuwendung (im Sinne von intensiven Gemeinschaftserleben) und bestimmten Handeln/Situationen gibt. Soll heißen die Zuwendung ereignet sich im Rahmen eines gemeinsamen Handeln (wandern, musizieren, diskutieren, was auch immer). Es heißt eben nicht „Ich liebe dich, wenn du Klavier spielst“, sondern „Wir beide lieben die Musik und beim Klavier spielen fühlen wir uns auf besondere Weise miteinander verbunden“. Der Haken ist: man irgendwann beginnt man dieses Verhalten auf andere Beziehungen zu übertragen und z.B. mit Musik um die Zuwendung des anderen zu werben. Kommt sie nicht, verstärkt man das Bemühen (nach den bereits von Dir erwähnten Prinzip mehr von Gleichen) und irgendwann tappt man tatsächlich in diese Falle, zu meinen, sich die Liebe verdienen zu müssen.
    Der Seelsorge steht hier vor der wahnsinnigen Herausforderung herauszuhören, ob dieses „Liebe, wenn…“ tatsächlich auf der Erfahrung eines kausalen Zusammenhangs beruht oder ob es sich um einen aus dem Kontext herausgelösten zeitlichen Zusammenhang handelt. Ich schätze, die anschließender Vorgehensweise könnte unterschiedlich sein. Was meinst Du dazu?
    Noch zu Sehnsucht: ich habe ein paar Lieder ausgesucht, es sind für mich alles Lieder der Sehnsucht, doch sie sind unterschiedlich und die dahinter steckender Sehnsucht ist eben auch unterschiedlich. Daher mein Bild: der Nebel muss sich lichten.
    http://www.youtube.com/watch?v=FVPJ01HsM2U
    http://www.youtube.com/watch?v=QRvQEjeoZW0
    http://www.youtube.com/watch?v=9r5HZoCeMzg
    http://www.youtube.com/watch?v=_35wjmau4dQ

  19. @sabina: hihi… ich glaube, du kannst so manches gut nachempfinden, hm?
    @gwenhwyr: man unterscheidet ja nicht umsonst auch bei Freundschaften zwischen sogenannten Zweckfreundschaften, die entstehen, wenn zwei oder mehr etwas Gemeinsames mit Leidenschaft tun und dabei eine Nähe entsteht. Die „richtige“ Freundschaft ist die filia, die zwecklose Freundschaft im besten Sinne, von der C.S. Lewis meint, sie sei die höchste machbare Form menschlicher Liebe, weil in ihr sogar die Hormone fehlen, die zur eros gehören. Ja, ich denke, die Verbundenheit aufgrund gemeinsamer Arbeit oder Passion – die ist was Wunderschönes, aber ich hätte in ihr auch nicht das Gefühl des Missbrauchtseins! Man begegnet ja einander meist auf Augenhöhe und der Genuß ist beiderseitig. „Ich liebe dich, wenn“ markiert dagegen ein machtspiel, ein Abhängigkeitsverhältnis, das ein Gefälle zwischen den beiden Menschen markiert. Darauf aufgebaut entstehen dann so genannte „Spiele“, denn nicht selten ( zum Beispiel in der Ehepaarbegleitung) willigt der Partner auf dieses Spiel ein und „braucht“ es auf ungesunde Weise. Das aufzudecken heißt meistens, dass man erst einmal beide Menschen gegen sich hat als Seelsorger…;-) – bei der Kindererziehung ist es anders, aber auch da entwickelt ein Kind Ausgleichsbewegungen, um dem unfairen Methoden des Elternteils (meist der Mutter) auszuweichen. Diese sind dem Kind nicht vorzuwerfen – aber sie halten sich halt als Muster bis in die Erwachsenenzeit hinein und verkrümmen das Leben…
    Ich finde es als Seelsorger wichtig, nicht auch wieder ein Gefälle zu produzieren, sondern mich mit hinein zu nehmen in der Prozess. Auch ich habe ja solche Abhängigkeiten erlitten und produziere sie vielleicht schon wieder gegenüber meinen Kindern – ich denke, sie sind in gewissem Maße auch unvermeidbar. Man muss Kindern Grenzen setzen, damit sie reifen – daber muss man parallel vermitteln: du bist unglaublich geliebt und du darfst Fehler machen. Nicht so einfach… 😉

  20. „Eros verlangt nach nackten Körpern, Filia nach nackten Geistern“ und „In der Freundschaft begegnen sich freie Könige souveräne Staaten, befreit von jedem Kontext und nur ihre Vision verpflichtet“ – das sind so meine zwei Lieblingssätze aus dem Kapitel Freundschaft. Du hast Recht, dort gibt es ja keine „Liebe wenn“ und andere Spielchen, sondern Respekt und Begegnung auf Augenhöhe. Dennoch, trotz so viel Licht sehe ich auch Schatten (vielleicht bin ich zur Zeit einfach sehr desilusioniert). Der Schatten ligt nicht unmittelbar in der Freundschaft, sondern drumherum. Aus der Tatsache, dass diese Art der Freundschaft heutzutage verhältnismäßig selten geworden ist, folgt, dass sie oft verwechselt wird, von Beobachtern anders interpretiert. Der zweite Schatten entsteht beim Verlust. Diese Trauer einzuordnen ist sehr schwer, Liebeskummer versteht dagegen jeder. Gerade diese Art der Freundschaft ist eine unglaubliche Gabe, man kann sie nicht „einfädeln“. Ein unverarbeiteter Verlust kann dazu verleiten, dass man versucht „nachzuhelfen“, damit eine neue entsteht. Dünnes Eis…

  21. Hallo Fahrenheit 😉

    wir wissen beide, daß wir hier schreiben und lesen – gerade deshalb bewundere ich deinen Mut dies hier so zu schreiben.

    Wir haben erst jetzt gelernt die unterschiedlichen Gradzahlen umzurechnen – andere würden hier jetzt einfach von eindeutiger Kommunikation reden 😉
    Ich danke dir für dein Vertrauen – insbesondere in den Gesprächen, die nur wir beide geführt haben.
    In einem Bereich warst du etwas ungenau: denn du warst nicht die einzige, die einem unverarbeiteten Verlust nachhelfen wollte. Dieses führte zu einer mehrdimensionalen Begegnung „auf Augenhöhe“, die den Schatten auf dieser Filia aber auch auf unserer Ehe vergrößerte. Ich kenne die andere zweite Dimension nicht bzw. erahne sie nur – und halte es auch für besser, davon nur das notwendigste zu wissen. Ich bin dankbar, daß das Eis gehalten hat bzw. *Paradox an* wieder getaut ist *Paradox aus*.

  22. Ich lese gespannt mit…
    und habe eine Bitte, auch wenns nach Erbsenzählen klingen mag: bitte unterscheidet doch „philia“ (gr. Freundschaft) und „filia“ (lat. Tochter)! Altphilologen sprechen sie sogar verschieden aus, weil ph eben ursprünglich behauchtes p ist und kein f… und an dieser Stelle, ich möchte fast sagen gerade an dieser Stelle ist eine Verwechlsung fatal.

  23. Da hast du Recht – Sprachraumverwirrung. Latein – Griechisch, pfffff… – aber die Semantik verrät hier die Absicht entgegen der Syntax…;-)

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