Kritisch nachgefragt: Das neue Evangelium nach Wii, DS und PSP

Zitat einer Grundschullehrerin aus einem ganz normalen Familienforum (entdeckt von meiner Frau Isa):
Montags im Erzählkreis ist das Highlight des Wochenendes DS, Wii oder ähnliches gespielt zu haben. Mittlerweile verbiete ich es, davon zu erzählen und maximal 2 Kinder der Klasse haben dann noch etwas zu berichten…traurig, aber wahr. Gut, im Moment kommt noch das schlechte Wetter dazu, aber die Kinder sind sooo unausgeglichen – vor allem motorisch – das ist manchmal nur schwer auszuhalten.
Vor Kurzem habe ich im Sachunterricht (3. Klasse) mit den Kindern über Gefühle gesprochen. Sie sollten aufschreiben, in welchen Situationen/Momenten sie schon einmal glücklich, zufrieden, stolz, wütend o.ä. waren. 19 von 21 waren glücklich, als sie ihr Handy, ihre Wii oder DS bekamen, einer über sein neues Fahrrad, der andere darüber, dass er auf einen hohen Berg gewandert ist (süß).
Ich finde das irgendwie alles sehr erschreckend und auch irgendwie armselig.
Ich bin alles andere als technikfeindlich. Nein, Fernsehen, Internet und auch Spielkonsolen sind nicht per se schlecht und zu verteufeln. Selbst das gelegentliche Spiel eines Ego-Shooters mag nicht viel verändern (aber doch ein wenig?). Aber wie verändern sie den Zugang zum Glauben?
Das Problem bei den TV-Soaps war nicht die Soap an für sich, sondern das Lebensbild, das dahinter stand und steht. Permanente cliffhanger, ein Höhepunkt und ein Tiefpunkt folgt dem anderen. Das Leben gleicht einem brutalen Schwanken zwischen plus eins und minus eins. Dann die Rückkehr ins normale Leben (man könnte dasselbe System auch anhand von Volksmusiksendungen durchexerzieren). Das KANN nur gegen diesen emotionalen overkill abfallen… die Folge: Langeweile, Enttäuschung, Frustration. Nicht jeder und nicht jede kann die Fiktion von der Realität trennen und diese nicht vergleichen (was dann wohl Medienkompetenz wäre).
Nun Spielekonsolen. Schon mein iPod Touch mit seinen Spielen fesselt meinen Ole (5.5 Jahre) und wir müssen seine Zeit damit heftigst begrenzen und trotzdem gibt es dann oft Tränen und Geschrei, wenn es heisst: Zeit vorbei. Zeichen eines Suchtpotentials. Spiele vermitteln nicht nur die hochintensive Welt des Fernsehens (die doch eine Einbahnstraße ist, weil der Konsument passiv bleibt), sondern auch noch Allmacht und die Fähigkeit, diese mit zu gestalten und sogar zu retten (oder was auch immer das Ziel des Spiels ist).
Dem entgegen steht eine Welt, in der sich die meisten Menschen immer hilfloser und ausgelieferter wahrnehmen. Die Schere geht auseinander. Irrationale und auch reale Ängste prägen unsere Gesellschaft. Die Folge: Unzufriedenheit, Flucht, Frustration.
Und theologisch? Ganz verkürzt und nur gemutmaßt. Die Spiele vermitteln: Ich bin Herr meiner Welt und gestalte sie. Die Welt vermittelt mir: Ich bin Opfer und kann doch nichts ändern und bewegen. Beide Aussagen lassen den Menschen um sich selbst drehen und verkrümmen ihn in sich. Die frohe Botschaft will aufrichten und befreien aus dieser Verkrümmung – aber das scheint immer schwerer zu sein, wenn sich Menschen in sich selbst zurück ziehen.
Was denkst du über den Zusammenhang von medialer Prägung zur Botschaft des Evangeliums, die diesen Triggern nur bedingt folgen kann, ohne an inhaltlicher Substanz zu verlieren…?
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15 Antworten zu “Kritisch nachgefragt: Das neue Evangelium nach Wii, DS und PSP

  1. Kann Deinen Gedanken sehr gut folgen!
    Mein Senf dazu:
    – Ein Wissenschaftler nannte das mal „Tittytainment“, d.h.: „Brot und SPIELE“, um die Massen ruhig zu stellen. Das Zocken betrifft ja nicht nur Kiddies, sondern ebenso Erwachsene. Möglicherweise gäbe es hierzulange längst Unruhen, wenn nicht das Daddeln und der Glotzkasten wären…

    – Ein Militär-Historiker schrieb, dass unsere Kinder vom Prinzip genau das mitmachen, was Soldaten in wesentlicher kürzerer Zeit trainieren: Enthemmung. Soldaten würden trainiert, auf Menschen zu schießen und dabei wenig Skrupel zu haben. Das Gleiche passiere bei vielen Kindern und Jugendlichen, die entsprechende Filme gucken und Spiele spielen.

  2. Deiner Analyse kann man nur zustimmen, leider…

    Auf faz.net gibt es zur Zeit eine Serie über „Digitales Denken“, sehr ausführlich, sehr erschreckend.

    Das multimediale Zudröhnen führt tatsächlich zu Einsamkeit und Suchtverhalten, wir haben es wohl wirklich mit „digitalen Drogen“ zu tun. Wir müssen unsere Kinder konsequenter Weise genauso vor „digitalem Heroin“ bewahren, wie vor realem Heroin – wir müssen sie den verantwortungsbewussten Umgang mit „digitalem Alkohol“ lehren, genauso wie den Umgang mit realem Alkohol.

    Wie kann das gelingen? Nur wenn wir mit Gottes Liebe gefüllt sind, werden wir der Gefahr widerstehen können, uns mit Drogen zu füllen – seien es reale oder digitale…

  3. p.s. Neurowissnschaftler haben herausgefunden, dass durch Medienkonsum das gleiche Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert wird, wie beim Konsum von Drogen oder auch Sex…

    Erschreckend…

  4. @dikosss: Tittytainment trifft es gut… und klar: alle sind betroffen, wenn sie nicht gerade auf einer Alm leben… das kann es aber auch nicht sein… Enthemmung: JA! Ein Diktator hätte es heute leicht, zu verführen. Die Menschen sind ja durch die Bildzeitung trainiert.
    @Dirk: aber wie erreicht man die verkrümmten Menschen? Wenn ich mich umschaue, laufen immer mehr Menschen für sich und ganz bei sich herum. Der Kokon wird gesponnen und wehe, etwas Bedrohliches bricht hinein… und dann kommt man mit der Botschaft: lass los, gebe Kontrolle ab und gib dich Jesus hin…

  5. Tja, vor allem ist es Mist, wenn man entdeckt, dass das reale Leben keine „Neustart-Funktion“ hat, wenn was schief geht. Wäre ja nett: Man macht den Spielverlauf ungeschehen und fängt einfach noch mal von vorne an.
    Ich finde, man kann bei den Menschen der heutigen Zeit (und ich merke das vor allem bei der „Generation XBox“ im BU) immer weniger an kommunikativen Fähigkeiten, an Aufmerksamkeit und der Fähigkeit, Herausforderungen zu bewältigen, voraussetzen. Das beantwortet nicht deine Schlussfrage, aber es fällt mir immer wieder auf…

  6. Computerspiele sind auch wieder nur ein Symptom. Unsere Umwelt ist so reguliert, nicht nur durch Gesetze, sondern auch durch Mode und die Meinung anderer Menschen, dass ein Spiel eine willkommene Abwechslung ist, um selbst mal wieder die Zügel in die Hand zu nehmen. Ich kann mich ausprobieren, sogar Fehler riskieren (im richtigen Leben wäre dann vielleicht der Arbeitsplatz in Gefahr) und mich mit anderen messen.
    Die Spiele befriedigen dadurch ein Grundbedürfnis, was die Gesellschaft verweigert: Anerkennung, Freiheit (auch die, Fehler zu machen), Toleranz.

    Die Medien füllen so gewissermaßen die Lücke, die wir Christen nicht ausfüllen mit Liebe, Befreiung durch Jesus, Vergebung.

    Das die Kinder heute eher am Computer sitzen, statt Fußball zu spielen liegt vielleicht auch eher daran, dass die Vorbilder fehlen. Wenn die Eltern den ganzen Tag arbeiten (Vielleicht auch noch vor dem PC) und sich nach Feierabend dann vor den Fernseher setzen, kommt doch kein Kind von alleine auf die Idee sich im Sportverein anzumelden.

    Noch Allgemein:
    Das Fernsehen nicht gerade bildet, würde ich auch sagen. Bei Computerspielen bin ich aber anderer Meinung. Viele Spiele fordern durchaus Konzentration, Aufmerksamkeit, Problemlösung, „Um die Ecke denken“ (und motorische Fähigkeiten braucht man für nen Bürojob heutzutage eh keine. 😉 ).

    @Dirk: Wie viele Belohnungszentren haben wir den? Werden bei Schokolade essen, schießen eines Fußballtores, dem schreib einer guten Note in der Schule andere Zentren angesprochen?
    Das Erschreckende ist eher, dass ich für die Belohnung durch Medienkonsum keine Leistung bringen muss (was bei Spielen ja wieder anders ist).

  7. @toex: die Argumente FÜR Computerspiele kenne ich gut – und wie gesagt: ich bin nicht pauschal dagegen. Es bleibt eine Traumwelt, die im Gegensatz zu Büchern kaum noch Phantasieanregung bietet und dazu einen derartigen optischen overkill, dass die Distanz zur realen Welt ungleich größer ist. Bei Büchern müssen wir uns der eigenen Bilderwelt bedienen. Und: was habe ich von Kindern mit einer Heldenreaktionszeit in den beiden Daumen, wenn sie beim Balancieren und Rückwärtsgehen umfallen? Meines Erachtens überwiegen bei kleineren Kindern die Nachteile gegenüber den Vorteilen. Und das Zitat der Grundschullehrerin ist einfach nur traurig und spiegelt eine neue Eindimensionalität der Gefühlswelt auf Konsumbefriedigung wieder.

  8. @Christof: Ich wollte einfach auch mal ein paar Pro-Argumente bringen, der Vollständigkeit halber.
    Ich habe mich gerade gefragt, was ich auf so eine Frage geantwortet hätte. Und ich habe den verdacht, dass meine Antwort nicht viel spektakulärer ausgefallen wäre. Vor 60 Jahren hätten die Kinder auf die Frage vielleicht mit „Als ich eine Tafel Schokolade bekommen hab“ geantwortet. Ob das auf Komsumbefriedigung hindeutet, bezweifle ich. Zum andern leben Kinder wohl viel mehr in der Gegenwart als Erwachsene und die Frage nach den Gefühlen in der Vergangenheit ist für sie entsprechend schwer zu beantworten. Die Antworten sind dann entsprechend weniger tiefsinnig und mehr greifbar-materiell.

    Meiner Meinung nach wird in die Aussagen zu viel hinein interpretiert.

    Zu den Büchern: Ich kämpfe persönlich sehr mit den Scheinwelten, in die Bücher eine ziehen können. Ich empfinde das schlimmer als bei Computerspielen oder Filmen. Zum einen bin ich beim lesen viel mehr von der realen Welt abgeschottet (weil es viel mehr Konzentration erfordert) zum anderen ist diese Welt noch einladender, weil das freie Walten der Fantasie sie fast beliebig gestalten kann. Ganz zu schweigen davon, dass ein ganzes Buch zu lesen viel mehr Zeit verschlingt als ein Spiel zu spielen oder einen Film zu schauen.

  9. @Toex
    Zitat:Das die Kinder heute eher am Computer sitzen, statt Fußball zu spielen liegt vielleicht auch eher daran, dass die Vorbilder fehlen. Wenn die Eltern den ganzen Tag arbeiten (Vielleicht auch noch vor dem PC) und sich nach Feierabend dann vor den Fernseher setzen, kommt doch kein Kind von alleine auf die Idee sich im Sportverein anzumelden.

    Bingo.
    Erinnern wir uns noch daran, wie lächerlich damals die Leute wirkten, die wichtig mit dem Handy am Ohr in den Fußgängerzonen herumliefen? Oder daran, daß wir einfach zur Nachbarin an die Tür gingen, klingelten, und fragten, ob die Freundin mal rauskommt zum Spielen?
    Wir hatten Sonntag eine interessante Predigt zum Thema Geld. Beherrscht es uns, oder beherrschen wir es? Das kann ich mal übertragen: beherrschen wir die Technik, oder beherrscht sie uns?
    Mir fällt bei euren Beiträgen immer „Momo“ ein – die grauen Herren der Zeitbank haben unsere Kinder jetzt mächtig im Griff, weil die Erwachsenen zu häufig denken: „Es regelt sich schon“. Das tut es aber nicht. Was kann wertvoller und wichtiger sein als Zeit – für die Familie, für die Kinder, Freunde, die Eltern oder Mitmenschen? Ich erlebe bei der kleinen Tochter meines Freundes immer wieder, wie hypnotisch Computerspiele auf sie wirken. Oder das Fernsehen. Sie ist dann abgeschottet von der Welt, konzentriert sich voll auf das Flimmern – wir sind dann nicht mehr existent, höchstens störend. Sie hockt da – still, und ist weggetreten. Mein Bruder kommentierte das bei seinen beiden Söhnen (7 und 4) so: „Endlich ist mal kurz Ruhe, und die beiden nerven nicht herum“.
    Frage ich mich mal, warum unser Erwachsenen-Nervenkostüm so dünn geworden ist, daß wir solche Methoden „brauchen“.
    Und ich wünsche mir manches Mal einen totalen Stromausfall. Was dann wohl passiert? Entdecken die Kinder wieder das Holzspielzeug? Oder Gesellschaftsspiele? Oder … völlig revolutionär: das BUCH ?

    @Christof: trauriges Thema, danke für die Erinnerung daran.

  10. @toex: ist ja auch gut, dass man das Thema kontrovers diskutiert! Nur wenn ich bereits das potentielle Suchtverhalten bei meinen Kids sehe… in England droht eine Epidemie fetter Kinder. Warum? Pro Tag mehrere Stunden Fernsehen und Spielkonsole, dazu besch…. Ernährung. Resultat: fett. Ich denke, wenn die Spielerei auf der Konsole begrenzt ist und ergänzt ist durch Sport, Muße, Langeweile, Kreativität, Herumtoben etc… dann ist das ok. Hier sind wir ja im katholischen Kernland Rheinland. Die meisten Kinder bekommen zur Kommunion Spielkonsolen… und die werden dann am Montag im Gottesdienst wie alle Geschenke gesegnet… vielleicht hilft es ja…;-(

  11. Hmmm – also das ist wirklich ein kritisches Thema für mich, weil ich selber schon seit zig Jahren gerne „zocke“ (wie der Gamer das so nennt). Sicherlich hat die Zockerei auch seine Vorteile (Konzentrationsvermögen, Reaktionsschnelligkeit, Hand-Auge-Koordination usw werden sicherlich trainiert, auch die Fähigkeit komplexe (teilweise schon fast wissenschaftliche) Themen zu erfassen und entsprechend darauf zu reagieren (wie in Strategie- und Handelssimulationen) ist sicherlich zu nennen).

    Aber ich bemerke mit den Jahren, wie sich das alles ändert. Ich treffe mich 1-2x die Woche für 2 Stunden mit Freunden. Gespielt wird dann alles mögliche, vom Strategiespiel, Shooter zu RPG oder auch mal Kartenspiele oder sowas. Ich persönlich vergleiche das mit einer modernen Skatrunde.

    Wir spielen aber auch oft online. Und was da zu bermerken ist: die Spiele werden immer brutaler. Ich bin froh, dass in Deutschland genauer hingesehen wird. Was heutzutage als Game in den Handel kommt ist teilweise an Brutalität kaum zu überbieten. Da werden Köpfe und Körperteile abgetrennt, der Gegner als Schild benutzt, zersägt usw. Es werden Erfolge (Belohnungen) verteilt für Headshots, von hinten töten usw.

    Und was ich leider auch bemerke: leider scheinen die Eltern keine Ahnung zu haben was die Kinder da spielen. Denn leider spielen Kinder sowas – auch in Deutschland, wo das eigentlich nicht möglich sein sollte. Aber die Kiddies sind viel schlauer als ihre Eltern und holen sich das Zeug aus UK oder Österreich.

    Solche Spiele vermitteln leider gar nichts, außer Aggression (was bin ich von 13jährigen Amerikanern schon beschimpft worden – wow – unglaublich, der Ton ist unglaublich hart – vor allem wenn die verlieren) und Geringschätzung des Nächsten.

    Man kann nicht alle Spiele über den Kamm scheren – es gibt sicherlich auch gute Spiele. Aber Eltern müssen hier verdammt aufpassen und sich da mit einbringen. Habe jedoch das Gefühl, dass die Eltern die Spielkonsole dazu benutzen um ihre Ruhe zu haben. Was soll dann dabei rauskommen?

    Meine Meinung dazu: es ist eben ein modernes Spielgerät und man muss den Kindern lernen vernünftig damit umzugehen. Es ist leicht zu sagen: früher sind die Kinder noch draußen spielen gewesen. Jo das stimmt. Da waren die Kinder auch weg und die Eltern hatten ihre Ruhe. Wenn die Kinder dann nicht Hausaufgaben gemacht haben, im Kopf nur Fussball oder Karten hatten und in schlechte Gesellschaft gerieten – jo dann hat man den gleichen Effekt.

    Ich z.B. war süchtig nach Büchern. Habe in den 14 Tagen bis der Bücherbus wiederkam mindestens 5 Bücher gelesen. Klingt doch nett oder? Leider habe ich keine Hausaufgaben gemacht, sondern diese im Zug abgeschrieben ;). Meine Eltern haben das nicht mitbekommen – meine Leistungen dementsprechend…

    Die Kinder im Aufsatz hätten halt dann entsprechend geschrieben, dass sie glücklich sind, weil sie die anderen im Fussball fertig gemacht haben oder ein neues Buch bekommen hätten. Ist das wirklich besser?

    Letztlich sind immer die Eltern in der Verantwortung – meine Meinung.

    Als Erwachsener meine ich zum zocken: für mich ist es ein Hobby, bei dem ich darauf achte, dass es nicht zuviel Zeit kostet. Dennoch: ich würde es (vll wie jedes Hobby) eher als negativ für meinen Glauben einschätzen. Ich versuche auch (gerade beim Online-Zocken) meinen Glauben da mit hineinzunehmen. Fair und Respektvoll zu spielen – und auch meine Kameraden dazu aufzurfen. Das Motto meiner Spielfigur lautet: Jesus loves you!

    Klingt nett – aber wenn ich jemanden in einem Shooter den Kopf wegballere kommt es evtl nicht mehr so glaubwürdig rüber 😉

  12. Ein wirklich interessantes und schwieriges Thema. Und nicht neu. Ich erinnere mich daran, dass ich auf einer Mitarbeiterschulung Anfang der 90er! genau das zum Thema gemacht habe. Das Thema war mehr die Gewaltdarstellung aber das ging schon auch in diese Richtung. Und da ging es noch um, im Vergleich zu heute, so harmlose Spiele wie Doom, Quake usw. Auch das Internet war längst nicht so verbreitet.

    Und gestern wie heute steht und fällt es mit der Information derer, die mit Kindern umgehen. Das betrifft ja nicht nur Eltern. Die natürlich besonders. Und ich bin immer wieder erschrocken darüber, wie wenig die meisten darüber Wissen. Und auch nicht bereit sind sich damit zu befassen. Wird schon nicht so schlimm sein, wenn alle das machen.

    Wir achten schon sehr darauf dass unsere Kinder Fernsehen und Computer als eine von vielen Freizeitmöglichkeiten wahrnehmen. Aber das wird mit zunehmendem Alter schwieriger. Denn die Freunde, mit denen sie sich treffen sind da oft anders geprägt. Da ordnen wir dann auch mal eine Outdoorzeit an, wenn diese bei uns sind.

    Und um den Bogen zur Ursprungsfrage zu bekommen: Das ist schwierig zu beantworten. Ich glaube, dass es auch weiterhin nur über persönliche Beziehungen möglich ist Menschen aus ihrer Isolation zu holen. Die Frage ist, wie zeigen wir das Bezeihungen, Freunde und Familie auf Dauer wertvoller sind? Das ist oft harte und intensive Beziehungsarbeit, die nicht immer Spass macht. Aber alles andere wird keinen von diesen Menschen aus ihrem Kokon herauslocken.

    Ich würde gerne in meinem Umfeld helfen, zu lernen dass Technik und Technologien dazu da sind mir zu dienen und nicht mich zu beherrschen.

  13. Ich kann dem nicht ganz zustimmen, meine eigene Erfahrung mit Videospielen hat eine Positive Seite. Klar sind einige Videospiele Gewaltverherlichent, es gibt aber auch genügend friedliche Spiele. Ich habe sehr schlechte Reflexe, die ich als Jugendlicher mit Videospiel trainieren konnte und auch das durch die Vedospiele erzeugte Interesse an Computer hat mir in meinen Berufsleben Vorteile gebraucht. Ich kann die Kinder verstehen die Stolz sind eine Videokonsole zu bekommen, war bei genauso als ich endlich das ATARI VCS 2600 bekommen hab. Ich finde Fehnsehn schlimmer als Videospiel, unsere Kinder müßen ja lehrne sich der Technik auseinander zu setzen und da müßen sie lehrne mit Computer umzugehn. Ich finde da eine zeitlich Begrenzung als Sinnvoll.

  14. Vielleicht habe ich nicht alle Posts genau gelesen, aber mir drängt sich die Frage auf: Warum – was ist der tiefere Grund für diese Faszination? Angefangen beim Fernsehkonsum nach Feierabend. Kann dahinter auch ein gewisses Rückzugsverhalten stehen, eine Art Ausblenden des tatsächlichen Lebens, weil es einfach schwierig und unergiebig ist? Fast möchte ich es Flucht in die Scheinwelt nennen. Dort muss man sich nicht dem täglichen Frust aussetzen und kann auch negative Gedanken und Gefühle weiterhin unter der Decke halten, statt sie in einer lebendigen Beziehung zu thematisieren und zu verarbeiten.
    Jedes Suchtverhalten – vielleicht auch das meine – hat tiefe Ursachen.

  15. @Sempervivum: klar ist es das – eine Art Ausblendung der Realität. Aber das ist ein schlechtes Argument. Wenn ich ein Buch lese oder einen Film sehe, dann mache ich das Gleiche. Ich entferne mich der Realität und begebe mich in eine vom Autor/Regisseur geschaffene.

    Auch mit Sucht muss man vorsichtig sein, denn auch da würde man die meisten Menschen süchtig nennen müssen.

    Denn: Schach ist z.B. auch nichts anderes als ein Strategiespiel. Hätten die Perser damals PC’s gehabt, dann wäre deren Schach vermutlich etwas anders ausgefallen.

    Letztlich ist Schach nichts anderes als ein ziemlich grausames Kriegsspiel, bei dem es um nichts anderes geht als den feindlichen König zu fällen. Das dabei ein paar Bauern dran glauben müssen gehört zur Natur der Sache. Wer würde einen Schachspieler süchtig oder in einer Scheinwelt lebend bezeichnen?

    Auch Kartenspielen ist letztlich nichts anderes.

    Wie gesagt: die Spiele sind heutzutage wirklich brutal und realistisch – das ist es was ich ihnen ankreide. Und natürlich besteht eine Möglichkeit süchtig zu werden – aber das kann man nicht auf die Spiele reduzieren – dafür ist der Mensch verantwortlich.

    Es ist eben so: ich kann auch süchtig nach Glücksspiel, Automaten oder nach was immer werden.

    Der Mensch lenkt sich dabei immer ab und entflieht dem Alltag. Ob er jetzt in die Stammkneipe zum Skat, zu ein paar Bier mit Freunden, ins Kino oder aber an die Konsole geht …

    Die Disziplin des einzelnen bestimmt wie das weitergeht. Das ist jedenfalls meine Meinung.

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