Beunruhigend(?), aber dynamisch: Gottes Wort führt direkt

Es gibt im 119. Psalm einen bekannten Vers (105): Dein Wort ist meines Fußes Leuchte! (…)

Gott führt uns also durch sein Wort. Aber wie? Mit einem Leuchtstrahl? Zumindest einer Taschenlampe?

Zu biblischen Zeiten gingen die Bauern manchmal sehr früh am Morgen schon hinaus auf die Felder, und sie kamen oft erst nach Hause, wenn es schon wieder dunkel geworden war. An jedem Morgen wurde dann ein öffentliches Feuer für das ganze Dorf angezündet, und die Bauern versammelten sich darum, um Hände und Füße zu wärmen. Die Wege und Straßen waren nicht besonders gut und eben, und manche waren gerade so breit, dass ein Mensch den Pfad gehen konnte. Wenn es noch dunkel war, nahmen die Bauern ein Seil aus Kokosfaser und zündeten dieses Seil an einem Ende im Feuer an. Wenn sie dann losgingen, löschten sie die Flammen am Seilende, hielten dieses Seil in der Hand und bliesen hin und wieder auf das glühende Ende, damit ein paar Funken aufstieben und ein wenig Licht geben konnten. Dann hielten sie das Seil vor sich, um im funzeligen Lichtschimmer dieser Funken zu sehen, wohin sie gerade traten.

Das ist die Leuchte des Fußes, auf die sich hier der Psalmbeter bezieht. Mehr nicht. Ein paar Funken in finsterster Nacht. Das ist irgendwie ein bisschen beunruhigend, oder? Mehr kann uns der Glaube nicht bieten, mehr Gehsicherheit ist nicht drin, wenn wir uns brav an die Bibel als Wort Gottes halten? Ich denke, Ja! Tatsächlich reibt sich unsere Vorstellung von Führung und Sicherheit mit der Vorstellung Gottes, wie sie uns die Bibel vermittelt, und das ist gut so. Denn um was geht es hier oder besser: Um was geht es nicht? Es geht bei Gottes Führung nicht um eine Absicherung zu allen Seiten, es geht nicht um eine Risikolebens-, Haftpflicht-, Rechtsschutz-, Krankheitsversicherung göttlicher Art. Es geht um einen dynamischen und aufregenden Weg an der Hand Gottes. Es geht um eine Entdeckungsreise in die neue und unbekannte Welt Gottes hinein, in das, was er Königreich nennt. (…)

aus dem Vorwort von „Lass dich fallen und flieg

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11 Antworten zu “Beunruhigend(?), aber dynamisch: Gottes Wort führt direkt

  1. »Mehr kann uns der Glaube nicht bieten, mehr Gehsicherheit ist nicht drin, wenn wir uns brav an die Bibel als Wort Gottes halten?«
    Grundsätzlich ein richtiger und guter Impuls, dieser Ausschnitt aus dem Vorwort (das Buch lese ich gerade mit nicht geringem Gewinn und zunehmender Begeisterung), aber: David meint mit »Wort Gottes« garantiert NICHT ein Buch aus Papier und Druckerschwärze oder heutzutage Bits und Bytes.
    Wenn in der Bibel vom »Wort Gottes« die Rede ist, dann kann ja wohl nie und nimmer, an keiner einzigen Stelle, etwas anderes gemeint sein als das Reden Gottes via Propheten oder via Heiligem Geist zu den Menschen.
    Paulus & Co. reden von »den Schriften«, wenn alttestamentliches zitiert wird, und wenn vom »Wort Gottes« die Rede ist, meinen sie nicht »die Schriften«.
    Oder sehe ich das als Nichttheologe völlig falsch?

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  3. „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte (hebr. nir) und ein Licht (hebr. or) auf meinem Wege.“

    Das hebr. Wort „nir“ bezeichnet einen Oelleuchter mit Docht, das hebr. Wort „or“ bedeutet Licht oder Helle und bezeichnet auch das von Gott in Genesis geschaffene Tageslicht. Das beruhigt mich doch ungemein, iss auf jeden Fall genug Licht, um nicht zu stolpern. Rennen sollte man damit aber nicht, denn dann verschüttet man das kosbare Oel 🙂

  4. @ Günter – nun: der Kontext handelt vom Gesetz Gottes (Psalm 119), von seinem zum Volk niedergeschriebenen Gesprochenen, das Tag und Nacht gewälzt und meditiert werden soll. Das Geschriebe hier im Vers ist davar – und das bezieht sich auch wieder, meines Erachtens, auf die Thora… also keine Bits und Bytes, dann eher eine Textrolle, die aber damals bereits auswendig gelernt im Herzen getragen wurde.
    @Dirk: nir kann auch besagte Öllampe sein – ich habe allerdings die Deutung mit der glimmenden Faser auch schon mehrfach gelesen, gerade in der Kombination mit dem Fuß… – da müsste man jetzt mal mit einem jüdischen Altertumsforscher reden… das Bild bleibt egal wie erhalten: Das Wort eben kein Breitwandscheinwerfer, sondern der Raum vor den Füßen bleibt erhellt, vielleicht noch gerade so das nächste Stück Weg…

  5. …. ach da steht es ja schon: aus „Lass dich fallen und flieg“ 🙂 … sonst hätte ich gesagt: kenne ich 😉

    hm … was meinst du, zu empfehlen als Taufgeschenk für einen „Neuling“? Oder dann doch eher „Glauben genießen“?

  6. Huhu Sabina: ist der Täufling denn noch ganz frisch im Glauben oder im Alter (sprich: so 14 Jahre oder so) oder schon etwas länger im Leben und mit Jesus unterwegs? Wenn letzteres der Fall ist, würde ich „Lass dich fallen“ durchaus nehmen. Bei einem Jugendlichen würde ich glaube ich keines von beiden Büchern nehmen…;-)

  7. Ich würde mich Günters Meinung anschließen. Mit Gottes Wort kann nicht nur die Bibel bzw. Thora gemeint sein. Zur damaligen Zeit konnten sich die wenigsten Menschen regelmäßig mit Geschriebenem auseinandersetzen. Die meisten konnten nicht einmal lesen. Das war auch in Israel nicht anders.

    Wenn Gottes Wort auf die Bibel verengt wird und man dann auch noch erwartet, dort immer „Flutlichtantworten“ zu bekommen, finde ich, wird es gefährlich. Im schlimmsten Fall stecke ich dann den Kopf in die Bibel wie der Strauß seinen Kopf in den Sand und werde für die Aufgaben, die Gott über andere Wege an mich heran trägt blind. Dann schreibe ich Gott doch vor, wie Er zu reden hat – wenn Er heute noch redet, kann er das doch auf jedem Weg tun, der Ihm gefällt.
    Würde Gott allerdings nur durch die Bibel reden, hätte das den einen oder anderen Vorteil: Ich müsste nicht immer bereit sein, auf Gott zu hören, sondern könnte selbst bestimmen, wann ich zuhöre (Bibel lese) oder nicht. Das macht die Beziehung doch gleich viel kontrollierbarer für mich 😉

    Grüßle vom toex

  8. … nein, beim Jugendlichen hätte ich auch keinen von beiden genommen – schon klar. Ich denke ich nehme „Glauben genießen“. Passt irgendwie als Titel schon schön zur Taufe. Sie hat mein Alter und ist seit 3 Jahren bekehrt.

  9. Hallo,
    ich denke das bei dem Wort – dabar – auch mehr dahinter liegt – sicherlich ist der Kontext, dass Gesetzt Gottes, die Thora, aber genau darum geht es ja auch bei dem Wort „dabar“ – es hat einen Erkenntnisaspekt, es bewegt etwas in uns (Hl. Geist) Gottes Wirken durch sein Wort und später, wenn man den Bogen weiter spannt im NT: „Das Wort was Fleisch geworden ist…“ – Jesus.
    http://annyan.wordpress.com/2009/12/12/nur-wort-und-doch-soviel-mehr/
    Lieber Gruß,
    Annyan

  10. Hi ihr Lieben, hallo annyan und schön, dass du hier mit kommentierst! Natürlich ist hier nicht NUR das geschriebene Gesetz gemeint. Gott redet heisst ja unendlich viel mehr. Vom NT her können wir natürlich noch gigantisch den Blick weiten auf Jesus. Aber den Psalm möchte ich erst einmal in seinem Kontext ernst nehmen. Da geht es um das Gesetz der Thora – aber natürlich kommt dieses auch direkt aus dem Munde Gottes, deshalb hat der Psalm 119 Verse wie: Ich will mit meinen Lippen erzählen alle Weisungen deines Mundes. – oder: Das Gesetz deines Mundes ist mir lieber als viel tausend Stück Gold und Silber. Also: primär das Gesetz der Thora, darüber hinaus die direkte Ansprache mit Gottes und vom NT her verstanden Jesus Christus selbst. Aber selbst bei der letzten Variante gilt: als Jünger ging man möglichst nah und wortwörtlich in den Fußstapfen seines Rabbi – mehr als ein paar Schritte Planbarkeit war nicht…;-) – dafür Vertrauen und Abhängigkeit vom Meister…

  11. Ich denke das die liebe zum Gesetz/Thora und damit verbunden die Freude und zugleich Erkenntins (WORT/DABAR) die man dadurch über Gott gewinnt es geht in dem Psalm.
    Deswegen ist die Thora/Gesetz, letztendlich das WORT, sooo kostbar (süßer wie Honig, Licht…) weil sie Gottes Wesen wiederspiegelt/enthüllt. -> Gerechtigkeit zum Beispiel.
    Vielleicht wird jetzt klarer was ich gemeint habe.

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