Vom „Gott beweisen müssen“, dem Glauben der Physiker, dem Zweifeln an Gott und der Liebe

Liebe

„Ich glaube nur, was ich sehe und beweisen kann“. Diesen Satz hört man oft von kritischen oder atheistischen Zeitgenossen. Und ich höre ihn – auch wenn mir das nicht immer gefällt – auch von mir. Doch dazu später.

Zuerst: Dieser Satz entspringt dem wissenschaftlichen Weltbild des 19. Jahrhunderts. Sehen, beweisen, basta! Alles wird eines Tages beweisbar sein, der Mensch kriegt es in den Griff. Dieser Ansatz ist auch wissenschaftlich längst überholt. Heute wird jeder seriöse Physiker deutlich sagen müssen, dass Wunder und die Existenz Gottes Möglichkeiten sind. Nicht beweisbar – Möglichkeiten. Und das ist genau die Ebene, wo sie hingehören, denn die Beweisbarkeit Gottes wäre sein – und unser – Ende. Zumindest wenn wir vom Gott der Bibel reden…

Wechseln wir zur Liebe. Jeder weiß, dass man eine Liebe damit zerstört, wenn man permanent Beweise dieser Liebe fordert. Natürlich: Liebe trägt Früchte und eine fruchtlose Liebe (oder gar faule Früchte wie Lieblosigkeit, Gleichgültigkeit etc.) darf getrost seelsorgerisch hinterfragt werden. Aber Früchte wachsen „von selbst“ – sie sind nicht heraus zu ziehen, nicht zu fordern. Es macht keinen Sinn, sich vor einen Baum zu stellen und zu brüllen: „Gibst du gefälligst Früchte!“. Der Baum wird sich im Wind wiegen und sein Ding machen.

Wäre Liebe beweisbar, festmachbar an Fakten, dann wäre der Zauber der Liebe verflogen. Liebe ist aber Vertrauen, Glaube an den anderen, Hingabe, Entscheidung. Das ist das Besondere der Liebe jenseits der erotischen Anziehung. Es entsteht ein Schutzraum der Gnade, in dem man sich nicht dauernd beweisen muss.

Sollte es bei Gott anders sein?

Nun ist die Beziehung zu einem persönlichen Gott keine auf Augenhöhe und gleichzeitig doch (durch Jesus Christus). Es gibt viele Parallelen. Die Bibel verwendet sie. Wäre Gott beweisbar, dann wäre uns die Freiheit genommen, ihn zu lieben. Ihm zu vertrauen. Diese Beziehung sollte Früchte tragen – deswegen ist es für jedes Kind Gottes auch so wichtig, das „sola experientia“ zu erleben, die Erfahrung Gottes. Ohne diese Erfahrung schwindet das Vertrauen… aber einfordern kann man sie nicht! Das Vertrauen steht am Anfang, die Hingabe… nicht die Erfahrung. Und Gott zu beweisen – alles verstehen zu wollen – das ist nur ein müder Ersatz, ja der Tod für das Vertrauen, für den Glauben…

Und hier trifft dieser Gedankengang mich… denn wenn das Leben schief läuft, Freunde verloren gehen, Menschen enttäuschen, man betrogen wird, Krankheiten entstehen, man arbeitslos wird… dann kommt der Gedanke: Gibt es diesen Gott überhaupt und meint er es gut? Wenn die Erfahrungen ausbleiben, dann beginnt das Suchen und das Machenwollen von Erfahrungen… und was macht Gott? Er führt in die Wüste und somit in die Wüstenerfahrung… und stellt mir die Frage: „Was bleibt eigentlich von dir, wenn dir alles genommen wird? Geht es dir um mich oder um meine Gaben, die dir gefallen müssen…?“ Gottes Liebe treibt in die Wüste – denn Glaube heißt Vertrauen, nicht beweisen und nicht „Alles im Griff haben“ und nicht „alles gelingt“… doch dazu später mehr…

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