4. Juli: Independence day. Und was bedeutet nun frei?

Tag der Unabhängigkeit in den Staaten. Gestern. Und obwohl die „Declaration of Independence“ den Menschen zumindest als „ausgestattet vom Schöpfer“ versteht – die Denke ist bis heute drin: Freiheit heisst Unabhängigkeit. Von Menschen, Umständen, Pflichten …

Diese Denke ist eine Illusion. Biblisch ist der Mensch als Insel undenkbar. Schon ein Säugling verstirbt binnen Wochen, wenn er nur versorgt ist, aber keine Zuwendung bekommt (grausame Versuche haben dies gezeigt…). Wir sind abhängig – die Frage ist nur: von wem?

Ich definiere Freiheit als die Freiheit von den falschen Dingen und als gleichzeitige Abhängigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Diese bieten die gnadenvollste Paradoxie des Universums an: je größer die Abhängigkeit von ihnen – desto größer die Freiheit.

Das ist das biblische Bild des Christen: Der Befreite unterwegs in der Gegenwart der Herrlichkeit Gottes – auf einem ächzenden und nach genau dieser Erfahrung sehnsüchtigen Planeten.

(Zur Freiheit des Heiligen Geistes – siehe auch meine aktuelle Predigt...)

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5 Antworten zu “4. Juli: Independence day. Und was bedeutet nun frei?

  1. Gute, überzeugende Gedanken! Danke!

    Ich erlaube mir den Hinweis auf einen aktuellen Artikel im Rheinischen Merkur von Katrin Göring-Eckardt (MdB und Präses der … EKD) über die „Erwartungen“ an unseren neuen Bundespräsidenten.
    Zitat: „Freiheit kann in einem demokratischen Gemeinwesen nicht in erster Linie die negative Freiheit, die Freiheit von etwas sein, die Freiheit von Verantwortung zum Beispiel. Die positive, die ermöglichende Freiheit, die Freiheit zu etwas, sie ist gemeint, wenn wir von Freiheit sprechen. Die Freiheit zu wählen, die Freiheit zu gestalten, aber auch die Freiheit zu Solidarität und Nächstenliebe – das ist die Freiheit, die wir meinen.“

  2. Ich merke, dass Freiheit und Unabhängigkeit oft als Synonime gebraucht werden. Aber vielleicht sind sie keine? Nehmen wir mal den Independence Day (eben independence, nicht freedom) – es war ein poltische Schritt, man hat hat sich für Unabhängig von der britischen Krone erklärt. Exakt ein Monat vorher, am 4. Juni habe ich mit ein paar Leuten ein Toast für die Freiheit erhoben. Es war eine nette Runde, die Männer haben (ein Deutsche und ein Franzose) haben sich gefreut, weil es immer nett ist, ein Toast zu erheben. Für uns, Frauen (eine Tschechin und ich) hatte das ganze eine andere Bedeutung. Die Freiheit, also die Möglichkeit eine echte Wahl zu treffen, ist für uns eine wichtige Errungenschaft.
    Freiheit sehe ich nicht mehr und nicht weniger als die Möglichkeit eine Wahl. Diese Wahl kann ich nur treffen, wenn ich in Beziehungen lebe: ich kann dem anderen zuhören oder ihn ignorieren, auf seine Bitte eingehen oder sie ausschlagen, ich kann ihn meinem Willen unterwerfen oder ihm einen Raum der Freiheit zugestehen. Die Freiheit eine einsamen Insel halte ich für eine Ilussion. Klar, rein theoretisch könnte ich dort machen, was ich lustig bin. Nur letzten Endes wäre mein Handel dort völlig bedeutungslos.

  3. Hi gwen – danke für die Ergänzung: klar sind die beiden nicht synonym – aber sie werden leider oft und undifferenziert in einem Verständnisraum von Otto-Normalverbraucher und Gerda-Normalverbraucherin genannt. Unabhängigkeit ist für einen Sklaven absolut erstrebenswert – aber eben nicht in Gänze, sondern von seinem Sklavenhalter… Unabhängigkeit als Ideologie ist fatal und endet im Individualismus negativster Ausprägung.

  4. Absolut ist immer problematisch, unsere Leben spielt sich in unterschiedlichen Kontexten ab. Mir ist es wichtig die beiden Begriffe – Freiheit und Unabhängigkeit – sauber zu trennen. Bei einer extrem Ausprägung von Unabhängigkeit bzw. Individualismus können wir m.E. auch nicht mehr von Freiheit reden, denn diese kann nur in Beziehungen verwirklicht werden. Individualismus führt in die Isolation und raubt somit die Freiheit. Denn in Folge der Isolation muss das Indiviuduum alleine ums Überleben kämpfen und ist somit den Zwängen der Natur ausgeliefert. Diese lässt nicht mit sich reden. So erweist sich die erstrebte Unabhängigkeit als eine sehr trügersche Angelegenheit.

  5. Mir hat mal jemand gesagt, Freiheit sei nicht „von“ etwas, sondern „zu“ etwas.
    Und interessant die vergessene Bedeutung des Wortes: „freien“ ist der entscheidende Schritt hin zu einer tiefen und prinzipiell unlösbaren Bindung…

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