Zum Schmunzeln und Nachdenken: Was man alles NICHT versuchen sollte, um Leute in den Gottesdienst zu bekommen

Nein, nackte Frauen sind kein probates Mittel, um die Reihen zu füllen. Was auch (wenn überhaupt) nur kurzfristig Wirkung zeigen dürfte: Ein zeitgeistig abgeschliffenes Evangelium; eine theologisch korrekte, aber praxisfreie und leidenschaftslose Verkündigung; Lobpreis-„blöcke“; special effects jeder Art, sofern sie nicht der Botschaft dienen und untergeordnet sind…

Was hilft? Die Weltfrage. Liebevoll gestaltete, im besten Sinne geist-volle herausfordernde Gottesdienste, in denen Echtheit, Verletzbarkeit und gleichzeitig Kraft spürbar ist. Kurz: Gottesdienste, die die Menschen (innerlich) mit hinein holen, statt sie passiv und als Konsumenten in den Reihen sitzen zu lassen, manchmal entleerten Ritualen folgend. Und: Vertrauen, dass Gott es ist, der Gemeinde baut.

Ist damit der Erfolg sicher? Nein, denn Gott lässt sich nicht in Schemas pressen. Erweckung ist nachweislich nicht primär von der Form abhängig, sondern von der Souveränität Gottes verbunden mit einer tiefen Sehnsucht der Menschen.

(Quelle des Cartoon und wirklich vieler guter weiterer Cartoons: www.ruthe.de – dicke Empfehlung! – der Tipp  zum Cartoon kommt von meiner Blogleserin Heike, Segen und danke!)

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18 Antworten zu “Zum Schmunzeln und Nachdenken: Was man alles NICHT versuchen sollte, um Leute in den Gottesdienst zu bekommen

  1. Ja, Gott handelt souverän. Und für Ihn gibbet keine Schublade!
    Gott liebt es, uns zu überraschen. So antwortet Er auf Sehnsüchte auch damit, daß Er das moderne Medium einsetzt. Indem z.B. ich über einen Blog in eine mir bis dato völlig fremde Welt eintauchte. Ich las vom Geist, ich hörte dann eine MP3 Internetpredigt – und es hat mich ZACK!, voll erwischt. Dann wurde ich zu einem Buch geführt, in dem ich lernte, mich Fallenzulassen und zu fliegen. Was seitdem bei mir geschieht, läßt sich nur mit dem Wort „Wundervoll“ beschreiben. Ich wurde regelrecht aufgeweckt. Mir meiner Gaben bewußt gemacht. In Situationen geführt, und in Spannungsfeldern nicht nur getragen, sondern mir werden Hilfeschreie auf eine für mich zugeschnittene Art und Weise BEANTWORTET. Gott handelt immer neu und überraschend.
    Und wenn Er dafür sorgt, daß ein Druckfehler in einem Kirchenbrief für volle Bänke verantwortlich wird, dann hat Er … Humor ;-).

    Hierauf ein kraftvolles „Amen!“, lieber Christof – gell? 🙂

  2. …Erweckung (individuell und kollektiv) ist nachweislich von der Umkehr des Menschen zu Gott abhängig!

    Segen

  3. Hi Bento – das war vor ein paar Posts genau meine Aussage. Wie geschieht das, dass Menschen plötzlich gepackt werden? Indem sie Sehnsucht nach mehr haben. Denn Umkehr kann man ja nicht machen! Erweckung ist für mich in diesem Post übrigens innerchristlich gemeint. Müde Christen werden munter… ich betrachte Erweckung als eine Bewegung unter lahm gewordenen Christen (sie fängt bei mir an!) und sonst rede ich eher von Mission.

  4. jo, diese Weisheit ist auch nicht auf meinem Mist gewachsen 😉 ..

    „Denn Umkehr kann man ja nicht machen“ –
    ok, es ist Gottes Güte, die uns zur Umkehr leitet (wenn du darauf hinaus willst), doch Umkehr ist ein Willensakt und die kann auch Gott nicht für uns „machen“ – wir werden ja vielfach dazu aufgefordert.
    Die Gnade und die Anleitung dazu „fällt vom Himmel“, unsere Antwort darauf ist Rebellion oder Umkehr.

    ob nun innerchristl. oder aussen – hmm – nat. immer zuerst innen!

    Segen

  5. Ich bin der Meinung, dass es neben konkreter Gottesdienst-Gestaltung (Ablauf, Predigt usw.) auch ganz allgemein auf den „Wohlfühl-Faktor“ in der Gemeinde ankommt. Gibt es liebevolle Menschen, die mich nach dem GD ansprechen (nicht nur als „Aufgabe“, weil ich das erste Mal da bin), lächeln die Menschen, die vorne stehen auch mal, …

  6. Hi Wegbegleiter, du schreibst da heute mal wieder was mega wichtiges – nur, was tut man, wenn man merkt, daß die Gottesdienste (zumindestens für einen selber) immer belangloser werden – und das obwohl die Gemeinde (anscheinend?) boomt?

    Wenn die Zielgruppe der Predigten (nur!) die sind, die in die Kategorie suchend oder interessiert passen? Wenn alle Bestandschristen (anscheinend) genug Futter kriegen, nur man selber nicht?

    Genau diese innerchristliche Erweckung, die fehlt mir hier vor Ort leider erheblich… Nur suche ich nach Wegen, die konstruktiv sind, anstatt nur zu motzen oder einfach wegzubleiben.

  7. Hallo Wegbegleiter, ich erzähle Dir eine Geschichte, ohne Happy End. Es ist nicht als Jammern gedacht, eher als ein Blick hinter die Kulissen, in die Welt von Menschen, die nicht (mehr) in den Gottesdienst kommen.
    Es ist jetzt ca. 1,5 Jahre her, als ich diesen Entschluss gefasst habe. Davor gab es einige Monate der Leere. Ich ging in den Gottesdienst, weil man halt als Christ in den Gottesdienst geht. Nein, mehr, ich ging in der Hoffnung, dass dieses mal mich doch endlich etwas anspricht. Es war nicht der Fall. Ich suchte das Gespräch, vergeblich. Irgendwann war es vorbei, ein Satz ind dem der Pfarrer jemanden das angeboten hat, worum ich schon lange gebeten habe, hat mir gezeigt, dass dort nicht mein Platz ist. Ich veschwand nicht wortlos, sondern habe offen gesagt, was das Problem ist. Doch außer einem allgemeinen seelsorgerlichen Bedauern seitens der Pfarrer hat diese Aussage kein weiteres Interesse erzeugt. Wochen vergingen und ich spürte kein Verlangen danach, mich in der Gemeinde blicken zu lassen. Ich fragte mich: warum? Drei Dinge sind mir aufgefallen.
    1. In der Geimeinde wollte ich mit anderen den Glauben teilen. Doch der Gottesdienststil ist mir zunehmend fremd geworden und ansonsten bestand keine Möglichkeit eines Meinungsaustausches. 2. Ich dachte immer, die Gemeinde wäre ein Team, zusammen setzt man sich für ein ZIel ein, von Anfang (also Zielfindung) bis zum Ende (also Umsetzung) Auch das habe nicht vorgefunden. Es gab immer nur Listen, so nach dem Motto, wir brauchen Mitarbeiter für… tragt euch ein. 3. Ich dachte, Gemeinde wäre ein Ort, an dem Freundschaften entstehen. Doch in den 6 Jahren habe ich keinen Zugang zu den Menschen dort gefunden. Und da man nicht für immer alleine bleiben mag, war es an der Zeit wo anders zu suchen (und zu finden).

  8. Hi shasta und gwen: was soll ich zu eurer Geschichte sagen? Gemeinden können enttäuschen. Dass du keine Freundschaften gefunden hast, ist superschade, denn an der Gemeinschaft hängt ja ganz viel… die Arbeitsweise einer Gemeinde ist sicherlich auch ganz unterschiedlich. Je mehr Hierarchie, desto weniger wird der Einzelne mit einbezogen werden. Wer in den großen Volkskirchen unterwegs ist, weiß davon ein Liedchen zu singen – es sei denn, man ist im Pfarrgemeinderat oder Presbyterium und die müssen sich oft genug dem Bistum beugen…
    Ich sage ganz ehrlich: ich würde Gemeinde suchen, bis ich eine gefunden hätte, in der ich heimisch werden kann. Ich würde nicht eher aufhören zu suchen, bis ich gefunden hätte. Ich weiß auch, dass eine Gemeinde nicht komplett zu mir passen muss – das wär reichlich ich-zentriert und egoistisch, das zu verlangen. Aber vielleicht gibt es ja einen Hauskreis, wo meine Fragen Platz finden. Ich habe aber das heilende Potential von Gemeinde in dem Maße erlebt und sehe es einfach biblisch so, dass Christ kein Solo-Wesen ist, dass ich nicht darauf verzichten würde. Egal, wo man Gleichgesinnte findet. Es menschelt überall – auch in Hausgemeinden und freien Gemeinschaften. Da manchmal noch mehr. Ich sage mir immer: spätestens wenn ich dazu komme, fange die Probleme für die Gemeinde an – denn ich bin garantiert Sünder. Das ändert nix an deiner sachlichen Kritik an Gemeinde, die kann und darf man haben. Die Frage ist für mich immer – ich unterstelle dir das nicht! – verstehe ich mich als Teil der Gemeinde, der auch an ihr manchmal leidet oder gehe ich in die Beobachterposition und prüfe die Gemeinde mehr oder weniger von außen. Ähnlich wie in einer Ehe werde ich mal irgendwann sagen müssen: ich steh zu dem Laden, auch wenn mir nicht alles passt, das Perfekte gibt es nicht. Aber du hast natürlich das recht, etwas zu suchen und zu finden, in dem du Wurzeln schlagen kannst. Ihr habt ja im Raum Kassel nun reichlich Auswahl…

    Mein Vorschlag – ganz visionär – wäre sowieso an euch beide: kommt rüber in den wunderschönen Aachener Raum und wir bauen zusammen Gemeinde weiter. Hier sind schon Kasselaner, es gibt genug Arbeit… ja, schon sehr visionär, in Amerika passiert sowas dauernd und die Leute machen das dann sogar…;-)

  9. Ach Wegbegleiter, das ist lieb gemeint, danke für die Einladung 🙂 Durch Deine Frage, ob ich mich als Teil der Geminde verstehe, landen wir bei der Frage von vor paar Wochen: was entspricht meinem Wesen? Ich wollte, sehr sogar, mich als Teil der Gemeinde verstehen, doch ich musste erkennen, dass ich als Diasporakind, einfach keine Erfahrungen im Gemeindeleben habe. Ich kann nicht, wie Du, sagen, dass es etwas ist, was ich nicht missen möchte. Ich kann nur sagen, ich habe mich bemüht in eine Gemeinde einzubringen und habe festgestellt, dass meine Welt und die Welt der Gemeinde sehr viel voneinander trennt. Mein finden bezog sich also nicht auf eine andere Gemeinde, sondern auf ganz „weltliche“ Menschen, mit denen ich viel teilen kann. Glauben inklusive. Wir glauben zwar unterschiedliches, aber wir tauschen uns darüber aus und finden, erstaunlich oft, Gemeinsamkeiten. Manchmal fällt auch der Satz: „Weißt, ich war früher auch in der Kirche, doch…“ Dann folgt eine leidvolle Geschichte.

  10. Hm, auch ich danke für deine Einladung nach Aachen 😉

    Tja, im Gegensatz zu Gwen bin ich ein „Gemeindekind“ mit allen Vor- und Nachteilen. Ich kenne die „freien“ Gemeinden (mittlerweile suche ich erfolglos nach einem anderen Adjektiv, da ich in meiner Kindheit in dieser „freien“ Gemeinde viel Enge / Unfreiheit erlebt habe) und die Volkskirche. Ich kenne Hauskreise, momentan habe ich einen der sich max. einmal im Monat trifft. Ja und ich habe das heilende Potenzial in Gemeinden erlebt – aber ähnlich wie Gwen habe ich auch den Wunsch mit zu gestalten – nur in anderen Dimensionen (unterschiedliche Gaben aber ein Leib 😉 ). und auch ich erlebe es leider (auch wenn ich Verständnis dafür aufzubringen suche), daß es dann bei manchen Themen heißt, daß das nichts für den Ort hier sei… Habe ich den Wunsch nach Austausch über den seelsorgerlichen Bereich hinaus – möchte nicht nur Probleme wälzen. 🙂
    Nebenbei kauen wir hier gerade an dem Thema Authentizität herum. War ja kürzlich auch dein Thema. Angemessen authentisches Handeln wäre wohl die beste Umschreibung. Wir hier im Westen habe es teilweise verlernt Dinge auch ohne Worte zu verstehen – sicherlich hat auch die ganze Umsiedlungen nach dem II. WK mit dazu beigetragen – u.a. weil gerade die evangelischen Dörfer nach dem Krieg vorrangig mit katholischer Bevölkerung versorgt wurden und andersherum (so erzählt man es sich bei uns im Ort). Und das vermischt massiv die nonverbalen Kommunikationsmöglichkeiten und führt dazu, daß die direkte Kommunikation als einziges übrig bleibt, eine Situation wo die Amis schon ein paar Jahrhunderte Vorsprung haben – aber ich schweife etwas ab.

    In einem Punkt bin ich (leider) mittlerweile nicht mehr deiner Meinung: die Ähnlichkeit zur Ehe gestehe ich der Gemeinde nicht mehr automatisch zu. Ich will sie nicht leichtfertig aufgeben – aber auch ich merke wie ich mir Gedanken über Plan B mache.

  11. Hi shasta – die Ähnlichkeit wenn nicht zur Ehe, dann zur Familie ist ja nicht meine Erfindung, sondern biblisch verankert. Und so wie die eigene Familie manchmal echt nervt, so ist sie eben auch ein Segen. Dass man über alternative Gemeindeformen nachdenkt, ist echt gut – aber gemeinschafts, bzw. gemeindelos ist der Christ nicht denkbar, dafür sind wir Leib Christi und dringend auf Ermahnung und Ermunterung von außen angewiesen. Dieser Leib ist nicht der unsichtbare Leib aller Christen, wie immer wieder gerne behauptet wird, sondern höchst real ein Leib von Menschen… was ich nicht verstehe: du kennst eine freie Gemeinde und hast sie als unfrei erlebt – kenne ich auch. Aber es gibt in Kassel haufenweise nette und offene Gemeinden und so wie ich meine Kollegen in den Kasseler FeG kenne, sind die garantiert nicht eng… warum ist man da nicht dran und sucht nach einer Heimat? Ich sage es ganz ehrlich: ich wäre heute ohne Geschwister kein Christ mehr. Dass ich dann in derselben Gemeinde Menschen finde, die mir tierisch auf den Keks gehe, nehme ich gerne in Kauf. Die gab es schon im NT. Vielleicht bin ich und bis du ja auch einer von diesen für jemanden anders?

  12. *offtopic* war bis kurz vorm Finale offline unterwegs 😉

    warum ich noch nicht auf der Suche bin!?!? Ganz einfach: meine aktuelle / noch Gemeinde hat mir in einer Sache sehr geholfen. Ich will sie (noch) nicht aufgeben. Noch dazu die Herausforderung: wie den Kids erklären!? Ich bin demnächst erstmal verreist, die Zeit will ich zum Nachdenken nutzen. Die Sonntage bis dahin zum ansehen zweier Gottesdienste.

    Danke für deine Inputs.

  13. Hallo Wegbegleiter, aus einem Abstand von mehreren Tagen und beinahe 1000 km schaute ich noch einmal auf diese Unterhaltung. Einiges fiel mir auf. Erlaube mir ein Feedback an Dich, es steht Dir frei, ihn zu veröffentlichen oder nicht.
    Das Thema, was Dich dem Post nach bewegt, ist die Frage, wie erreicht man am besten Menschen, die (noch) nicht in den Gottesdienst kommen. Shasta und ich haben Dir als Betroffene einen Einblick in einen Ausschnitt der Welt dieser Menschen gegeben. Die beiden Geschichten sind unterschiedlich gewichtet. Ich habe etwas aus dem Archiv geholt, einen etwa ein Jahr alten Tagebucheintrag, für die Zwecke dieses Posts etwas modifiziert. Shasta schreibt als akut Betroffener, als jemand, der sich mitten in dem Prozess der Entscheidungsfindung befindet. Ich bin jemand, für den ein Leben in einer Gemeinde (örtlich gut erreichbar) ein lang gehegter Traum war und ich hoffte, dass er hier, in Deutschland, in Erfüllung geht. Doch dieser Traum ist nach 15 Jahren unterschiedlicher Auseinandersetzungen geplatzt. So ist es eben mit Träumen, sie platzen manchmal. Shasta ist dagegen ein „Gemeindekind“, das gerade feststellt, dass ihm in dem fröhlichen Gemeindeleben etwas wesentliches fehlt. Er ist also auf der Suche nach dem „was“ und „wie“. Das sind gravierende Unterschiede, dennoch gibst Du uns beiden eine Antwort. Diese Antwort ist sehr warmherzig, von Fürsorge geprägt und hat mich dazu verleitet, ein Gespräch aufzunehmen. Leider lief es ins leere. Ich frage mich: warum? Du wirst Deine Gründe bzw. Deine Interpretation des Ganzen haben. Ich erzähle Dir von meiner Wahrnehmung und bin gespannt, ob Du mir folgen kannst.
    Die Antwort („es gibt keine perfekte Gemeinde“) ist seelsorgerlich korrekt und allgemein absolut richtig. Doch es ging mir weder um Allgemeines noch um Perfektion, sondern um ganz konkrete Erfahrungen, die ich aufgezählt habe. Der Tipp, eine andere Gemeinde zu suchen, wäre eine theoretische Lösung. Ich habe es nicht gemacht und zwar nicht deshalb, weil ich nicht auf die Idee gekommen bin, sondern weil ich mich für ein „Nomadenleben“ entschieden habe. Im Moment geht es mir ganz gut damit, was die Zukunft bringt ist offen. Mit meiner Geschichte wollte ich Fragen aufwerfen, da ich überzeugt bin, dass eine Auseinandersetzung mit u.a. diesen Fragen, Dich zu der Antwort, die Du suchst, näher bringen könnte. Mein bisherige Eindruck aus der Gemeindezeit (auf Grund von mehreren Umzügen habe ich ein paar Gemeinden kennen gelernt) ist: die Diagnose steht fest, die Menschen brauchen Jesus. Nun muss man es ihnen nur verklickern. Dass wer sie sind und was sie wirklich bewegt ist eher zweitrangig und dient bestenfalls als Aufhänger für „die Botschaft“. Verzeih mir bitte, wenn ich es jetzt als Mogelpackung bezeichne, als vorgespieltes Interesse. Somit wären wir beim Thema von vor paar Wochen: Authentizität. Ist das Interesse am anderen echt?
    Ein anderer kritischer Punkt ist der Satz, dass man nur in der Gemeinde Christ bleiben kann. Welche Definition des Christseins liegt hier zu Grunde? Geht es wirklich um den Glauben an Jesus Christus oder doch nur um einen bestimmten Lebensstil? Und wird jemandem, der keine Gemeindezugehörigkeit aufweisen kann, sein Bekenntnis zu Christus nicht abgenommen? Oder nur unter Vorbehalt? Muss er dann erst mal eine Anerkennungsprüfung ablegen?
    Das sind meine Gedankengänge. Es könnte sein, dass Du gar nicht beabsichtigt hast, sie in dieser Form auszulösen. Dennoch: die Worte sind auf dem Boden meiner Erfahrungen gefallen und haben sie so ausgelöst. Ich vermag nicht zu sagen, wie repräsentativ es ist, vielleicht hilft es Dir einen neuen Blickwinkel zu entdecken, vielleicht aber auch nicht.
    Viele Grüße aus der Stadt Fahrenheits.

  14. Hi Wegbegleiter,

    Gewens Post bringt mich ins nachdenken – weil sie mal wieder einen der Nägel auf den Kopf trifft: der Unterschied zwischen deinem Post und unseren. Ich kann nicht so genial formulieren und bin deshalb dankbar für ihre Inputs – genauso wie auch für deine (wenn auch auf unterschiedlichen Ebenen.

    Deine Korrektur bzgl. Ehe und Familie finde ich gut. Es freut mich zu lesen, daß du aufgrund deiner Gemeinde immer noch Christ bist. Du schreibst von einem Ort, einem Austausch mit *realen* Christen – und ich merke an deiner Formulierung, daß du indirekt von einer Ortsgemeinde sprichst. Und das mag für den Großteil der Christen richtig sein. Ich für meinen Teil bin noch auf der Suche nach der richtigen Lösung. Letzten Sonntag habe ich einfach mal wieder KS-Ost besucht. Ja, es war schön – sogar mit anschließenden Grillfest (klasse wenn man gerade Strohwitwer ist und einfach keine Lust hat für sich selber zu kochen und allein zu essen). Ich schließe nicht aus, daß dies irgendwann meine Gemeinde sein wird – aber meine offensive Erwartungshaltung wird sich wohl erst mal auf gute Predigten beschränken.

    Nach der Predigt habe ich mir mit der Gastpredigerin noch eine kleine Sachdiskussion geliefert. Einer der Schwerpunkte war das Thema der eigenen Wichtigkeit. Zitat: “ wenn mir jemand erzählt, daß er eine Bewahrung erlebt hat und ich ihm dann sage, daß ich dafür gebetet hätte – warum tue ich das dann? Willl ich besser da stehen?“ Predigttext war die Frage der Jünger nach dem Größten unter ihnen. Die Antwort ist wohl allseits bekannt. 😉 Bei diesem Thema geht mir aber auch auf, daß Gott auch hier mal wieder *nicht* eindeutig ist – denn Jesus erzählt auch das Gleichnis der anvertrauten Talente / Pfunde / Begabungen. Dort ist derjenige der gear***te, der sein Gut einfach vergrräbt – anstatt damit zu wuchern. Warum wird er bestraft, mag man nach so einer Predigt fragen – er wollte sich doch nur nicht so wichtig machen!?!?

    Siehst du die Verbindung, die ich knüpfen möchte? Ein Thema für authentisches Christsein ist mittlerweile für mich (wie für Gwen) die Standortbestimmung – *bevor* man einen Rat gibt. (mein Paradebeispiel: jemand steht an der A7 und will mit dem Auto nach Kassel fahren – er ruft seinen Freund an und fragt ihn wie er jetzt fahren muß. Als Antwort erhält er von seinem Hannoveraner Freund die Antwort: einfach immer nur nach Süden – das stimmt für jeden, der nördlich von Kassel ist aber die, die in Ulm sind!?).

    Ja, auch ich bin überzeugt, daß deine Empfehlungen aus guter Intention kommen. Nur bin ich mir leider nicht sicher, ob wir beide auf der richtigen Seite von Kassel uns befinden. Die Zeit wird es zeigen.

    Bis dahin hoffe ich auf viele weitere gute Gedankenanstösse – und das müssen nicht automatisch welche sein, wo wir einer Meinung sind. Vielleicht nähern wir uns einander an, wie zwei Tunnelbohrer, die von unterschiedlichen Seiten kommen.

  15. @shasta und gwen: viel zu viel, um schriftlich darauf einzugehen. Um ganz ehrlich: um wirklich authentisch und seelsorgerisch antworten zu können, müsste ich dich, gwen, vor Augen haben, am besten persönlich getroffen haben, denn mir fehlt absolut eine komplette Ebene: du als Person. Wie soll ich ohne diese Ebene exakt auf dich zugeschnitten Antworten geben? Wenn du mir erzählst, wie es dir in der Gemeinde gegangen ist – wie soll ich das einordnen, ohne dich als Person wirklich zu kennen – abgesehen von Hinweisen Shastas? Also verbleibe ich notgedrungen auf der Sachebene – und auf der halte ich es in der Tat für biblisch gegeben, dass der Christ als Gemeinschaftswesen gedacht ist. Dass man mit seinem Glauben auch allein irgendwie überleben kann – gegessen. Wachstum, Korrektur, das „einander“ fehlt und ich beobachte das schon seit langem: diejenigen, die sich da hinein begeben, die erleben Wachstum im Glauben.
    Leider erlebe ich auch viele Menschen mit einer hohen Anspruchshaltung an Gemeinde. Was muss die Gemeinde alles mitbringen und „leisten“, um mir gerade zu gefallen. Das ist nun mal auch leider die vollkommen falsche Herangehensweise – nämlich die eine Konsumkultur, bzw einer Kultur, die sich selbst zum Maßstab macht: meine Art, mein Thema muss vorkommen. Und was, wenn nicht? Wenn mein Thema vorkäme, vermissen dann andere IHR Thema? Inwieweit das auch eine Falle ist, in der ihr sicherlich nicht zu 100% (aber vielleicht zu ein paar kleinen Prozent) drinsteht – eben das kann ich nicht aus der Ferne und ohne euch näher zu kennen, fair beurteilen. Ich weiß nur: im NT war es trotz all der Chaotengemeinden ein Vorrecht dazu zu gehören.
    Shasta: ich glaube nicht an die verschiedenen Standpunkte, ich denke, wir diskutieren auf verschiedenen Ebenen. Ich möchte gerade in dieser Zeit die biblische Bedeutung von Gemeinde betonen – gerade heute, weil sooo viele Leute rumrennen, die sich zum Maßstab machen, wie Gemeinde sein sollte, du kannst mir glauben: das kriegst du als Pastor mit. Der Maßstab ist aber Gottes Wort. Ihr fühlt euch nicht richtig abgeholt, integriert, thematisch verstanden – und ja, das kann alles sein. Ich nehme konkrete Erlebnisse immer ernst, aber ich kann sie auch nur abholen und einordnen, wenn ich konkrete Menschen vor Augen habe. Wie bist du gwen? Das weiss ich eben nicht, deswegen kann ich auf die Ebene nur begrenzt eingehen. Das ist schade – aber auch angemessen.
    Ich weiß nur von mir und bitte lest diesen Satz mit Bedacht: wenn ich gerade wieder mal an meiner Gemeinde herum laboriere (und das ist nicht selten!!) – dann hat das, und das sage ich sehr ernst und offen und ehrlich – mit mir mindestens genau so viel zu tun wie mit der Gemeinde. Ansonsten: ihr habt meine mail – ich fände die Diskussion besser telefonisch oder per privat-mail… Segen euch!

  16. Lieber Wegbegleiter,

    vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Ja, dies ist in der Tat zu lang um adäquat hier eine Antwort zu posten. Ja, ich / wir verneinen nicht, daß auch bei uns Prozente zu suchen und zu finden sind – only nobody is perfect.

    Auch dir erstmal ganz fetten Segen – und ich glaube so weit kann ich schon mal gehen: dein Angebot zum weiteren Austausch nehmen wir gerne an, nach unserem Urlaub. 😉

  17. Hallo Wegbegleiter,
    „stimmts ebenso“ würde bei uns der Bergmann sagen 😉 Danke für die Darstellung Deiner Sichtsweise. Es sind vermutlich wirklich zwei verschiedene Ebnen, auf denen wir uns hier bewegen. Im Gespräch wäre wohl eine Annäherung einfacher, so ist es schwieriger (obwohl nicht unmöglich). Die Sachebene empfinde ich nicht als „notgedrungen“ und halte mich sehr gerne dort auf, allerdings weiss ich, dass es nicht jedermans Sache ist.
    Ansonsten, verrückterweise, muss ich sagen, dass ich die Zeit jetzt nicht als „irgendwie im Glauben überleben“ bezeichnen würde, sondern den Eindruck habe, dass das Abenteuer jetzt beginnt. Und – ehrlich gesagt – überrascht es mich selbst.
    So, und jetzt wende ich mich wieder den Reitpferden und den Wellen der Ostsee zu.
    Shalom!

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