Ein wenig abgedreht: Von Papierschiffen und der Frage, wie oft man Papier falten kann

Komme gerade vom Frühstück hoch, wo mein Sohn Ole, nachdem er seine Großportion Haferflocken verdrückt hat (nein, wir kredenzen keine Cerealien!) sich unverzüglich auf den Boden begibt um: Papierschiffe zu falten. In allen Größen. Seine neue Leidenschaft… was mich an die Begrenztheit der Menschen erinnerte… Hä?

Ja. Denn jenseits des 折り紙, des Origami ist es ja eine durchaus wissenschaftlich relevante Tatsache, dass kein Mensch normalerweise Papier mehr als 9 mal falten kann. Normalbürger nur 8-mal. Bitte jetzt versuchen. Die „Mythbusters“ haben es mal geschafft, ein fußballfeldgroßes Stück Papier mit einem Bulldozer 11-mal zu falten.

Ist es nicht eigenartig und ein herrliches Schmunzelsymbol menschlicher Verwegenheit, nicht einmal Papier mehr als 9-mal falten zu können, aber stattdessen zu meinen, aus dem hohlen Bauch heraus Einschätzungen über sein eigenes Herz und das Herz anderer Menschen zu treffen? „Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es. Wer kennt sich mit ihm aus? Ich, der HERR, bin es…“ (Jeremia 17,9). Wir sollten behutsam sein in den Einschätzungen unseres eigenen Herzens(!) und des Herzens anderer – wo ich in diesem Blog an dieser Regel schuldig geworden bin und ungebeten Herzens-Einschätzungen anderen zugesagt habe, bitte ich um Vergebung!

Wie größenwahnsinnig ist der Mensch in seinen – sicherlich großartigen – Fähigkeiten, sich als Herr über Leben und Tod und lebenswert und -unwert aufzuspielen…  – und er kann nicht einmal Papier 10 mal falten… er kennt kaum die Zahlen der Tiere auf dem Meeresboden (die aktuelle Zählung beinhaltet nach Schätzungen nur ein Fünftel aller Meeresbewohner…) und kann ein Loch in großer Tiefe monatelang nicht stopfen…

DOCH: der Mensch ist großartig…. geschaffen. Aber sowie er die Rolle des Geschöpfs verlässt und selbst zum Schöpfer aufsteigt, zum Gott seines Lebens oder gar des Lebens anderer – wird es abartig und gefährlich. Was wir benötigen ist eins: die entspannende und gesunde Demut, Geschöpf sein zu können. Erst wer Autorität über sich duldet, kann selbst zur Autorität werden, ohne sich zu verheben.

So… und nun bitte Papier nehmen und falten… falten…

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10 Antworten zu “Ein wenig abgedreht: Von Papierschiffen und der Frage, wie oft man Papier falten kann

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  2. Ja, endlich ist das Leben, trotzdem sollten wir uns vom Totenkult fernhalten. Ein Slogan sagt: „Nichts sei sicherer als der Tod“. Die Bibel sagt das nicht, sondern JESUS sagt: „ICH BIN gekommen, dass sie das Leben u. dieses in Überfluß haben sollen.“

    Der Tod ist kein Schlußpunkt, sondern ein Doppelpunkt. Welche Herrlichkeiten sind uns doch verheißen. Wenn wir schon so sehr uns an dieses vergängliche Leben klammern, um wievielmehr herrlich muß es erst im Himmel sein!

    Aber, es steht in der Bibel:
    „Laß uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.“ Im Jenseits wird der Tod u. mit ihm gleich auch Satan, nicht mehr existieren. Mit dem Verstand können wir das nicht fassen, aber das ist ja unsere Botschaft, dass wir das „ewige Leben“ haben!

  3. @Konrad: ich weiß zwar nicht, wo du aus dem Beitrag von mir das Thema Vergänglichkeit, Leben und Tod heraus holst… es geht doch eher um Überheblichkeit und Geschöpfsein… aber du hast natürlich trotzdem recht…;-D

  4. Eine Autorität über sich im Zeitalter der Moderne, wo jetzt „das Elter“ geschrieben wird – wenn es mal nur EIN Elternteil gibt – wo es nicht mehr in ist, demütig zu sein geschweige denn Fehler zuzugeben …
    Wo viele eine Autorität über sich nur dann zulassen, wenn sie Schuld abwälzen können …

    Wieder einmal sehr interessantes Blogthema, Christof. Papierfalten als Beweis unserer Unfähigkeit, unseres Größenwahns.

    Was für ein Glück für Mose, Steintafeln gesandt zu bekommen. Stichwort „Schnittkanten-Phobie“ – http://www.ruthe.de … remember?
    😉

  5. Danke für das schöne Foto von deinem Sohn. Dieser Schiffbauer wird dir noch manche schlaflose Nacht bereiten, bis er flügge ist.
    Aber welch herrliches Geschenk Gottes hast du von Ihm mit deiner Familie bekommen, so viel Grund zum Danken, ganz ohne Überheblichkeit.

  6. Wow, ein interessanter Bogen, den du da aufspannst! Aber ist es nicht auch so, dass ich die Einstellung meines Herzens prüfen kann, ja bin ich nicht sogar dazu aufgefordert? Und stehe ich dann nicht in der Verantwortung, in und mit meinem Herzen bereit für Jesus und sein Wirken zu sein (Thema Sektpyramide)?!

  7. @Sebastian: guter Einwand – die Dosis und die Haltung macht hier denke ich das Geheimnis aus. Sich selbst zu analysieren hat ja bereits etwas leicht schizophrenes. Ich teile mich auf in eine Hälfte die analysiert und in eine, die analysiert wird. Gefärbte Brillen sind da vorprogrammiert, da ich ja eigentlich eine Einheit bin. Deswegen ist der Bibel auch der Leib Christi so wichtig mit seiner Rückmeldung, Ermahnung, Ermutigung. Die sollte ich von vertrauten Menschen auch mutig erbitten! Ergänzend ist das Wort Gottes auch so ein Spiegel, aber bleibe ich nur bei mir, werde ich auch das schnell durch meine Brille lesen…
    Haltung: viele Menschen gehen sehr unbarmherzig mit sich selbst um. Andere wiederum reflektieren gar nicht über sich selbst – beides natürlich Extreme, die zu vermeiden sind. Sich selbst wahrnehmen und seine Regungen benennen, aber nicht verurteilen, abwerten…- weil Gott noch tiefer schaut; ich sag mal so – aber da mache ich noch mal was eigenes zu: manche Menschen reden mit sich selbst und ihrem Herzen so hart, das würden sie einem Menschen nie zugestehen, ohne ihm die Freundschaft aufzukündigen…

  8. Lieber Wegbegleiter! Dein Buch“Laß Dich fallen und flieg“ ist sehr hilfreich, besonders was Du über Vergebung zu sagen hast. Mit der stillen Zeit ist auch sehr gut, bin nur erstaunt, daß Theologen beim Bibellesen auch Ermüdungserscheinungen kennen. Dachte immer, da gehen Beruf und Hobby zusammen, dachte für die gibts nichts Schöneres als nur die Bibel zu lesen. Also tschüß und ganz viel Freude und Entspannung im Urlaub, wünsche für Dich Traumwetter.

  9. Hi Martina – danke! Doch, die Bibel ist immer wieder ein Quell der Freude, aber primär bin ich eben nicht Theologe, sondern Kind Gottes und als solches gilt es, einen eigenen Weg zu finden… und sich weiter zu entwickeln… Segen!

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