Mauern ums Herz: Wie Befreiung geschieht (Teil 1: Mauern erkennen)

Mauern.

Jeder Mensch hat Mauern um sein Herz gebildet. Mehr oder weniger. Gerade wenn man meint, ganz stark zu sein und cool durchs Leben zu gehen, ist die Wahrscheinlichkeit nicht gering, dass da dicke Mauern sind. Denn eigene Stärke und Unverwundbarkeit verhindert gerade, dass wir die Mauern erkennen. Aber man kann sie bemerken – von außen und von innen. Wenn man hinschaut. Einige Hinweise (nicht alle müssen zutreffen, sieh die Liste eher als Spiegel für dich)

  • Du hast dein Leben im Griff, willst die Kontrolle behalten.
  • Du lässt Menschen nicht gerne nah an dich heran und wenn jemand dich hinterfragt, wirst du nervös und du fühlst dich schnell angegriffen.
  • Du wirkst auf Außenstehende cool und stark.
  • Du hast Schwierigkeiten, Komplimente und Lob anzunehmen, es prallt an dir ab (nein, an den Mauern), du hast auch Schwierigkeiten, Gefühle differenziert zu äußern. Wärme und Herzlichkeit weiter zu geben. „Emotionales Gesülze – Kopf ist wichtiger als Herz…“
  • Vielleicht bekommst du das aber in den Griff und schreibst bzw. sprichst sogar liebevolle Worte. Aber diese sind angelernt, nicht emotional gedeckt. Du weißt, dass ein anderer sie hören will, aber du fühlst sie nur bedingt. Wahrscheinlich eher ganz leise, wie ein Ruf aus weiter Entfernung.
  • Du empfindest über manche Dinge in deinem Leben Bitterkeit, ja Hass, der sich aber auch in kaltem Hass äußern kann, einem Hass ohne Feuer. Auf dich selbst, auf andere…
  • Du hast Schubladen. Der ist unästhetisch, der ist zu dick, der zu dumm, dem fehlt dieses, der jenes. Du misst dich selbst und andere unbarmherzig an Idealvorstellungen.
  • Du hast Schwierigkeiten mit dem Thema Tod und dem älter werden.
  • Du verdrängst manches, um „durchzukommen„.
  • Du benutzt dich selbst, um zu funktionieren und nimmst dich selbst nicht gut wahr. Dein Körper wird zum Objekt, du hast einen Körper, anstatt dass du (wie es auch biblisch angemessen wäre) auch Körper bist.
  • Auch die Gefühlswelt ist undifferenziert, fast verborgen. Manchmal platzt sie heftig heraus, fast brutal, dann hat sich ein Gefühl über die Mauer gekämpft. Die vielen zarten und feinen Gefühle – ersticken hinter hohen Mauern.
  • Du brauchst manchmal die Extreme, um dich zu spüren. Körperliche Extreme, extreme Sportarten, extreme Filme, extreme Härte, extreme Sexualität – was auch immer – geben dir das Gefühl, dich zu „spüren“ – dabei ist das eher der Schrei der vielen kleinen Gefühle in dir: Nimm mich endlich wahr!!! Die Extreme verschlechtern die Schieflage eigentlich nur weiter…, weil sie ein „spüren“ vorgaukeln, dass so nicht existiert.
  • Du denkst sehr stark funktional, sprich: der Laden muss laufen. Ich und andere haben ihren „Job“ zu machen, dann finde ich sie gut! Schwäche, Empfindsamkeit, Versagen – sind dir zuwider.
  • Du neigst zur Selbstverletzung. Körperlich wie seelisch. Du hast Stimmen im Kopf, die dich runtermachen und bewerten.
  • Du hast dich selbst im Mittelpunkt, denn du musst dich permanent schützen und deine Mauern stärken. Und selbst, wenn du anderen dienst, zum Beispiel in deinem Beruf, geht es dabei eigentlich….: um dich.
  • Wenn du Schuld auf dich lädst, dann kapselst du sie ein hinter deinen Mauern, denn du hast Angst um Vergebung zu bitten und dich so verletzlich zu machen. So entwickelst du immer mehr Fassaden, die das Leben anstrengend machen…

Na, an manchen Ecken wieder erkannt? Vermutlich. Ich auch. Die Beschreibung macht aber deutlich: Mauern ersticken buntes, leidenschaftliches, kreatives Leben. Sie entbinden dich emotional von deinen Mitmenschen, aber auch: von Gott. Mauern machen aus dem bunten Blumenstrauß Leben mit seinen Aufs und Abs, mit seiner Niederlagen und Triumphen eine öde Monokultur, die zudem unheimlich anstrengend ist. Selbst wenn man ab und an Extreme auslebt. Und: Mauern machen krank. Wer seinen Körper und seine reiche Innenwelt dauerhaft verbirgt, läuft leer, brennt aus, wird müde, irgendwann aggressiv, irgendwann depressiv…

Lass es nicht soweit kommen. Die Mauern um das eigene Herz zu erkennen und abzubauen, bzw. abbauen zu lassen, das ist eine der zentralen Befreiungsaufgaben in der Seelsorge (und in schweren Fällen der Therapie). Du brauchst keine Angst zu haben. Gott liebt es, deine Mauern zu beseitigen. Er will deine Freiheit. Doch dazu mehr beim nächsten Blog-Post.

Ein Ermutigungsvers zum Abschluss: Mein Plan mit euch steht fest: Ich, Gott, will euer Glück, und nicht euer Unglück. Ich habe im Sinn, euch eine Zukunft zu schenken, wie ihr erhofft! (Jeremia 29, 11)

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