Der Anfang aller Kraft im Glauben: Stille vor Gott genießen

„Man muss dem Inneren die entspannte Ruhe zugestehen, auch wenn man überzeugt ist, die Zeit im Nichtstun zu verlieren. Das Einzige, was man in diesem Zustand tun kann, ist dies: Man soll das Innere frei lassen von Wahrnehmungen und Gedanken, Meditationen und Erwägungen und sich ausschließlich hingeben an ein liebevolles und friedvolles Innewerden Gottes!“ (Johannes vom Kreuz)

[picapp align=“right“ wrap=“true“ link=“term=silence&iid=289435″ src=“http://view3.picapp.com/pictures.photo/image/289435/secretive-woman/secretive-woman.jpg?size=500&imageId=289435″ width=“234″ height=“352″ /] Jede Entwicklung des Glaubens – davon bin ich auch nach den vielen Gesprächen an einem tollen und gesegneten Wochenende im Siegerland überzeugt (danke Tina und Armin!) – beginnt beim Loslassen und Leerwerden. Bevor jetzt jemand entsetzt „Mystik“ brüllt – das ist ganz uns gar biblisch, dass wir Leben erst gewinnen, wenn wir es vorher verlieren. Dass wir abnehmen, damit ER zunimmt in unserem Leben. Dass wir die Hand nicht an den Pflug legen und zurück schauen, sprich: unsere Vergangenheit regieren sondern nach Prüfung auch los-lassen sollen. Dass wir nicht für das Reich Gottes geeignet sind, wenn wir mehr an den Eltern oder den Kindern als an Gott hängen…

Wir können nichts von Gott empfangen, bzw. das von Gott bereits Geschenkte entgegennehmen, wenn unsere Hände bereits gefüllt sein. Insofern ist das Umklammern von Geld, Sorgen, Eltern, Kindern, Vergangenheit, inneren Vorstellungen, Plänen, Bildern verständlich, erklärbar, aber – Götzendienst. Denn sie nehmen Gottes Platz ein und halten uns blockiert für den Empfang des bereits zugesagten und ausgestreuten Segens!

Stille vor Gott – diese Form des Gebets wird von Vielen gescheut. Sie erscheint so… zwecklos und sinnlos und ist doch genau das Gegenteil. Unsere Seele schreit angeödet auf angesichts einer solchen „langweiligen“ Form, wo man ja gar nichts „machen“ muss und kann. Aber dieses Stillwerden ist das beste Gegengift gegen die Paradigmen unserer Gesellschaft, die uns so tief in den – auch geistlichen – Knochen hängen. Und schließlich geht es im Gebet nicht primär darum, dass unser Verstand oder unser Gefühl berührt wird – sondern unser Geist. Und WENN dieser berührt wird (unter dem Dienst der Seele), dann wird das auch unsere Seele heilsam durchsickern. Aber rechne damit: Alles in dir wird sich gegen diese Form wehren. Und das hat seinen Grund. Und der liegt nicht bei Gott!

Sagt Johannes vom Kreuz etwas gegen Gedanken und Meditationen und Wissen und Erkenntnis? Nein. Aber er betont, dass die Stille vor Gott der Anfang und der Urgrund alles Anderen ist. Um es modern zu sagen: Wenn ich mich ehrlich anschaue, habe ich von Gott immer noch erschreckend wenig Ahnung – er ist halt… Gott, nicht wahr? Und ich ein Mensch. Ich kann also nur staunen, wenn ich das merke… und angesichts von wenig Ahnung dem Nuhrschen Satz folgen: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten. Das sollte auch immer wieder mal für das Gebet gelten.

Stille vor dir, mein Vater…

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12 Antworten zu “Der Anfang aller Kraft im Glauben: Stille vor Gott genießen

  1. Tatsache: Alles in mir rebelliert gegen die Motivation doch alleine von Gott ausgefüllt zu sein und seinen Geist wirken zu lassen. Da kommt das Alltagsrauschen und zieht meine Aufmerksamkeit auf sich, anstatt tatsächlich still zu werden und darüber zu staunen, wie und wohin Gott mich im Geist führt.

    Doch eine Frage: Wie passt das damit zusammen, dass wir all unsere Anliegen und Bitten „in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott“ bringen sollen? Das geht ja nicht in dem ich still bin…??? Oder sind das zwei unterschiedliche Paar Schuhe?

  2. @Sebastian: hoi erst mal!! Ich sagte ja: Sagt Johannes vom Kreuz etwas gegen Gedanken und Meditationen und Wissen und Erkenntnis? Nein. Aber er betont, dass die Stille vor Gott der Anfang und der Urgrund alles Anderen ist… Zitat Ende. Wir dürfen einfach nicht diese Form des Seins vor Gott gegen die anderen ausspielen. Bei der lectio divina tragen wir alles vor Gott, gehen aber Stück für Stück weiter in die Stille. Oder: Espressogebete, einfach so zwischendurch… all das sind vollkommen hilfreiche, biblisch gebotene Formen des Gebets. Sooo wichtig, mit all dem zu spielerisch zu arbeiten. Aber, großes Aber: ich glaube gegen unsere Macherei und Informationsflut, gegen den Lärm und das Ichzentrierte hilft die Stille vor Gott, die Kontemplation sehr gut. Sie ist für mich Grundrauschen, weil sie das Sein betont und nicht das Machen. Denn selbst Gebet kann zur Pflichtübung werden, Stille ist aber nicht mehr machbar, sie ereignet sich, wenn ich loslasse.

  3. Und wenn ich bei Stille müde werde, anfange zu dösen, die Gedanken drehen sich fast wie im Traum in komischen Fetzen herum? Das passiert nur, wenn ich nicht gut geschlafen habe. Aber das ist leider oft der Fall.

  4. Unbedingt Anfang der Kraft bevor alle Kraft zu Ende geht, ist die Stille vor Gott. Hierzu eine meiner geschätzten Andachten, die es so schön zum Ausdruck bringt, wie ich es mit eigenen Worten kaum könnte:

    Gefüllte Stille
    von Lindolfo Weingärtner

    Es gibt eine böse Stille.
    Sie ist abweisend und eisig,
    geladen mit Drohung und Angst.

    Es gibt eine Stille,
    die nichts ist als gähnende Leere.
    Sie ist steril, dem Leben feind – wie die Wüste.

    Und es gibt eine gute Stille,
    die den Menschen birgt,
    gefüllte Stille,
    die schon Erfüllung sein kann:
    „Ich habe meine Seele gestillt
    wie ein entwöhntes Kind bei seiner Mutter.“ –
    „Es ward eine Stille im Himmel bei einer halben Stunde.“

    Alles vollmächtige Reden und alles verantwortliche Tun
    hat seinen Ursprung in solcher Stille,
    in der Stille vor Gott.

    Vielen Dank für den schönen Artikel.
    > Seelennahrung 😉

  5. Super Artikel…
    Es ist nicht einfach aber wer sich wirklich wagt vor Gott NACKT da zu stehen, ohne diesen ganzen Ballast, und wirklich nichts tut als zu sagen:“ HERR HIER BIN ICH!“, der wird auch Gottes Antwort bekommen die sagt: ICH BIN AUCH HIER, BEI DIR und ich LIEBE DICH!“ Diese Erfahrung ist so dermassen bereichernd, zu wissen ich muss nichts tun, sondern nur DA SEIN, dass ich sie jedem Leser und jeder Leserin unbedingt wünsche!

    LASST EUCH VON IHM WACHKÜSSEN, (http://pdh-ichtys.myblog.de/pdh-ichtys/art/6774127/SEIN-KUSS-weckt-TOTE-AUF-) und dann spürt DAS NEUE LEBEN AUS IHM, SEINE GEGENWART UND DEN FLUSS SEINER LIEBE!
    Viel Spass beim Entdecken

  6. @mar: sehr schön das!
    @tineli: genau das ist der Weg der Kontemplation, der eben nicht leicht ist, erst recht nicht in unserer Gesellschaft des Informations-overflow und des multitasking und Frauen sollen das ja wirklich beherrschen!! Ein paar Hinweise. Gedanken sind ablenkend, werden aber noch ablenkender, wenn man sie versucht, zur Ruhe zu bringen. Loslassen ist das Bild. Gedanken sind wir kleine Boote auf einem Fluss, den du von oben betrachtest. Nehme sie war, aber steige nicht in sie ein. Lasse sie friedlich vorbei ziehen, ohne Ärger, ohne Bewertung. Wenn sie sich dennoch aufdrängen, bring sie ins Gebet und bring das Anliegen Gott – es ist anscheinend wichtig! Thomas Keating und das Gebet der Sammlung ist eine gute Hilfe zur zeitgemäßen Kontemplation.

  7. Ich finde den Text bzw. die Auffassung wirklich gut. Und auch, dass ich heute dies gelesen habe. Bereits seit einigen Tagen ist dieses Thema in meinem Kopf.
    Ich werde ganz Still (weil ich innerlich erschöpft bin), da werde ich von den ganzen Sachen (gute und schlechte) bombadiert… leider finde ich keinen Weg das ganze los zu lassen oder abzugeben. Es erscheint mir alles vor meinem inneren Auge…
    Ich selber wünsche mir einige Sachen (die sich ändern sollten, wenn es nach mir gehen sollte), aber Gott sagt auch „Lass dir an meiner Gnade genügen“. Dies umzusetzen vermag ich leider nicht, oder weiss nicht wie ich es machen soll.

    Voll zu treffend ist: Wenn meine Gedanken oder Hände voll sind, kann Gott mir nichts geben. Ich hoffe jedoch, dass es sich bald ändert…

    Super Artikel !!!

  8. Dankeeee! Wirklich, vielen Dank für einen Artikel der gerade jetzt für mich genau ins Schwarze trifft… Es ist so wichtig offene Hände zu haben, es zu wagen, die Hände zu öffnen, loszulassen und das oft so schwere Unterfangen anzugehen, still vor Gott zu werden und eben doch nichts „anzugehen“/zu machen. … oft müssen wir einfach wagen, unsere zusammengekrampften Hände zu öffnen, um zu sehen, dass das, was wir so verkrampft festhalten, nichts als Staub ist, den Gott nur zu gerne sanft wegpustet 🙂

    Danke nochmal, liebe Grüße und Gottes riesengroßen Segen,
    eine treue aber eigentlich leise Leserin des Bloggs 🙂

  9. @heiniakaufi: loslassen ist wirklich nicht leicht und vielleicht müssen auch – je nach persönlicher Prägung – manchmal seelsorgerisch Dinge aus dem Weg geräumt werden, die das verhindern. Kenne ich zumindest so… manche Menschen haben einfach einen großen Drang, die Dinge „im Griff“ zu haben… die weiter oben in den Kommentaren erläuterte Haltung gegenüber den Gedanken hilft dabei zusätzlich. Das Dumme ist: wenn man wissen will, wie es funktioniert, still zu werden, will man bereits wieder kontrollieren und systematisieren und da beißt die Katze sich in den Schwanz. Jesus genügt!!
    @Marie: danke dir, treue, leise Leserin. Macht mich froh!

  10. Ein wirklich schöner Artikel – vielen Dank!

    Allerdings erlebe ich auch, dass selbst das Loslassen nicht „machbar“ ist.

    Da wird die Stille, die eigentlich für eine Begegnung mit dem Vater gedacht war, hemmungslos zugemüllt von all den Einflüssen von innen und außen, denen ich mich eigentlich entziehen wollte.

  11. Stille ist wie ein Raum, wir können ihn nicht machen, denn er ist schon da. Aber wir können ihn betreten, uns darauf einlassen, was wir dort vorfinden. Für mich sind es die alten Lieder: Magnificat, Te Deum, Agnus Dei, die die Tür zu diesem Raum öffnen.

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