Blockaden: Was unsere Freude und unser Wachstum im Glauben blockiert (1)

Es gibt eine Pest im „natürlichen“ Menschen, die leider auch in das Leben des Christen kräftig hinein schwappt, wenn sie nicht bewusst gekreuzigt und abgelegt wird. Diese Pest macht unzufrieden, steigert den Neid, bremst das Glaubenswachstum, hält den Menschen auf einer infantilen Reifestufe und spaltet Gemeinden. Die Pest heisst: Vergleichen.

Da kommt man von einer Freizeit. Viele Menschen. Intensiver Lobpreis, gute Gespräche, Gott erfahren. Aber auch: Sondersituation, Menschen, die ich kaum kenne und auf die ich mich nur bedingt einlassen muss, neue Besen (also Referenten), die immer besser kehren. Zuhause dann: Vergleichen! DAS fehlt uns, fehlt mir, das müssen wir als Gemeinde machen, so muss es weiter gehen. DA erlebt man den Heiligen Geist (achja, zuhause ist er nicht? Wo er doch weht, wo ER will…). Schön, wenn gute Erfahrungen gemacht werden, Freizeiten und Kongresse sollen inspirieren, begeistern, gute Impulse geben – Halleluja, ich liebe das von Herzen! Aber irgendwie typisch menschlich (oder unmenschlich?): Es wird sofort verglichen. So kenne ich das von mir und beobachte es… Verglichen mit dem eigenen Leben, mit der eigenen Gemeinde – Unzufriedenheit schwappt hoch, Unbarmherzigkeit, Bitterkeit, Egoismus (ich weiß nun, wie es sein sollte).

Sind diese Dinge eine Frucht des Geistes? Nein. Was lässt die gute Sache kippen? Das Vergleichen.

Noch ein Beispiel: Ich beobachte einen eloquenten, gut aussehenden und super erfolgreichen Christen und denke mir: Boah, ist der oder die toll. Vollmacht, Ausstrahlung, Erfolg, Reichtum, was auch immer… ich schaue auf mich, sehe meine Mittelmäßigkeit und beginne zu … vergleichen. Unzufriedenheit und Undankbarkeit steigt hoch in meinem Herzen, traurig werde ich: warum der und ich nicht? Ich komme zu langsam voran, bin nicht geistlich genug etcetc… ich fühle mich minderwertig und niedergeschlagen..

Sind diese Dinge eine Frucht des Geistes? Nein. Was lässt die gute Sache kippen? Das Vergleichen.

Die Wahrheit ist: Vergleichen ist eine Pest. Jeder Mensch, jede Gemeinde hat einen eigenen Ausgangspunkt, einen eigenen Weg, Gottes Geist wirkt maßgeschneidert und nicht in Methoden oder Muster pressbar. Erweckung kann in streng liturgischen Gottesdiensten ausbrechen und in charismatischen „Wer-einen-Kaffee-will-nimmt-dieHände-runter“-events. Das ist einer der Gründe, weswegen christlicher Glaube keine Religion ist. Der Mensch schafft es nicht, ihn in Schablonen zu pressen, zu methodisieren, zu schematisieren. Wir sollen uns kluge (und hoffentlich auch weise) Gedanken machen – auch über uns selbst. Ehrlich und kritisch. Aber es gibt nur einen Maßstab: Christus. Und der begegnet jedem individuell.

Wer ist mehr wert und „besser“ im Glauben: der Verbrecher am Kreuz neben Jesus oder der legendäre Evangelist? Keiner von beiden. Hör auf zu vergleichen. Gott meint dich und wird dich in das Bild Christi hinein wachsen lassen, wenn du es einfach zulässt. (Ich nehme an, dass du Christ bis, dann gilt…) Du bist Königskind, du bist ein Nachfolger des Höchsten, vergleiche dich nicht mit anderen, sie haben ihren eigenen Weg (Johannes 21,21ff) – DU bist gemeint, Gott kennt nur Maßanzüge und wird den finden, der genau dir passt. Hör auf zu vergleichen und lass dich von IHM deinen eigenen Weg führen. Und: sei dankbar. Der Dankbare hört auf mit dem Vergleichen.

Advertisements

28 Antworten zu “Blockaden: Was unsere Freude und unser Wachstum im Glauben blockiert (1)

  1. Dabei ist es doch so einfach:
    Jeder lebt SEIN Leben besser als ich, ergo lebt niemand MEIN Leben besser als ich 😉

  2. Hi wegbegleiter,

    dazu gibt es ein passendes Zitat von Kierkegaard:
    „Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“

  3. Sehr schöner Artikel. Spiegelt viel von der Konsumhaltung vieler Christen wieder: Gut ist, was mir gut tut. Und wenn mir hier was nicht gefällt, dann geh ich halt zur nächsten grünen Wiese…“
    Das hat so viel geistliche Reife wie ein Liter Wasserdampf…

  4. @jansalleine: Guter Satz! Noch einer: Wenn nicht ich mein Leben lebe, wer dann?
    @Tobias: super Zitat – danke, das bereichert mein Kierkegaardwissen bzw. meine -wertschätzung…
    @curious: Wasserdampf? Kann man Eier mit kochen… – mehr aber auch nicht.

  5. Zu dem Thema würde ich sagen, dass das Vergleichen alleine noch nicht zu Problemen führt, sondern ein Mangel an Versöhnung (vor allem mit mir selbst) der Auslöser ist.
    Standpunktbestimmung ist ok, aber die Basis der Bewertung des Standpunktes muss stimmen.

    OT: Schickes neues Design, wirkt irgendwie sehr ernst.

  6. @Hans: großartig! Schön, wieder von dir zu lesen!
    @toex: Du hast sicherlich recht – und doch frage ich mich: muss das Vergleichen überhaupt sein? Es ist sicherlich im natürlichen, von Gott entfernten Menschen angelegt (Stichwort Neid, begehren dessen, was der andere hat etc). Aber es ist eben klar eine problematische Verhaltensweise, die meines Erachtens – und hier treffen wir uns wieder – verschwindet, wenn ich mit mir selbst und mit Gott versöhnt bin. Andere als Vorbild sehen – Christen und vor allem Jesus selbst, das ist ok und führt zur Standortbestimmung, wär aber für mich noch kein Vergleichen, das direkt den Geschmack von „Bewerten“ hat…

  7. Da Du den Geschmack ins Spiel gebracht hast, fahre ich kulinarisch fort. Ich kann Quark herzhaft oder süß servieren. Genauso halte ich Vergleichen für ein „Rohstoff“, auf die Motivation, die Ausführung und auf das Ziel des Vorgehens kommt es an!
    In der praktischen Hermeneutik nennt Theo Sundermeier den Vergleich als ein hilfreiches Instrument auf dem Weg, den anderen zu verstehen. Vergleichen ermöglicht die Schönheit des anderen zu endecken und sich daran zu freuen. Und das Entdecken der Schönheit kann zum Schlüssel werden, der das Tor zur Begegnung eröffnet.
    Aber wie gesagt, es muss geklärt sein, was das Ziel ist: Verstehen oder eine Hierarchie aufbauen.

  8. Den Vergleich anzustellen bringt dann weiter, wenn ich das Verschiedene in seiner Art wertschätzen kann.
    Vielleicht kann ich sogar vom Anderen lernen.

  9. Ich habe einige Schwächen, aber die Vergleicherei gehört nicht dazu. Denen, die darunter leiden, sich mit anderen vergleichen zu müssen, könnte es helfen, sich mal ganz bewußt mit jenen zu vergleichen, denen es schlechter geht.

  10. spannender Austausch… – Vergleichen beinhaltet ja schon in der Wortbedeutung die Hierarchie. Ich vergleiche zwischen zwei Dingen, die unterschiedlich sind. Kann man die Unterschiedlichkeit wahrnehmen ohne jede Wertung und somit Unter- bzw. Überordnung? Schön wäre es ja… Unterschiede beinhalten ja aber schon den Maßstab, sonst könnte ich sie nicht wahrnehmen…

  11. Sehe ich anders, also vom Wort her: ver – gleich. Ich stelle zwei Dinge auf gleiche Ebene (in der Wertigkeit) und schaue mir diese an. Danach kann zweierlei passieren: ich stelle fest, zwischen diesen zwei Dingen gibt es eine Schnittmenge (gleiche Eigenschaften, Verwendungszwecke, etc) und hole mir einen Maßstab von Aussen (der Bewertungsmaßtab ist nicht immanent), damit ich eine Hierarchie erstellen kann. Dieses kann eine durchaus lehrreiche Erkenntnis sein.
    Oder aber, ich stelle fest, dass es keine Schnittmengen gibt und ich beide Dinge in ihren jeweiligen Kontexten belassen und sie in eben diesen Kontexten wertschätzen kann.

  12. mmmhm, meines Erachtens vergleiche ich sofort konkret und nicht abstrakt. Ich vergleiche Körpergewicht, Klugheit, Coolness, Rhetorik, Eloquenz, was auch immer…. wenn ich Menschen oder Gemeinden vergleiche, gibt es ja immer eine Schnittmenge, das ist ja vorgegeben, ich vergleiche ja eben nicht Äpfel mit Birnen, sondern zwei Wesen von derselben Spezies. Kann ich losgelöst von einem äußeren Maßstab vergleichen? Geht meines Erachtens nicht.

    Deine zweite Variante, wenn es keine Schnittmengen gibt, trifft in den beiden Beispiel Mensch und Gemeinde nicht zu. Also geht nur deine erste Variante und die beinhaltet die Hierarchie. Und damit wäre der nicht-hierarchische Vergleich Theorie – zumindest in meinem Beispiel Mensch und Gemeinde.

  13. Vergleichen und bewerten ist m.E. lebensnotwendig und richtig, auch für Christen. Wenn ich irgendwo hin will, muss ich eben erst feststellen, wo ich bin. Sonst tappe ich blind durch die Gegend ohne Richtung und Ziel.
    Nur stellt sich die Frage, was ich aus aus dem Ergebnis mache. Zwangsläufig werde ich feststellen, das andere eloquenter, cooler, selbstbewusster, erfolgreicher, heiliger usw. sind. Wenn ich versöhnt bin, werde ich dem andern zugestehen, dass er (in manchen oder auch vielen Dingen) besser ist, als ich. Oder andersherum, dass er vielleicht in vielen Dingen meinen Ansprüchen nicht genügt.
    Wenn ich meinen Wert oder den von anderen aber an Fähigkeiten und Gaben fest mache, dann habe ich vielleicht noch nicht akzeptiert, dass der Wert eines Menschen alleine dadurch entsteht, dass Gott ihn gewollt hat?

  14. @Toex: ich weiss nicht, ob man nicht auch trainieren kann, das Vergleichen immer mehr bleiben zu lassen und einfach Menschen und sich selbst als einmalig stehen zu lassen. Ich habe zumindest das Gefühl, da langsam voran zu kommen. Wenn man es nicht kann, ist in der Tat der Knackpunkt, dass man die Unterschiede feststellt, aber nichts „daraus macht“, sprich den anderen und sich so akzeptiert und den Unterschied unverletzend stehen lassen kann.
    Generell neigen Vergleiche – selbst mit Jesus – dazu, dass man einem Idealbild nachstrebt. Idealbilder sind aber versklavend und auch biblisch nicht gewollt. Wir werden verwandelt, wir werden angenommen, wie wir sind (als wir noch Sünder waren…) und das ist immer wieder der Punkt, an dich ich zurück muss und möchte – von da aus wird dann Veränderung möglich. Die Gnade ermöglicht die Veränderung, Idealbilder aber sind „Gesetz“.

  15. So wie ich Deinen Post verstanden habe, beschreibst Du dort das Vergleichen als eine isolierte Handlung, bei der auf Grund eines Impulses bzw. einer kurzen Beobachtung sehr schnell ein Urteil gefällt wird. Ich sehe das Vergleichen als Bestandteil eines hermeneutischen Prozesses an, bestens geeignet um einen Zugang zu Menschen, Gemeinden, Kulturen zu finden. Die Leitfragen lauten wer? wie? wann? warum? – das Übliche also. Aber ein Beispiel wird hilfreicher.
    Nehmen wir mal zwei Gemeinden: die, in der ich aufgewachsen bin (A) und die in meinem jetzigen Wohnort (B). Der Vergleich könnte so aussehen:
    Die Gemeinde B ist richtig klasse, viel besser als die A. Da gibt es Kindergruppen, Hauskreise, Abendgottesdienste, Familienfreizeiten, etc. Da ist richtig Leben. In der Gemeinde A existierte vielleicht eine handvoll Angebote, ohnehin eher auf dem Papier, alles total streng (Religions – und Konfiunterricht), manche Leute ließen sich vielleicht ein mal im Jahr im Gottesdienst blicken. Ist doch völlig klar, die Gemeinde B ist viel besser. Jetzt könnte ich richtig sauer und enttäuscht sein.
    Aber ich kann auch anders vorgehen und einen ausführlichen Vergleich anstellen. Die Gemeinde B ist eine Ortsgemeinde mit einem relativ kleinen Einzugsgebiet, gut erreichbar. Die meisten Leute haben ohnehin ein Auto. Sie befindet sich in einem Staat, in dem Religionsfreiheit in der Verfassung verankert ist, ist gut mit finanziellen Mitteln ausgestattet (auch wenn es natürlich immer zu wenig ist), hat 5 hauptamtliche Mitarbeiter und großzügige Räume. Die Gemeinde A war eine Diasporagemeinde (Einzugsgebiet 200 km) einer Minderheitskirche in einem totalitären Staat. Für diese Gemeinde mit 6 Außenstellen war ein Pfarrer zuständig. Was läßt sich unter solchen Bedingungen machen? Wenig, aber dieses Wenige hat sie gemacht.
    Soll heißen: jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Der ausführliche Vergleich führt mich zur Versöhnung mit dem, was war.

  16. Verstehe, was du sagen willst: Wenn man vergleicht, kann man sich gedrängt fühlen, das Idealbild erreichen zu müssen und dadurch unter Druch geraden. Aber besteht nicht auf der anderen Seite die Gefahr sich zu verrennen wenn man keine Vorbilder mehr hat?

    Ich glaube, ich habe schon vom Vergleich mit anderen profitiert. Vor allem dann, wenn ich meinen Stand akzeptieren und denn anderen dankbar als Vorbild annehmen konnte. Nicht als etwas was ich kopieren muss, sondern als Hinweis für den nächsten Schritt auf dem Weg. Oder andersherum auch mal als Warnung „So nicht“.

  17. Hi wegbegleiter, sehr interessanter Artikel.

    Hauptsache Gott wird geehrt.
    Vergleichen ist eine Gabe Gottes! Achtung: Gaben Gottes können missbraucht werden.
    Den Vergleich anzustellen kann man weiterbringen, denn bestimmt kann man vom Anderen vorteilhaft viel lernen! Gottes reichen Segen euch.

  18. stimme koex weitgehend zu. Vergleichen an sich ist natürlich und nicht an sich schädlich. Stimme aber auch wegbeleiter zu, da man nicht „Äpfel mit Birnen“ vergleichen sollte. Nicht alles was ähnlich zu sein scheint ist vergleichbar. Mein Punkt ist jedoch ein anderer: Entscheidend ist, was ich aus dem Vergleich mache und dazu ist es notwendig zu verstehen, dass ich nur mich ändern kann und nicht die Menschen um mich herum. Deshalb möchte ich noch mal koex unterstützen, wenn ich nicht mit mir selbst versöhnt bin, und das kann ich nur durch Jesus, werde ich immer Vergleiche als Angriff auf mich sehen.

  19. @gwen: du beschreibst das klasse – eine sehr rationale und nüchterne Art des Vergleichens. Prima – so kann es gehen und so kann es fruchtbar sein. Ist vielleicht auch eine Typfrage – aber meines Erachtens ist bei vielen Menschen das Vergleichen eher emotional und ganz tief unten in der Seele angesiedelt. Da werden uralte Dinge angetriggert und aktiviert. Verletzungen etc… unzählige Vergleiche nach falschen Maßstäben machen Menschen kaputt… d.h.: viele Vergleiche kann ich ablehnen und unterlassen, weil sie eh nur von Interessengruppen getriggert wurden, um damit Geld zu machen. Die ganze Schlankheitswelle, die Mädels in der Schule schon glauben lässt, sie seien zu dick… die ganze Konsumschiene (was hat der, was ich nicht habe…). Vielleicht muss man lernen, Vergleiche von ihren Maßstäben her zu sortieren. Wenn es gesellschaftliche Maßstäbe wie Aussehen, Wohlverhalten o.ä. geht – sollte ich lernen, das Vergleichen bleiben zu lassen und bewusst abzulehnen. Wenn es um andere Maßstäbe, gar um göttliche geht, muss ich lernen, damit verantwortungsvoll umzugehen und nicht mich und andere zu verletzen. toex hat noch mal mein Stichwort der Vorbilder genannt. Diese sollen mich aber biblisch gesehen ermutigen und motivieren. Dann ist es gut – bei uns führt das Vergleichen eher zur Entmutigung und zu Frust. Sicherlich typabhängig.

    @all: danke für die gute Diskussion

  20. Ich glaube, das Problem liegt nicht im Vergleich an sich (hier mehr Hauskreis, da mehr Diakonieengagement), sondern in der Wertung.
    Mein Kollege oder meine Prediger machen manches anders als ich – aber das zu bemerken ist nicht negativ. Es kann sogar positiv sein, wenn ich überlege, „dies oder das, wozu führt das, und was passiert anders, weil ich es anders mache?“ Dann kann ich überlegen, was ich erreichen will – aber da komme ich in die Wertung hinein.

    Bei uns grad das große Problem: „wir wollen Jugendliche in die Kirche haben, um sie zu erneuern.“ Man schaut auf die evangelikalen Gruppen nebenan, da sitzen lauter junge Familien – aber niemand über 50. Und man wird neidisch.
    Unsere Gemeinde erneuert sich aus der Generation, die die Kinder aus dem Haus hat. Ist das nichts?
    Aber es stellt sich die Frage: was will ich? das Evangelium weitersagen? Oder die Gemeinde (als soziale Gruppe) vergrößern und damit Nachfolger für mein Gemeinderatsamt finden?

    Bei den Vergleichen, die du erwähnst, geht es oft um unerreichte Ziele, wo andere schon weiter sind. Um Finalitäten, nicht um Sein.

  21. Hallo Wegbegleiter, danke für die Blumen 🙂 Du hast Recht, es ist eine Typfrage. Ich bin sehr nüchtern, so dass mir so ein Vorgehen leichter fällt. Meine Probleme liegen in anderen Bereichen – alles hat seinen Preis 😉
    Aber es ist auch ein Lernprozess. Das Thema Hermeneutik begleitet mich – in unterschiedlicher Intensität – seit 18 Jahren. Es wäre fatal, wenn da nichts als totes Wissen hängen geblieben wäre. Einen vorläufigen Höherpunkt erreichte diese Prozess in einer Nacht, als ich Gottes Reden zu vernehmen meinte „Ich möchte, dass du dich nach Kräften bemühst andere zu verstehen und die Erwartung aufgibst, selbst verstanden zu werden.“ Es war unglaublich intensiv und am liebsten wollte ich weglaufen, mich irgendwie ablenken, aber es ging nicht. Es folgten zwei für mich extrem harte Jahre, die in dem Erlebnis am Feuer mündeten (ich habe es an einer anderen Stelle beschrieben). Im Moment ahne ich in welche Richtung es weitergehen sollte, die praktische Umsetzung ist noch nicht ganz klar. Die Zukunft ist offen.

  22. muss das Vergleichen überhaupt sein? Es ist sicherlich im natürlichen, von Gott entfernten Menschen angelegt (Stichwort Neid, begehren dessen, was der andere hat etc). Aber es ist eben klar eine problematische Verhaltensweise

    Hm, jetzt bin ich mal etwas *liebevoll gemein* (diesen Part übernimmt ab und zu Gwen… – aber Gleichberechtigung für alle!

    muß Vergleichen sein. Nein überhaupt nicht. Frag mal dein Navi, das vergleicht sicherlich auch nie die Route mit der aktuellen GPS Position.

    *liebevolle Gemeinheit Ende*

    Du schreibst in deinem Buch laß dich fallen lassen und flieg so schön über das Leben in Spannungen. Ich denke, dies ist wiederum so eine Spannung / So ein Tanz: wo ist das Vergleichen hilfreich zur eigenen Standortbestimmung (merke nicht jedes Vergleichen ist ein Richten!) oder wo fördert es nur destruktiven Neid!?

    In meinem Leben habe ich gerade eine Zeit des fruchtbaren Vergleichens hinter mir: das vergleichen zweier Kulturen – und der Kauderwelsch welcher herauskommt, wenn man nicht vergleicht, sondern sagen wir mal mit einem ZOLL Stock Werte ausmisst und die dann in ein metrisches System übernimmt. Du meinst das geht nicht? Bei Airbus soll sowas mal vorgekommen sein – und in interkulturellen Ehen kann das im zwischenmenschlichen Bereich an der Tagesordnung sein, weil z.B. die kommunikativen Codes der einen Kultur, die besagen, ob ein Verhalten als Flirt oder als intensives Arbeiten zu werten ist, in der anderen Kultur entweder nicht (mehr) vorhanden sind oder aber anders gefüllt sind. Und dort muß ich vergleichen – oder ist unsere deutsche Sprache mal wieder so arm geworden, daß wir Christen bei Vergleichen sofort an Neid denken!?!?

  23. Ho shasta – ich glaube, allmählich haben wir so so viele Kommentare, dass man sie kaum noch lesen kann, denn ich habe ja meine Position bereits differenziert – bereichert durch die vielen interessanten Ergänzungen. ich glaube, dass vergleichen meist auch abwerten und aufwerten beinhaltet und damit den Neid, das ist eine qualvolle unserer Gesellschaft – ich habe täglich mit den Kids zu tun, die unter dem Konsumvergleich leiden (bzw es tun, aber nicht merken). Insofern ist die destruktive und verzweckte Form des Vergleichens gesellschaftlich gewollt und ideologisch zu fordern. Erst wenn ich vergleiche, kann ich unzufrieden werden und weiter konsumieren. Dass es auch reife Formen des Vergleichens gibt – das habe ich ja bereits in den Kommentaren kundgetan…;-)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s