Kreativer Dienst am Menschen: Ein notweniger Paradigmenwechsel

[picapp align=“right“ wrap=“true“ link=“term=homeless&iid=217014″ src=“http://view2.picapp.com/pictures.photo/image/217014/homeless-man-warming-his/homeless-man-warming-his.jpg?size=500&imageId=217014″ width=“234″ height=“351″ /]Es ist immer wieder beauerlich, wie sehr Christen in dieser Sache von einer von beiden Seiten vom Pferd fallen: Entweder Diakonie (was sofort langweilig, vermufft und wenig nach Leidenschaft klingt!) oder Weitergabe der frohen Botschaft von Jesus Christus. Um es im Bild zu sagen: Entweder helfen wir der alten Dame über die Straße und gehen wortlos oder wir lassen sie stehen und rufen ihr Bibelverse zu.

Zugegeben: Die gesalzene, liebevolle und authentische Weitergabe des Evangeliums ist heute eher selten oder wird auf „Hauptamtliche“ verschoben – dabei ist jeder Christ letztlich Hauptamtlicher in dieser Sache. Da hat Peter Scholl-Latour recht, wenn er zum Fortschreiten des Islams in Deutschland sagt: „Sind sie zu stark, seid ihr zu schwach!“. Sind wir bereit, Zeugnis zu geben von der Hoffnung, die in uns ist (1.Petrus 3,15)? Mit dem Risiko, belächelt zu werden?

Zeugnis ist also wichtig – aber alles? Manche theologische Richtungen behaupten allen Ernstes, dass Gottes Gerechtigkeit nur noch eine geistliche sei – sprich: Die Arbeit an struktureller Sünde und die konkrete Linderung der Not des Einzelnen nebensächlich sei und sogar das Evangelium verwässere… doch Glaube ohne Werke ist tot! Und was wir den Geringsten tun – tun wir gleichzeitig Jesus… (Matthäus 25,40). Wer an den einen Gott glaubt, kann nicht umhin, sein Herz für die Schwachen überall zu entdecken! Doch auch diese Kritiker eines diakonischen Elements haben in einem Recht…

Auf der anderen Seite gibt es nämlich die Christen, die helfen und anpacken und Schwachen helfen – und damit ganz nah am Herzen Gottes sind, aber verpassen, dass Sünde (Trennung von Gott) das größere Problem und Verlorenheit schwerwiegender ist als Armut und Krankheit! Trotz allem gilt: Hilfe ist wichtig. Die Menschen durch Gottes Augen sehen und kreativ anpacken, das ist dran. Denn von Christen, die nur klug reden können, haben die Menschen nichts und auch genug. Ihnen aber nicht deutlich und verständlich Hoffnung und Rettung weiter zu geben – das ist fahrlässig.

Also bitte – ein Spannungsfeld und was für eins. Mein Traum: Nah dran am eigenen Umfeld, mitten drin in der Welt um einen herum, mit einem offenen Ohr für das Reden des Heiligen Geistes. Dann: kreativ, leidenschaftlich, zielgenau anpacken und helfen. Als Einzelner. Als Gemeinde. Das Ohr für den Kummer der Nachbarin. Das Aufpassen auf das Kind der Alleinerziehenden… Und dabei einladen – zum Festmahl des großen Königs. Beides zusammen entwickelt Sprengkraft, die eine Gesellschaft heilsam erreicht. Ein kleines kreatives Beispiel zeigt folgendes Video über eine Drecksbrücke… mit kleinen Mitteln und viel Herz etwas erreichen… (gefunden bei Kollegen Christoph Schmitter, danke!)

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6 Antworten zu “Kreativer Dienst am Menschen: Ein notweniger Paradigmenwechsel

  1. Ja, auch wenn eine Seite allein von diesem Spannungsfeld für sich genommen schon schwierig genug ist: Beides! Beides! Beides!
    Klasse Video! Klasse Aktion! 🙂

  2. Andere Spannung:
    Würde ich es auch wagen zuzugeben, das ich dem „Geringsten“ vielleicht auch was Gutes tun willl, um mich bei Jesus beliebt zu machen, also eigentlich mich zu erheben?
    Kann ich Jesus bitten, mir zu helfen jemand tatsächlich zu lieben, der Hilfe braucht und es zu ertragen, dass „der Geringste“ gar nicht die Hilfe möchte, die ich ihm anzubieten gedacht hatte, sondern vielleicht viel lieber Geld für Alk will?
    Das es meistens nicht in einer spektakulären Rettungsaktion (quasi eine Nächstenliebaffäre) getan ist, jemand zu helfen und danach wieder in Deckung (z.B in der Gemeinde) zu gehen, sondern es notwendig sein kann, vertraute Komfortzonen zu opfern um unangenehmen „Geringsten“ eine vielleicht nur kleine Chance auf Rettung zu bewahren (Demut?)?
    Was ich auch sagen will, die Spezialeinrichtungen (Sonderschulen, Heime) gibt es nicht (nur) um Menschen zu helfen, sondern auch, um es anderen Menschen schöner zu machen. Ist weniger eklig, weniger Störungen, weniger schlechtes Gewissen, die Kinder in der Schule werden nicht aufgehalten. Satt, sauber und gute Nachricht sind sichergestellt = „vermuffte“ Diakonie
    Sorry, wenns nicht passt, mußte aber auch mal raus.
    Grüße
    Peter

  3. Klasse Video. Klasse Anregung, beides (Blog, Video).
    Ich beginne immer mehr, die Spannungen zu mögen. Auch wenn sie mich von der Komfortzone wegholen. Aber Gott gibt mir schon das richtige Schuhwerk dazu, damit ich losgehen kann.

  4. Ist nicht auch ein Problem, daß wir die Diakonie zu sehr institutionalisiert haben? Da sind Leute, die können das viel besser als ich, die werden (auch von mir…) dafür bezahlt, das zu tun, die kümmern sich schon… also brauch ich mir nicht mehr selbst den Buckel krummzumachen…?

  5. Hallo Wegbegleiter,

    ich finde es sehr schön, dass Du das zusammenbringst, was zusammen gehört. Der Heilige Geist beruft Menschen in verschiedene Dienste. Wir brauchen alle Dienste, alles hat seine Zeit. Die Diskussion, ob Diakonie oder Verkündigung wichtiger sei, ist sehr ermüdend. Eigentlich halten sich beide gegenseitig am Leben. Du beschreibst es als Spannungsfeld. Es ist interessant sich den Sachverhalt „Spannung“ näher anzuschauen. Denn sehr oft wird Spannung mit negativen in Verbindung gebracht: es gibt die Verspannung und die daraus folgenden Schmerzen, die Anspannung, die einen schon fast lähmt und ein Spannungsfeld deutet oft innere Zerrissenheit an.
    Doch Spannung hat auch eine positive Seite.
    – Der Spannungsbogen einer Erzählung hält die Zuhörer wach und Aufmerksam.
    – Spannung sorgt für Gleichgewicht und Stabilität – das wird jeder, der schon ein Zelt aufgebaut hat, bestätigen.
    – Neben einer guten Choreografie braucht ein Tänzer Körperspannung, denn die verleiht dem Tanz Ausdruck.
    – Und auch in meinem Sport weiß ich, dass die richtige Dosis Spannung zum richtigen Zeitpunkt einem ermöglicht, das angestrebte Ziel zu erreichen und z. B. ein Brett zu zerschmettern.
    In diesem Sinne: ein Toast auf die Spannungsfelder.

    P.S. Vielleicht sollten wir uns öfter die Wirkungsweise der Pole anschauen? In dem Falle also die Frage stellen, wie Diakonie und Verkündigung einander unterstützen können.

  6. „Sind sie zu stark, seid ihr zu schwach.“ – Dem von mir geschätzten Peter Scholl-Latour ist mit diesem Satz gelungen, die Selbstvergessenheit unserer Nation in eine Gleichung zu übertragen, die sie quasi spiegelbildlich in Beziehung zum Fortschreiten des Islam hierzulande setzt. Worin besteht sie? Im Kern in der Selbstvergessenheit ihrer Kultur(-güter) resp. Struktur(-merkmale); darüberhinaus ihrer Geschichte, entlang derer das Identitätsbedürfnis unserer Gesellschaft zum Ausdruck kommt, kommen kann. Wer sind wir? Ein Volk, das seine Kulturelemente als Bezugsgrößen nationalen Selbstverständnisses ignoriert, wird ein Fragezeichen bleiben, welches alsbald andere beantworten werden – und der Christ, der dies verkennt, Signum der Verantwortungslosigkeit.

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