Schwach sein erlaubt! Kämpfen auch! (TEIL 4 DER SERIE „NICHT AM AR… VORBEI, SONDERN DIREKT INS HERZ HINEIN)

Warum sind wir dem Evangelium gegenüber so abgebrüht? Seit dem ersten Teil dieser Serie haben wir das erkundet und festgestellt, dass der Glaube auch die Wurzeln, unser Herz erreichen und transformieren muss – und das selten genug tut. Nachlegen kann da wahrscheinlich jeder Christ…

Mit dem Bild des Baumes, der Wurzelprobleme (die den Herzensglauben verhindern) und der verdrehten geistlichen Lebensweise (die sich aus den Wurzelproblemen speist, aber trotzdem sehr fromm aussehen kann…) sind wir dem Geheimnis näher gekommen, warum wir alles so „normal“ finden und uns das Staunen abhanden gekommen ist. Die geistlichen Blätter nehmen das Evangelium nur unzureichend auf, die ungeheiligten Wurzeln verhindern die Nährstoffaufnahme durch den Boden des Heiligen Geistes… Stillstand bzw. sehr begrenzte Aufnahme von allen Seiten… anstatt überquellende Kraft und immergrüne Blätter und Frucht, die wie von selbst entsteht…

Ich möchte in diesem Intermezzo kurz auf die Frage eingehen: Bedeutet denn Glaube, der durchs Herz geht, dass es mir immer gut gehen muss? Immer währende Freude? Letzteres JA! Eindeutig. Sonst würde uns Paulus nicht dazu auffordern. ABER. Großes Aber: wie definiert man diese Freude?

Freude, die von innen kommt, stammt aus dem Herzen Gottes, entspringt im Heiligen Geist und ist von den Umständen unabhängig. Sprich: Mitten im Leid, mitten im Kampf, mitten in schwierigen Umständen ist eine tiefe Geborgenheit und Freude in Jesus Christus erfahrbar.

In einer hedonistischen Welt wird daraus schnell der Kurzschluss gefolgert: Immer währende Freude, erfüllt sein von Gott – das bedeutet doch, dass es mir immer gut geht, dass mein Leben gelingt, alles gesegnet ist (nach meinen Vorstellungen selbstverständlich). Das ist ein Irrtum. Ein individualistischer Kurzschluss! Die meisten Christen, die andere mit ihrem tiefen Glauben inspiriert haben – waren auf der anderen Seite geschlagene, gebeutelte, leidende Kinder Gottes. Und trotzdem „siegreich“ und voller Freude.

Die Begründung dafür findet sich im Herzen Gottes. Wir durchleiden Situationen, Seelenkämpfe, Krankheiten – was auch immer – um sie an Gottes Hand zu bestehen und dann anderen genau an diesem Ort Hilfe und Beistand zu sein (2.Kor 1,4: Auch wenn ich viel durchstehen muss, gibt er mir immer wieder Mut. Darum kann ich auch anderen Mut machen, die Ähnliches durchstehen müssen. Ich kann sie trösten und ermutigen, so wie Gott mich selbst getröstet und ermutigt hat). Gott hat immer den ganzen Leib im Blick. Er macht uns nicht zu geheilten, stets lächelnden Übermenschen – sondern genau wie Jesus selbst – gehen wir in die Tiefe, erleben DORT Gott und Gottes Eingreifen und Nähe und können dann mit dieser Erfahrung anderen nahe sein, die dasselbe erleben.

Genau wie Gott Mensch geworden ist, um in allem versucht zu werden, um alle Schwachheiten zu verstehen, um uns zu begegnen, egal wie tief wir sind – genauso gilt dieser Auftrag auch uns. Und das finde ich immens tröstlich. „Wie der Vater mich gesendet hat – so sende ich euch!“ (Joh 20,22). Wir stehen nicht über unserem Herrn. Es geht nicht um Leidverliebtheit – aber das, was uns Gott zumutet, soll dazu dienen, es zu durchleben und zu bestehen und dann anderen hilfreich zu sein und zu dienen. Jesus hat es gemacht. Wir sollen es machen.

Und IN all dem ist: Freude, Begeisterung, Jubel. Manchmal mitten im Leid. In der Welt – aber nicht in ihr beheimatet – Leben im Riss – Spannungsfelder. Da will uns Gott. Da tanzen wir auf der Fontäne. Da ist es anstrengend – aber da ist es auch unglaublich dynamisch.

Wir sollen nicht zu verwöhnten Prinzen und Prinzessinnen werden – wir sind Königskinder, die auf Augenhöhe mit den Leidenden dieser Welt den Weg zu Gott weisen.

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