Der verlorene Sohn reloaded: Verlorenheit – neu definiert (Teil 6 einer Serie)

[picapp align=“right“ wrap=“true“ link=“term=anger&iid=258521″ src=“http://view.picapp.com/pictures.photo/image/258521/man-with-rat-his-shoulder/man-with-rat-his-shoulder.jpg?size=500&imageId=258521″ width=“380″ height=“254″ /]Zwei Söhne – zwei falsche Wege – beide geliebt. Jesus teilt die Welt nicht in moralische Helden und unmoralische Schurken auf, stattdessen zeigt er uns: Jeder ist mit einem Selbsterlösungsprojekt beschäftigt. Jeder versucht, Gott und andere Menschen zu benutzen, um Kontrolle in seinem Leben zu gewinnen. Und doch liebt Gott beide unendlich.

Kurz: Die Botschaft Jesus hat nichts zu tun mit drinnen oder draußen, mit moralisch oder unmoralisch, konservativ oder liberal, religiös oder unreligiös. Wie gerne wird das verwechselt, wie gerne teilen wir die Welt auf! Die Botschaft Jesu ist einfach… vollkommen anders. Eine neue Kategorie. Jeder ist auf dem falschen Weg. Jeder ist geliebt. Jeder ist aufgerufen, das zu erkennen.

Ältere und jüngere Brüder teilen die Welt auf – Jesus nicht. Jesus sagt: Die Demütigen sind drin, die Stolzen nicht (Lukas 18,14). Die, die sich selbst ehrlich sehen, wie sie sind, bewegen sich auf Gott zu. Die, die meinen, es sei alles in Ordnung, bewegen sich von Gott weg.

Tim Keller: „Wie kannst du nur so etwas sagen?“, lautet oft die Antwort frommer Leute, wenn man ihnen andeutet, mit ihrer Beziehung zu Gott sei etwas nicht in Ordnung. „Ich bin in der Gemeinde, wann immer die Tür offen ist.“. Jesus sagt dazu im Grunde: „Das spielt keine Rolle.“ So etwas hatte vor ihm noch nie jemand verkündet. (S. 53)

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Was aber bedeutet es, geistlich verloren zu sein?? Der jüngere Bruder war eindeutig verloren – kehrt aber um. Jesus möchte, dass wir in diesem Gleichnis eine unauffälligere Form der Verlorenheit erkennen. Woran erkennt man sie? Schauen wir auf den älteren Bruder. Er ist voller Zorn und Groll! Er ist bitter. Ältere Brüder glauben, wenn sie ein pflichtbewusstes Leben führen, dann haben sie ein gutes Leben verdient. Man erlebt das immer wieder im Gespräch mit Menschen, die religiös sind (aber keine Christen!): „Der oder die hat ein Kind verloren, hat Krebs bekommen… was hat die nur getan, dass sie das in ihrem Leben ertragen muss…?“ Keller wird nun – wie ich finde sehr gelungen – seelsorgerisch…

Wer in einer solchen Haltung ist, wird moralische Gewissenhaftigkeit immer zielorientiert einsetzen – um etwas zu bekommen, um Kontrolle zu haben. Wenn das nicht gelingt, bleiben entweder Selbsthass (ich war nicht gut genug) oder Hass auf jemand anders, der schuld sein soll. Zwischen diesen beiden Polen schwanken ältere Brüder.

Deswegen Achtung: Wann immer du glaubst, du könntest Gott durch gute Werke gefallen und ihn dir gewogen machen – du wirst im Zorn enden. Auf dich und auf andere und auf… Gott.

(to be continued…)

(Teil 6 einer Reihe über den verlorenen Sohn. Quellen:  Tim Keller: Der verschwenderische Gott (sehr zu empfehlen – besorgen! Lesen!) Diverse Kommentare aus meinem Regal, vor allem: Joel Green: The Gospel of Luke, NICNT und dazu eigene Gedanken, Vertiefungen…), Teil 1 hier)

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4 Antworten zu “Der verlorene Sohn reloaded: Verlorenheit – neu definiert (Teil 6 einer Serie)

  1. „Zwei Söhne – zwei falsche Wege – beide geliebt. Jesus teilt die Welt nicht in moralische Helden und unmoralische Schurken auf, stattdessen zeigt er uns: Jeder ist mit einem Selbsterlösungsprojekt beschäftigt.“
    Klasse Zusammenfassung! Auf den Punkt gebracht!

  2. Wann immer du glaubst, du könntest Gott durch gute Werke gefallen und ihn dir gewogen machen – du wirst im Zorn enden. Auf dich und auf andere und auf… Gott.

    Treffer… Ich glaub, ich muss nachdenken gehen…

  3. Ich bin mittlerweile nicht mehr auf meine Werke oder der anderer stolz oder glücklich – sondern einzig und allein völlig am staunen, wenn der Geist bewegt und zwar zu Dingen die ich gar nicht wüßte oder könnte, was das für eine ungewohnte Beziehungsatmosphäre ist mit Gott, einfach genial, und danach wieder nicht wissen, wofür Gottes Handeln durch mich denn wirklich dient, für das Insgesamt gut war. Und morgen ist wieder ein Tag ist wo ich unter Umständen bewegt werde oder im Geist vorbereitet oder halt auch nichts passiert und du dankend zurückblickst.

  4. Hallo!
    Auch mich hat Lk 15 mit diesem Blog und Tim Keller neu gepackt.
    Meine Frage:
    Hat Lk 16 nicht mehr mit dem Gleichnis von den verlorenen Söhnen zu tun, als bisher gedacht? Denn das Gleichnis hat ein offenes Ende. Wie hätte der ältere Sohn reagieren sollen? Vielleicht bietet Jesus mit Lk 16 und den 2 Gleichnissen eine Antwort darauf.
    Da geht es um den ungerechten Verwalter und den armen Lazarus und den reichen Mann.
    Bei den verlorenen Söhnen ging es um die Gnade Gottes, beim ungerechten Verwalter geht es um die Barmherzigkeit des Menschen. Sollte der ältere Sohn nicht barmherzig zu seinem Bruder sein? Der ungerechte Verwalter schafft durch den Umgang mit Besitz Freunde und stellt seinen Herrn als großzügig dar. Der ältere Sohn jedoch nicht. Gibt es da noch andere Parallelen?

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