Wenn Bibel(fehl-)Übersetzungen in die Irre leiten: Zorn und Sünde. Du und die starken Gefühle (Epheser 4,26)

Wenn ihr zornig seid, dann versündigt euch nicht. Legt euren Zorn ab, bevor die Sonne untergeht. (Epheser 4,26, Tageslosung)

Nehmen wir den Vers einmal so, wie er da steht. Ich halte ihn in fast allen deutschen Übersetzungen für falsch übersetzt, aber das kommt weiter unten. Auch so ist der Vers für eher kopfbetonte Westeuropäer revolutionär. Ein paar Beobachtungen – bevor die Bombe in eine andere Richtung platzt…

  • Gefühle sind erlaubt – ja, auch „negative“, gar heftige Gefühle!
  • Gefühle sind im jüdischen Denken auf einer Höhe mit dem Verstand und dem Willen und integriert mit diesen ganzheitliche Erkenntnisorgane Gottes – nicht nur der Verstand!
  • Sünde ergibt sich nicht aus einem „falschen“ Gefühl – sondern erst, wenn dieses Gefühl eine falsche Tat folgen lässt!
  • Gefühle gehören nicht unterdrückt („so darf ich nicht fühlen“), sondern wahrgenommen, genutzt und vor Gott im Gebet oder einem Wegbegleiter ausgedrückt. Nirgendwo schreibt die Bibel, dass Gefühle unterdrückt werden müssen. Das wäre für Orientalen auch schlichtweg unmöglich… 😉
  • Gefühle sind aber eben auch kein Maßstab – manchen Christen wünscht man nichts mehr, als dass sie den Kopf einschalten und den Glauben nicht auf Gefühle aufbauen… aber: Der Glaube fußt genau so wenig auf dem Verstand. Sondern auf Jesus Christus. Und der Heilige Geist in unserem Geist nutzt Gefühle und Verstand und heiligt sie und nutzt sie zur Erkenntnis Gottes.

Soweit so gut. Man kann schon eine Menge Gutes aus diesem Vers heraus holen. Nur: warum übersetzen fast alle deutschen Übersetzungen konditional …?

WENN ihr zornig seid – DANN sündigt nicht…

Die meisten englischsprachigen Übersetzungen übersetzen anders und genau wie die Elberfelder: richtig! Denn vom Grundtext ist es so logischer – nämlich als Aufforderung!

SEID zornig – und sündigt dabei nicht!

Holla, die Waldfee! Und das ist auch erheblich logischer, denn der Kontext ist die liebevolle und direkte Ermahnung in der Gemeinde! Wenn Sünde in der Gemeinde wächst, sollen wir sie ansprechen, damit der Teufel keinen Zugriff auf die Gemeinde bekommt. Paulus ermutigt zum „gerechten Zorn (δικαία ὀργή)“ – denn dieser gibt die Energie, Dinge anzupacken und zu verändern! Der Vers ist also nicht introspektiv gemeint, individualistisch (es geht um meine Gefühle etc…), sondern gemeindebezogen – und: er fordert zum Zorn auf, der verändert! Gleichgültigkeit tötet – Zorn im richtigen Verständnis verändert heilsam!

Also liebe Leute – steht zu den Gefühlen, die der Geist euch schenkt! Seid zornig! Aber sucht dann auch sofort das Gespräch und klärt den Kram! Denn dazu will guter Zorn bewegen!

(Anmerkung: Dieses Blog wird nun für eine Woche schweigen – weil der Wegbegleiter auf der Ostsee unterwegs ist und die Fische füttert…;-)

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Eine Antwort zu “Wenn Bibel(fehl-)Übersetzungen in die Irre leiten: Zorn und Sünde. Du und die starken Gefühle (Epheser 4,26)

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