Treffgenauigkeit erwünscht: Vom Stehendpinkeln, der unliebsamen Streuung und unserem Leben mit Gott

Zugegeben: dieses Foto ist nicht wirklich appetitlich, aber lehrreich. Vor einigen Jahren fand ich zum ersten Mal in einem holländischen Pissoir in Den Haag eine aufgeklebte künstlichen Fliege an der strategisch richtigen Stelle, die die Streuung des – äh – Strahls optimieren, bzw. minimieren sollte. Denn irgendwie scheint es manchen Männern nicht möglich zu sein, zielgenau zu treffen.

Ich gebe es zu: Ich mache mein kleines Geschäft gerne im Stehen, es scheint mir die entspanntere Art zu sein. Zuhause und bei Besuchen wird gesessen – denn ich putze bei uns die Klos und weiß, wie das ist… Wenn aber ein Pissoir da ist… freue ich mich! Und doch scheint das Treffen schwierig zu sein. Nach der Fliege also: ein kleiner roter Ball im Fußballtor. Gefunden in der Kaffeebar Caféte in Cuxhaven auf dem Männerklo. Weckt den Spieltrieb, sorgt aber auch für ein gewissen Schwank-Bewegung des Aktiven, denn der muss ja den beweglichen Ball verfolgen. Gefährlich! Belegt aber ist: solche „Gadgets“ helfen wirklich, den Putzaufwand zu verkleinern.

Als ich da so stand und den Ball versenkte… versank ich in meinem geistlichen Leben und mir wurde wieder deutlich, wie wichtig Fokussierung ist. Wie leicht „kaufen wir unsere Zeit nicht gut aus“, und streuen unsere Zeit und Energie in verschiedene Richtungen. Anstatt eindeutige – auch geistliche – Prioritäten zu setzen und zielgenau zu operieren. Was könnten solche Prioritäten und Maßstäbe sein, die die Streuung minimieren (die vom Teufel und der eigenen multimedialen und multitaskingverseuchten Innenwelt durchaus gewollt ist!) und zielgenauer zu leben? Dabei ist das Optimum kein 7-Schritte-Plan, sondern weiterhin ein sehr beweglicher und dynamischer Weg – aber eben auf ein Ziel hin und nicht auf viele kleine Ziele, die sich aufdrängen… ein paar Maßstäbe, kleine rote Bälle, die uns konzentrieren können…:

  • Der einzige Weg zum inneren und äußeren Wachstum hängt nicht an mir, sondern an Christus.
  • Der wahre Kampf geht niemals gegen Menschen – also auch nicht gegen mich selbst! – sondern gegen Gegnerschaft aus der unsichtbaren Welt.
  • Kein Gedanke, kein Gefühl, kein Erlebnis darf mittelfristig (nach einem kurzfristigen emotionalen Ausschlag, der ernst zu nehmen ist) Christus im Zentrum verdrängen, denn dann gebe ich dieser Erfahrung mehr Raum als Gott selbst.
  • Die Reihenfolge heisst: loslassen, empfangen, anpacken. Wie gerne bin ich ganz schnell beim Empfangen oder Anpacken.
  • Gelassenheit siegt über verkrampften Aktionismus. Der eigentliche Sieg ist längst errungen.
  • Ich bin Überwinder, indem ich FÜR etwas kämpfe, nicht primär gegen etwas (Römer 12,21) – das typisch christliche Problem der Definition durch Abgrenzung. Auch der unsichtbaren Welt begegnet man besonders gut, indem man ihr Nahrung im eigenen Herzen entzieht (durch Seelsorge, Vergebung, Abriss von Mauern, Buße) und die Beziehung zu Gott pflegt.

Was noch?

Ich wünsche dir einen zielgenauen Herbst voller großer und kleiner Aufbrüche. Lass dich durcheinander bringen. Richte dich aus auf den einen, der zählt: Christus. Minimiere die Streuung und dann: ab dafür!

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7 Antworten zu “Treffgenauigkeit erwünscht: Vom Stehendpinkeln, der unliebsamen Streuung und unserem Leben mit Gott

  1. Willkommen zurück, Wegbegleiter.

    „Der einzige Weg zum inneren und äußeren Wachstum hängt nicht an mir, sondern an Christus.“

    Das hast du sehr schön geschrieben! Ich bin gerade dabei, dieses Prinzip langsam zu entdecken. Ich muss nicht krampfhaft versuchen, (z.B.) zu vergeben, sondern darf Gott darum bitten, dass er mir seine Liebe und Vergebungskraft schenkt. Und auch den Wunsch, vergeben zu können. Ich will nicht mit frommen Sprüchen schmeissen, aber bemerke, dass dieser Prozess langsam anzufangen scheint. Es fühlt sehr befreiend, dass ich das nicht alleine tun muss. Und dass das nicht in drei Schritten fertig sein soll, sondern dass das ein Prozess ist.

  2. Hallo Christof! Willkommen zurück!
    Ich habe heute in „Auftanken.de“ einen interessanten Artikel gefunden. Da hat eine Frau den Rat bekommen, Gott zu vergeben. Sie hatte im Vorfeld „schlechte Erfahrungen mit Gott“ gemacht, ihr Glaube war fast erkaltet. Eine Seelsorgerin gab ihr diesen Rat. Nicht, daß es für Gott wichtig wäre, für sein Seelenheil. Nein, diese Haltung brachte bei der Frau eine Befreiung hervor. Sie konnte Gott neu begegnen. Grundklang der Geschichte war, daß manche Christen wie ein Kind versuchen, ihre wahren Gefühle vor Gott (wie vor einem Elternteil) zu verbergen, aus Angst vor Strafe o.ä.
    Erst wenn wir anfangen, ehrlich! vor Gott zu werden, kann es mit loslassen … losgehen.
    Diese Lektion übe ich, seitdem ich Dein Buch lese. Und ich stelle täglich fest: Gott füllt gerne die Herzen, die Hände … aber dafür muß Platz da sein.
    Die Erkenntnis „Er braucht mich nicht, aber er möchte mich“ ist einfach überwältigend befreiend! Ich brauche nix mehr alleine tun. Das verändert mich, meinen Glauben, seit Wochen – es wirkt befreiend.

    In Neudeutsch könnte das „entschlacken“ heißen 😉 – passend zum Blog!

    Segen!

  3. Es ist schon erstaunlich auf welche Parallelen und Veranschaulichungen wir Pastoren so kommen. Ich finde es echt lustig, wie du „in deinem geistlichen Leben versinkst“.

    Freue mich hier weiterhin deine Blogbeiträge lesen zu können!

  4. Ähem, danke für die Einblicke 😀

    Ich kann ehrlich gesagt mit Aussagen wie: „Der Weg ist das Ziel“ nichts anfangen. In meinen Augen irrt man, wenn man sich solch einen Satz zu eigen macht ziellos umher, nimmt hier und da mal was mit aber es geht halt zuviel daneben. Am Ende ist man vll. schlauer als zuvor, aber was ist am Ende?

    Nein, das Leben hat ein Ziel, nämlich in der Ewigkeit endgültig in das Ebenbild unseres Herrn verwandelt zu werden und mit ihm für immer verbunden zu sein (das gilt übrigens schon heute, im Hier und Jetzt!). Die von Markus Spieker in seinem „Faithbook“ betonte Kernthese finde ich in diesem Zusammenhang ganz passend, er sagt: „Ich will in den Himmel!“ Vielleicht fehlt es uns viel zu oft an dieser Zielgenauigkeit?!

  5. Mir ist noch was eingefallen:

    Das Wiederkommen unseres Herrn! Jesus fordert uns auf, dafür bereit zu sein, jeden Tag! Also, ist dies auch ein Lebensziel, oder nicht?

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