WDR 2- WDR 5: Meine Radioandacht vom 24.3.2011 – Heilsame Grenzen

Achtung: dies ist die letzte Veröffentlichung der Andachten dieser Woche auf diesem Blog – ich fahre gleich zum Dünenhof nach Cuxhaven und der Wegbegleiter schweigt bis Sonntag (auf twitter nicht..;-)). Aber die Andachten finden sich auch hier…

Ich bin nun im dritten Jahr Andachtenschreiber und -halter für den Westdeutschen Rundfunk – ausgesucht nach einem Casting (ja, gibt es auch da!) der evangelischen Kirche des Rheinlands beim WDR. Als einer der wenigen Freikirchler arbeite ich nun unter dem Label „evangelische Kirche“, aber das ist schon ok, zumal ich mich bestens betreut fühle! Wie sagte mal ein längst vergangener Rennfahrer aus nordischen Landen: „Nur der Inhalt zählt!“. Wem die Andachten hier und da ein wenig bekannt vorkommen – sie finden sich in der Urform hier im Blog wieder, so was nennt man kreative Zweitverwertung! Dem WDR und den Hörern schmeckt’s gut! Wer sie lieber hören als lesen möchte, bitte hier klicken!

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Heilsame Grenzen

Letztes Jahr war ich im November für 3 Wochen in Kur. Erschöpfung, Asthma, solche Sachen. Nach der Kur fragen mich in den letzten Monaten viele Leute: „Na? Gut erholt?“ Und ich kann nur mit der Hamburger Band „Fettes Brot“ sagen: „Äh, Jein!“. Klar, man kommt zum Schlafen (obwohl…), macht mehr Sport (das stimmt), frische Luft (in der Tat). Aber sonst? Habe ich mich gut erholt? Bin ich nun wieder neu belastbar, vielleicht sogar stärker belastbar als vorher?

Mein Fazit mag sich frustrierend anhören, ist aber so ganz und gar nicht gemeint. Ich stelle vor allem eins fest. Meine Grenzen. Ich bin sensibler geworden für Müdigkeit, Erschöpfung und innere Grenzen – die in verschiedenen Rhythmen im Kleinen jeden Tag mal erreicht werden und im Großen wöchentlich, monatlich… in einer gewissen Weise bin ich also schneller an der Grenze als vor der Kur, weil ich sie eben wahrnehme und nicht mehr überspiele, überarbeite, verachte und breche. Da habe ich viel gelernt in den letzten Monaten.

Gott markiert uns Grenzen. Heilsame Grenzen. Er macht das nicht, weil er uns knechten will, sondern aus reiner Liebe zu uns, seinen Geschöpfen. Die Missachtung dieser Grenzen aus einem Leistungsdenken heraus ist oft nichts anderes als gelebter Atheismus. Ich kann das, ich schaffe das auch noch, ich bin stark, mir kann das nichts anhaben, das kriege ich auch noch hin! Mag sogar so sein – schließlich sind wir mit Kraft und guten Gaben ausgestattet und sollen sie auch einsetzen! Aber wo wir so denken und das Leben von uns her betrachten und gestalten, laufen wir auf Dauer leer. Denn das Wachstumsdenken unserer Gesellschaft hat uns auch unbeherrschbare Technologien gebracht hat, wie z.B. Atomkraftwerke: Fukushima ist da nur ein Beispiel. Unser Machbarkeits-wahn, der keine Grenzen anerkennt, raunt uns zu: Streng dich mehr an, achte nicht auf deine Grenzen, überspringe sie! Arbeite härter, werde fitter, du kannst noch mehr schaffen! Und mach dir keine Gedanken über die Konsequenzen. Eine fatale Einschätzung, wie wir jetzt belehrt werden.

Gott zog es vor, einen Tag Pause zu machen nach der Schöpfung – obwohl er es nicht nötig hatte. Wir haben es so dringend nötig, Grenzen zu achten und denken, wir kommen auch so durch? Ich jedenfalls habe es nicht geschafft…Die Angebote des biblischen Gottes sind jedenfalls reine Entlastung und ich zitiere einmal ein paar Entlastungen umgangssprachlich:

  • „Wenn in deiner Weisheit eine Grenze erreicht ist, dann bitte mich, ich gebe sie dir gerne.“(Jakobus 1,5)
  • „Wenn du zu viele Sorgen trägst, dann lade sie bei mir ab.“ (1. Petrus 5,7)
  • „Ich lade dir keine schwere Last auf, sondern eine leichte“. (Matthäus 11,28)
  • „Du darfst zu deiner Schwäche stehen, denn dann kann ich in ihr stark sein!“. (Paulus 3-mal im 2.Korintherbrief!)

Das Faszinierende aber ist: Wer seine Grenzen annimmt, der wird auch Durchbruch erleben. Wer sie aber willentlich durchbricht, der wird auf Dauer daran zerbrechen. Das Versprechen Gottes ist es, dass er – wenn wir zu uns stehen, wie wir sind, einmalige, wunderbare, aber begrenzte Ge-schöpfe – in uns groß werden möchte. Diese Perspektive ist dann wahrhaft grenzenlos und stellt unsere Füße auf weiten Raum!

Ich wünsche Ihnen einen guten und gesegneten Tag. Ihr Pastor Christof Lenzen aus Eschweiler.

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