Facebook: Die geschwätzige Einsamkeit der „Vollidioten“ (Zuckerberg)

Ein entlarvender Satz des Facebook Gründers Mark Zuckerberg belegt, was man lange vermuten konnte…

„Damals war Zuckerberg 19 Jahre alt, ging auf die Eliteuniversität Harvard, und die Seite hieß noch „The Facebook“ und war nur eine Plattform für seine dortigen Studienkollegen. In dem Dialog, dessen Authentizität von Facebook nicht bestritten wurde, brüstet sich Zuckerberg damit, mehr als 4000 E-Mails, Fotos und Adressen gesammelt zu haben. Als sein Freund nachfragte, wie er das geschafft habe, hatte Zuckerberg wenig Wertschätzung für seine Mitstudenten übrig: „Sie vertrauen mir. Vollidioten.““ (F.A.Z., 25.5.2010)

Facebook bekommt mich nicht. Zwei Drittel aller jetzigen Benutzer denken darüber nach, bei Facebook auszusteigen. Aber dann kommen andere Plattformen, die mal eben – natürlich nur auf Nachfrage an den arglosen Benutzer – die Kontaktdatenbank des eigenen Rechners hochladen.

Als ehemaliger Informatiker überkommt mich bei so legeren Verhalten mit den eigenen Daten das kalte Grausen. Glauben Menschen allen Ernstes, Firmen wie facebook existieren als charity-Unternehmen zu wohltätigem Zwecke? Anscheinend. So wird Vertrauen geschenkt und – enttäuscht. Und wieder werden Menschen ein wenig bitterer und zynischer und übrig bleibt als Ergebnis der Sehnsucht, sich mitzuteilen auf allen Kanälen die Einsicht…:

Man kann niemandem trauen. Ich bin letztlich allein und eine Insel.

Denn das ist parallel zur schier unglaublichen Mitteilsamkeit (von der dieses Blog ja ein Teil ist!) eine nicht minder große Einsamkeit zu spüren. Menschen ziehen sich in ihren Kokon zurück und trauen keinem. Wo kann ein normaler Mensch mit seinem Kummer hin? Nicht jeder hat einen „best friend“! Und wenn ich genau hinschaue, was man so in der Welt als „Freund“ versteht – dann würde ich das oft eher Bekanntschaft nennen. Kannst du deinem Freund erzählen, womit du kämpfst? Dass du gerade ausbrennst, Depressionen hast, geweint hast in der Nacht? Wenn ja – großartig!

Ich erlebe GottseiDank solche Beziehungen in meinem christlichen Umfeld. In Zweierschaften, Freundschaften, sogar in Hauskreisen wird in unserer Gemeinde eine Atmosphäre der Offenheit gepflegt. Aber die muss immer wieder neu erstritten werden gegen den Drang, sich zu vereinzeln, und nicht immer gelingt das. Unter den ganz normalen Menschen (im Gegensatz zu den seltsamen Jesus-Nachfolgern…;-D) sind solche Beziehungen seltener, unter Männern erst recht.

So stehen wir vor einem Dilemma: Der Mensch ist von Gott als Gemeinschaftswesen angelegt, ja ohne nicht denkbar! Immerhin ist das höchste Gebot Jesu, die gelebte und schalom-gefüllte Gemeinschaft mit Gott, mit den Menschen und mit sich selbst. Die manchmal naive Offenheit in Medien wie twitter und facebook zeigt diese Sehnsucht des Menschen deutlich (neben einigem Geltungsbewusstsein…;-). Laut facebook habe ich irgendwann hunderte „Freunde„! Wie zynisch ist diese Bezeichnung für eine simple Vernetzung!

Gleichzeitig wird diese Gemeinschaft mit Füßen getreten und verletzt. Menschen ziehen sich zurück und haben irgendwann weder virtuelle, noch – schlimmer – reale Freundschaften. Ich halte das für eine zentrale Aufgabe christlicher Gemeinschaft in der Zukunft – den Raum für ehrliche Beziehungen auf Augenhöhe zu bieten. First They Belong, Then They Believe., so hat es Bill Hybels ausgedrückt. Zuerst die Zugehörigkeit, dann der Glaube.

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21 Antworten zu “Facebook: Die geschwätzige Einsamkeit der „Vollidioten“ (Zuckerberg)

  1. Viele wahre Worte, die Du da schreibst. Ich probiere Facebook gerade aus, nachdem ich mich lange, sehr lange, ferngehalten habe.
    Natürlich ist mir von vorne herein klar: Ich habe es mit einem Wirtschaftunternehmen zu tun, das Profit machen will (und muss, sonst funktioniert das ja nicht). Meine Frage war: Kann ich das Unternehmen für mich nutzen? Was bringt es mir? Was nimmt es mir weg? Das will ich ausprobieren.
    Eher blauäugig veranlagte Menschen, da hast Du recht, werden leicht in die Enttäuschungsfalle laufen. Vor allem, wenn sie die „Freunde“ auf Facebook mit Beziehungen verwechseln.

  2. Ich nutze Facebook nicht, habe aber jemanden im email-Adressbuch, der Facebook nutzt. Steht meine email-Adresse Facebook auf diesem Wege auch zur Verfügung?

  3. Dein Blog hat das Gesicht gewechselt…

    Auch ich halte mich fern von „Phasebook“, wie es manchmal umschrieben wird. Netzwerke gehören ins richtige Leben; Blog ist eine Art der Kommunikation – manchmal auch der Selbstinszenierung – die ich persönlich nutze, um mit bestimmten Menschen im Gespräch zu bleiben und sie auch untereinander im Gespräch zu erleben, obwohl hunderte Kilometer zwischen uns liegen.
    Intimdaten gehören da nicht hin.

    Und „cui bono“ ist immer die Frage, die man nicht vergessen sollte; niemand handelt wirklich uneigennützig. NIcht mal unser Gemeinderat, der will nämlich Nachfolger für sich selbst finden – und drängt deshalb zur Mission.

  4. Irgendwie bin ich wohl zu alt 😉 – ich kann mit Facebook und Twitter nichts anfangen, weiß einfach nicht was ich da soll.

    Dummerweise gilt aber das gesagte nicht nur für Facebook, sondern leider für alle großen der Branche. Egal ob Google, Amazon, Yahoo, Facebook, Bing oder was auch immer: vertrauen kann man leider keinen von denen. Mit Daten sollte man also wirklich vorsichtig sein…

    Bei Facebook und Twitter finde ich allerdings die Tatsache schlimm, dass man unglaublich viele virtuelle „Freunde“ sein eigen nennt – aber dann im I-Net-Cafe den Nachbarn nicht anspricht, weil man nur noch in die Kiste schaut. Es ist irgendwie der Geist der Zeit, dass man anscheinend mit echten Menschen nicht mehr soviel zu tun haben möchte…

  5. naja – abgesehen davon, dass z.B. wir uns (und viiieele andere auch) über das Netz auch in der Realität kennengelernt haben, kann man nur ent-täuscht werden, wenn man sich vorher täuscht oder täuschen lässt…

    …wenn ich online gehe, ein Blog betreibe (ein „Profiler“ kann hier mehr über dich erfahren, als du selber weißt! 😉 ..), ein Telefon benutze oder sonstwas, dann gebe ich IMMER was von mir preis und irgendwelche Agenten speichern das auch fleißig und werten es aus – so what?

    (Telekom ist übrigens auch ein profitorientiertes Unternehmen…)

    Ich verstehe eigentlich (grade bei Christen) nicht, warum da die Hemmschwelle so groß ist – so wichtig der „inner circle“ auch ist, aber wenn ich mich nur mit meinesgleichen im Umkreis austausche, dann lebe ich ein Ghetto – die Stadt auf dem Berg kann (und soll) doch nicht verborgen bleiben – ich betrachte es als Chance…

    übrigens habe ich grade heute für meine nächste D-land-Tour drei Treffen mit brennenden Christen über facebook verabredet, mit denen länger Kontakt besteht, aber wir uns noch nicht pers. kennen…

    ..die Gestapo der EUdSSR kann also schonmal ihre Abhörmikrofone in Position bringen – villt. bekehrt sich ja einer, der uns abhört… 😀

    Segen

  6. @Bento: kann mich trotzdem nicht daran erfreuen, meine Daten und vor allem die meiner Freunde (ohne Rückfrage bei denen!) facebook anzuvertrauen, die diese dann gewinnbringend weiter verscherbeln, weil sie eben dem europäischen Datenschutzrichtlinien nicht gehorchen müssen, sowie die Daten transferiert sind. Das darf die telekom eben nicht…;-) – google und facebook dagegen loten permanent die Grenzen aus und brechen diese systematisch. Kann man locker sehen – muss man nicht.

  7. Generell: ich habe das nicht als pro und contra facebook Artikel gemeint, sondern auf die geistliche Dimension hingewiesen, die diese Medien in sich tragen. Denn die Vereinsamung grassiert – trotz facebook. Fände es schön, wenn man diese Ebene bei den Kommentaren berücksichtigen könnte…

  8. .. bin eben kein Informatiker 😉
    die Informationen, die mich interessieren, sollen ruhig alle bekommen!…

    btw – meinst du im Ernst, dss anderswo mit „unseren Daten“ sorgsam umgegangen wird?? – Gesetzte hin oder her – sie stehen bekanntl. auf geduldigem Papier und können in Windeseile abgeschafft und geändert werden.

    Ja, die Isolation und Einsamkeit ist sicher ein Problem, wo auch fb & Co nicht raushilft…

  9. Ich habe vor kurzem eben ein Bild aus einem Internetcafe gesehen. Normalerweise ist ein Cafe eben ein Ort der Kommunikation – man sitzt da und trinkt einen Kaffee und redet eben über dies und das, sitzt entspannt da und schaut, was um einen so passiert.

    Hier aber nicht. Das Cafe war voll bis oben hin und jeder starrte nur auf sein Laptop.

    Das gilt jetzt nicht nur für Facebook (wie ich oben schon sagte) – das Internet lenkt unseren Blick eben oft in diese eine bestimmte Richtung. Als Christ besteht denke ich für mich dann auch die Gefahr mich mehr mit meinen Blogs oder Mails zu beschäftigen als mit Jesus…

    Ab und an ist eine Zwangspause denke ich dann nicht übel – so wie etwa Dikoss das gerade eben macht.

  10. Wie es bei facebook ist weiß ich nicht aber das Internet gibt auch denen eine Stimme, die im realen Leben – aus welchen Gründen auch immer – verstummt sind.
    Psalm 146 fällt mir dazu ein.
    Mir persönlich ist es so ergangen, dass ich durch meine Krankheit und Schwäche mehr Gedankenaustausch mit Mitchristen hatte und auch mehr in der Bibel gelesen habe.

  11. @zuio: absolut – ich denke das Internet bietet riesige Chancen, gerade für Menschen, die den Austausch über sie betreffende Themen wünschen und sonst niemanden finden… umso perfider, wenn diese Chancen durch Geschäftemacherei und Missbrauch von Daten verspielt oder zumindest getrübt werden.

  12. Nun möchte ich hier mal eine Lanze brechen: ich persönlich sehe zur Zeit folgende Vorteile von FB für mich:
    Habe „uralte“, verschollene Freunde entdeckt, viele, viele ehemalige Schüler… mit denen ich nun wieder Kontakt habe. Und zwar nicht etwa nur virtuell, sondern aus dem Wiederfinden im Netz wurden schon viele reale Treffen und Besuche.Wunderbare, heilsame Begegnungen, tiefe Gespräche etc.
    Nichts also mit Vereinsamung. Ganz im Gegenteil. Und die missionarischen Möglichkeiten sind enorm – eben über dieses „Kontakthalten“.
    Wie viel jeder von sich preisgeben will, kann man ja auch steuern … für mich im Moment wiegen die Vorteile die Nachteile auf.
    Schätze, es ist wie mit jedem neuen Medium: eine Frage des Umgangs, ob es Teufels Werk oder Gottes Möglichkeit sein kann.

  13. Wie viel jeder preisgeben will, kann man steuern – ja, wenn man weiß, wie es geht. In den Grundeinstellungen ist nämlich fast alles erst mal öffentlich, und wenn man die Informationen privatisieren will, muß man einige Schritte unternehmen, und davor steht erst mal: wissen, daß das geht.

    Es ist vielleicht noch einfach, wenn man dort wirklich nicht mehr stehen hat als einen Namen und ein Kennbild, aber viele leben da ihr halbes Leben aus, schreiben Romane und zeigen alle möglichen Bilder, und… ehrlich gesagt, ich brauche es nicht, daß x weiß, daß ich y kenne, und auch nicht, daß das System mir vorschlägt, „du kennst y, der kennt x, und x hat diesen Freund, der könnte zu dir passen“.
    Und man verbringt Stunden täglich damit, virtuell zu kommunizieren, mit Leuten, die man gar nicht kennt, aber wenn man durch die Straßen geht, um sein Essen zu kaufen (weil es bei uns ja noch nicht von selbst angeflogen kommt), hat man den Kommunikationskanal schon so voll, daß man niemanden mehr sieht – wie Rilkes Panther im Jardin des Plantes?

  14. Die »geistliche Dimension« – ja, die Entwicklung kann man aber kaum Facebook, Bloggertum, Internetforen etc. anlasten.
    Dass Gemeinden / Christen Angebote bereitstellen, die durch reale Begegnungen ein Gegengewicht zur zunehmenden Vereinzelung und Vereinsamung sein können, finde ich auch wichtig. Aber seien wir mal ehrlich: Liegt es wirklich an mangelnden Gelegenheiten zur »echten« Kommunikation, dass die gesellschaftliche Entwicklung so aussieht wie jetzt?

  15. Hi Günter – ich denke durchaus, dass virtuelle Kontakte Vereinsamung fördern können, so sehr sie besser sind, als gar nichts zu haben. Körperlose, unsinnliche Begegnung ist auf Dauer kein Ersatz. Meines Erachtens.
    Welche gesellschaftliche Entwicklung meinst du denn? Klingt so nach alles in allem…;-) – nein, speziell in Bezug auf Vereinsamung und seelischer Gesundheit liegt in der Tat meiner Meinung nach ganz viel Segen und Wert in echten Beziehungen mit erfüllender und heilsamer Kommunikation! Seelsorge im Kleinen halt. Eines der Grundbedürfnisse des Menschen ist es, wahrgenommen und ernst genommen zu werden, ein Nest zu haben, eine Heimat, Wurzeln… wenn das wegfällt, hat das gravierende Folgen.

  16. Hallo lieber Wegbegleiter!
    Danke für deine wirklich guten Zeilen. Darf ich diese meinen Freunden bei facebook senden?
    Gesegnetes weiteres Blogging

  17. Na ja… – die Frage ist doch, was zuerst da war. Die Henne oder das Ei. Die Vereinsamung oder das Internet. Würden denn die Menschen, die sich auf Internet-»Freunde« beschränken überhaupt persönliche Kontakte, Auge in Auge, in Betracht ziehen?

  18. Das ist eine gute Frage: Was war zuerst? Wie kam es zur Vereinsamung? Es gibt denn doch tatsächlich Möglichkeiten des Zeitmangels oder Krankheit.
    In solchen Fällen durchbricht das Internet die Einsamkeit.
    Gerade in unseren „christlichen Breitengraden“, die wir schon mal hektischen Aktionismus in Sachen des sozialen Engagements an den Tag legen, winkt Zeitmangel.
    Oder es ist zeitweise ein verstärkter beruflicher Einsatz nötig.
    Menschen, die keine Arbeit haben, darum beschimpft und beschämt werden, obwohl sie nichts dafür können.
    Im Internet gibt es immerhin die Möglichkeit eines gewaltfreien Gedankenaustauschs.
    Ohne die Gewalttätigkeit der Beschämung.

  19. Hi zuio – naja, ich finde das Internet teilweise sehr gewalttätig. Stichwort Trolls und Cyber-Terror… aber du hast Recht: es bietet, wie auch schon betont, eine gute und recht geschützte Plattform ohne Schamschranken zum Beispiel wegen Behinderung, Arbeitslosigkeit, Krankheiten etc… wie schön wäre es, wenn das auch in der Gesellschaft möglich wäre.

  20. Hi Wegbegleiter, ja das wäre schön, wenn es etwas mehr Respekt und Höflichkeit in unserer Gesellschaft gäbe.
    Dafür lass ich mich dann gern als Sozialromantikerin belächeln.
    Im Internet gibt es aber natürlich auch Gewalt – man mag diskutieren ob es mehr oder weniger ist.
    Vor dem Internet gab es den Menschen.

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