Von hilfsbedürftigen Frauen, feuchten Schenkeln und dem falschen Verständnis von Sünde

Eine im besten Sinneanregende“ Geschichte:

Zwei Mönche waren auf der Wanderschaft. Eines Tages kamen sie an einen Fluss. Dort stand eine junge schöne Frau mit ebenso wunderschönen Kleidern. Offenbar wollte sie über den Fluss, doch da das Wasser sehr tief war, konnte sie den Fluss nicht durchqueren, ohne ihre Kleider zu beschädigen.

Ohne zu zögern ging einer der Mönche auf die Frau zu, hob sie auf seine Schultern und watete mit ihr durch das Wasser. Auf der anderen Flussseite setzte er sie trocken ab.

Nachdem der andere Mönch auch durch den Fluss gewatet war, setzten die beiden ihre Wanderung fort.

Nach etwa einer Stunde fing der eine Mönch an, den anderen zu kritisieren und herum zu schimpfen: ” Du weißt schon, dass das, was du getan hast, nicht richtig war, nicht wahr? Du weißt, wir dürfen keinen nahen körperlichen Kontakt mit Frauen haben. Wie konntest du nur gegen diese Regel verstoßen?”

Der Mönch, der die Frau durch den Fluss getragen hatte, hörte sich die Vorwürfe des anderen ruhig an. Dann antwortete er: “Ich habe die Frau vor einer Stunde am Fluss abgesetzt – warum trägst du sie immer noch mit dir herum?”

Monk

Image by Daniel Williams via Flickr

Ein zölibatärer Mönch. Und noch einer. Der eine hilft, der andere nicht. Der eine „sündigt“ (innerhalb seines Verständnisses), der andere… nicht?

Kreist der „brave“ Mönch nicht vielleicht viel länger und intensiver um den Gedanken an die Frau mit den feuchten Kleidern auf den Schultern? Dazu noch die Sünde des gepflegten Grolls? Der Abwertung des Bruders? Der unterlassenen Hilfeleistung?

Letztlich mag der helfende Mönch vielleicht sogar für zwei Minuten etwas für ihn „Falsches“ gespürt haben. Erregung. Körperlicher Kontakt zu einer Frau. Zum ersten Mal nach Jahrzehnten vielleicht. Aber seine Idee, sein Gedanke war davon nicht bestimmt. Er wollte helfen…

Dieser Mönch hatte im Gegensatz zu seinem moralisierenden, juristisch denkenden Mitbruder begriffen: Sünde hat immer im biblischen Verständnis mit Beziehungsstörung zu tun. Sünde zerstört Beziehung zu Gott und zum Mitmenschen bzw. zur Schöpfung. Sie verletzt die Gemeinschaftstreue – die חֶסֶד – das barmherzige Miteinander, auf das man sich verlassen kann und das göttlichen Schalom atmet. Wir Westler verstehen dagegen Sünde schwarz-weiß, juristisch, entweder-oder.

So mag das Lügen der Hure Rahab für einen westlichen Christen (der eher griechisch geprägt ist, als jüdisch-biblisch) eine Sünde sein – ein jüdisch geprägter Mensch schüttelt darüber den Kopf: Wieso hat sie gesündigt? Sie hat Menschen gerettet… das nicht zu tun… das wäre ein Bruch der Gemeinschaftstreue gewesen… das wäre Sünde gewesen und Lüge dementsprechend Gott gemäß! Dementsprechend taucht sie dann auch im Stammbaum Jesu auf und wird als herausragender Person des Glaubens gewürdigt im Neuen Testament… eine lügende Prostituierte

Diese Erkenntnis macht das Umgehen und Nachdenken über Recht und Unrecht, über Sünde und Schuld nicht leichter – aber biblischer und Gott gemäßer. Letztlich kann uns auch hier nur der Heilige Geist in alle Wahrheit führen und wir leben diese Wahrheit dann in der Gnade und der Abhängigkeit von Gott…

Die Gebote und Lebensregeln Gottes durch diese biblische Brille neu zu lesen… das dürfte uns nah ans Vaterherz Gottes bringen, der eben: Vater ist. Und kein deutscher Beamter, der auf Einhaltung von DIN-Normen prüft. Und einen solchen Vater möchte man nicht verletzen

(Anmerkung: die Überschrift ist ein Augenzwinkern (1) für die Kenner des frommen Chaoten von Adrian Plass, (2) für all die humorlosen Leute, die wegen der Überschrift zum Artikel gehen und sich dann irgendwie ertappt fühlen… schade eigentlich, hm? Einfach mal drüber schmunzeln, gelle?)

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