Barmherzigkeit und Verstockung – vom unverfügbaren, manchmal (für uns) dunklen Gott (Römer 9,16)

Es liegt also nicht am Menschen mit seinem Wollen und Bemühen, sondern an Gott und seinem Erbarmen. (Römer 9,16)

Dieser Absatz um Römer 9,16 herum gehört sicherlich zu den schwierigsten des Neuen Testaments. Er verkündigt sperrig die Unverfügbarkeit Gottes. Es heisst zwei Verse später, dass Gott gegenüber denen, die er erwählt, Barmherzigkeit zeigt und andere Menschen wiederum verschließt… daraus die doppelte Prädestination zu folgern, hieße die Unverfügbarkeit Gottes wieder nur in ein neues System zu pressen… das ist hier aber m.E. nicht im Blick und widerspräche auch anderen Aussagen der Bibel.

Hier ist die absolute Gnade im Blick – und die Unfähigkeit der Menschen, diese zu erlangen durch gute Werke, durch Willen, durch was auch immer. Wie schön erst einmal! Wer zu Jesus Christus steht und ihm einfach vertraut (in aller Unvollkommenheit), der darf sicher sein, Gnade erlangt zu haben. Und diese Gnade hat einen sehr langen Atem – länger als unsere Treue reicht! Dennoch fragen wir sofort: Ist das denn gerecht, dass Gott die einen mit Erbarmen überhäuft und die anderen verstockt… genau diese Frage stellt Paulus auch. Und er beantwortet sie nicht – er wechselt die Ebene…

Er betont, dass diese Frage nicht legitim ist, weil wir damit im Richterstuhl sitzen und Gott anklagen. Alle Menschen haben die Gottesferne verdient. Ein Gedanke, der sicherlich heute nicht angenehm ist und wahrscheinlich nie war. Dabei nimmt Gott nur die Gottesferne des einzelnen Menschen ernst und erzeugt diese nicht! Kurz gesagt:

Erbarmen ist immer unverdient – Verstockung ist immer verdient.

Gott bleibt dunkel an dieser Stelle, geheimnisvoll und unverfügbar, er wird sich nicht in unsere westliche Logik pressen lassen. Aber ganz ehrlich: Wenn wir sagen würden: Meine Frau hat mich zum Mann erwählt – und andere verworfen. Wäre das ungerecht? Nein, Beziehungen sind so! Liebe ist nicht schematisierbar. Erst Recht, wenn Gott – anders als der Partner – ÜBER dem Menschen steht und als Schöpfer das Recht des RICHTERS hat.

Was bleibt – neben einem berechtigten und heilsamen (!) Unbehagen bei jedem Kontrolletti, der alles gerne im Griff haben möchte, auch Theologie und Gott selbst? Glaube als Geschenk. Wir können ihn durch unser Verhalten und Fehlverhalten weder „machen„, noch „verdaddeln„. Diese Heilssicherheit ist wunderbar. Möge sie der Heilige Geist in eine Heilsgewissheit verwandeln…

 

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