Aufgeschnappt: Wie schwachsinnige Werbung unsere Gesellschaft spiegelt

Leitz-Ordner. Gute Qualität sicherlich. Aber nun 20% schneller zu öffnen. Achja? Wie lange dauert es, einen Ordnerverschluss zu öffnen? Ich tippe auf 0,25 Sekunden. Klack. Offen. 20% wären also immerhin solide 0,05 Sekunden. Eine Sekretärin, die diesen Handgriff 200 Mal am Tag vollziehen muss, spart also: 10 Sekunden. Enorm!

Solche gigantischen Innovationen enttarnen unsere leere Wachstumsideologie. Es muss ständig etwas Neues geboten werden, damit Kaufanreize geschaffen werden. Auch wenn das Neue schwachsinnig ist und die Menschheit nicht wirklich voran bringt oder zumindest einen praktischen oder unterhaltenden Wert hat. Dazu die längst ausgereizte Ideologie der „schnellen Zeit„. Längst sehnen sich die Menschen nach Entschleunigung und slow food, slow life… hektisch versucht der Markt, das alte Paradigma am Leben zu erhalten.

„Jetzt! Jetzt!“ rief die Königin. „Schneller“ Schneller!“ Und nun sausten sie so schnell dahin, daß sie beinahe nur noch durch die Luft segelten und den Boden kaum mehr berührten, bis sie plötzlich, als Alice schon der Erschöpfung nahe war, innehielten, und im nächsten Augenblick saß Alice schwindelig und atemlos am Boden. Voller Überraschung sah sich Alice um. „Aber ich glaube fast, wir sind die ganze Zeit unter diesem Baum geblieben! Es ist ja alles wie vor- her!“ „Selbstverständlich“, sagte die Königin. „Hierzulande mußt du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst.“ (Lewis Caroll: Alice im Wunderland; in: Geißler, Karlheinz A.: a. a. O., S. 45.)

Dahinter steckt der wahrhaft teuflische Plan, die Menschen nicht ins Nachdenken kommen zu lassen. Denn wer dieser Ideologie folgt macht vor allem eins: Arbeiten, um sich das alles leisten zu können. Vergleichen, um zu wissen, wo man steht und wer man ist. Konsumieren, denn das baut das Sein auf, das sonst einer Entropie hinein ins Nichts unterworfen ist.

Dass diese Lebensweise mit dem christlichen Bild vom Menschen nicht viel zu tun hat – das kann jeder aufmerksamer Bibelleser erkennen. Was können wir tun?

  • Werbung vermeiden und enttarnen,
  • uns Zeit nehmen für Menschen und für Gott,
  • Muße einüben,
  • bei den eigenen Kindern Räume der Langeweile fördern und schaffen,
  • entrümpeln
  • Noch weitere Tipps?



Advertisements

17 Antworten zu “Aufgeschnappt: Wie schwachsinnige Werbung unsere Gesellschaft spiegelt

  1. Nun, du musst den volkswirtschaftlichen Nutzen der neuen Ordner mal so sehen: 10 Sekunden mal 400.000 Sekretärinnen mal 300 Tage mal 12,50 € Stundenlohn. Das ergibt deutschlandweit 4.166.666,- € Einsparungen pro Jahr. Leitz verdient das Bundesverdienstkreuz.
    Ansonsten hast du natürlich Recht.

  2. Hi Rolf – nee klar, ich liebe auch die Cannes-Rolle der besten Werbungen. Kreative Meisterwerke! Wenn ich aber merke, dass mich Werbung unzufrieden macht und Kaufanreize mich zu sehr reizen, dann würde ich selbst die guten Werbungen fasten…;-)

  3. Wenn man Kommukationsdesign studiert hat, weiß man, dass Werbung auch Kunst sein kann. Ich persönlich könnte mir diese Ordner mit ihrer Botschaft als große Siebdrucke neben Warhols Campbell’s Soup im Moma vorstellen.
    Noch ein Tipp zum kontemplativen Entschleunigen: Mitmachen bei Jesus.de-Foren!

  4. Letzteres meinst du nicht ernst, oder? Ich kenne genug, die da ausgestiegen sind, weil es zu unproduktiv und teilweise sogar verletzend war…

  5. wegbegleiter :
    Letzteres meinst du nicht ernst, oder? Ich kenne genug, die da ausgestiegen sind, weil es zu unproduktiv und teilweise sogar verletzend war…

    Das kann ich mir gar nicht vorstellen. Wir sind doch alle nett!

  6. @Marion: Hi! Ich darf dich an deine eigene Aussage heute an anderer Stelle erinnern, dass ein Post nicht geblockt werden sollte, wenn er etwas zur Sache beiträgt – was soll denn jetzt diese Bemerkung, die nun wirklich nichts zur Sache beiträgt? Als kontemplative Maßnahme an Foren teilnehmen – ganz ehrlich, vera…. kann ich mich selber. Diese Worte gingen ursprünglich an deine mail-Adresse, die leider anscheinend nicht existiert. Und damit wären wir wieder beim troll-Problem…

  7. Hallo ich bin seit längerem ein aufmerksamer Leser dieses Blogs. Ich finde es gut und wundere mich aber, welche – mit hellseherischen Gaben ausgestatteten – Kommentatoren sich hier verewigen. Eine Frage an den Autor. Wie kann Marion den vollständigen Namen von Christian B. in Google suchen, wo er doch hier in keinster Weise erwähnt worden ist? Ist das vielleicht auch wieder ein Troll. Dann sage ich nur: Don’t feed the Trolls !!!

  8. Also ich finde Werbung gar nicht so schlimm – es ist ja kein Geheimnis, das Firmen uns damit ihre Produkte verkaufen wollen. Ich halte mich auch da an den Grundsatz von 1. Thessalonicher 5,21.
    Viel anstrengender find ich da eher den Journalismus: Da wird man mit Problemen konfrontiert, die für mein eigenes Leben eigentlich völlig irrelevant sind, mit Berichten und Fakten bombadiert, bei denen immer überprüft werden muss, mit welcher Weltanschauung sie verfasst worden sind und Quellen mit anderen Blickwinkeln zum Vergleich herangezogen werden müssen, um am Ende vollständiges Bild zu erhalten.
    Meiner Meinung nach entsteht das Problem eher aus einer Kombination aus Bequemlichkeit und einem fehlerhaften Selbstwertgefühl. Zum einen sind wir zu bequem und zum anderen trauen (Selbstwert) wir uns nicht, unsere Umwelt aktiv wahrzunehmen! und zu gestalten. Da verhalten wir uns wie eine Herde Schafe, die sich von jedem Geräusch im Unterholz hier und dorthin treiben lässt.
    Für uns Christen sehe ich nicht die Aufgabe, das System zu ändern oder sich darüber zu beschweren, sondern den Gegenentwurf dazu zu leben.

    Ein Buch kann ich in dem Zusammenhang empfehlen: „Wer braucht schon ein Boot“ von Donald Miller.

    Gruß, toex

  9. Hi toex – stimme dir voll und ganz zu. Wobei die Unterscheidung: System nicht ändern, dafür Gegenentwurf ist für mich eine zweischneidige Sache. Ich kann sicherlich das System nicht ändern, aber ich kann und soll den Menschen IM System helfen. Wenn ich dann parallel einen anderen lebbaren Entwurf anbieten kann – großartig…;-)
    Werbung ist denke ich kein Problem für denkende Menschen (obwohl… ich beobachte bei mir auch manchmal irrationale Haben-Wollen-Reflexe…;-), auf Kinder wirkt sie prägend und verheerend.

  10. „Dahinter steckt der wahrhaft teuflische Plan, die Menschen nicht ins Nachdenken kommen zu lassen. Denn wer dieser Ideologie folgt macht vor allem eins: Arbeiten, um sich das alles leisten zu können. Vergleichen, um zu wissen, wo man steht und wer man ist. Konsumieren, denn das baut das Sein auf, das sonst einer Entropie hinein ins Nichts unterworfen ist.“

    Diese Argumente haben die Kommunisten auch schon in Anspruch genommen. Was besseres haben sie aber auch nicht zustande bekommen.

  11. @Michi: ja, und? Ist eine Sache, die vor 5000-2000 Jahren geschaffen wurde, die später von einer Gruppierung aufgegriffen wurde, die gescheitert ist, deswegen automatisch diskreditiert? Ist nicht so wahnsinnig schlüssig, dein Argument.

  12. Hallo Christoph, natürlich geht es darum, den Leuten im System zu helfen. Leuten helfen sehe ich als die wichtigste christliche Aufgabe. Ich bin aber überzeugt, dass wir eben nicht effektiv helfen können, wenn wir selber noch im Hamsterrad mitlaufen.

    Das die Kommunisten nichts besseres zustande gebracht haben, bestätigt doch nur die Aussage, dass der Mensch sich nicht an den eigenen Haaren aus dem Dreck ziehen kann.
    Außerdem belegt es, dass der Fehler nicht im System liegt, sondern im Menschen. Deshalb fünktioniert es nicht, das System ändern zu wollen (was Jesus ja auch nie versucht hat).

    Im übrigen mag ich den Ausdruck „System“ nicht. Das klingt so nach „Wir und die Anderen“ oder nach „drinnen und draußen“. Ich würde es eher als „Von den Umständen her“ oder „Aus Jesus Freiheit heraus“ leben bezeichnen.

    Am Ende stellt sich doch nur die Frage, von was ich mich abhängig mache: Von den Umständen oder von Gott?

  13. Hi Toex – absolut klar, ich denke, das ist aber auch rübergekommen. Wir sind ja Teil des „Systems“ und jedes menschengemachte System hat menschenfeindliche, antichristliche Komponenten, der Kommunismus war eben nicht nur böse und der Kapitalismus ist nicht nur gut. Deswegen fängt die Kur bei uns an – dass wir uns in unserer Gesellschaft auch kritisch hinterfragen und vom Evangelium her fragen: was ist zu ändern, was ist die Alternative. Auch gegen den Strom. So zumindest die Theorie… was ich (auch bei mir) immer wieder schockiert ist, wie sehr Christen bereitwillig in jedem System aufgehen…

  14. Rolf :Hallo ich bin seit längerem ein aufmerksamer Leser dieses Blogs.

    aufmerksam? Nun, vielleicht war das vor deiner Zeit, aber er hat in „Prädestination und Freier Wille“ ab #48 als einer von wenigen Kommentatoren mehrfach unter seinem vollen Namen gepostet.

  15. Werbung kann manchmal gut tun – siehe die Werbung zum Buch von Christof L., wo übrigens auch der unbedarfteste „Troll“ den vollen Namen unseres geschätzten Wegbloggers erkennen kann ;-).
    „Come in and find out“ – komm rein und finds raus – seinerzeit Werbung einer großen Parfümerie. Was bitte soll ich rausfinden? Oder vielmehr – soll ich wieder aus dem Irrgarten von Düften, buntem Schnickschnack und unnützem Badeschwamm-Tand herausfinden, wenn ich hineingefunden habe?
    Dank einer angeborenen „Bildersensibilität“ schreckt mich Werbung von Natur aus schon ab. Gegen die belästigende ständige Berieselung durch Werbeblöcke in Kaufhäusern „Verehrte Kunden – in der XYZ-Abteilung finden Sie heute …“ hilft nur das bewußte Trainieren der Ausblendung.
    Erschreckend finde ich, daß die meisten Menschen (auch meine geschätzten Mitgeschwister) so etwas gar nicht mehr wahrnehmen. Sie ertragen es, weil es „zur heutigen Zeit dazu gehört“. Gruseliges „Argument“.

    Den winzigen Aufkleber, den ich unlängst an einem Fahrradschutzblech entdeckte … „Jesus liebt Dich!“ … den finde ich nun allerdings wieder reizend, und davon wünsche ich mir viiiel mehr Werbung ;-).

  16. „Noch weitere Tipps?“ – Buße. Dieses Kirche wie Gesellschaft inzwischen so anstößig gewordene Wort ist mir in jüngster Zeit lieber und teurer geworden denn je. An-stößig: Philips wichtiger Eintrag zum vermeintlichen Unwort der Spät-/Postmoderne in seinem lesenswerten Blog.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s