Wenn sich Leben und Glauben in einer Wüstenzeit befinden – oder: das Geschenk der Wüste (Teil 1)

Eine alte Geschichte aus Nordafrika erzählt von einem Beduinen, der sich immer wieder der Länge nach auf dem Boden legt und sein Ohr in den Wüstensand drückt. Stundenlang horcht er in die Erde hinein. Verwundert fragt ihn ein Missionar: «Was machst du da eigentlich auf der Erde?» Der Beduine erhebt sich und antwortet: «Freund, ich horche, wie die Wüste weint, sie möchte so gerne ein Garten sein!»

Wüstenzeiten. Ob mit oder ohne Gott – jeder Mensch kennt sie. Die meisten Menschen fürchten sie. Ich fürchte, viele halten die Wüstenzeit schon für den Normalzustand und glauben nicht mehr an das gelobte Land oder haben von diesem noch nie gehört.

Jemen Wüste

Ich schreibe als jemand, der gerade nach 16 Jahren eine bestimmte Wüstenzeit beendet hat und nun langsam den Sand verlässt, sich die Körner von den Füßen tritt und den saftigen Boden einer Wiese betritt. Meine Frage ist gerade eher, wie ich – nachdem ich die Wüste verlassen durfte – nun dabei helfen kann, dass die Wüste mich verlässt. Aber das ist ein eigenes Thema. Ich möchte von meinen Erfahrungen und biblischen Einsichten reden. Vom richtigen Umgang mit der Wüste. Vom Überleben und verwandelt werden…

Wüstenzeiten entstehen von außen oder von innen getriggert. Äußere Umstände lösen sie aus (Arbeitslosigkeit, Verlust, Krankheit) oder aber eben: seelische Veränderungen. Traurigkeit, burnout, Depression. Nachlassende Kraft. Ohne Gott kann man diese Dinge fast nur als Ergebnis eines kalten „Schicksals“ oder „Zufalls“ betrachten. Aber selbst mit Gott, wenn man um die Lektionen der Wüste nicht weiß, gerät man leicht in denselben Strudel und reagiert mit

  • Härterwerden. Das Leben ist hart. Ich muss mich nicht so anstellen. Da muss man durch. Leben ist kein Picknick. Härte und Bitterkeit entstehen – auch gegen Gott!
  • Gleichgültigwerden. Alles lockerer nehmen. Sich selbst und die Umstände nicht so ernst. Cool bleiben. Hier wird keine Mauer der Härte hochgezogen, sondern alles in eine distanzierende Watteschicht gepackt. Auch die Beziehung zu Gott! Den lasse ich ja auch nicht mehr an mich ran…
  • Zerbrechen. Und zwar gottlos. Hinein in die Verzweiflung. Das schlimmste Szenario.

Manche, vielleicht viele Menschen verlassen die Wüste nicht mehr. Sie verharren oder zerbrechen in ihr. Beginnen irgendwann – um zu überleben – zu behaupten, das Leben sei so. Ein Jammertal. Die Wüste als Normalzustand. Oder erreichen irgendwann eine Oase (geistl. Erfahrung, Konferenz, ein neues Buch, ein kleiner Fortschritt) und glauben, diese Oase sei bereits das gelobte Land. Gut, dass Gott so gnädig ist, uns dann wieder in die Wüste zu schicken. Gnädig? Ja – gnädig. Aber dazu kommen wir später.

Gibt es Alternativen? Ja. Dazu muss man wissen, was sie soll, wie man in der Wüste lebt, wie man sie verlässt. Irgendwann. Denn ob und wann wir sie verlassen, das hängt an uns. Ob wir 40 Tage in ihr sind wie Jesus oder dazu verdammt sind, 40 Jahre in ihr zu kreisen, weil man diese Lektionen nicht lernt… Willst du das? Ich nicht. Ich will kapieren, warum Gott mir Wüste zumutet…

…und wenn ich das Ohr in den Sand meines Herzens drücke, dann höre ich ein Weinen, eine Sehnsucht nach dem gelobten Land, nach Gott selbst. In einem wichtigen Bereich meines Lebens und meines Herzens habe ich diese Wüste nun verlassen. Meine Erfahrungen werden hier Stück für Stück einfließen…

(to be continued)

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