Verletzend und fatal: Wenn Zärtlichkeit fehlt

Gestern im Fernsehen: Präsident Obama und Chinas Präsident Hu Jintao stehen stocksteif nebeneinander und demonstrieren Wichtigkeit und vermeintliche Einigkeit. Man meint zu spüren, wie unwohl sich der sonst sehr körperlich auftretende Obama fühlt.

In einem Erziehungsforum über chinesische Erziehung gelesen. In China ist es unüblich, seine Kinder zu knuddeln, zu herzen, zu umarmen, zärtlich zu ihnen zu sein… Disziplin, Distanz…

Es gab vor unter Kaiser Friedrich II einen grausamen Versuch, den sogenannten Kaspar-Hauser-Versuch: Säuglinge wurden gut versorgt, erfuhren aber keine Zuwendung. Sie starben nach kurzer Zeit.

Nun brauchen wir gar nicht darüber nachzusinnen, was geschieht, wenn eine Weltmacht wie China solche Menschen hervorbringt… kehren wir vor der eigenen Tür. Auch bei uns ist Zärtlichkeit, Nähe, Raufen, Knuddeln, Knutschen gegenüber den Kindern – von Mutter und Vater – mehr geworden, aber anscheinend immer noch zu wenig. Oft wird sie nach der Masche abgetan: Hab ich auch nicht gehabt, hat mir auch nicht geschadet. Achja? Klar, man lebt…

Aber ein gesundes und ganzheitliches Leben, das den Körper nicht zum Objekt (also weder in den Mittelpunkt stellt und vergöttert, noch als sterbliche Hülle degradiert, die zu funktionieren hat) macht, sondern wertschätzt, ist so nicht möglich…

Die Folge:

  • Körpersignale werden ignoriert, gerade von Männern, aber immer mehr auch von Frauen
  • Sex verkommt zur Ware, zur Leistung, man trennt ihn von der Seele, produziert Sex-Techniken (die Kälte dieses Begriffes spricht Bände)
  • Freizeit-Sportler quälen sich nicht mit, sondern gegen ihrenKörper
  • Es wird wegen der „Schönheit“ herum geschnibbelt und gespritzt
  • der Körper wird an Idealbildern zerrieben, die photoshop-bearbeitete Phantasiemenschen definieren
  • Männer wie Frauen betrachten sich zunehmend nur noch wertend und vergleichend, die zärtliche Gelassenheit verschwindet
  • das Alter wird zur Bedrohung, Falten zum Feind, ewige Jugend zum Ideal, bis wir umgeben sind von Untoten, von Zombies, die krampfhaft versuchen, wie 25 rüber zu kommen, obwohl sie 70 sind – und dabei die Schönheit und Würde des Alters verpassen.

Das alles ist in dieser Extremausprägung einfach nur krank!! Aber kaum einer sagt es mal deutlich. Weil: dahinter steckt schwerste Industrie. Schönheit, Sex, Sport – das sind Wachstumsindustrien ohne Ende.

Die Lösung? Starke, selbstständige Menschen, die (1) Grenzen kennen und Nein sagen lernen und (2) ihren Körper lieb gewinnen und integrieren in die Selbstwahrnehmung und ihn eben nicht benutzen und verbrauchen! Da ist ganz viel Heilung möglich – und wir Eltern können ganz viel für unsere Kinder in diesem Bereich tun!

Und das Beste kommt zum Schluss. Denn genau das lebt der christliche Glaube vor – entgegen der Volksmeinung, die eher von verdrehter christlicher Tradition geprägt ist. Den Körper, die Schönheit, die Sexualität lieb zu haben, wert zu schätzen, aber nicht zu vergöttern.

  • Jesus umarmt und knuddelt die Kinder, bevor er sie segnet – was für ein unübliches Verhalten für einen Rabbi, einen Meister damals!
  • Paulus fordert Eheleute auf, Sexualität zu pflegen und zu genießen, weil es die Ehe stärkt und gut tut!
  • Johannes ist es wichtig, zu erwähnen, dass sie Jesus nicht nur gehört haben und gesehen, sondern auch berührt – er hat traurig seinen Kopf an die Brust Jesu gelegt…
  • Das Hohelied feiert Sexualität voller Zärtlichkeit, Respekt, Ehrerbietung und Treue voreinander, aber auch ganz leidenschaftlich und ohne Tabus!
  • Und nicht zuletzt die sogenannte Inkarnation. Gott wird Mensch in Jesus. Und zeigt damit das Unglaubliche: Dass das Leben in einem Körper auf dieser Erde gefüllt von Gottes Licht gut ist. Wertvoll ist. Nicht vergeistigt werden darf.
  • Gott zeigt sich uns als Abba, als Papa, der sich uns zärtlich zuwendet und alles gibt, damit seine Menschen wieder Intimität mit ihm haben.

Egal wo du stehst und was du in diesem Bereich empfangen oder eben nicht empfangen hast: Heilung ist möglich. Glaube nicht, dein Körper sei unwichtig, er spricht am deutlichsten. Und: Geben wir doch diese Zärtlichkeit, diesen Respekt vor dem Körper zusammen mit der Kraft, Grenzen zu ziehen an unsere Kids weiter! Sie werden es brauchen!

Advertisements