Ja, wie denn: Die Seele baumeln lassen

[picapp align=“right“ wrap=“true“ link=“term=balance&iid=5066053″ src=“http://view2.picapp.com/pictures.photo/image/5066053/businessman-doing/businessman-doing.jpg?size=500&imageId=5066053″ width=“234″ height=“352″ /]Überhaupt erst mal: Dauernd lässt irgendwer die Seele baumeln und Angebote wollen uns dazu verhelfen. Irgendwie nervt dieser Spruch ja auch. Wo kommt eigentlich dieser seltsame Satz her?

Von Kurt Tucholsky aus seinem „Schloss Gripsholm“. Also noch recht frisch eigentlich. Dabei klappt das nicht. Seele baumeln lassen. Menschen arbeiten sich zu Tode (und amüsieren sich parallel zu selbigen) und fahren dann in den Urlaub und wollen die Seele baumeln lassen und stellen fest: Es geht nicht.

Im absolut lesenswerten und quergedachten Ansatz zum Thema Erschöpfung und Burn Out von Horst Krämer heisst es:

„Auch fünf Wochen werden bei diesem Versuch der Entspannung nichts bringen. Man wird durch Nichtstun nicht munterer, vor allem wenn einem bei der Rückkehr ins Alltagsleben das Gleiche erwartet, das man bisher schon als energieabsaugend empfunden hat. Die Lösung liegt in Aktivität und im Wechsel von Anspannung und Entspannung…“ (S.59)

Es geht also um Mikrorhythmen. work-life-balance ist ja auch so ein blödes Wort, das suggeriert, dass work nichts mit life zu tun habe! Das Gegenteil ist der Fall. Es ist quer durch alle Lebensbereiche essentiell, Rituale, Hobbys, Passionen, Inhalte, Aufgaben, was auch immer zu finden, die einem die Möglichkeiten geben, aktiv zu entspannen. Und spielerisch zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln. Auf der Arbeit. Jenseits der Arbeit.

Was das „Seele baumeln“ vernachlässigt, ist, dass es eine geistliche Dimension gibt, die essentiell ist. Ich kann noch so sehr die Seele in den Mittelpunkt stellen und anspannen und entspannen (also Gefühle, Verstand, Willen entspannen noch und nöcher), wenn nicht mein Geist seine Grundverbindung zu Gott hat und genießen kann, werde ich in einem entscheidenden Bereich auf Dauer leer laufen. Und letztlich: Was hätte man davon, wenn man das Leben perfekt ausbalanciert und dennoch die entspannende Perspektive auf eine herrliche Ewigkeit, die bereits hier beginnt, niemals findet? Nix. Eben.

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5 Antworten zu “Ja, wie denn: Die Seele baumeln lassen

  1. Ich denke, daß es – wie im letzten Abschnitt beschrieben – eine Frage der Perspektive ist. Wer keine hat, ist schnell dabei, Qualität durch Quantität zu ersetzen.

  2. Wenn mein Geist in Gott ruht, dann hat Gott mir die Gnade gegeben, das ausruhen zu erkennen und auch genießen zu können – mein erster Gedankenansatz.
    Wenn ich in meinem Verhältnis mit ihm ruhen kann, werden mir alle Dinge „zum besten dienen“, weil ich meine bisherigen Adamsansprüche/Vorlieben abgebe und mich altes Ich aufgeben kann. Was mir gut tut. Was mir viel mehr gibt, als die Werbung und die Umwelt mir einhämmern will.
    Hierzu auch das gute Buch von Thurman als Empfehlung: Lügen, die wir glauben – der Grund Nr. 1 für unser Unglücklichsein.
    Hat mir in vielen Bereichen meine geistlichen Augen neu geöffnet.
    Tschakka – frischer Wind weht in meine verweichlichten Gebeine.

  3. Tja, nur wie diesen Mikrorythmus finden? Das er existiert ist keine Frage. Dieser Rythmus ist wie ein Taktschlag, der unser Leben ins Gleichgewicht bringt, dominiert vom heiligen Geist. Da beständig dran zu bleiben ist gar nicht so leicht. Zweifelsohne komme ich dann schnell wieder auf das Thema „Loslassen“… Nämlich wenn ich selber versuche diesen Taktschlag zu erzeugen, klappt es wieder mal nicht.

    Der Glaube soll sich bewähren, wie Silber und Gold geläutert wird… Das heisst dann wohl, dass ich die Umstände zwar nicht hinnehmen muss, sondern sie als Test für meinen Glauben annehmen darf. Allerdings ertappe ich mich oft dabei, dass Umstände mich von meiner „Ewigkeitsmotivation“, mein Leben aus dem Geist führen zu wollen, losreissen. Anspruch und Wirklichkeit – Theorie und Praxis…. Schwierig, aber nicht hoffnungslos – Gott sei dank!

  4. Gedanken zur Metapher:
    Wenn man sonst jemanden „baumeln lässt“, ist das eine Hinrichtungsmethode.
    Gut baumeln kann nur, was gut festgemacht ist. (Noch schöner bei dem neudeutschen „Abhängen“ zu erkennen.)

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