Wenn sich Leben und Glauben in einer Wüstenzeit befinden – oder: das Geschenk der Wüste (Teil 2: Grundlagen)

(2. Teil einer Reihe, die hier beginnt)

Desert

Wüstenzeit. Als Teil eines ganz normalen geistlichen Lebens? Wie begründet man das? Muss das denn sein? Ist das zwangsläufig? Die Antwort lautet schlicht: Ja.

Alle großen Personen der Bibel haben Wüstenzeiten durchlaufen, an deren Ende eine neue Einsicht von Gottes Größe, ein Zerbruch, eine Neuorientierung stand. Aber manches ist auch schlicht schief gelaufen. Die Bibel ist da radikal ehrlich und präsentiert keine Heldenlegenden… wie hilfreich für uns „Otto Normalverbraucher’… 😉

Das Urbild der Wüstenzeit ist die 40 Jahre dauernde Wanderung der Israeliten durch eine relativ mickrige Wüste. Immer im Kreis, immer wieder. Versorgt von Gott, an die Grenzen gebracht, verstockt, bockig, ungläubig, rebellisch, trotzdem geliebt, begleitet. begnadigt… so sehr, dass schließlich die Generation der Wüste das gelobte Land sehen, aber nicht betreten durfte. Eine Mahnung an uns! Hebräer 4,1.2 spricht von den Menschen der Wüste, die nicht in die Ruhe des gelobten Landes eingehen durften – weil sie den Glauben nicht hatten. Doch auch für Christen ist das gelobte Land längst kein Automatismus…

Aber muss das sein? Wüstenzeit? Gibt es keine geistliche Abkürzung? Jesus selbst geht in eine brutale Wüstenzeit, in der alles auf dem Spiel stand. Aber der Reihe nach und nun wird es faszinierend. Matthäus 2, 15 sagt: „Dort blieb er (Joseph mit Jesus und Maria) bis zum Tod des Herodes. So erfüllte sich, was der Herr durch den Propheten vorausgesagt hatte: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.“ Was für ein seltsamer Vers. Warum aus Ägypten? Jesus wiederholt die Geschichte des Volkes Israel.

  • Israel: Sklaverei in Ägypten – 40 Jahre Wüstenzeit – Freiheit und gelobtes Land
  • Jesus: Exil in Ägypten – 40 Tage Wüstenzeit – Weg in die Freiheit und das gelobtes Land (Reich Gottes) durch Leben, Kreuz und Auferstehung

Jesus zitiert in der Wüste sogar noch Verse über die Wüstenzeit des Israeliten… (5. Mose 8: Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine…). Selbst Jesus musste also Gehorsam und Kampf und Hingabe an den Vater in der Wüstenzeit lernen und durchleben. Haben wir es dann nicht erst recht nötig? Man kann sich dem verweigern, man kann sich die Wüste bunt anmalen, zum Normalzustand verklären und theologisch „belegen“ – es bleibt: Wir werden durch Kreuz und Auferstehung aus der Sklaverei befreit – aber um das gelobte Land mehr und mehr einzunehmen, um in die Ruhe, die tiefe innere Freude zu gelangen, bedarf es der Nachfolge Jesu – und die führt eben auch immer wieder durch die Wüste.

Mich erleichtert das. Der Glaubensweg ist kein einziger Triumphpfad. Gott geht behutsam mit mir in und durch die Wüste. Aus Liebe. Damit ich freier und freier werde, das auszuleben, was er in mir angelegt hat. Und in dir.

(to be continued)

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