Schmerz: Wie wir damit umgehen oder aber eben nicht!

Jede Kultur, aber auch jede Familie lehrt einen anderen Umgang mit dem Schmerz. Schmerz gehört zum Leben. Das Leben ist eben kein Paradies mehr, sondern findet in einer gefallenen Welt statt. Die Frage ist: Wie gehen wir mit dem Schmerz um und gibt es einen Weg der Heilung des Schmerzes? Ja!

Wenn ein Kind, eine Jugendliche, eine junge Frau, ein junger Mann Schmerz erfährt, verletzt wird von Menschen oder vom Leben – dann gibt es Verteidigungsstrategien. Diese sind gut und notwendig, denn man muss in diesem Moment irgendwie überleben… aber sie blockieren das Leben langfristig. Wo findest du dich wieder? Hier die bekanntesten Strategien, die zuerst schützen, dann aber das Leben von innen aushöhlen und unecht machen (nach P. Scazzero):

  • Verleugnung und selektives Vergessen. „Es geht mir gut“, „Ist schon ok, alles bestens!“ oder aber in extremen Vergessen: komplettes Vergessen, eine extreme Form der Verdrängung. Kein Zugang mehr zu bestimmten Erfahrungen.
  • Herunterspielen. „Ja, es stimmt, es ist nicht so leicht gerade, aber ist alles nicht so schlimm.“ „Mein Sohn ist eigentlich ganz prima, ab und zu trinkt er ein wenig zu viel.“
  • Anderen die Schuld geben und Verantwortung abschieben. Die Umwelt ist Schuld, der Chef, die Ärzte, der Pastor etc….
  • Sich selbst die Schuld geben. „Es muss meine Schuld sein, dass Männer mich missbrauchen.“ „Was habe ich falsch gemacht, dass mein Leben so läuft?“
  • Erklärungen. Entschuldigungen, Rechfertigungen, Alibis, um zu erklären, was vor sich geht. „Mein Mann hat es auch schwer, er muss sich entspannen, deswegen trinkt er.“ „Meine Frau hat einfach eine genetische Veranlagung zur Depression – da hilft nichts!“
  • Intellektualisierung. Vom Kopf her relativieren. „Anderen Menschen geht es viel schlechter!“ Gefühlen wird aus dem Weg gegangen…
  • Ablenkung. Man wechselt schnell das Thema, man zieht es ins Lächerliche, um bedrohliche Gespräche zu vermeiden.
  • Feindseligkeit. Wir reagieren wütend und reizbar, wenn ein Gespräch einen bestimmten Verlauf nimmt und schlagen zurück…
  • Betäubung bzw. Flucht. Flucht in den Schlaf, Betäubung durch Essen, Trinken, Pornographie, Medikamente, Karriere und Arbeit…
Im christlichen Glauben findet der Weg der Heilung nicht am Schmerz vorbei statt, sondern mitten hindurch. Dieser Weg ist gegen alle Intuition, gegen das, was man normalerweise macht – aber gerade deswegen so logisch und heilsam, denn nur die Wahrheit macht letztlich frei!
Jesus Christus gelangt durch die Dunkelheit des Todes ins Licht. Durch die Wunden werden wir geheilt und die Wunden werden zu Gaben. Tränen werden verwandelt in Gebete, in Roh-Diamanten… Sich dem Schmerz zu stellen, ihn auszuhalten und IM Schmerz Gott zu erfahren und heilsam berührt zu werden – das ist der Weg! Dafür brauchen wir Schutzräume. Bei Gott und bei Menschen, die uns diesen Gott bringen…
Bleib nicht allein in deinem Schmerz. Und wenn du in den Schmerz hinein gehst, mach es niemals ohne Gott. Denn ER ist der Lehrmeister, wie der Weg gelingen kann. Damit du hindurch tauchst durch die zähe Dunkelheit ins strahlende, warme Licht.

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