Verantwortung übernehmen: Meine Verantwortung – Gottes Verantwortung

Mal ein knackiges Zitat vom dänischen Erziehungsspezialisten Jesper Juul:
»Es ist eine reale Herausforderdung, (…) dass jeder von uns für sein eigenes Leben verantwortlich ist – für unsere Emotionen, unsere Gedanken, für unser Sein. Denn es ist erschreckend: In dem Augenblick, in dem du Verantwortung übernimmst, wirst du mit deiner elementaren Einsamkeit konfrontiert. Ich kann niemanden für mein Leben so wie ich es lebe, beschuldigen – ich kann mich zwar auf meine Kindheit beziehen und sagen, dies oder jenes hat mich sehr beeinflusst, aber ich weiß, ich kann mich damit nicht herausreden die Verantwortung für mein Leben trage ich alleine und niemand sonst!
Und in diesem Zusammenhang steht der Mensch vor einer existentiellen Wahl und hat zwei Möglichkeiten: Will ich verantwortlich sein für mein Leben, oder will ich ein Opfer sein?«  (Jesper Juul, ‚Aus Erziehung wird Beziehung‘, S 32, Herder spektrum, 2005)
Grandios auf den Punkt gebracht aus nicht explizit christlicher Sicht. In einer Opfergesellschaft, in der alle gerne auf andere zeigen und sagen: „Der da ist schuld an meinem Zustand“ ist dieser Gedanke grundlegend und heilsam: „Übernimm Verantwortung!“. Die Wunden deiner Vergangenheit sind traurig, tragisch, schlimm und erklären viel von dir. Aber da darfst du nicht stehen bleiben. Verantwortung übernehmen heisst eben auch, aus diesen Dingen zu lernen und sie als Erklärung, nicht aber als Entschuldigung gelten zu lassen.
Diese Verantwortung kann und soll man nicht vorschnell vornehmen. Es geht nicht darum, die Vergangenheit zu überwinden, zu leugnen, hart zu werden, sondern im Gegenteil: aus den Wunden sollen Gaben werden, aus den Tränen Gebete, aus dem Weinen Jubel. Dieser Prozess der Heilung ist aber nur möglich, indem ich liebe, was IST und nicht was sein sollte. Gott nimmt mich an, wie ich bin, schwach, verkorkst, verdreht, verwundet, schuldig. Und dann schickt er mich auf eine herrliche Reise.
Und hier gehe ich weiter als Jesper Juul, der zurecht die elementare Einsamkeit heraus stellt, auf die man trifft,wenn man allein verantwortlich ist. Diese Einsamkeit ist bohrend und deutet auf etwas hin, nach dem wir uns um Herzen sehnen: auf Gott. Nicht weil uns dieser die Verantwortung wieder wegnimmt (dazu kann man Religion immer missbrauchen!), sondern weil er uns in die Verantwortung für unser Handeln holt, aber dann etwas Wunderbares macht: liebt, vergibt, befreit, begleitet, wärmt, wenn es kalt ist in der Seele. Und er übernimmt Letztverantwortung für mein Leben. Egal wie gut mir das alles gelingt – ich erreiche wegen Gott und seiner Liebe eine herrliche Ewigkeit, das Festmahl!
Diese Einsicht kann gelassen machen und Mut geben, endlich Verantwortung zu übernehmen! Gott wünscht sich das – denn nur wer Ver-Antwortung übernimmt, kann auch antworten…
Advertisements