Mauern ums Herz: Wie Befreiung geschieht (Teil 4: Was passiert, wenn man die Wunden Wunden sein lässt und erste Schritte heraus!)

Mein lieber Autorenkollege Thomas Härry stellt in seinem von mir sehr geschätzten Buch „Das Geheimnis deiner Stärke“ fest, dass jeder Mensch, jeder einzelne, ein oder zwei Lebenswunden mit sich herum trägt. Das kann ich so nur unterstreichen. Dass man diese ernst nehmen sollte, was unser Anteil ist und was Gottes Anteil in einem Heilungsprozess, das habe ich in vorherigen Artikeln (ab hier) beschrieben – aber was geschieht, wenn wir uns diesen Wunden nicht gründlich und unter Gottes Liebe widmen?

Jetzt kommt ein Aha-Effekt, der uns den Spiegel vorhält (mich hat er zutiefst bewegt!)… wohltuend, entlarvend und heilsam… Aus Menschen mit Wunden (also aus jedem) werden folgende drei Typen:

  • Verwundete Verwunder. Ich bin verletzt worden. Ich baue Mauern auf, werde bitter, wütend, ärgerlich und beginne… genau dasselbe anderen Menschen anzutun, mit dem ich verletzt worden bin! Das ist das biblische Prinzip von Saat und Ernte. Etwas Zerstörerisches ist in mein Leben gesät worden und wenn es nicht heilt, werde ich die Ernte dieser Saat einfahren und erneut in meinem Leben ausstreuen, so dass andere genau dasselbe abbekommen. Ein trauriges, fatales Prinzip, tausendfach beobachtet. Projektion spielt hier eine entlarvende Rolle: Man ärgert sich bei anderen Leuten über genau das, womit man am meisten selbst kämpft. Und blendet aus, dass man genau das an andere Menschen weiter gibt… ein im wahrsten Sinne teuflischer Kreislauf beginnt, der sich über Generationen fortpflanzen kann, wenn nicht Gott heilsam eingreift.
  • Verwundete Vermeider. Das ist die passive Variante, die nicht weniger kämpft, aber nach innen gewandt und deswegen nicht weniger zerstörerisch. Ein solcher Mensch versucht um jeden Preis, künftige Verletzungen zu vermeiden und geht ihnen aus dem Weg. Der Preis ist hoch. Abkapselung, emotionale Distanzierung, Unnahbarkeit, aber auch Hass und Wut gegen sich selbst, die immer und zwangsläufig irgendwann in die Traurigkeit und Depression führen, wenn sie nicht heilsam berührt werden… Der Vermeider richtet seinen Schmerz nicht nach außen, sondern nach innen – letztlich genauso zerstörerisch, wenn auch gesellschaftlich akzeptierter. Der Mensch, der so lebt, verkrümmt sich in sich selbst…
  • Der verwundete Heiler. Wie sehr wünsche ich dir das und mir… das ist der Mensch, der die beiden ersten Wege durchschaut und erlebt, wie Gott die Wunden heilt. Aber nicht, um die Wunden loszuwerden, sondern um sie zu verwandeln. Denn aus Wunden werden Gaben! Paulus, der große Apostel schreibt: „In allen unseren Nöten kommt Gott uns mit Trost und Ermutigung zu Hilfe, und deshalb können wir dann auch anderen Mut machen, die sich ebenfalls in irgendeiner Not befinden: Wir geben ihnen den Trost und die Ermutigung weiter, die wir selbst von Gott bekommen.“ (2. Korinther 1). Dieser Mann hat haufenweise Probleme, Ablehnung, Verfolgung, Verspottung erfahren und… wächst dadurch, indem er an seinen Wunden heilt und dann genau diese Wunden dazu dienen, anderen zu helfen.

Versuche nicht, deine Wunden loszuwerden – Gott will sie nicht nur heilen, er will sie verwandeln in herrliche Gaben! Er hat viel größeres damit vor, als dir ein entspannteres Leben zu bescheren. Er wird dich heilen – aber nicht für dich allein, sondern dass du in deinem Verwundet-Sein zum Heiler für andere werden kannst. Lehne deine Wunden nicht ab – sie scheinen dich zu blockieren, aber sie werden zu etwas unsagbar Wertvollem, wenn du es der heilsamen Hand Gottes aussetzt! Habe also Geduld, erkenne deine Wunden, nimm sie an und dann… (aber das ist Stoff für eine Fortsetzung…)

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