Deutschelaaand, Deutschelaaand! Deutsche Sehnsucht: Der Sieg unseres Kollektivs über den heroischen Individualismus.

Faszinierend. China feiert die deutsche Mannschaft bis zum Exzess (hier in der F.A.Z. nachzulesen). Man spricht von „unseren Deutschen“ und das auf einer durchaus reflektierten Ebene…

Nämlich als Sieg des Kollektivs über den heroischen Individualismus. Und sie haben Recht damit. Eine junge Mannschaft, die dennoch nicht mit ihrem Ungestüm punktet, sondern mit überlegter Frische. Eine Mannschaft in kollektiver Demut – keiner steht über dem Anderen. Jedes Teil dient dem anderen, keiner reißt den anderen rein, wenn dieser einen schlechten Tag hat. Das Team siegt meilenweit über arroganten Individualismus mit hochbezahlten Superspielern wie Messi. Ein Trainer lebt es vor: Steht zu den Spielern, die selbst ein ganzes Jahr eher durchhingen. Klose, Friedrichs, Podolski… ok, auch Gomez, den hätte man aber wirklich zuhause lassen können…;-D. Vertrauen. Mehr wert als quantifizierbare Leistung. Die Spieler belohnen es.

Die deutsche Begeisterung für diese Mannschaft und diesen Stil macht eins: Hoffnung. Denn genau diese Dinge wünschen sich die Deutschen auch z.B. von der politischen Klasse – sie erleben aber weiterhin ein machtdarwinistisches Gehacke auf teilweise Kleinkindniveau. Nie war Deutschland schlechter regiert – nie war die Sehnsucht der Menschen größer nach einem Team, das jenseits der Parteigrenzen und Machtinteressen das versucht zu tun, was dran ist. Versucht.

Und die christliche Gemeinde kann auch jede Menge vom deutschen Team lernen. Die Gemeinde als Familie, als Team, als Schutz derer, die durchhängen. Gemeinschaft des Vertrauens und nicht der Unterstellungen. Ein Team – mit Teamchef zwar, aber in dienender Rolle. Wenn ein Glied leidet, leiden alle mit – aber auch: alle freuen sich mit, wenn einer Erfolg hat. Das Ganze in einer fröhlichen, visionären, aber dennoch geerdeten Manier. Immerhin beten wir doch „Vater-Unser“ und nicht Vater-Meiner“…

Ein solches Kollektiv – auch wenn es nicht bis ins Finale kommt, auch wenn es nicht maximal effizient ist, hat eine ganz eigene Schönheit und keiner wird deswegen böse sein. Denn das Team zählt. Überall. Kapieren das die Politiker irgendwann? Kapieren das Gemeinden, die sich selbst mit sich selbst beschäftigen? Und: Fangen wir Einzelnen damit bei uns an? Indem wir die Ellbogen einfahren und ab und an vom Nächsten her denken. Indem wir wieder mehr „Wir“ denken als immer nur „Ich“.

Individualität – ja! Heroischer Individualismus – No, sir!

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7 Antworten zu “Deutschelaaand, Deutschelaaand! Deutsche Sehnsucht: Der Sieg unseres Kollektivs über den heroischen Individualismus.

  1. Sehr gute Gedanken, vor allem die Übertragung auf Gemeinde / Gemeinschaft unter Christen. Aber doch ein bissel relativiert durch die heutigen Berichte über den Kapitäns-Machtkampf, der im Team der kollektiven Demut ausgebrochen ist. Oder vielleicht auch nicht, sondern vielmehr eine Einnerung an die Realität: dort wie hier menschelt es. Gewaltig. Immer.

  2. Klar – die Jungs sind ja auch keine Heiligen (bis auf Cacau vielleicht…;-) und auch die Sehnsucht richtet sich auf eine nicht in Gänze herstellbare Idealvorstellung. Der Mensch ist einfach manchmal ein Ego-Schwein… damit ist zu rechnen. Aber ein Schritt in die richtige Richtung wäre ja schon mal ein netter Anfang…;-)

  3. „Denn das Team zählt. Überall.“

    Fußball, Politik, Gemeindeleben, Privatleben – Teamarbeit ist wichtig. Leider zu oft durch egoistische Ego-Schwein-Igeleien blockiert.

    Danke für die Erinnerung und den Gedankenanstoß. Und da sag noch einer, beim Fußball lernt man nix !

  4. Nicht in Feindesland, sondern in Fußballstadien liegt das Feld der Ehre – auch und gerade des deutschen Namens, wie man insbesondere am sogenannten „Wunder von Bern“ im Jahre 1954 erkennen konnte und noch immer kann. Der historisch gewachsene Stellenwert dieses Nationalsports bemißt sich im Kontext einer Weltmeisterschaft insonderheit u. a. am kollektiven Bewußtsein eines Landes, eine Nation zu sein, deren Name eben Träger einer unveräußerlichen Ehre ist. Diese ist nicht stofflich, nicht monetär zu erkaufen – und auch dies konnte und kann vor allem am Geist und Spiel der deutschen Nationalmannschaft unter ihrem Bundestrainer Joachim Löw deutlich werden. Wie aufgrund dessen zudem ihre Perspektive – die Weiterführung und Vollendung eines genial durchdachten, gespielten Ansatzes: Gezielte, an das Spiel Günter Netzers anknüpfende Pässe als zentraler Schlüssel zum Erfolg, sekundiert durch umsichtiges und kooperatives Abwehr- wie Standardsituationsspiel. Soweit in diesem Zusammenhang die etwas skizzenhaften Gedanken eines Laien. Glück auf, Jungs!

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