Real und auch seelisch: Wenn man im Schlamm festsitzt

Gestern war hier nicht nur Hochwasser in Eschweiler und es wurde in der Euregio (so nennt man das wunderschöne Grenzgebiet Holland – Belgien – Deutschland) nicht nur fleissig evakuiert und gesperrt und überschwemmt. Es passieren auch ganz kleine Dinge…

Ich hole meine Kids wegen des strömenden Regens mit dem Auto vom Kindergarten ab. Beim Ausparken fährt sich unser Berlingo im Schlamm des Parkplatzes fest, keine Chance, rauszukommen. Grummel. Also zu Fuß zurück, ich ohne Jacke, durch den Regen nach Hause. Ich hochgradig genervt. ADAC gerufen. Der sagt: Rausziehen machen wir nicht, kostet viel Geld.

Ich: Freund und Gemeinde-Mitleiter Norbert angerufen. Und sofort spannte sich ein Schutzraum auf, ich wurde ruhiger, er war ruhig, eine halbe Stunde später haben wir mit viel Lachen innerhalb von 5 Minuten das Problem gelöst. Ein Citroen befreit den anderen. Plötzlich verlor der Schlamm seine Bedeutung bzw. Bedrohung und man konnte geradezu über ihn schmunzeln…

Für mich war die seelische Parallele deutlich sichtbar. Denn wohl jeder Mensch fährt sich in seinem Leben ab und an auch mal seelisch im Schlamm fest. Und dann? Gibt es dann einen echten Schutzraum, echte Gesprächspartner, die mit großer Zartheit und Liebe zuhören und begleiten? Ich habe Gott sei Dank (und das meine ich wörtlich) solche Menschen und darf für andere Menschen ein solcher Begleiter sein. Wenn ich mit Therapeuten rede, so haben diese monatelange Wartelisten… Menschen zahlen viel Geld (bzw. die Gesellschaft), damit andere Menschen helfen und zuhören.

Gut, dass es sie gibt – aber es zeigt auch, wie wertvoll gelebte christliche Gemeinschaft ist. Eine echte Mangelware in unserer Gesellschaft. Und dass Gemeinde, die nicht auf alltäglicher Ebene leben kann oder will, einander Begleiter zu sein in Schlammphasen, einen wichtigen Lebenszweck von Gemeinde verpasst. Schlammphasenbegleitung ist nicht nur Sache von professionellen Pastoren, Diakonen etc…

Ich bin sooo dankbar, solche Gemeinschaft zu erleben und anderen Menschen das sein zu dürfen. Wenn sich Seelen berühren, wenn der Schlamm zur Seite geräumt, wenn Heilung sichtbar wird, wenn Tränen fließen dürfen, wenn gemeinsam Gottes Reden und Eingreifen erlebt wird, dann hat sich einer der tiefsten und zartesten Zeichen des Reiches Gottes mit großer Macht gezeigt!

Ich wünsche dir diesen Schutzraum, in dem du Schlammbegleitung findest und anderen im Schlamm Begleiter sein kannst.

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