Aber hoffentlich: Sind Christen Idioten?

„Manche Christen sagen „Wenn andere Leute von meinen inneren Kämpfen und Schwächen wüssten, dann würden sie bestimmt nicht mehr Christ werden wollen.“ Aber vielleicht stimmt ja auch das Gegenteil. Wenn die Leute wirklich wüssten, was für Idioten wir sind, wie verletzt und kaputt, dann wüssten sie, dass sie dieser Sache vielleicht auch eine Chance geben könnten…“ (Shane Claiborne)

Welcher Teufel reitet eigentlich manche Christen zu der Annahme, dass Nachfolge Christi eine permanente Aufwärtsspirale im Sieg sei? Stehen wir über unserem Herrn? Musste der nicht durch die Dunkelheit ins Licht? Das wird wohl auch immer und immer wieder unser Weg sein. Sterben, um neues Leben zu finden. Schmerzhaft loslassen, um zu empfangen… In kleinen wie in großen Dingen…

Was klar ist: Wir werden verwandelt in das Bild Christi. Das ist großartig. Aber ist Christus im Laufe seiner Wirkungszeit vom Nobody zum Superhelden mutiert? Wer nun nur auf den Auferstandenen in Macht und Herrlichkeit schaut (und man sollte auf ihn schauen!) und dabei die Fleischwerdung, die Inkarnation vernachlässigt und somit auch unseren Glaubensweg als Nachfolge eben dieses Jesus in seinen Lebensspuren – der produziert unweigerlich ein Ikarus-Problem, verbrennt sich die Flügel und stürzt ab. Liebe Leute: Es reicht, wenn einer Gott ist. Ich bin es nicht. Genauso wenig ist es dem Glauben gemäß, sich selbst permanent in Sack und Asche zu setzen und sich selbst zu kreuzigen, zu kasteien, zu bestrafen – es reicht, dass einer das Kreuz getragen hat!

Aber: Glaube geht nicht an der Realität vorbei, sondern beginnt dort und verwandelt diese. D.h.: Beginne in deiner Zerbrochenheit und in deinen Verletzungen, deiner Dunkelheit, deinem Hass, deiner Lüsternheit egal wo… sonst wirst du keine radikale Veränderung erfahren. Erst wenn du die Wirklichkeit ins Licht stellst, kann Gott an ihr handeln. Nimm ihm das nicht aus der Hand – es ist seine Sache, was er wie und wann verwandelt. Das ist ungemein spannend und entspannend!

Und was ist nun mit dem Herrschen mit Christus? Mit Wundern, Zeichen etc.? Na klar! Die gehören dazu. Wir sollen nicht in unseren Wunden und Verletzungen bleiben und kriecherisch durchs Leben gehen. Aber wir dürfen sie entspannt annehmen und Gott hinhalten und ich bin überzeugt, es gilt: Diese hingegebene realistische Grundhaltung + volle Erwartung in die Kraft des Geistes = Wunder, Heilung, Verwandlung wie nebenher…

Dieses Spannungsfeld gilt es zu leben und nicht aufzulösen – via crucis (Weg des Kreuzes) und via triumphalis (Weg des Sieges, des Triumphs) gehören zusammen und korrigieren sich in ihren jeweiligen Schieflagen!

Wie schön, dass wir sagen dürfen: Jawoll, ich bin ein echter Vollpfosten und Idiot, verletzt und verwundet und manchmal auch dunkel. Und das ist vollkommen in Ordnung so. Denn Gott kann damit jede Menge anfangen und durch mich hindurch, manchmal anstatt meiner, sein Reich bauen. Großartig! Und es könnte sein, dass die Suchenden und Verletzten dieser Welt einen solchen Menschen vorbildhafter und anziehender finden, als eine Lichtgestalt…

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