Wenn Gott jubelt und sich freut – Gedanken zum Thema Gefühle und Exegese

So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut. (Lukas 15,10, ELB)

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Image by Coubert via Flickr

Vor kurzem habe ich einen Blog-Post über Zorn geschrieben und über dieses manchmal sogar erwünschte und berechtigte Gefühl sinniert. Darauf ließ man sich in einem anderen Forum aus über die typisch zeitgeistliche Gefühlsduselei, von der sich der Autor bei seiner Exegese treiben ließ. Da es heute wieder um starke Gefühle geht – diesmal auf der fröhlichen und jubelnden Seite – ein paar Gedanken zu diesem Vorwurf und zu Gefühlen sowieso..

  • Die Abwertung der Gefühle gegenüber dem Verstand ist griechische Philosophie, aber nicht biblische Theologie. Beide sind „Fleisch“, alte Natur, durch den Sündenfall verkrümmt und werden nun geheiligt. Kein Unterschied.
  • Erkenntnis ist im Biblischen ein ganzheitlicher Begriff (siehe die hebräische Füllung des Begriffes mit dem intimen „miteinander schlafen“) – und kein Verstandesbegriff. Gott erkennen und in der Erkenntnis wachsen, ist dementsprechend ein Vorgang des ganzen Menschen.
  • Bevor man die Zeitgeistkeule heraus holt, muss man sich fragen: Gibt es eine neutrale Bibelauslegung? Nein. Wer nicht durch die postmoderne oder emotivistische Brille schaut, schaut eben durch die moderne bzw durch eine Mischform und die ist nicht besser. Alle Epochen haben schätzenswerte und antichristliche Anteile. Diese zu reflektieren ist wichtig und absolut not-wendig. Meiner Erfahrung nach wird Bibel in Deutschland oft sehr wenig jüdisch, sondern sehr „modern“ und griechisch geprägt analytisch gelesen. Das betrifft den Wahrheitsbegriff, aber auch viele Grundbegriffe des Glaubens.
  • Und mal ganz praktisch: Man nehme einen hypercharismatischen gefühlsbetonten Gottesdienst (der wahrlich nicht mein Ding wäre) und lasse ihn von einem Orientalen beobachten, dann wird dieser mit den Schulter zucken und sagen: Ja, und? Ich glaube kaum, dass wir in Deutschland von der Gefühlsseite vom Pferd fallen. Im Gegenteil: Erst die Unterdrückung dieser Ebene im Erkenntnisprozess und der Glaubensausübung hat als Gegenbewegung zu den teilweise beobachtbaren charismatischen Verirrungen geführt, indem Gefühle nicht eingeordnet und natürlich (aus)gelebt, sondern überbewertet wurden und meines Erachtens auch oft genug eine Gefühlsduselei bis hin zur gruppendynamischen Manipulation praktiziert wurde. So erlebe ich manche charismatische Frömmigkeit als – nunja – zwanghaft emotional und locker. Eben kein entspannter und natürlicher Umgang…
  • Gefühle gehören wahrgenommen, ernst genommen, gelebt, ins Gebet gebracht – sie sollen uns aber nicht regieren! Aber der Verstand ebenso wenig. Sondern der Heilige Geist in unserem Geist.
  • Dass dem Zorn-Artikel im Forum Dinge unterstellt wurden, die nicht drin standen – gegessen. Die Brillen, durch die man liest, öffnen eben recht schnell und reflexartig die üblichen Schubladen. Auch bei mir. Passiert. Leider gerade in Deutschland. Wir lieben das Schwarz-Weiß und nicht die Grautöne.

Heute also Jubel. Vor den Engeln – das heisst: Gott und die ganze Himmelschar jubelt, feiert, strahlt über alle Backen. Wenn ein Mensch umkehrt. Seinen Weg zurück ins Vaterhaus findet. Wie schön! Dürfen wir also auch. Jubeln. Springen wie die kleinen Zicklein – wie es das AT sagt. Gehört zu Gott. Also auch zu uns. Gottesebenbildlichkeit. Wo lebst du das?

 Mit diesem Gedanken und einer Sehnsucht nach natürlicher Emotionalität – vom Geist geprägt – bin ich raus für heute… 😉

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