Gott in der Fata Morgana – Gott im (manchmal) harten Leben

Traumschlösser

Eine spannende Beobachtung aus der Seelsorge. An mir selbst erlebt und bei vielen, die ich begleite. Wenn Fassaden fallen, Traumgebilde und Verdrängungszeiten zerbröseln… wenn Schmerz hochkommt, Spannung wahrgenommen wird…

… plötzlich ist Gott auf ungeahnte Weise spürbar und nahe! Mitten drin! Schenkt Gedanken, Bilder und Nähe. Tröstet, hält und baut auf. Auf die (eher) unangenehme Erfahrung der Begegnung mit der Wirklichkeit des Lebens und der Seele trifft die heilsame und sich sehr lebendig anfühlende Begegnung mit Gott.

Das ist kein Wunder. Auf der Suche nach dem Paradies, als Reaktion auf Schmerz und Verletzung baut jeder Mensch seine Traumschlösser auf. So sollte die Welt sein und so ist sie erträglich. Als Kind muss er oder sie das. Keine andere Chance. Als Erwachsener stehen dann diese Traumschlösser im Wege herum. Gewohnheitsmäßig bezieht man sie dennoch, wenn die Anforderungen des Lebens und die inneren Spannungen übergroß werden. Solche Fata Morganas fühlen sich eine Zeit gut an – aber man lebt in einer künstlichen Welt. Gewollt und bezogen durch eine eigene Entscheidung. Aber das Leben kommt von vorn und türmt sich in solchen Fluchtzeiten immer bedrohlicher als Brecher vor einem auf…

Gott begegnet seinen Kindern nicht in einer Traumwelt, sondern mitten in der Realität. So schmeckt paradoxerweise die eigene Traumwelt irgendwann schal wie ein zu lange geöffneter Rotwein – während Gott die manchmal harte und schmerzende Realität durch seine Gegenwart schmackhaft und leidenschaftlich machen will.

Was macht das? Die Liebe des Vaters. Er will dir begegnen wie du bist. Mitten in der Scheiße. Er verweigert sich den Traumschlössern und der Suche nach dem Paradies – bis du wieder anfängst, das alles in IHM zu suchen. Mitten im Leben. Nicht in der Fata Morgana.

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