Mit Mumm leben: Aber wie, ohne zu verkrampfen?

„By ‚guts‘ I mean grace under pressure.“ („Unter ‚Mumm‘ verstehe ich Grazie und Anmut unter Druck!“)

Bin im Urlaub über diesen Satz von Ernest Hemingway gestolpert, den er in seinen Werken, vor allem im „Alten Mann und dem Meer“ immer wieder entfaltet. Unter hohem Druck trotzdem Ehre, Stil und Grazie bewahren…. – das ist für ihn Mumm und nicht tumbes Macho-tum und Draufgehaue…

Hemingway hat den Begriff der „grace“ absolut nicht religiös gefüllt (und war kein Christ) und dennoch konnte ich nicht anders… und es passt genauso gut und hat mich nicht mehr losgelassen. Mumm, mutiges Leben entsteht aus Gnade unter Druck.

Man kann mutiges Leben produzieren und machen. Draufgängertum. Hoch egoistisch, hedonistisch, ich-bezogen. Dabei läuft man immer wieder leer, sucht den Kick immer wieder aufs Neue, braucht stets die neue und noch größere Herausforderung. Wenn ich aber begriffen habe, was Gnade bedeutet…

  • sich hinzugeben,
  • abhängig zu machen von Christus,
  • zu empfangen
  • durch das Dunkel hindurch ins Licht zu leben
  • sich selbst realistisch im Lichte Gottes wahrzunehmen
  • den Nächsten zu sehen und von ihm her zu denken

… dann habe ich eine Lebensgrundlage, die mich von mir selbst befreit und mich so ganz neu finden lässt. Wenn nun Druck entsteht, reagiere ich darauf nicht ich-zentriert, nicht, um zu gefallen oder zu bewegen, sondern um Gnade weiter zu geben und zu fördern. Bei mir, bei anderen, in der Gesellschaft. Dabei werden die Methoden nicht die Methoden der Welt sein – sondern gänzlich paradoxe und ungewöhnlich kreative, so wie Gott eben ist und leitet…

Aber dieser Mumm, dieser Mut – der hat Sprengkraft. Den wünsche ich mir und vor allem: dir! Mut ist Gnade unter Druck…

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2 Antworten zu “Mit Mumm leben: Aber wie, ohne zu verkrampfen?

  1. Vom Nächsten her zu denken ist gar nicht so einfach, meine ich. Bei näherer Bekanntschaft kann es möglich sein.
    Allerdings kann es tatsächlich auch Sprengkraft haben.
    Bis einem die üblen Nachreden zugetragen werden ist es eh schon zu spät sich zu wehren und den Anfang des Lügengeflechts findet man meistens auch nicht.
    Vom Nächsten Gutes zu erwarten wird immer schwieriger bis ganz unmöglich.
    Also aussichtslos, da bleibt dann nur das direkte Gespräch von Angesicht zu Angesicht, zu zweit. Möglicherweise der explosive Konflikt. Den kann man aber auch sachlich regeln.

    Es hilft einzig Hingabe an Christus und ins Licht leben – wenn es nicht zu hell ist und verbrennt oder verblitzt. Dann gibt es aber die eine oder andere Gemeinde, die Schatten spendet und freundliche Gesichter und Worte.
    So jedenfalls meine Erfahrung – wenn Mut nachhaltig ausgelöscht ist, …. weiter weiß ich auch nicht.

    Wie sagt es Lothar Zenetti:
    Menschen, die aus der Hoffnung leben, sehen weiter.
    Menschen, die aus der Liebe leben, sehen tiefer.
    Menschen, die aus dem Glauben leben,
    sehen alles in einem anderen Licht.
    Lothar Zenetti
    Quelle: http://www.glaube-und-kirche.de/gebete.htm

    Vielen Dank für die kraftvollen Zeilen
    Wegbegleiter,
    beste Grüße mar.

  2. Thema Gnade:
    „Sich selbst im Licht Gottes realistisch wahrnehmen“

    Okay, DAZU ist seeehr viel Gnade nötig.
    Denn wie läuft das normalerweise ab? Wir machen einen Fehler. Ärgern uns. Versuchen es nochmal. Es läuft wieder verkehrt. Wir ärgern uns wieder, aber diesmal ein wenig mehr. Es läuft das dritte Mal falsch: wir sind stinksauer auf uns selber. Bemerkungen wie „Was bin ich nur wieder für ein Blödmann, daß ich SCHON WIEDER in diese Falle tappe!“ dürften vielen irgendwie bekannt vorkommen. Schnell rutschen wir dann in die „ich bin zu blöd zu …“-Falle. Wir polen uns negativ – weil die Welt das schon jahrelang so mit uns macht.

    Da wieder rauszukommen, DAS ist ECHTE Gnade. Hier erkennen zu dürfen, vor dem Spiegel, daß wir geliebt sind, SO WIE WIR SIND: fehlerhaft, unvollkommen, in den Augen von vielen (auch den lieben Mitgeschwistern) ein Versager – hier also im Herzen den leisen Satz zu spüren: „Du bist mein geliebtes Kind“ …
    das hat Sprengkraft.
    Da kriege ich zumindest jedesmal das Heulen! Vor fassungsloser Freude!

    Das da jemand ist – DER Jemand! – dem das alles schietegol ist, was bei mir nicht „korrekt“ lief und läuft. Der auch auf krummen Linien gerade schreibt …

    Das ist der Oberhammer. Das fühlt sich so gut an … und mit diesem Guten in mir drin, dieser göttlichen Wertschätzung, zentriere ich mich nicht mehr auf das Dunkle, die Selbstanklage – sondern kann wieder gerade stehen, aufatmen, mich selber neu schätzen lernen. Ich darf Fehler machen. ER hat mich deshalb niemals nicht weniger lieb.

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