Gott und der Frisör oder: Wie kann Gott das Leid zulassen?

Da kommt doch glatt einer meiner Teens aus dem biblischen Unterricht (Samuel) zu mir und erzählt mir eine Geschichte – von Gott und dem Frisör. Sie findet sich auch schon in anderen Blogs – ich finde sie gut und poste sie auch:

Ein Mann ließ sich seine Haare schneiden und seinen Bart trimmen. Der Friseur sprach während seiner Arbeit mit dem Kunden über viele Dinge, wie Friseure es halt so tun. Auch das Thema Gott wurde berührt.
„Ich glaube, dass Gott nicht existiert!“, meinte der Friseur.
„Warum?“ fragte der Kunde.
„Sie müssen nur auf die Straße gehen. Wenn Gott existierte, gäbe es dann so viele kranke Leute? Würde es so viele Kinder geben, die verlassen wurden? Würde es so viel Leid und Schmerzen geben? Gäbe es einen Gott, würde er alle diese Dinge nicht zulassen!“
Der Kunde antwortete nicht. Die Haare waren geschnitten. Der Bart war gestutzt und der Friseur entlohnt.
Auf der Straße begegnete der Kunde einem Mann mit langen, schmutzigen Haaren und ungepflegtem Bart. Er ging zurück und sagte zum Friseur: „Friseure existieren nicht! Es gibt keine Friseure!“
„Wie kommen Sie darauf? Ich habe ich Ihnen doch kurz vorher die Haare geschnitten und den Bart getrimmt!“
Der Kunde wiederholte: „Friseure existieren nicht, denn wenn es sie existierten, gäbe es niemanden mit schmutzigem, langem, ungepflegtem Haar und ungetrimmtem Bart. Sehen Sie jenen Mann auf der Straße? Gäbe es Sie, würden Sie diese Dinge nicht zulassen!“
„Ach was! Ich existiere! Nur – die Leute kommen nicht zu mir rein!“
Der Kunde erwiderte: „Genau! Auch Gott existiert. Nur gehen die Leute nicht zu ihm und suchen ihn nicht. Deswegen gibt es so viel Schmerz und Leid in der Welt.“
Natürlich erklärt die Geschichte nicht alles Leid auf dieser Welt. Auch Christen erfahren Leid, auch Christen werden verfolgt und hungern. Aber die Grundursache des Leids ist die Abgewandheit des Menschen von Gott. Und immer wieder: Gott auf der Anklagebank (C.S. Lewis). Abschiebung von Verantwortung. Denn eigentlich müsste sich jeder Mensch ehrlich fragen: Wie kann ich so viel Leid zulassen – alleine in meinem Leben…
Und am Rande gefragt: Warum fragt eigentlich niemand: „Wie kann Gott all das Gute zulassen?“ Ich bin überzeugt, dass Gott unglaublich viel Mist und Tragik auch im Leben von Atheisten verhindert – wären wir Menschen uns komplett selbst überlassen und würde Gott nicht immer noch den großen Bogen der Geschichte in seiner Hand halten, dann tobte das Chaos und wir versänken in komplettem Elend. Dank sei Gott! Selbst mitten im Leid. Denn da findet ER sich seit dem Kreuz in unmittelbarer und erfahrbarer Nähe.

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7 Antworten zu “Gott und der Frisör oder: Wie kann Gott das Leid zulassen?

  1. Ja die Geschichte ist wirklich klasse! Hatte sie schon mal in einer Andacht und in Berufsethik verwendet – da wirkte sie unmittelbar einsichtig.

  2. Sehr interessante Gedanken! Die Frisör-Geschichte gefällt mir und auch der doppelte Perspektivwechsel (Mensch als Verursacher des Leids: „Anthropodizee“, Gott lässt das Gute zu). Damit ist über das Leid, das durch Naturkatastrophen etc. in die Welt kommt, freilich noch nichts gesagt – das erfordert dann eine metaphysische Perspektive. Aber die Gedanken sind dennoch wertvoll und wichtig.
    Josef Bordat

  3. Jetztalsodasfreutmich: GIMATTHIA betreibt solch eine fundierte und sachdienliche Werbung für dein Buch! Er sei bedankt dafür – muss ich ihm wahrscheinlich selber auch noch schreiben.
    Ja, immer alles auf Gott schieben (wer ist das eigentlich?), der hat einen breiten Puckel.
    Ob Öl- oder Finanzdebakel – warum hat Gott das nicht verhindert? An solchen Fragen treffen sich diejenigen, die ihn zu kennen glauben und die, die es schon immer wussten, dass es Gott gar nicht gibt.
    Ich wäre gern ein bisschen gemein und würde die Schuld an unsrer allgemeinen Denkfaulheit einem gewissen Prediger in die Schuhe schieben, der angeblich gesagt hat, der Mensch könne sowieso nichts beeinflussen. Was immer sich auch ereignet oder ereignen wird – alles war schon mal da. Also mach dir keine Gedanken, Mensch, und freu dich deines Lebens!

  4. @jobo: klar – die Theodizee ist wohl in Gänze niemals zu fassen, schon gar nicht durch eine einfache Geschichte, aber die Geschichte hilft, die ärgsten Klischees zu relativieren. Wie kann ein Gott gut sein, wenn er so was zulässt – diese Standardphrasen der Atheisten… spannend ist: echt Leidende sprechen anders, bei ihnen ist die Frage existenziell und kein Gedankenspiel. Ich denke, Antworten darauf finden sich in der Begegnung mit Gott und nicht auf dem Schachbrett des Intellekts unabhängig von ihm… Segen dir!
    @Sempervivum: ja, tolle Rezi – bin ich sehr dankbar, aber auch ein wenig errötend…;-). Der Prediger… nunja, die Gelassenheit hat ja auch ihren Platz, aber eben auch das in die Hände spucken und anpacken. Denkfaul finde ich das nicht von ihm… aber doch, auch ein bisschen fatalistisch und depressiv kommt er manchmal rüber, der Prediger. Hatte halt viele Frauen…;-) – (Scherz!)

  5. Meine meinung ist , das alle menschen b.z.w die wissenschaftler und der ganze quatsch wie politik an alles schuld ist.. denkt mal nach, sie lassen die natur nicht in frieden, sie graben und bohren killometer in die Erde rein..wie soll die Erde dann noch halten..sie suchen gold,silber erdöl und noch mehr wertschätze. es geht alles um geld und deswegen leiden menschen und völker. der liebe Gott hat uns alles gegeben doch wir sind die jeningen die es nicht wertschätzen können..

  6. Ein toller Vergleich. Aber man muss ihn zu Ende führen: Wenn man zum Frisör geht, muss man GELD bezahlen, damit man eine Frisur kriegt. Wenn also ein verhungerndes afrikanisches Kind aus seinem Elend, Leid und Schmerz raus will, braucht man also GELD. Welch wunderbare, erstaunliche Erkenntnis!

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