Lehrreich: Wie der Auferstandene uns wiederherstellt. Auch heute.

Jeder Mensch geht immer wieder in Dunkelheiten – auch Christen. Wer der Sonne näher kommt, der sieht die Schatten schärfer und somit die Bereiche, an denen Gottes Geist noch keine gestalterische Macht gewonnen hat. Da Gott sanft ist und sich nicht aufdrängt, ist es an uns, die Dunkelheiten wahrzunehmen, nicht zu verdrängen und sie stattdessen als kreativen Punkt zu begreifen, verwandelt zu werden durch die Kraft des Auferstandenen

Petrus war so einer. Dreimal eingeschlafen und seinen Freund weinen lassen, dreimal verleugnet und seinen Freund verraten – fast schlimmer als Judas hat sich Petrus verhalten. Vielleicht wünschte er, wie dieser zu enden – aber Petrus geht zurück in seinen alten Beruf. Und begegnet dem Auferstandenen. Der ihn wiederherstellt (Johannes 21, 15-17).

Dieser macht ihm Frühstück. Auf einem Kohlefeuer (Petrus muss es kalt herunter gelaufen sein – am Kohlefeuer geschah der dritte Verrat…). Jesus spricht Petrus mit seinem alten, schwachen Namen an: Simon. Liebst du mich mehr als alle anderen? Jesus benutzt das Wort für die göttliche, selbstlose, hingegebene Liebe agape – hat Petrus maximale agape?. Petrus antwortet ganz geerdet: Herr, du weisst, dass ich dich lieb habe. Petrus benutzt die philia – die freundschaftliche Liebe. Nein, agape kann er nicht bieten. Doch Jesus beauftragt ihn trotzdem auf beeindruckende Weise, Großes für ihn zu tun. Trotz des Mangels an agape. Jesus vertraut. Ihm ist die Authentizität, die Ehrlichkeit wichtiger als ein Maßstab!

Wieder fragt ihn Jesus, wieder nach der agape, diesmal ohne Vergleich. Ok, Maximum ist nicht verlangt, aber einfach: agape-Liebe? Petrus verneint und antwortet wieder mit der philia. Und ein drittes Mal – Jesus führt Petrus bewusst an seine Grenzen und an seinen wunden Punkt, an die Wurzel seiner Selbst. „Hast du mich lieb?“ – Jesus verlässt die agape und fragt nun auch nach der philia! Begegnet Petrus auf Augenhöhe. An diesem Punkt sackt Petrus in sich zusammen und wird traurig. Er kommt am Boden an und erlebt trotzdem: Jesus trägt mir nichts nach, er vergibt mir und er beauftragt mich. Wir können die innere Beschämung aufgrund dieser unglaublichen Gnade mit Händen greifen – so groß ist der Herr!

Was lernen wir aus dieser Geschichte? Einige Faktoren sind mir wichtig geworden:

  • Wir müssen dem Auferstandenen begegnen. Jesus selbst. Darum kann man bitten. Es darf nicht bei klugen Worten und hilfreichen Büchern bleiben…
  • Ein Herz, das die eigene Dunkelheit nicht aussperrt, ist eine gute Grundlage für eine verändernde Begegnung. Das Glaubensleben ist ein Auf und ab… an den Tiefpunkten geschehen die Veränderungen, nicht auf den Höhen! Sich nach permanenten Höhen zu sehnen hieße, Glauben als Droge zu missbrauchen. Die Tiefen als normal anzusehen, hieße die Verheißungen des neuen Lebens nicht ernst zu nehmen. Beides gilt.
  • Manchmal ist es gut, in die Situation wieder hinein geführt zu werden und dort nachzuerleben, dass Jesus dabei ist und trotzdem liebt. Dies kann (auch) in der Seelsorge geschehen.
  • Im Gespräch zu einer realistischen Selbsteinschätzung kommen – und erleben, trotzdem angenommen, geliebt und beauftragt zu sein.
  • Der Mensch, der mich hinterfragen darf, der mir den Spiegel vorhalten will, der muss mich wert schätzen und mich aufbauen, ausrüsten zu einer neuen Aufgabe – so wie Jesus hier gegenüber Simon. Hast du Hinterfrager, die es gut mit dir meinen und dich nach vorne führen wollen?
  • Die Beauftragung ernst nehmen. Ich bin nicht für mich da, sondern für das Reich Gottes und indem ich tue, was mir aufgetragen ist, lebe ich im Willen Gottes und verankere und vertiefe meine heilsamen Erfahrungen.
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7 Antworten zu “Lehrreich: Wie der Auferstandene uns wiederherstellt. Auch heute.

  1. Ich danke Dir sehr für diesen Beitrag. Vor allem auch, dass Du die unterschiedlichen Wörter (was bei mir in der Bibel immer einfach mit Liebe übersetzt wurde) dargestellt hast. Das war sehr erhellend. Danke.

    Bayless Conley hat mal was ähnliches gemacht mit dem Wort „Lobpreis“ und dargestellt, dass es eigentlich 7 Wörter sind, die im hebräischen dafür gebraucht werden und oftmals unterschiedliches bedeuten.

    Das finde ich zum Verständnis äußerst interessant.

    Aber auch Dein Fazit finde ich sehr inspirierend und hilfreich – vielen Dank!

  2. … dieser Petrus … sein Leben mit Jesus und diese Begegnung mit Jesus, berühren mich sehr. Die Frage nach der Agape-Philia … so habe ich diese Frage noch nie betrachtet. Woran machst du es fest, dass Jesus die Agape-Frage stellt, bzw. was mich eher interessiert, dass Petrus auf „philia“ antwortet?

  3. Hi Sabina – steht da schlicht und eindeutig im Griechischen…;-) – und wird in der NGÜ zum Beispiel durch den Unterschied lieb haben und lieben verdeutlicht. Geht aber im Deutschen kaum… schade, denn dadurch wird die Dynamik des Gesprächs, die in die Tiefe führt und trotzdem von Anfang an beruft, gar nicht deutlich und man fragt sich unweigerlich, was das soll…

  4. Es ist ein spannendes Spiel mit den Worten, das Du beschreibst. Wahrscheinlich mehr als Spiel, denn wie oft passiert es, dass bestimmte – an sich harmlose Worte – in bestimmten Kontexten uns zusammenzucken lassen. Der Kontext der Worte in dieser Geschichte ist besonders ausdrucksstark. Es ist nicht nur das Kohlefeuer, sondern auch der Fischfang. D.h. innerhalb von vielleicht einer Stunde erlebt Petrus noch ein mal den Anfang und das (vorläufige) Ende seiner Geschichte mit Jesus. Die drei Fragen… Die unterschiedlichen Begriffe für Liebe, die Jesus und Petrus benutzen, sind ein linguistischer Fakt. Doch was folgt daraus? Gelegentlich habe ich den Eindruck, als ob man die Filia als einer Art Liebe zweiter Wahl betrachten würde, so nach dem Motto: das Beste konnte Petrus nicht bieten. Mein Eindruck ist ein andere. Auf die Freundschaft kommt Petrus nicht von ungefähr, denn in den Abschiedreden bei Johannes nennt Jesus ausdrücklich die Jünger „Freunde“. Eigentlich das ganze Zusammenleben von Jesus und den Jüngern war eine Freundschaft unter Männern. Petrus war ein bodenständiger Mann und mit Freundschaft konnte er sicher was anfangen. Vor allem wußte er eins: einen Freund lässt man nicht im Stich, egal wie kniffelig es wird. Doch genau das ist passiert: durch einschlafen, durch die Verleugnung. Solange Jesus nach agape fragt, versteht Petrus es nicht, agape ist abgehoben, unfassbar (mein oberflächliche Blick in die Konkordanz ließ mich nichts handfestes in Bezug auf agape in den Evangelien finden, wie dieses Wort sonst benutzt wurde, weiß ich nicht)Erst als Jesus nach der Freundschaft fragt erwischt es Petrus. Da wird ihm (erneut) klar, dass er als Freund versagt hat. Diese eigentlich wertlos gewordene Freundschaft legt er Jesus hin: „Du weißt es…“
    Danach kommt Pfingsten und die Jünger werden verwandelt. Mit ihnen auch ihre Liebe. Auf jeden Fall nach Pfingsten ist auffällig oft von agape die Rede.
    Ich halte es für einen mutmachenden Gedanken. Ich muss mich nicht um agape bemühen. Eine gewöhnliche Liebe, Zuneigung, Freundschaft ist für Gott eine ausreichende Grundlage, ein brauchbares Arbeitsmaterial. Er kann sie verwandeln.

  5. Bei wikipedia finde ich die Erklärung zu Agape hilfreich, da ich nicht so viele studierte Bücher habe.

    @wegbegleiter: sehr schön…diese Sprachaufschlüsselung zu lesen, das tut immer wieder gut… hab mir den Artikel abgespeichert zur Empfehlung und Weitergeben 🙂

  6. Wenn Johannes diese Begebenheit nicht aufgeschrieben hätte, fehlte mir ein ganz wesentlicher seelsorgerlicher Bestandteil der Schrift. Wie kann einem Menschen – und hier sogar dem Auferstandenen – überhaupt an der Liebe dessen noch gelegen sein, der ihn so abgrundtief verletzt, verraten hat? Petrus kann das nicht fassen. Ich auch nicht.
    Jesus ist an meiner Liebe gelegen, in welcher Form auch immer. Er braucht mich und ich darf für ihn tätig sein, er gebraucht mich! Vielleicht gerade dafür, einem „schwachen Gewissen“ Jesus fassbar zu machen, die ausgestreckte Hand zu ergreifen. „Ich muss mich nicht länger um Liebe bemüh’n, ich ruh‘ im Vertrauen zu dir. Allein deine Gnade genügt.“

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