Mein Gott: Hier ist mein Hass, meine Ekstase, meine Kälte!

Bist du radikal offen gegenüber Gott? Logisch ist das allemal, denn er kennt dich eh in- und auswendig! Aber er drängt sich nicht auf. Er freut sich, wenn du mit ihm alles teilst, was dich beschäftigt.

Aber: kannst du das?

Kannst du Gott für das Glas Wein gestern danken und vielleicht auch um Vergebung bitten für die Gläser zuviel? Kannst du ihm danken für den guten Sex mit deinem Partner? Kannst du ihm den dicken Streit von gestern bringen die Gefühle des Hasses und der Kälte dabei? Kannst du ihm sagen, dass du ihn gar nicht spürst und dass du zweifelst? Kannst du ihm von deinen dunklen Gedanken erzählen, von deinen lichten Gefühlen, von deiner Ekstase und deiner Erfahrung der dunklen Nacht der Seele?

Warum frage ich das? Weil wir ganze Menschen sind und in der Gegenwart Gottes mehr zu Menschen werden. Warum also einen Lebensbereich aussparen? Wenn es dir unbehaglich wurde bei ein paar Fragen dort oben, dann zeigt das an, dass du lieber etwas verbergen möchtest. Oder: dass du Gott mit Banalitäten nicht belästigen möchtest. Oder: dass du glaubst, er interessiere sich nicht für so was wie Gefühle, Dunkelheit und Sex und Wein… du wirst dich wundern, wie sehr ihn das interessiert…

Dahinter steht eine ernste Anfrage: was hast du für ein Bild von dir selbst und von Gott? Sind für dich Körper, Seele, Geist, Gefühle, Verstand – einfach alles, Teil deines Lebens vor Gott ohne Verachtung und Mißachtung eines Teils? So wäre es heilsam und biblisch… und: was sagt das über dein Gottesbild aus, wenn du ihm manches nicht zumuten möchtest, verbergen möchtest, wenn Themenbereiche außen vor bleiben…, wenn er desinteressiert scheint…

Viele Fragen – zugegeben. Dahinter steht aber eine große Freiheit: Ich darf vor Gott sein wie ich bin. Mit meinen Gefühlen, meinem Körper, meinen Gedanken und all der Dunkelheit und den lichten Momenten. Ekstase und Depression… in diesen Spannungsfeldern entsteht die Dynamik der Beziehung zu Gott. Du darfst einfach sein – und er hat ein riesiges Interesse an dir!

Komm und ruh dich aus, lass die Gedanken einfach fliegen… zu ihm. Oder aber: Schrei dich aus! Hau es Gott vor die Füße, was dich belastet und ankotzt! Raus damit!

Jesus jedenfalls – hat es genauso gemacht!

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