Psychosomatik: Die Angst presst das Herz zusammen

Nach meiner Kur bin ich sensibler geworden für die engen Verknüpfungen zwischen Körper und Seele/Herz. Schon in der Seelsorge gilt: Der Körper spricht unmittelbar die Wahrheit, dann folgen die Emotionen, dann erst die Gedanken. Letztlich müssen wir oft bei den Gedanken ansetzen, um auch körperlich etwas zu ändern (neben einem pfleglichen und liebevollen Umgang mit dem eigenen Körper – für Leibverachtung ist im christlichen Glauben kein Platz!); unmittelbar durch alle Ebenen der Heilung geht es aber, wenn wir Gott an unser Herz lassen…

„Die Angst presst mir das Herz zusammen – mach mich frei, nimm den Druck von mir!“

Dieses Gebet stammt nicht von einem überarbeiteten Manager, sondern von David (Psalm 25,17) und hat schon ein paar Jahrtausende auf dem Buckel. Faszinierend, nicht? Mein Blick blieb darauf hängen, als ich ihn gestern zusammen mit einer Frau in der Seelsorge gelesen habe. Wie weise und klug haben die Autoren der biblischen Bücher damals von Gott inspiriert geschrieben!

Doch wie wird man Angst los? Zuerst – das zeigt der Vers oben – indem man sie benennt, wahrnimmt, vor Gott unverblümt ausspricht. Warum nur versuchen immer noch so viele Menschen (mich manchmal eingeschlossen), Ängste (ich rede jetzt von Alltagsängsten, nicht von krankhaften Angstzuständen!) selbst zu tragen, zu kontrollieren, zu beseitigen (durch stark sein, was auch immer das heißt), wenn es jemanden gibt, der sie uns bereitwillig abnimmt? Denn da sagt ein anderer Vers, der ist nun vor 2000 Jahren geschrieben:

Wo die Liebe regiert, hat die Angst keinen Platz; Gottes vollkommene Liebe vertreibt jede Angst. Angst hat man nämlich dann, wenn man mit einer Strafe rechnen muss. (1.Johannes 4)

Wir brauchen so sehr diese Liebe des Vaters, die uns kein Mensch geben kann und die er so gerne und bereitwillig weiter gibt. Angst hat nämlich mit Strafe zu tun. Angst, dass das Leben uns bestraft, die Chefin oder der Chef, der Partner, manchmal Angst, dass man sich selbst bestrafen muss, weil man „es wieder mal nicht geschafft hat“. Dabei ist die Angst selten materiell, sondern vielmehr Angst vor Ablehnung, Entwürdigung, Herabsetzung… Angst lähmt, Liebe befreit und vertreibt die Angst mit Leichtigkeit.

Alles aber fängt damit an, dass wir die Angst benennen, vor Gott tragen und ihm unser Herz hinhalten und ihn bitten, uns mit seiner Liebe zu füllen. Dass wir fest darauf vertrauen, dass es Gott nicht um Strafe geht (das erzeugt ja wieder Angst!), sondern um Liebe, Beziehung, Versöhnung, Intimität.

Nach dem Neuen Testament verliert sich jede Angst bei dem, der die absolute Liebe ist und der uns nie fallen lässt. Bei dem Vater-Gott, wie ihn uns Jesus gezeigt hat. Und dann passiert es plötzlich, dass wir wieder freier atmen und aufrechter gehen können!

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