Eine grundlegende Unterscheidung: Falsche Stärke – echte Stärke

Immer wieder treffe ich in der Seelsorge und auch in meinem ganz alltäglichen Leben auf diese wichtige Unterscheidung. Was ist echte Stärke? Beides fühlt sich im allerersten Moment gleich an – aber schon nach kurzer Zeit spürt man die Dynamik echter Stärke, die sich in Gott gründet… ich möchte aus der Praxis für die Praxis ein paar Unterscheidungen treffen:

  • Falsche Stärke hat das ICH im Mittelpunkt – echte Stärke fokussiert sich auf Gott, der durch das ICH handeln will
  • Falsche Stärke ist hart und leugnet Wunden und Verletzungen – echte Stärke integriert Wunden und Verletzungen und bleibt weich und verletzbar, sensibel…
  • Falsche Stärke ist oft abhängig von Äußerlichkeiten (läuft es rund, bin ich stark) – echte Stärke hat eine andere Wurzel und ist nicht von Erfolg oder Niederlage abhängig.
  • Falsche Stärke verzweifelt an Krankheit, Unsicherheit, Niederlage – echte Stärke weiß sich inmitten dieser Dinge geborgen in Gott und startet durch mit großem Vertrauen
  • Falsche Stärke baut auf eigene Kraft und schwindet mit kleinerer Kraft – echte Stärke ist unabhängig von eigener Kraft, im Gegenteil: Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig
  • Falsche Stärke misst sich an dem, was andere denken (bin ich gut, bin ich schön, bin ich erfolgreich?) und verzweifelt, wenn dies nicht gelingt – echte Stärke weiß nur eins: ein Mensch, der zu Gott gehört ist ein Königskind und über ein Königskind richtet niemand, nicht mal man selbst! (1.Kor 4,3)
  • Falsche Stärke basiert auf inneren Mauern und falschen Sicherheiten – echte Stärke lässt alle Mauern fallen und vertraut auf das Einzige, was letztlich Bestand hat bis in die Ewigkeit zum Festmahl: Gott, wie ihn uns Jesus Christus als vergebenden Vater zeigt.
  • Falsche Stärke ist verkrampft, denn sie will sich beweisen, will etwas erreichen, will auf eine bestimmte Weise rüberkommen – echte Stärke ist ein Nebenprodukt voller Gelassenheit, weil ein Mensch sich selbst, seine Wunden und Verletzungen, seine Gaben und Grenzen, seine dunklen Flecken kennt und trotzdem weiß: ich bin geliebt!
  • Falsche Stärke überspielt Körpersignale und das Schreien der Seele (was mich nicht umbringt, macht mich härter!) – echte Stärke nimmt beide sehr ernst, weil erst im harmonischen Zusammenspiel volle Kraft entstehen kann, wenn Gott durch sie wirkt
  • Falsche Stärke bietet anderen Menschen keinen Schutzraum, denn Verletzte und Fragende spüren die Härte und Unnahbarkeit – echte Stärke spannt in ihrer Verletzlichkeit einen Schutzraum auf, in dem man sich verstanden und wohl fühlt…

Was kann man nun machen, wenn man voll von falscher Stärke ist? Eigentlich nur eins: Um Vergebung bitten beim liebenden Gott-Vater. Denn eigene Stärke heisst automatisch gelebte Gottlosigkeit. Wer sich selbst genügt und es „drauf“ hat, der benötigt keinen Gott. Nach der Vergebung die Bitte: Herr, hilf mir, meine Wahrheit zu sehen und von dir her alles zu erwarten. Deine Stärke, deine Gedanken, deine Weisheit, deine Gefühle…! Im festen Wissen: Wer Gott in sich groß macht, der erlebt eine Stärke, eine göttliche Macht durch sich hindurch, die alles vorher erlebte in den Schatten stellt.

Ganz persönlich: Ich habe heute morgen (20.2.) am Rande der Kraft und Belastungsfähigkeit eine Predigt gehalten über die verletzte und von Männern verachtete Frau am Jakobsbrunnen. Ich dachte: Mann, war ich unkonzentriert und was habe ich gekämpft und mich schwach gefühlt… hinterher dann wieder einmal die Überraschung. Gott hat gewirkt, mails, Gebet, Tränen, Heilung von Wunden… und ich werde ganz still, weil ich erkenne: von dieser Stärke möchte ich mehr – von meiner aber weniger.

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